Mein Kalender der APHORISMEN

Dies sind Fundstücke aus meinen eigenen Texten und Notizen – die Liste wird laufend ergänzt werden … Bei Gefallen gerne zitieren – aber mit Quellenhinweis!

21.09.20 – Bargeld ist immer wieder für überraschende Erlebnisse verantwortlich, die uns in einer bargeldlosen Zeit fehlen werden.

21.06.2020 – Von Denkmälern rate ich ab!

11.07.2020 – Zum rheinischen „Es ist nichts so schlecht, dass es nicht …“ gilt genauso die Umkehrung: “ Es ist nichts so gut, dass es nicht …“

25.07.2020 – Unser Widerstand gegen die Banalisierung der Sprache: wir lehren unsere Enkel scheinbar ausgestorbene Wörter wie „allerliebst“, „grandios“ oder „großartig“ (anstatt des g-Wortes … ich mags nicht hinschreiben!) – gerne auch „bonfortionös“.

26.08.2020 – Kinder sind Terroristen im Naturzustand.

26.08.2020 – HUMOR ist die Geschenkverpackung der Verzweiflung.

28.08.2020 – Schöne Bescherung: Was Ihr Euch vom Leben wünscht müsst Ihr Euch selbst geben.

28.08.2020 – Familie ist im besten Falle: ein sicherer Ort im darum fließenden Lebens-Strom, zu dem man zurückkehren und an dem man sich ausruhen kann.

02.09.2020 – (Verständlich nur für Berliner und Berlinerinnen) „Palast der REPLIKEN“ (aka „Humboldt-Forum“ – in der Nachfolge des „Palastes der REPUBLIK“ in Nachfolge eines häßlichen feudalistischen Stadtschlosses) – ein Lehrstück darüber, warum sich eine Gesellschaft die Imitation von etwas Verschwundenem wünscht – sollten wir das eines Tages herausgefunden haben, waren die 800 Mio € wirklich gut angelegt!

21.09.2020 – Die Abwesenheit von Evidenz ist nicht der Beweis für die Evidenz der Abwesenheit eines Phänomens.

05.10.2020 – Aus der Abteilung „Bullshit“: Forbes kürt die Schauspieler, die im vergangenen Jahr am meisten verdient haben … Warum? Prüfen die auch, ob jene das auch „verdient“ haben? Oder ist es ein satirisch gemeinter Hinweis, in welche Filme man NICHT gehen soll?

02.12.2020 – Der Fotograf kann das Wetter nicht ändern – aber er kann was draus machen.

03.12.2020 – Bürger rufen: „Regierung! Tu was gegen die Pandemie!“ – Regierung antwortet: „Ich kann Euch nicht beim Nichts-Tun helfen. Das müsst Ihr schon selber tun!“

13.02.2021 – Im Streit um die METHODE und um das „WIE“ versäumten wir zu leben.

22.02.2021 – Die – vielleicht – schlimmste Seuche, die gerade auf uns zu kommt: „PROUD TO BE SILLY!“.

11.04.2021 – Es werden zu viele Antworten gebrüllt – auf Fragen, die noch nicht einmal gestellt wurden.

 

Als sich Pandemie noch auf Ironie reimte

Aphorismus des Tages:

„Humor ist die Geschenkverpackung der Verzweiflung!“ (Der Brandenburger Tor)

Ist die Pandemie das Problem oder die Lösung?

Ich blätterte in meinen alten Aufzeichnungen während der Pandemie – hatte ich da schon mal die Lösung gefunden?

Unter dem 18.02.2020 fand ich immerhin DIES:

Ich bin mal wieder im Baumarkt unterwegs mit dem Ziel, dereinst wirklich jede noch so kleine und abgelegene Erdkrume im Garten (wenn nötig) zweimal am Tag zu befeuchten (ich tue dies schon im 4. Jahr!).

Die „Einkaufenden“ – die gleichzeitig Pandemie-Teilnehmer sind! – Umkurven sich zunächst elegant mit ihren obligatorischen Einkaufsgefährten in gebotenem Abstand. Unvermittelt stoße ich mitten im Markt auf eine schier unübersehbare Reihe von Menschen, die stoisch vor sich hin dösen: also nehmen wir einmal an, dass dies die Kassenschlange sei – auch wenn die Kassen noch nicht sichtbar ist … aber ich kenne die Richtung: die stimmt.

Immer wieder verlasse ich die Schlange, weil mir einfällt, welchen Adapter-Verteiler-Nippel mit 1/2-Zoll-3/4-Zoll-Übergang ich vergessen habe, um beim Zurückkehren festzustellen, dass ich von den Bewohnern der Schlange in die frei gehaltene Lücke wieder hineingewunken werde. Welche geheime Kraft hat es geschafft, dass plötzlich alle Menschen so aufeinander achten? Wird das von Dauer sein?

