Olaf Scholz – der Unverstandene? – oder: der „Ukrainische Kreidekreis“

Diese Wochen im öffentlichen politischen Diskurs der Bundesrepublik stehen für eine mir schwer fassbare Erscheinung:

Der Bundeskanzler (Olaf Scholz) wird massiv, allumfassend und permanent dafür kritisiert, dass er seinen Amtseid sehr ernst nimmt! Hat es das schon gegeben?

Natürlich spreche ich hier über den Diskurs über die Art und den Umfang der Unterstützung, die wir der Ukraine im Krieg gegen Russland gewähren.

Einflussreiche Moderatoren und politische Beobachter unserer Medienlandschaft verlassen ihren neutralen journalistischen Posten und gerieren sich als selbsternannte politische Moral-Wächter, anscheinend ihrerseits verlassen vom Verständnis für eine extrem komplexe und disruptive Erfahrung.

Parlamentarier lassen sich – scheinbar bedenkenlos – für die Maximalwünsche einer mit uns befreundetet Kriegspartei öffentlich instrumentalisieren. Diese Maximalwünsche, die die Ukraine stellt, sind legitim – aber:

Was wollen wir?

  • Einen Kanzler, der gemäß seinem Eid, den er gegenüber dem Parlament geleistet hat ( „… ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, … werde.“) wohl überlegt ehe er handelt und redet, wobei er seine Worte äußerst sorgfältig wählt?
  • oder einen, der sofort über jedes Stöckchen springt, das ihm die Weltgeschichte – auch tragischerweise! – hinhält, um zu gefallen.

Wenn jene Parlamentarier, die den Bundeskanzler mit der Verantwortung ausgestattet haben, sich zum Thema Waffenlieferungen an eine Kriegspartei eine eigene Meinung gebildet haben, so haben sie die Möglichkeit, im Rahmen des Parlamentes Einfluss auf die Kanzler-Regierungs-Geschäfte zu nehmen. Falsch ist es meines Erachtens, wenn Parlamentsabgeordnete durch die Medienlandschaft touren, um ihrer Meinung zu maximaler Geltung zu verschaffen. Das ist Demagogie – statt Demokratie! Inhaber und Inhaberinnen gut entschädigter Volkvertretungs-Mandate darf man durchaus daran erinnern, dass es für uns sicher viel billiger wäre, wenn wir uns gleich von Talkshow-Runden und Meinungsumfragen regieren ließen. Dann braucht man abschließend nur noch einen Podcast, in dem der Moderator allen anderen Ländern ringsum verkündet, was das deutsche Volk im Moment gerade so meint …

Herr Lanz mag gerne nächtelang darüber diskutieren, warum der Kanzler das Wort „Panzer“ nicht in den Mund nimmt oder warum er nicht längst in die Ukraine gereist ist. Aber er trägt nicht die Verantwortung, die der Bundeskanzler hat.

Ich persönlich bezweifele, dass die Rolle, die der Talk-Show-Moderator Lanz als „Empörungs-Klassensprecher“ übernommen hat, seiner journalistischen Verantwortung gerecht wird.

Geschenkt!

Erschütternd, – und wirklich an journalistischer Naivität schwer zu überbieten – dass sich ein großer Bereich des Medien-Mainstreams völlig unüberlegt auf die bedauerliche Verteidigungsministerin stürzt, die doch nun ihre Waffenkammern bitte plündern möge (ja, und bitte auch gleich die Liste der Inventarnummern veröffentlichen, damit der „Feind“ mitlesen kann! – vorsicht Ironie!). Hat jemand der Herrschaften noch in Erinnerung, dass wir (anders als viele andere demokratische Staaten) eine Parlaments-Armee haben. Und dem Parlament hat die Verteidigungsministerin einen Eid geleistet, für die Verteidigungsbereitschaft des Landes BRD zu sorgen.

Ich sehe erfreut, dass es auch viele Stimmen gibt, die sich sehr verantwortlich mit der schwierigen und komplexen Lage, in der wir stecken, auseinander setzen bzw. diese erklären. Aber es ist für mich besorgniserregend, dass ein so großer Mainstream des politischen Diskurses (besonders auch in den Parteien!) dabei ist, den Pfad des klugen, sachlichen Abwägens zu verlassen.

Ja, die ukrainischen Verantwortlichen stecken in einer dramatischen Existenzkrise ihres Landes und sind dafür verantwortlich, damit fertig zu werden. Da kann man auch mal runter schlucken, dass einer in so einer Lage dem Helfenden in verzweifelter  (ja auch kalkulierter) Ungeschicklichkeit vor den Kopf stößt.

Aber der Bundeskanzler der BRD ist dafür verantwortlich, dass Deutschland NICHT in diesen tragischen Strudel hineingezogen wird – und den Betroffenen dennoch größtmögliche Hilfe zukommen läßt (was die deutsche Bevölkerung nach meinem Eindruck ja auch mal wieder in hohem Maße tut!).

Meine Hoffnung ist: Olaf Scholz hat sehr wohl das komplexe Ganze im Blick – und wird auch weiterhin nicht über jedes Stöckchen springen, das man ihm hin hält. Und er muss nicht umfallen um zu gefallen.

Herbert Börger

Der Brandenburger Tor

21. April 2022

 

Der starke Vielfraß und das Wunderkraut – (k)ein Märchen

Es war einmal (und es war vielleicht auch nicht – wie in türkischen Märchen hinzugesetzt werden soll, wie ich hörte …) ein unglaublich starker Mann. Er saß auf einem schönen, traditionsreichen und fruchtbaren Land. Da er so stark war, die meisten Menschen aber in Ruhe leben wollen, hatte er die Macht im Lande an sich gezogen und man hatte teils aus Bequemlichkeit, teil aus Angst dies zugelassen.

Der unglaublich starke Mann brauchte aber auch unglaublich viel Fressen, um seine Macht, die er immer mehr auf seine einzige Person zugeschnitten hatte zu befriedigen.

Nachdem er schließlich das ganz Land leergefressen hatte und schon fast keiner mehr wagte, seinen Anteil am Ertrag des Landes einzufordern richtete er seinen Augenmerk auf die Grenzen des Landes und sah alle die guten Früchte, die die Menschen dort zur Verfügung hatten.

„Ihr müsst mir davonabgeben!“ rief er denen zu, „denn ich bin unglaublich stark und ich habe nichts, während Ihr im Luxus lebt. Das ist ungerecht!“ Erst drohte er nur – und dann fing er an, sich zu nehmen, was er von den Nachbarn wollte. Erst kleine Portionen, dann immer größere.

Er fraß und fraß.

Die Nachbarn fingen an, an den Grenzen des Vielfraßes stachelige und übel riechende Gewächse anzupflanzen. Aber es half nichts: der unglaublich starke Mann hatte längst aufgehört, irgendetwas zu schmecken oder zu fühlen – weder stachelig noch bitter – nichts schien ihm etwas anhaben zu können. Wenn er dann die Macht übernommen hatte, riss er alles an sich, denn er war inzwischen der Meinung, dass es für die Menschen da draußen historisch viel großartiger sei, unter seiner Macht zu verhungern, als einfach so dahin zu vegetieren, ohne seiner Größe zu dienen.

In seinem Fressens-Rausch hatte der unglaublich starke Mann völlig vergessen an seine liebe Großmutter zu denken. Großmütterchen hatte ihn als Kind gehätschelt und behütet – nun wurde sie von ihm nicht mehr beachtet. Sie war aber jetzt von großer Sorgen gebeugt, darüber, was aus ihrem Enkel geworden war.

Nun gut, sagte sie zu sich, wir haben bei Vladis Erziehung versagt: wir müssen versuchen das wieder gut zu machen. Und so machte sie sich auf den Weg, um ein Kräutlein zu suchen, dass ihren Enkel heilen könnte. Sie zog durch das Land, sie sprach mit allen Weisen des Volkes und bekam dabei so manchen Rat, pflückte dann ein Kraut, das sie dann an seine Leibspeise, das „Oligarchen-Schutzgeld“ , mischte. Aber nichts wirkte, nichts bewegte den Vielfraß zu einer Umkehr.

Eines Tages traf sie eine uralte Frau, die ihr Ur-Ur-Enkelkind auf dem Schoß hätschelte. Die Greisin gab ihr lächelnd folgenden Rat: „Von weisen Männern, die selbst schon ihr Leben lang unter der Macht des unglaublich starken Mannes leben, kannst Du keine Hilfe erwarten. Suche das „Weise Kind“ – es kennt die Lösung. Durchwandere die Dörfer – es könnte in jedem einzelnen sein.“

So durchwanderte die Großmutter des unglaublich starken Mannes viele Dörfer in der Mitte des Landes und beobachtete dort das Leben und achtete besonders auf die Kinder.

Eines Tages fand sie vor einem Dorf ein Kind von etwa 8 Jahren in einem Feld kauern, das sanft und zart ein zierliches Grünpflänzchen zu hegen schien. Es strich über die Blätter des Krautes und zog immer wieder leicht aber über eine längere Zeit daran. Ab und zu erhob das Kind den Blick und lächelte die alte Frau an, die geduldig zu Warten beschlossen hatte, um zu erleben, was hier geschah. Irgendwie hatte sie das Gefühl, hier am Ziel zu sein.

Das Pflänzchen bildete zusammen mit tausenden gleichen Kräutern eine schimmernde Wiese, die sich über den ganzen Talgrund des Baches ausbreitete. Das Kind schenkte seine ganze Aufmerksamkeit aber ausschließlich einer einzigen kleinen Pflanze am Rande der Wiese.

Nachdem die Großmutter dem Kind eine Stunde zugeschaut hatte, fragte sie das Kind: „Wie nennst Du das Kraut – und was tust Du damit: wirst Du es pflücken?“

„Es heißt Wunderkraut“, sagt das Kind, „ja, ich werde es pflücken, aber das dauert noch einige Zeit. Es ist mühselig, aber es erhält uns als Gemeinschaft, sagt meine Urgroßmutter. “

„Was machst Du dann mit dem Kraut?“

„Ich bringe es meiner Urgroßmutter, die mir beigebracht hat, das Kraut zu ernten. Die wird es an unser Abendessen tun, damit es uns stark und gesund erhält.“

„Musst Du jeden Tag so lange Zeit damit verbringen, ein einziges Kraut zu pflücken?“

Inzwischen hatte sich ein alter Mann genähert und setzte sich ein Stück weiter ebenfalls an den Wiesenrand und begann ein Kraut zu hegen.

„Nein, das tut jeden Tag am Nachmittag ein anderes Familienmitglied. Man kann sich eigentlich auch nicht dabei unterhalten, denn ich muss, während ich immer wieder sanft an der Pflanze ziehe, meine Gedanken hinab senden zu den Wurzeln – sie sind zehnmal länger als die Pflanze selbst. Dabei erfahre ich ihre Gesetze und kann sie schließlich mit sanfter Kraft heraus ziehen. Wenn Du hier bleibst, kannst Du erleben, was dann passiert.“

Dann schwieg das Kind wieder und widmete sich – genau wie der alte Mann in der Nähe – nur noch der Pflanze.

Die Großmutter saß da und verlor vollständig das Gefühl für die Zeit, obwohl inzwischen etwa zehn weitere Menschen sich am Wiesenrand dazu gesellt hatten. Deshalb konnte sie hinterher auch nicht genau sagen, wie lange es dauerte, bis sich das Kind aufrichtete und glücklich strahlend das Pflänzchen mit dem langen, unversehrten Wurzelgeflecht daran in die Höhe hielt. Es lief ein freundliches Raunen durch die Menschengruppe – auch mit einem „Gut gemacht, Yuri“ dazwischen.

Das Erstaunlichste aber war, dass in dem Moment, in dem das Kind die Pflanze mit der Wurzel heraus gezogen hatte, ein wundervoller Duft die Luft erfüllte, der bewirkte, dass unmittelbar ein tiefes Glücksgefühl die Großmutter durchströmte. Das überzeugte sie davon, dass hier etwas ganz Besonderes geschah, denn eigentlich war sie durch die Sorge um ihren Enkel schon ganz grämlich geworden.

Das Kind lief zu seiner Urgoßmutter und die Großmutter des unglaublich starken Mannes folgte ihm und lernte nun die Menschen im Dorf kennen, die sie mit freundlicher Gastlichkeit empfingen. Leider musste sie erfahren, dass man das „Wunderkraut“ nicht haltbar machen konnte, damit sie es mitnehmen konnte. Sie musste sich damit begnügen, nun diese Geschichte zu kennen und mit sich führen zu können.

Leider ist es ja gar nicht so verwunderlich, dass „Großmutter Vielfraß“ in gleichem Grade dumm war, wie ihr Enkel stark  zu sein glaubte. Man muss ihr wohl aber zugute halten, dass sie verständlicherweise daran glaubte, dass auch in ihrem Enkel tief drinnen etwas Gutes schlummerte, von dem sie hoffte, dass es durch das Wunderkraut zum Vorschein gebracht werden könnte.

Also ging sie zu ihrem Enkel und berichtete ihm von ihrem Fund und schlug ihm vor, von dem Kraut zu kosten, da es anscheinend die Menschen weise und friedlich mache.

Der unglaublich starke Mann ließ sofort seine Truppen in das Nachbarland einmarschieren und verkündete: „Ihr habt das unglaubliche Glück, dass ich die Last auf mich nehme, auch Euch zu beschützen und für Euch zu sorgen. Zum Ausgleich müsst Ihr mir nur Euren Besitz aushändigen.“ Daraufhin verfiel das Land in großes Elend und eine Hungersnot brach aus, da der Vielfraß ja alles Essbare für sich brauchte.

Aus dem Gebiet des Wunderkrautes ließ er alle Menschen evakuieren, die Region streng bewachen und seine Truppen mussten einen geschützten Korridor bilden, durch den er schließlich zum Wunderkraut gelang. Denn obwohl er glaubte, der stärkste und natürlich weiseste Mann der Welt zu sein – denn er glaubte selbstverständlich selbst alles, was er der Welt ständig über sich und seine Größe bekannt gab – hatte er mittlerweile panische Angst vor dem kleinsten Mäuslein, von dem er annahm, dass es ein Instrument seiner Feinde sei, die ihn vernichten wollten.

Von der Erzählung seiner wunderlichen alten Großmutter glaubte er natürlich kein Wort, sondern befahl, das Wunderkraut mit allen möglichen Werkzeugen und Maschinen auszugraben und zu ernten: aber man roch nichts, wer die matschigen, zerzausten Kräutlein auf seinen Befehl probierte, schmeckte und spürte nichts davon.