Hatte ich schon erwähnt, dass wir gerade in einer Pandemie leben?

Das ist irgendwie aufregend und neu! Das Virus – wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es kein Problem mehr, dass es „sächlichen“ Geschlechts (also eigentlich KEINES Geschlechts) ist. Das ist sogar gut. Da das Wort so viel benutz wird, ist es praktisch, dass wir uns dabei nicht gleichzeitig mit seiner Genderisierung beschäftigen müssen.

Das Virus ist allgegenwärtig – aber unsichtbar. Deshalb beschäftigt es die Phantasie. Das ist aber für Viele problematisch – so ohne visuelle Komponente, quasi abstrakt – aber trotzdem sächlich. Darum haben Wissenschaftler es trotz seiner Kleinheit sichtbar gemacht – und siehe da: es sieht aus wie ein Käseigel mit lauter aufgespießten Bonbel-Kügelchen. Da wir es uns jetzt vorstellen können, hat es jetzt einen Kosenamen: wir sagen Corona zu ihm … äh – zu es? Wieso sagen wir „ihm“ zu „es“? Obwohl es SARS-CoV-2 heißt.

Habe ich schon erwähnt, dass dieses Corona-Virus sau-gefährlich ist?

Besonders für meine Frau und mich – so an die 75 und mit Vorerkrankungen, die alleine dieses Buch füllen würden. Weil es so gefährlich ist (und obwohl es so klein ist), wird das Bild vom Corona immer sehr-sehr groß dargestellt. In einer Talkshow ist das Bild vom CORONA hinten an der Wand meist größer als die „Talkenden“ (eine der schönsten Gender-Bezeichnungen, die ich kenne! Das wäre doch mal ein Name für eine Punk-Band: „Corona und die Talkenden“).

Das Virus spricht zu den Menschen durch sogenannte „Virologen“ („wir logen“? – na egal!).

Habe ich schon erwähnt, dass wir praktisch über nichts anderes mehr sprechen als über Corona? – und Trump natürlich …

Virologen sind extrem vertrauenswürdige Menschen (so eine Art Schamanen der Wissenschaft) die das, was das Virus vor sich hin quatscht, entschlüsseln und übersetzen – und zwar für unsere Regierenden. Die sagen uns dann alle 14 Tag, was wir tun müssen – bzw. eigentlich, was wir NICHT tun sollen – oder was wir nicht sollen müssten … sagen die Virologen, sagen zu uns die Regierenden.

Habe ich schon erwähnt, dass unsere Regierenden sehr klug sind?

Sie wollen uns nicht sagen, dass wir etwas tun  – oder eigentlich lassen – müssen, sondern sie lassen uns das – notfalls sogar durch die Kanzlerin – von den Virologen ausrichten, was wir tun – oder lassen – sollen.

Wir Bürger sind enorm folgsam und tun nicht, was wir lassen sollen.

Es gibt auch ein paar Leute die heulen rum: sie wollen ihr „altes Leben“ wieder und behaupten, es gäbe noch etwas anderes als das Virus. Aber das haben die Virologen noch nicht geschafft, dem Virus das zu übersetzen, damit es sich daran hält.

Schade!

Berlin, 20. Mai 2021

What‘s new Covid-19? – die Zweite

Berlin, 28. Dezember 2020

Versuch einer realistischen Einschätzung unserer Lage.

Rückblickend sehe ich für Deutschland drei maßgebliche Aspekte verantwortlich für die heutige Krisenlage, in der wir – trotz Impfbeginns – immer noch keine klare Sicht auf den zu erwartenden Verlauf der kommenden 12 Monate haben:

  • Mangelnde (wenn nicht gar völlig fehlende!) Vorbereitung auf eine derartige Pandemie-Lage – trotz der vorliegenden Erkenntnisse; wissenschaftliche Erkenntnisse sind in Deutschland (und auch anderen Ländern) offensichtlich immer noch ein „nice-to-have“, das man am besten in der Schublade aufbewahrt … es könnte ja „die Bevölkerung beunruhigen“. Es scheint Regierende zu nichts zu verpflichten und Nicht-Handeln ist bei uns keine Delikt-Kategorie …
  • Ignoranz vieler politisch verantwortlicher (und damit in der Folge dramatisches Fehlverhalten der Bevölkerung aufgrund von Falschinformationen entgegen Warnungen einiger Virologen) zwischen Mai und August 2020. Schon im Mai stiegen mir die Haare zu Berge, wenn ich all die Beweihräucherungen hörte, „wie gut Deutschland bisher durch die Pandemie gekommen sei“. Dies war die maßgebliche Begünstigung einer massiven zweiten Welle – noch einmal verschärft durch die Ignoranz vieler Ministerpräsidenten im Oktober, während die Kanzlerin offensichtlich bereits ein klares Bild der Situation hatte! Die Ministerpräsidenten hatten offensichtlich einen ganz wesentlichen Umstand im Unterschied zum Frühjahr nicht begriffen:
  • Im Oktober standen wir im Grunde einer ganz anderen Pandemie-Situation gegenüber als im März, was die epidemologischen Modellierer zu diesem Zeitpunkt bereits wussten und warnten: im März 2020 gab es einzelne Infektions-Cluster, die durch größere, völlig infiziertenfreie Bereiche von einander  getrennt waren. Im Oktober 2020 waren durch das falsche Management der Pandemie im Sommer die Infektionen in die Fläche eingesickert – zwar waren die Infektionszahlen immer noch RELATIV gering, aber die niedrigen Zahlen waren jetzt in der gesamten Fläche da und strebten (zunächst!) nach Ende der Ferien langsam dem Kipp-Punkt zu, an dem der exponentielle Anstieg scheinbar schlagartig einsetzt und schwer zu bremsen ist – vor allem nicht durch halbherzige Maßnahmen. Dazu kommt der Umstand, dass nun das Leben in Innenräumen statt draußen  stattfindet!

Das bedeutet faktisch, dass wir es damals im Frühjahr und jetzt zum Winter hin mit zwei völlig verschiedenen Infektionsgeschehen dieser Pandemie zu tun haben – worauf die Bevölkerung absolut nicht ausreichend hingewiesen wurde.

Meine persönliche Einschätzung zu unserer Lage in der Covid-19 Pandemie war lange Zeit pessimistisch – deswegen habe ich mich solange zurück gehalten, bis wenigstens an einer der Fronten, an denen die Menschheit derzeit kämpft, ein Hoffnungsschimmer erscheint. Der ist jetzt da – auch wenn es ein kleines Licht am Ende eines sehr langen Tunnels ist: die Covid-19-Impfung, die gerade begonnen hat.

Warum muss die Euphorie gedämpft werden?

Aus einer Handvoll Impfstoff-Produktionsstätten (die es bisher gibt) müssen so schnell wie möglich 7 Milliarden Menschen geimpft werden. Ein zweiter Impfstoff ist in der Endphase der EU-Zulassung (Moderna) und hat in den USA bereits Notfall-Zulassung. Astra-Zeneca scheint zu folgen. Weit über 200 Impfstoffe sind daneben in Entwicklung – umfassende Informationen hierzu in diesem Link.

Warum rechtfertigt das Geschehen um die Impfung dennoch das Aufkeimen von Hoffnung?

Nur 10 Monate nach der Erkenntnis, dass SARS-CoV-2 eine Pandemie ausgelöst hat, stehen mehrere wirksame und (anscheinend) nebenwirkungsarme Impfstoffe zur Verfügung. Üblich waren bisher Entwicklungs-Zeiten von bis zu über 10 Jahren.Für einige Viren, die schon seit Jahrzehnten bekämpft werden, wurde nie ein erfolgreicher Impfstoff gefunden. 

Zwei Faktoren haben wesentlich zu diesem glücklichen Umstand beigetragen:

  • Die SARS-Pandemie 2002/03 (durch Corina-Virus SARS-CoV-1) hatte bereits intensive Arbeiten in dieser Richtung ausgelöst. Wegen der anderen Übertragungs- und Befallsmechanismen, konnte die erste SARS-Epidemie schnell unterdrückt werden. Die Wissenschaft war also hochgradig alarmiert und konnte auf den seit über 15 jahren laufenden Forschungen aufbauen – während Politik und Gesundheitverwaltung in den meisten Ländern den Warnschuss weitgehend ungenutzt zu den Akten legte …  Das wichtigste „Erfolgsrezept“ des „neuen“ Erregers SARS-CoV-2 scheint dabei der Umstand zu sein, dass es bereits während der Inkubationszeit (also VOR dem Auftreten der Symptome bei Infizierten) ansteckend ist (mit hoher Viruslast im Rachenbereich).
  • Mikro- und Molekularbiologie, Gentechnik und verwandte Bereiche der Medizin und Pharmakologie hatten in den letzten 20 Jahren gewaltige Fortschritte gemachtweitgehend unbeachtet von großen Teilen der Gesellschaft. Die einzige gesellschaftliche Reaktion auf die neuen Fähigkeiten der Wissenschaft war eine massiv-negative: eine völlig undifferenzierte Mainstream-Blockade gegen „Gentechnik“. Diejenigen, die es hätten besser wissen müssen, versäumten es möglicherweise auf die Bedeutung der neuen Technologie in der Breite hinzuweisen. Auch gegen Krebs hat sich die mRNA-Technologie seit langem in Stellung gebracht – und wie man sieht ist die Bundesrepublick nicht hinten dran! 