Als schon fast alle Flächen, die vom Wunderkraut bewachsen waren, bis auf wenige Kräutlein verwüstet waren, ordnete er an, dass seine Großmutter seinen drei Vizegenerälen ihre Geschichte noch einmal erzählte. Alle drei mühten sich ab, ein Kräutlein mit Geduld heraus zu ziehen. Zwei Vizegeneräle mühten sich vergeblich – dem letzten aber gelang es nach vielen Stunden. Als er den Duft der herausgezogenen Wurzeln wahr nahm, wurden ihm die Last und Verantwortung all seiner Untaten als Helfershelfer des unglaublich starken Mannes schlagartig bewusst und er tötete sich selbst augenblicklich, indem er sich in sein Schwert stürzte. Die anderen beiden Vizegeneräle brachte der Vielfraß eigenhändig um, da sie versagt hatten.

Die Großmutter des starken Mannes kehrte traurig und erschüttert nach Hause zurück. Da wurde ihr heimlich die Nachricht überbracht, dass das Kind, das sie zuerst bei dem Wunderkraut getroffen hatte, in einem Kerker der Hauptstadt gefangen sei. Sofort machte sie sich auf den weg dorthin. Sie verspürte das Bedürfnis, sich bei dem Kind zu entschuldigen.

Das Kind nahm aber die Entschuldigung der Großmutter nicht an. Es sagte:

„Was Du getan hast, hast Du getan und es hatte schreckliche Folgen. Ich kann Dir aber nicht verzeihen, da Du das, was Du tun KÖNNTEST, nicht getan hast – und Du bist die einzige, die es tun kann: versohle Deinem Enkel, der glaubt, ein unglaublich starker Mann zu sein den Hintern … denn Du bist die Einzige, die das tun kann!“

„Ich bin eine schwache, alte Frau,“ erwiederte die Großmutter des starken Mannes, „wie könnte ich meinen Enkel körperlich züchtigen?“

„Du kannst!“ erwiederte das Kind. „Aber Du willst es nicht. Wenn Du es nicht tust, musst Du mit der Schuld leben.“

Zweifelnd machte sich die Großmutter auf den Weg. Sie erkannte aber, dass der Rat des Kindes die einzige Möglichkeit darstellte, an der Situation etwas zu ändern. Sie erwartete, dass der Enkel sie mit einem Schlag zerschmettern würde, wenn sie versuchen würde ihm Gewalt anzutun. Aber sie erkannte, dass es die einzige Möglichkeit sein würde, sich von Ihrer Schuld zu befreien.

So ging sie zu Ihrem Enkel, dem unglaublich starken Mann, legte ihn über das Knie und versohlte ihm den Hinter, dass er drei Wochen nicht mehr sitzen konnte. Dann stellte sie ihn ein Ultimatum: wenn er die Regierung nicht niederlegte, würde sie aller Welt erzählen, dass sie ihn über das Knie gelegt hatte – und es auch noch öffentlich wieder tun, sodass alle es sähen.

Da sah der unglaublich schwache starke Mann ein, dass sein Spiel aus war und zog sich hinter die sieben Berge zurück.

Seine Großmutter aber rief die im Land die Republik aus und machte das Kind und seine Großmutter zu Sonderministern für die Neuaufzucht des Wunderkrautes überall im Lande – und sie lebten glücklich und in Frieden.

Berlin, den 31. März 2022

Der Brandenburger Tor

 

Mein Kalender der APHORISMEN

Dies sind Fundstücke aus meinen eigenen Texten und Notizen – die Liste wird laufend ergänzt werden … Bei Gefallen gerne zitieren – aber mit Quellenhinweis!

21.09.20 – Bargeld ist immer wieder für überraschende Erlebnisse verantwortlich, die uns in einer bargeldlosen Zeit fehlen werden.

21.06.2020 – Von Denkmälern rate ich ab!

11.07.2020 – Zum rheinischen „Es ist nichts so schlecht, dass es nicht …“ gilt genauso die Umkehrung: “ Es ist nichts so gut, dass es nicht …“

25.07.2020 – Unser Widerstand gegen die Banalisierung der Sprache: wir lehren unsere Enkel scheinbar ausgestorbene Wörter wie „allerliebst“, „grandios“ oder „großartig“ (anstatt des g-Wortes … ich mags nicht hinschreiben!) – gerne auch „bonfortionös“.

26.08.2020 – Kinder sind Terroristen im Naturzustand.

26.08.2020 – HUMOR ist die Geschenkverpackung der Verzweiflung.

28.08.2020 – Schöne Bescherung: Was Ihr Euch vom Leben wünscht müsst Ihr Euch selbst geben.

28.08.2020 – Familie ist im besten Falle: ein sicherer Ort im darum fließenden Lebens-Strom, zu dem man zurückkehren und an dem man sich ausruhen kann.

02.09.2020 – (Verständlich nur für Berliner und Berlinerinnen) „Palast der REPLIKEN“ (aka „Humboldt-Forum“ – in der Nachfolge des „Palastes der REPUBLIK“ in Nachfolge eines häßlichen feudalistischen Stadtschlosses) – ein Lehrstück darüber, warum sich eine Gesellschaft die Imitation von etwas Verschwundenem wünscht – sollten wir das eines Tages herausgefunden haben, waren die 800 Mio € wirklich gut angelegt!

21.09.2020 – Die Abwesenheit von Evidenz ist nicht der Beweis für die Evidenz der Abwesenheit eines Phänomens.

05.10.2020 – Aus der Abteilung „Bullshit“: Forbes kürt die Schauspieler, die im vergangenen Jahr am meisten verdient haben … Warum? Prüfen die auch, ob jene das auch „verdient“ haben? Oder ist es ein satirisch gemeinter Hinweis, in welche Filme man NICHT gehen soll?

02.12.2020 – Der Fotograf kann das Wetter nicht ändern – aber er kann was draus machen.

03.12.2020 – Bürger rufen: „Regierung! Tu was gegen die Pandemie!“ – Regierung antwortet: „Ich kann Euch nicht beim Nichts-Tun helfen. Das müsst Ihr schon selber tun!“

13.02.2021 – Im Streit um die METHODE und um das „WIE“ versäumten wir zu leben.

22.02.2021 – Die – vielleicht – schlimmste Seuche, die gerade auf uns zu kommt: „PROUD TO BE SILLY!“.

11.04.2021 – Es werden zu viele Antworten gebrüllt – auf Fragen, die noch nicht einmal gestellt wurden.

 

Als sich Pandemie noch auf Ironie reimte

Aphorismus des Tages:

„Humor ist die Geschenkverpackung der Verzweiflung!“ (Der Brandenburger Tor)

Ist die Pandemie das Problem oder die Lösung?

Ich blätterte in meinen alten Aufzeichnungen während der Pandemie – hatte ich da schon mal die Lösung gefunden?

Unter dem 18.02.2020 fand ich immerhin DIES:

Ich bin mal wieder im Baumarkt unterwegs mit dem Ziel, dereinst wirklich jede noch so kleine und abgelegene Erdkrume im Garten (wenn nötig) zweimal am Tag zu befeuchten (ich tue dies schon im 4. Jahr!).

Die „Einkaufenden“ – die gleichzeitig Pandemie-Teilnehmer sind! – Umkurven sich zunächst elegant mit ihren obligatorischen Einkaufsgefährten in gebotenem Abstand. Unvermittelt stoße ich mitten im Markt auf eine schier unübersehbare Reihe von Menschen, die stoisch vor sich hin dösen: also nehmen wir einmal an, dass dies die Kassenschlange sei – auch wenn die Kassen noch nicht sichtbar ist … aber ich kenne die Richtung: die stimmt.

Immer wieder verlasse ich die Schlange, weil mir einfällt, welchen Adapter-Verteiler-Nippel mit 1/2-Zoll-3/4-Zoll-Übergang ich vergessen habe, um beim Zurückkehren festzustellen, dass ich von den Bewohnern der Schlange in die frei gehaltene Lücke wieder hineingewunken werde. Welche geheime Kraft hat es geschafft, dass plötzlich alle Menschen so aufeinander achten? Wird das von Dauer sein?

Hatte ich schon erwähnt, dass wir gerade in einer Pandemie leben?

Das ist irgendwie aufregend und neu! Das Virus – wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es kein Problem mehr, dass es „sächlichen“ Geschlechts (also eigentlich KEINES Geschlechts) ist. Das ist sogar gut. Da das Wort so viel benutz wird, ist es praktisch, dass wir uns dabei nicht gleichzeitig mit seiner Genderisierung beschäftigen müssen.

Das Virus ist allgegenwärtig – aber unsichtbar. Deshalb beschäftigt es die Phantasie. Das ist aber für Viele problematisch – so ohne visuelle Komponente, quasi abstrakt – aber trotzdem sächlich. Darum haben Wissenschaftler es trotz seiner Kleinheit sichtbar gemacht – und siehe da: es sieht aus wie ein Käseigel mit lauter aufgespießten Bonbel-Kügelchen. Da wir es uns jetzt vorstellen können, hat es jetzt einen Kosenamen: wir sagen Corona zu ihm … äh – zu es? Wieso sagen wir „ihm“ zu „es“? Obwohl es SARS-CoV-2 heißt.

Habe ich schon erwähnt, dass dieses Corona-Virus sau-gefährlich ist?

Besonders für meine Frau und mich – so an die 75 und mit Vorerkrankungen, die alleine dieses Buch füllen würden. Weil es so gefährlich ist (und obwohl es so klein ist), wird das Bild vom Corona immer sehr-sehr groß dargestellt. In einer Talkshow ist das Bild vom CORONA hinten an der Wand meist größer als die „Talkenden“ (eine der schönsten Gender-Bezeichnungen, die ich kenne! Das wäre doch mal ein Name für eine Punk-Band: „Corona und die Talkenden“).

Das Virus spricht zu den Menschen durch sogenannte „Virologen“ („wir logen“? – na egal!).

Habe ich schon erwähnt, dass wir praktisch über nichts anderes mehr sprechen als über Corona? – und Trump natürlich …

Virologen sind extrem vertrauenswürdige Menschen (so eine Art Schamanen der Wissenschaft) die das, was das Virus vor sich hin quatscht, entschlüsseln und übersetzen – und zwar für unsere Regierenden. Die sagen uns dann alle 14 Tag, was wir tun müssen – bzw. eigentlich, was wir NICHT tun sollen – oder was wir nicht sollen müssten … sagen die Virologen, sagen zu uns die Regierenden.

Habe ich schon erwähnt, dass unsere Regierenden sehr klug sind?

Sie wollen uns nicht sagen, dass wir etwas tun  – oder eigentlich lassen – müssen, sondern sie lassen uns das – notfalls sogar durch die Kanzlerin – von den Virologen ausrichten, was wir tun – oder lassen – sollen.

Wir Bürger sind enorm folgsam und tun nicht, was wir lassen sollen.

Es gibt auch ein paar Leute die heulen rum: sie wollen ihr „altes Leben“ wieder und behaupten, es gäbe noch etwas anderes als das Virus. Aber das haben die Virologen noch nicht geschafft, dem Virus das zu übersetzen, damit es sich daran hält.

Schade!

Berlin, 20. Mai 2021

What‘s new Covid-19? – die Zweite

Berlin, 28. Dezember 2020

Versuch einer realistischen Einschätzung unserer Lage.

Rückblickend sehe ich für Deutschland drei maßgebliche Aspekte verantwortlich für die heutige Krisenlage, in der wir – trotz Impfbeginns – immer noch keine klare Sicht auf den zu erwartenden Verlauf der kommenden 12 Monate haben:

  • Mangelnde (wenn nicht gar völlig fehlende!) Vorbereitung auf eine derartige Pandemie-Lage – trotz der vorliegenden Erkenntnisse; wissenschaftliche Erkenntnisse sind in Deutschland (und auch anderen Ländern) offensichtlich immer noch ein „nice-to-have“, das man am besten in der Schublade aufbewahrt … es könnte ja „die Bevölkerung beunruhigen“. Es scheint Regierende zu nichts zu verpflichten und Nicht-Handeln ist bei uns keine Delikt-Kategorie …
  • Ignoranz vieler politisch verantwortlicher (und damit in der Folge dramatisches Fehlverhalten der Bevölkerung aufgrund von Falschinformationen entgegen Warnungen einiger Virologen) zwischen Mai und August 2020. Schon im Mai stiegen mir die Haare zu Berge, wenn ich all die Beweihräucherungen hörte, „wie gut Deutschland bisher durch die Pandemie gekommen sei“. Dies war die maßgebliche Begünstigung einer massiven zweiten Welle – noch einmal verschärft durch die Ignoranz vieler Ministerpräsidenten im Oktober, während die Kanzlerin offensichtlich bereits ein klares Bild der Situation hatte! Die Ministerpräsidenten hatten offensichtlich einen ganz wesentlichen Umstand im Unterschied zum Frühjahr nicht begriffen:
  • Im Oktober standen wir im Grunde einer ganz anderen Pandemie-Situation gegenüber als im März, was die epidemologischen Modellierer zu diesem Zeitpunkt bereits wussten und warnten: im März 2020 gab es einzelne Infektions-Cluster, die durch größere, völlig infiziertenfreie Bereiche von einander  getrennt waren. Im Oktober 2020 waren durch das falsche Management der Pandemie im Sommer die Infektionen in die Fläche eingesickert – zwar waren die Infektionszahlen immer noch RELATIV gering, aber die niedrigen Zahlen waren jetzt in der gesamten Fläche da und strebten (zunächst!) nach Ende der Ferien langsam dem Kipp-Punkt zu, an dem der exponentielle Anstieg scheinbar schlagartig einsetzt und schwer zu bremsen ist – vor allem nicht durch halbherzige Maßnahmen. Dazu kommt der Umstand, dass nun das Leben in Innenräumen statt draußen  stattfindet!

Das bedeutet faktisch, dass wir es damals im Frühjahr und jetzt zum Winter hin mit zwei völlig verschiedenen Infektionsgeschehen dieser Pandemie zu tun haben – worauf die Bevölkerung absolut nicht ausreichend hingewiesen wurde.

Meine persönliche Einschätzung zu unserer Lage in der Covid-19 Pandemie war lange Zeit pessimistisch – deswegen habe ich mich solange zurück gehalten, bis wenigstens an einer der Fronten, an denen die Menschheit derzeit kämpft, ein Hoffnungsschimmer erscheint. Der ist jetzt da – auch wenn es ein kleines Licht am Ende eines sehr langen Tunnels ist: die Covid-19-Impfung, die gerade begonnen hat.

Warum muss die Euphorie gedämpft werden?

Aus einer Handvoll Impfstoff-Produktionsstätten (die es bisher gibt) müssen so schnell wie möglich 7 Milliarden Menschen geimpft werden. Ein zweiter Impfstoff ist in der Endphase der EU-Zulassung (Moderna) und hat in den USA bereits Notfall-Zulassung. Astra-Zeneca scheint zu folgen. Weit über 200 Impfstoffe sind daneben in Entwicklung – umfassende Informationen hierzu in diesem Link.

Warum rechtfertigt das Geschehen um die Impfung dennoch das Aufkeimen von Hoffnung?