Zusätzlich kam darüberhinaus bei der Impfstoff-Entwicklung der letzten 10 Monate weltweit ein Umstand zum Tragen, der nach meinen Beobachtungen wenig öffentliche Beachtung gefunden hat: in einer massiv weltweit laufenden Pandemie kann wegen großer Infektionszahlen wesentlich schneller und sicherer auf Wirksamkeit geprüft werden als außerhalb einer Pandemie. Theoretisch brauchte man – für die Prüfung auf Wirksamkeit – auch wesentlich weniger als die üblichen 30.000 freiwilligen Impf-Probanden, da die statistisch relevanten positiven Fallzahlen einer solchen Studie auch mit geringeren Probandenzahlen erreicht werden können. Ich gehe davon aus, dass die sogenannten „Notfall-Zulassungen“ (die wir bisher in Europa nicht haben) weitgehend auf diesem Umstand beruhen – mit hoffentlich sorgfältigster Abwägung bezüglich der Nebenwirkungen.

Alle diese Zusammenhänge müssen unbedingt besser kommuniziert werden, sonst müssen wir uns nicht wundern, dass bestimmte Kreise gerade den Umstand, dass die Impfstoffe so schnell gefunden wurden als Beleg für den Verdacht einer – wie auch immer organisierten – Verschwörung und der Behauptung genutzt wird: das sei der Beweis dafür, dass es das Virus gar nicht gibt und nur behauptet wird um uns … ja, und das lesen Sie bitte bei den üblichen Verschwörungsportalen nach.

Die Welt steht aber dennoch hier noch ganz am Anfang: Vor 3 Wochen war Impfstart (Biontec/Pfizer) in Großbritannien, vor 2 Wochen in USA – jeweils mit Notfall-Schnellzulassung – vor 1 Woche erfolgte die reguläre EU-Zulassung und gestern war Impfbeginn in Deutschland (einen Tag früher im Landkreis Harz – das war eine Meldung wert …). Es handelt sich überall um die Erstimpfung – meistens muss ca. 6 Wochen danach eine Zweitimpfung erfolgen, um die volle Wirksamkeit zu erzielen.

Nicht ganz zu vergessen: sowohl Russland als auch China impfen bereits seit einiger (?) Zeit mit nationalen Impfstoffen, bei denen bei Impfbeginn noch nicht einmal die Phase3-Prüfung abgeschlossen war. (Russland meldete den 5.12.20)

Die Logistik für diesen (weltweiten) Impfprozess ist extrem aufwändig und teuer! Betrachtet man die Kosten aber in Relation zu den immensen Kosten, die „lock-downs“ in Wirtschaft und öffentlichen Haushalten der Länder verursachen, sind sie gewissermassen marginal.

Tatsächlich ist es innerhalb der EU gelungen, mögliche (befürchtete!) Impf-Nationalismen weitgehend zu unterdrücken. Ich muss bekennen, dass ich das „innerlich gefeiert“ habe – denn ich halte das für ein Signal der VERNUNFT (und Solidarität): in einer Pandemie kann man das Virus nicht innerhalb eines Landes alleine besiegen (Viren kennen keine Grenzen). Herdenimmunität ist in einer globalisierten Wirtschafts-Welt nicht lokal zu haben!

Blicken wir der Wahrheit ins Auge!

Unsere Ausgangslage ist prekär:

Covid-19_Todesfälle

Bild 1: RKI-Daten für Deutschland am 28.12.2020

Das Impfen der betagtesten Alters-Kohorte – gleichzeitig mit Pflege-Personal ist logisch, um die höchste Rate der Todesfälle als erste zu reduzieren – dabei ist zu beachten, dass inzwischen auch unter 80jährige relevante Todesfallzahlen zu beklagen haben (s. Bild 1).

Insbesondere wird diese Impfreihenfolge zunächst kaum die Infektions-Fallzahlen reduzieren. Das muss weiterhin durch Kontaktbeschränkungen erreicht werden. Vermutlich auch noch mindestens bis Juni 2021 …

Die Wirkung des derzeit verhängten Lock-Down in Deutschland muss abgewartet werden. 

Herbert Börger

Berlin, 28.12.2020