Nur 10 Monate nach der Erkenntnis, dass SARS-CoV-2 eine Pandemie ausgelöst hat, stehen mehrere wirksame und (anscheinend) nebenwirkungsarme Impfstoffe zur Verfügung. Üblich waren bisher Entwicklungs-Zeiten von bis zu über 10 Jahren.Für einige Viren, die schon seit Jahrzehnten bekämpft werden, wurde nie ein erfolgreicher Impfstoff gefunden. 

Zwei Faktoren haben wesentlich zu diesem glücklichen Umstand beigetragen:

  • Die SARS-Pandemie 2002/03 (durch Corina-Virus SARS-CoV-1) hatte bereits intensive Arbeiten in dieser Richtung ausgelöst. Wegen der anderen Übertragungs- und Befallsmechanismen, konnte die erste SARS-Epidemie schnell unterdrückt werden. Die Wissenschaft war also hochgradig alarmiert und konnte auf den seit über 15 jahren laufenden Forschungen aufbauen – während Politik und Gesundheitverwaltung in den meisten Ländern den Warnschuss weitgehend ungenutzt zu den Akten legte …  Das wichtigste „Erfolgsrezept“ des „neuen“ Erregers SARS-CoV-2 scheint dabei der Umstand zu sein, dass es bereits während der Inkubationszeit (also VOR dem Auftreten der Symptome bei Infizierten) ansteckend ist (mit hoher Viruslast im Rachenbereich).
  • Mikro- und Molekularbiologie, Gentechnik und verwandte Bereiche der Medizin und Pharmakologie hatten in den letzten 20 Jahren gewaltige Fortschritte gemachtweitgehend unbeachtet von großen Teilen der Gesellschaft. Die einzige gesellschaftliche Reaktion auf die neuen Fähigkeiten der Wissenschaft war eine massiv-negative: eine völlig undifferenzierte Mainstream-Blockade gegen „Gentechnik“. Diejenigen, die es hätten besser wissen müssen, versäumten es möglicherweise auf die Bedeutung der neuen Technologie in der Breite hinzuweisen. Auch gegen Krebs hat sich die mRNA-Technologie seit langem in Stellung gebracht – und wie man sieht ist die Bundesrepublick nicht hinten dran! 

Zusätzlich kam darüberhinaus bei der Impfstoff-Entwicklung der letzten 10 Monate weltweit ein Umstand zum Tragen, der nach meinen Beobachtungen wenig öffentliche Beachtung gefunden hat: in einer massiv weltweit laufenden Pandemie kann wegen großer Infektionszahlen wesentlich schneller und sicherer auf Wirksamkeit geprüft werden als außerhalb einer Pandemie. Theoretisch brauchte man – für die Prüfung auf Wirksamkeit – auch wesentlich weniger als die üblichen 30.000 freiwilligen Impf-Probanden, da die statistisch relevanten positiven Fallzahlen einer solchen Studie auch mit geringeren Probandenzahlen erreicht werden können. Ich gehe davon aus, dass die sogenannten „Notfall-Zulassungen“ (die wir bisher in Europa nicht haben) weitgehend auf diesem Umstand beruhen – mit hoffentlich sorgfältigster Abwägung bezüglich der Nebenwirkungen.

Alle diese Zusammenhänge müssen unbedingt besser kommuniziert werden, sonst müssen wir uns nicht wundern, dass bestimmte Kreise gerade den Umstand, dass die Impfstoffe so schnell gefunden wurden als Beleg für den Verdacht einer – wie auch immer organisierten – Verschwörung und der Behauptung genutzt wird: das sei der Beweis dafür, dass es das Virus gar nicht gibt und nur behauptet wird um uns … ja, und das lesen Sie bitte bei den üblichen Verschwörungsportalen nach.

Die Welt steht aber dennoch hier noch ganz am Anfang: Vor 3 Wochen war Impfstart (Biontec/Pfizer) in Großbritannien, vor 2 Wochen in USA – jeweils mit Notfall-Schnellzulassung – vor 1 Woche erfolgte die reguläre EU-Zulassung und gestern war Impfbeginn in Deutschland (einen Tag früher im Landkreis Harz – das war eine Meldung wert …). Es handelt sich überall um die Erstimpfung – meistens muss ca. 6 Wochen danach eine Zweitimpfung erfolgen, um die volle Wirksamkeit zu erzielen.

Nicht ganz zu vergessen: sowohl Russland als auch China impfen bereits seit einiger (?) Zeit mit nationalen Impfstoffen, bei denen bei Impfbeginn noch nicht einmal die Phase3-Prüfung abgeschlossen war. (Russland meldete den 5.12.20)

Die Logistik für diesen (weltweiten) Impfprozess ist extrem aufwändig und teuer! Betrachtet man die Kosten aber in Relation zu den immensen Kosten, die „lock-downs“ in Wirtschaft und öffentlichen Haushalten der Länder verursachen, sind sie gewissermassen marginal.

Tatsächlich ist es innerhalb der EU gelungen, mögliche (befürchtete!) Impf-Nationalismen weitgehend zu unterdrücken. Ich muss bekennen, dass ich das „innerlich gefeiert“ habe – denn ich halte das für ein Signal der VERNUNFT (und Solidarität): in einer Pandemie kann man das Virus nicht innerhalb eines Landes alleine besiegen (Viren kennen keine Grenzen). Herdenimmunität ist in einer globalisierten Wirtschafts-Welt nicht lokal zu haben!

Blicken wir der Wahrheit ins Auge!

Unsere Ausgangslage ist prekär:

Covid-19_Todesfälle

Bild 1: RKI-Daten für Deutschland am 28.12.2020

Das Impfen der betagtesten Alters-Kohorte – gleichzeitig mit Pflege-Personal ist logisch, um die höchste Rate der Todesfälle als erste zu reduzieren – dabei ist zu beachten, dass inzwischen auch unter 80jährige relevante Todesfallzahlen zu beklagen haben (s. Bild 1).

Insbesondere wird diese Impfreihenfolge zunächst kaum die Infektions-Fallzahlen reduzieren. Das muss weiterhin durch Kontaktbeschränkungen erreicht werden. Vermutlich auch noch mindestens bis Juni 2021 …

Die Wirkung des derzeit verhängten Lock-Down in Deutschland muss abgewartet werden. 

Herbert Börger

Berlin, 28.12.2020

 

Whats New Covid-19 ? – die Erste

Berlin, 21.06.2020

Am 7. Januar dieses Jahres stellte ich hier fest, dass 7 Tage nach Jahresbeginn „bereits drei Ereignis-Komplexe mit gewaltigen aber in ihrer Tragweite nicht absehbaren Konsequenzen“ unsere Aufmerksamkeit beanspruchten!

Dies waren:

  • der BREXIT
  • die Klima-Krise in Gestalt der riesigen Flächenbrände in Australien
  • Donald Trump in Aktion als Weltpolitiker

Man beachte: zwei dieser Krisen wurden durch Populisten AUSGELÖST, die Klima-Krise wird durch das Leugnen ihrer Existenz seitens Populisten noch gefährlicher für uns alle. Ich bin mal gespannt, ob meine Enkel diese Augenblicksbewertung eines Tages bestätigen werden.

Da wusste ich noch nicht, dass zusätzlich eine Monster-Krise bereits unterwegs in der Welt war und alles in den Schatten stellen würde: die Pandemie, ausgelöst durch Coronavirus CoV-Sars2.

Die Pandemie ist eine doppelte Krise:

  • eine gesundheitlich oder tödliche Gefahr für die Erkrankten und
  • eine gigantische weltwirtschaftliche Krise, deren Ausmaß noch nicht erkennbar ist.

Auch diese Krise wurde wieder durch Populisten anfangs geleugnet – und wurde dadurch möglicherweise noch viel gefährlicher.

Zu allem Überfluss hat in USA der Präsidentschaftswahlkampf begonnen. Ein Hinweis für unsere Medien: hier wird ausschließlich über TRUMPs Aktivitäten berichtet! Achtung: der Mann hat beschlossen, sich so irre zu präsentieren, dass alle nur auf ihn starren – und er am Ende tatsächlich wieder gewählt wird? Biden muss nur EINEN gravierenden Fehler machen!

Ich muss sagen: ich habe einen wesentlichen Teil meines Lebens im kalten Krieg verbracht – aber das augenblickliche Szenario ist wie der Vorspann einer Dystopie … in der wir allerdings wirklich leben – müssen.

Aber wie in allen anderen Situationen in meinem Leben, werde ich mich auch dieser Herausforderung wieder stellen, auch wenn man den Eindruck bekommen könnte, dass  das  nun das Ende dieser Spezies „homo sapiens sapiens“ einläutet …

Herbert Börger

Der Brandenburger Tor

 

Der Pandemie-Sprengel – Ein Vorschlag zum Schutz von Gesellschaft und Wirtschaft in Zeiten der Pandemie

Die gegenwärtige Corona-Krise offenbart ein für ein Land wie die BRD massives Problem:

Aus epidemologischer Sicht wäre ein drastisches Ausgangsverbot so früh wie möglich das wirksamste Mittel zur Reduzierung der Zahl der Infizierten gewesen – verbunden mit dem sofortigen Shutdown der Wirtschaft.

In der BRD ist bei dieser Pandemie-Krise der „Shutdown“ in 3-4 Stufen gemacht worden, aber immer für ALLE pauschal im gesamten Bundesgebiet. Diese Vorgehensweise zieht den Prozess in die Länge, maximiert den wirtschaftlichen Schaden und gefährdet eine große Zahl von Existenzen… Der Staat muss gigantische Mittel ausgeben, um die schlimmsten Folgen zu kompensieren – wodurch wir in der Folge alle ärmer werden durch steigende Steuern und Preise. Es ist dabei auch schwer bis fast unmöglich, soziale Gerechtigkeit in diesem Prozess zu wahren.

Das eigentliche Ziel der Pandemie-Abwehr ist es ja: die Kontakte der Infizierten überschaubar und nachvollziehbar zu machen, Risikogruppen zu schützen – ohne die normale Wirtschaft komplett lahm zu legen.

Mein Vorschlag:

Die Auslösung eines Pandemie-Krisenfalles, bei dem das unten beschriebene System in Kraft tritt, wird von der Leopoldina begutachtet und vom Bundestag beschlossen, um potentielle Interessenkonflikte bei Regierungsmitgliedern in deser Entscheidung auszuschließen.

Eine faktische landesweite „Kontaktsperre“ ohne Shutdown der Wirtschaft wäre folgendermaßen möglich:

In der Pandemie-Situation wird das gesamte Land in klar definierte „Pandemie-Sprengel“ unterteilt. Man stelle sich vor, dass eine wabenförmige Gitterstruktur auf das Land projiziert wird: damit ergibt sich eine vollständige Abdeckung des Landes mit sechseckigen Bereichen von ca. 2 – 10 km Kantenlänge (2 – 6 km2). Die Lage der Kanten wird konkret in jedem Bereich durch Ortsränder, größere Straßenzüge etc bestimmt, wodurch unregelmäßige, zum Teil krummlinige, sechseckige Bereiche entstehen. Enge regionale Wirtschaftsbezüge werden dabei berücksichtigt, um z.B. Mitarbeiter nicht von ihren Arbeitsstellen abzutrennen. Wie groß soch ein Quarantäne-Bereich sein sollte, müssen Fachleute analysieren. Möglicherweise ist aber eine Kleinstadt als ganzes schon zu groß für eine wirksame Quarantäne.

In diesen Pandemie-Sprengeln bleibt während der Pandemie fast ALLES in Betrieb: Schulen, Einzelhandel, Dienstleister, Galerien, kleine Bühnen, Gastronomie, Kinos. Es gibt kein Kontaktverbot und kein „zu Hause bleiben“. Die einzigen generellen Beschränkungen sind ABSTANDSGEBOT, Hygiene-Vorschriften und keine Großveranstaltungen.

Und: der Pandemie-Sprengel darf nicht verlassen werden, ohne eine Genehmigung/Begründung. Urlaubsreisen sind solange ausgeschlossen. Die vorhandenen Hotels lassen sich in dieser Situation vermutlich nicht alle wirtschaftlich betreiben, da der überregionale Austausch stark begrenzt ist.

Es sollte eine zuverlässige Pandemie-Smartphone-App geben und das zuständige Gesundheitsamt verfolg strikt alle auftretenden Infektionen zurück.

Durch diese Art von „Sprengel-Quarantäne“ in wirtschaftlich-sozial funktionsfähigen Einheiten wird den Menschen vor Ort die Fortsetzung ihres normalen Lebens und die Funktion der regionalen Wirtschaft ermöglicht, mit der Sicherheit, dass eine unkontrollierte Ausbreitung großer Infektionswellen vermieden wird, bzw. Infektionsausbrüche schnell lokal beherrscht werden können.

Alle Liefertransporte des Einzelhandels, der Landwirtschaft und der Industrie, werden strikt registriert und die Übergabe von Ladungen zum Beispiel an Supermärkte wird nach einem „schleusenähnlichen“ System organisiert, damit möglichst wenig oder nur streng nach Hygieneregeln abgewickelter Kontakt mit den Bewohnern des Sprengels statt findet. Für die Fernfahrer müssen geeignete spezielle Unterkünfte (ähnlich den heutigen Asylbewerberunterkünften) mit gesonderten Quarantäne-Bestimmungen eingerichtet werden. Das sollte so ähnlich für alle Massentransporte auch der Industrie gelten, die auch eingebettet in einen oder mehrere Sprengel normal weiter arbeitet. Das System dafür wird vorinstalliert bereit gehalten. Die Kosten dafür (auch die Investitionen) trägt die Allgemeinheit.

Letzteres gilt auch für alle anderen beschriebenen Systeme und Maßnahmen, die innerhalb der kommenden 5 Jahre flächendeckend im Land eingeführt, vorbereitet und installiert werden müssen und damit das Pandemie-Krisenszenario bilden. (Konjunkturprogramm!!!)

Ich habe mich zu dem oben beschriebenen System von dem Gedanken leiten lassen, dass sich bei dieser Pandemie wohl bisher als fast einzige unumstrittene Massnahme das Abstandsgebot zwischen fremden Personen, die nicht in einem Haushalt leben, bewährt hat, um unkontrollierte Ausbreitung von Infektionen in der Öffentlichkeit zu vermeiden.

Ersetzt man nun die Einheit „Personen in einem Haushalt“ durch den beschriebenen regionalen Sprengel-Begriff und die lokale Öffentlichkeit durch das ganze Land, und definiert eine praktikable, kontrollierbare Form des „Abstandsgebotes“ zwischen den „Sprengeln“, dann schafft man eine zweite, landesweit wirksame Barriere gegen die Ausbreitung der Pandemiebei Erhalt von schätzungsweise 85-95% der regionalen Wirtschaftsleistung und der Beschulung und Kinderbetreuung und gleichzeitig einen besseren Schutz der Menschen in Pflege- und Altersheimen. Innerhalb des Sprengels gilt weiterhin zusätzlich die Abstandsregel zwischen haushaltsfremden Personen.

Bei Auslösung dieser Art des Pandemie-Krisenfalles müssten immer vorrangig SOFORT alle Massenveranstaltungen und Urlaubsreisen verboten werden.

Während der aktuellen SARS-CoV-2 – Pandemie wird gerade deutlich, dass die gegenwärtig in der Politik bestehenden und verfügbaren Ethik-Normen nicht ausreichend sind um den entstehenden Konflikt zwischen dem drohenden Tod von Pandemie-Opfern und dem ebenfalls elementaren Erhalt der wirtschaftlich-sozialen Basis der Gesellschaft zu lösen! (Boris Palmer et al äußerten sich hierzu öffentlich naiv und unsensibel – während Wolfgang Schäuble das Themas sehr klug und sensibel angesprochen hat…). Auch der Bundesverfassungsrichter a.D. di Fabio äußerte sich gestern dazu besorgt und wies auf die bestehende Normen-Lücke hin.

Was sagt der Ethik-Rat dazu?

Herbert Börger, Berlin, 28. April 2020

„Shutdown“ im ganzen Land – wie geht es weiter? Leopoldina, übernehmen Sie!

Berlin, den 24. März 2020

In meinem parallel veröffentlichten (und täglich aktualisierten Seuchen-Tagebuch) schrieb ich heute:

Die Menschen brauchen jetzt Perspektiven, wie die Rückkehr zur Normalität organisiert werden kann. Und zwar sehr schnell! Darum muss sich die Politik kümmern – breit unterstützt von der Wissenschaft und Finanzexperten… Wozu haben wir die Akademie der Wissenschaften? Hier sitzen alle Fachrichtungen bereits organisiert zusammen! Wo es keine Modelle und Erfahrungen gibt, weil alles NEU ist, muss man alles in die Waagschale werfen. Das geht nur interdisziplinär!

Ich will hier einige Gedanken dazu zusammenfassen:

Die Antworten einzelner Experten auf die Frage, wie wir das Land wieder einschalten können, ohne in dieselbe Falle zu tappen, kann nicht von einer Fachrichtung kommen. Fragt man den Virologen, bekommt man eine Virologen-Antwort: in 1,5-2 Jahren hat sich die Epidemie (dieser einen Virus-Variante) totgelaufen … Fragt man den Kommunikations-Wissenschaftler, bekommt man Meinungsumfragen als Antwort: So viel Angst haben die Menschen auf einer Skala von 0 bis 7 …

Wenn wir jetzt im gegenwärtigen Zustand und Wissen abwarten würden, bis sich die Neu-Infektionsrate „Null“ eingestellt hat (unter der Annahme, die derzeitigen Maßnahmen reichten aus!) und lassen dann das U-Boot Deutschland wieder einfach auftauchen: dann trifft es irgendwo auf einen übriggebliebenen einzelnen Infizierten – und die ganze Prozedur würde nach 2 bis 3 Wochen wieder von vorne beginnen. Vermutlich.

Nach anderthalb Jahren einer solchen Prozedur im Stop-and-Go würden wir in einem bitterarmen Land aufwachen – neben lauter anderen genauso armen Ländern – RESET!

Bisher kennen wir nur die Infizierten-Zahlen aus ANLASSBEZOGENEN Tests (Symptome oder Kontakt zu einem Infizierten). Derzeit kennt niemand die Zahlen der wirklich infizierten Menschen bzw. der bereits immunisierten (mit vorhandenen Antikörpern).

Als Folge gibt es keinen anderen Weg, als die ganze Bevölkerung pauschal „wegzusperren“.

Wenn eine interdisziplinäre Experten-Gruppe nun die Wege zu einer wirtschaftlich vertretbaren schnellen Rückkehr unseres Landes zur „Normalität“ bei gleichzeitigem Schutz des Lebens aller finden soll, braucht sie ganz sicher aber vor allem eines: WISSEN! Wissen darum, welche Bevölkerungs- und Risiko-Gruppen in welchem Grade infiziert sind – wenn möglich auch bezogen auf jedes einzelne Individuum, das dann auch eigene Schlüsse bezüglich seines Verhaltens ziehen kann.

Dafür braucht man Tests – Tests – Tests … Millionen von Tests in möglichst kurzer Zeit müssen es möglich machen (nicht nur statistisch!) allen Menschen einen baldigen und sicheren Weg zurück zu Arbeit, Schule und Kita, Universität und Kulturleben zu ermöglichen, bevor ein Impfstoff verfügbar ist. Ich kann mir vorstellen, dass einzelne Wirtschaftsbereiche dann bald wieder fast normal arbeiten könnten, während die Hochrisikogruppe der Alten und Vorerkrankten am längsten in Quarantäne gehalten und möglichst durch NACHGEWIESEN nicht-infektiöse (vielleicht sogar immune?) Personenbetreuet werden.

Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass ich den Weg aus dieser schwierigen Lage heraus nur andeutungsweise wüßte – aber ich sehe die praktisch einzige Lösung darin, dass die Wissenschaftler aller Disziplinen gemeinsam jetzt entschlossen nach diesem Weg suchen.

Ich bin sicher, dass die Akademie der Wissenschaften in Deutschland und die Akademien  in vielen anderen Ländern sehen, dass sie hier gefordert sind! Das sind Fragen, die Politiker von Bund und Ländern nicht mehr „freihändig“ aushandeln können/dürfen.

Es swird sich sicher noch die Frage stellen, ob der Weg in die generelle Kontaktsperre und Bewegungseinschränkungen der einzige gangbare Weg war. Vielleicht hat unsere Regierung allzu EINÄUGIG durch die Virologen-Brille auf das Problem geschaut. Vielleicht wäre interdisziplinär verbundenen Wissenschafts-Pragmatikern aufgefallen, dass es mit unseren heutigen Möglichkeiten auch andere Optionen gegeben hätte. Wir leben immerhin 101 Jahre NACH 1919 … Ist Süd-Korea gerade dabei, dafür eine Blaupause zu liefern?

Hätte man vor 2 Monaten mit 5% des gegenwärtigen Scholz’schen Bazooka-Etats eine bessere Lösung finden können? (Massen-Schnell-Tests als oberste Priorität?) Wir wissen es nicht – aber wir sollten nun wirklich durch die Panorama-Brille auf unser Problem sehen.

Grundlegende Prozesse, wie die Rückkehr des Landes in eine NORMALE Situation möglich sein könnten, sollten dabei nicht nur entwickelt, sondern sehr zeitnah (wenigstens in Umrissen) auch zur Bevölkerung kommuniziert werden, denn die Ungewissheit, wie wir da wieder heraus kommen, ist für alle die größte Belastung.

Der Brandunburger Tor

 

Das fängt ja gut an! – Wenn das mal gut geht!

Ich wünsche allen, die diesen Blog lesen, ein gutes und friedliches Jahr 2020 – aber auch denen, die diesen Blog (warum auch immer) nicht lesen sollten …

Als Nachkriegskind (Jg 1945) möchte ich festhalten, dass ich mich nicht an einen Jahresbeginn erinnern kann, der so massiv besorgniserregend auf mich gewirkt hätte. Das Jahr, das nun Tag für Tag unaufhaltsam seinem Ende zustreben wird, ist gerade 7 Tage alt, und es beanspruchen bereits drei Ereignis-Komplexe mit gewaltigen aber in ihrer Tragweite nicht absehbaren Konsequenzen unsere Aufmerksamkeit. Wir wissen, dass wir in allen drei Fällen wenig Einfluss darauf haben:

  1. Der größte Neujahrswunsch von Boris Johnson wird wohl gesichert schon im Januar erfüllt werden. BREXIT will be a fact! Niemand weiß genau, was die Folgen sein werden.
  2. Der Oberbefehlshaber der größten Militärmacht unserer Welt wirft ein Zündholz in ein seit Jahrzehnten auch uns bedrohendes Pulverfass. Die ersten Berichte aus dem direkten Umfeld besagen, dass er keinen Plan hatte … außer vielleicht ein gewisses Absetzungsverfahren gegen ihn aus den Nachrichten zu „bomben“. Das ist ja zunächst mal sicher gelungen. Sogar wir „Normalbürger“ wissen, dass eine Krise schnell geschaffen ist – dass Krisenmanagement aber ein ganz besondere Umsicht und Weisheit erfordert – und manchmal auch die Bereitschaft, Rat einzuholen.
  3. Auf unserem südlichsten Kontinent scheint Rat auch immer teurer zu werden und (gutes) Krisenmanagement eine heiß ersehnte Eigenschaft. In Australien brennen RIESIGE Flächen seit Wochen – mindestens eine kontinentale Katastrophe (oder mehr?). Die deprimierende Erkenntnis für den modernen Bürger, der gewöhnt ist sich darauf zu verlassen, dass die Gemeinschaft in der Lage ist ihre Glieder zu schützen und mit allen Bedrohungen letztlich gut fertig zu werden: diese Brände können nicht gelöscht werden – sie werden brennen solange sie eben brennen.

Hoffen wir, dass die letzte deprimierende Erkenntnis aus Australien nicht auch für das Brexit-Abenteuer und das Pulverfass des Nahen Ostens gilt!

Möge der helle Funke der Weisheit den Geist der Regierenden erhellen!

Sie werden ihn benötigen!

Berlin, 07. Januar 2020

Die Abenteuer des Victor Lustig

Die Abenteuer des Victor Lustig

oder: Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte!

Ein Live-Hörspiel der Lauscherlounge

(Premiere 27.09.2019 in der ufaFabrik, Berlin)

Dies ist der Versuch einer Hörspiel-Kritik (meiner ersten). Sie wird völlig objektiv und frei von jedem Interessenskonflikt verfasst, obwohl – nein: WEIL einer der Autoren und Sprecher der Hauptfigur (Victor Lustig) mein Sohn ist:  Ich beurteile meine Kinder stets gnadenlos kritisch, sachlich und emotionslos…

Was war das gestern Abend?

  • ein Zeit-Drohnen-Flug durch die ersten Lebens-Jahrzehnte eine Mannes, genauer gesagt: eines Hochstaplers und Betrügers aus Passion?
  • Ein Spaziergang über/durch die Salons, Boulevards, Casinos und … am verrückten, überdrehten Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika?
  • Eine präziser Meisterkurs für Hochstapelei und Betrug?

Es war: alles drei!

Zum dritten Punkt muss ich klar feststellen: die 18 EUR für den Preis der Eintrittskarte waren für jemanden, der auf dem Gebiet des Hochstapelns Fortbildungsbedarf hat, eine lächerlich geringe Investition, aus der er im Handumdrehen einen zig-tausendfachen Profit machen kann – wenn er will. Für meine Frau und mich muss ich sagen, dass man nach einer erheblichen gelebten Lebensspanne einiges davon wußte – aus eigener, leidvoller passiver Erfahrung! Aber immerhin: es war auch für uns immer noch beeindruckend aufgrund der großartig systematischen und didaktisch geschickten Methodik. Man bedenke, dass man hier an einem lehrreichen Abend etwas lernen konnte, für das man sonst ein halbes Jahrhundert eigenes Lebens einsetzen muss!

Der mittlere Punkt offenbarte ein ganz großes Genuss-Erlebnis: der Zuhörer stehe alle paar Minuten wechselnd plötzlich als „Beobachter“ in einem Ballsaal, Salon, auf einem Boulevard, in einem Restaurant etc.: um mich herum spannt sich der jeweilige Raum mit unterschiedlicher Weite und Akustik auf – die Dialoge sind auf die natürlichste Weise darin eingebettet. Ich schreibeb ganz bewußt „Beobachter“ – obwohl es ja ein Hörspiel ist – denn mit jeder Szene, die dort akustisch vor uns aufgeblättert wird, projiziert das Gehirn munter und farbenfroh die Bilder der jeweiligen Situation, und es (das Gehirn) schein großen Spaß daran zu haben!

Um diese Erfahrung richtig einzuordnen, will ich kurz beschreiben, womit man als Besucher des Ereignisses „real“ konfrontiert ist:

wir sitzen in einem ganz normalen Theatersaal mit gut 200 Plätzen auf bequemen Stühlen. Die breite Bühne ist völlig schwarz gehalten. An der Hinterwand die Stühle für die Sprecher, an der Bühnen-Rampe die Lesepulte mit Leselampen für die Sprecher.

Rechts davon die beiden Musiker, Schlagzeug und Keyboards.

Links von den Sprechern „haust“ der Geräuschemacher in einem auf den ersten Blick chaotisch wirkenden Gerümpel… das aber tatsächlich eine hoch effizient organisierte Geräuschmaschine darstellt, deren größte Kunst darin besteht, mit so minimalem Bewegungsaufwand zu arbeiten, dass der auf die Story konzentrierte Zuhörer diese Aktivitäten überhaupt nicht wahrnimmt.

Und schließlich stehen die Sprecher direkt vor uns – in aller ihrer mitmenschlichen Normalität: ohne Kostüme und ohne „Maske“. Nichts lenkt unser Gehirn davon ab, den Verlauf der Geschichte selbst prachtvoll zu illustrieren.

Interessant wäre es, zu vergleichen, welche Kosten die Produktion derselben Story in einem Film verursachen würde, im Vergleich zu den Kosten dieser Live-Hörspiel-Produktion. Dabei ist nicht einmal gesichert, dass die Visualisierung, die der Regisseur im Film erzeugt, alle Zuschauer gleichermaßen beglücken würde, wie es die individuelle Visualisierungs-Leistung des jeweiligen Gehirnes im Hörspiel tut.

Gestern Abend war alles aufeinander abgestimmt: ein hervorragendes, professionelles Sprecher-Team, perfekt aufeinander abgestimmte Ebenen von Sprache, Geräusch und (last-but-not-least) Musik – und eine wirklich gute Story.

Bleibt mir, den erste Punkt zu hinterfragen: der Begriff „Drohnen-Flug“ durch die Lebensgeschichte des Victor Lustig gibt mein Erlebnis dieser Performance wieder. So flott und stimmig wie diese Geschichte erzählt wird, kann man nur zu einem Schluss kommen: hier waren  mit dem Autoren-Duo zwei Dramaturgie-Freaks am Werk! Dieser „Zeit-Drohnen-Flug entrollt ein lückenloses Panorama, das uns mit der erschütternden Erkenntnis zurück läßt: dass wir alle irgend wie auch Victor Lustig sind

Kleine Bagatell-Fehler erhöhen nur den Eindruck des perfekten Werkes: die richtige Zuordnung von Magnetpolen kann man für zukünftige Performances leicht korrigieren… und die von Elmar Börger nicht wahrgenommene ausgestreckte Hand von Oliver Rohrbeck ging prima als „Running-Gag“ durch!

Weiter so…

Copyright Herbert Börger, Berlin, 28. September 2019

Der Brandenburger Tor