Das fängt ja gut an – 308

Lob des Netzes – Familienkommunikation

Wenn ich sagen sollte, was unser Familienleben (Eltern knapp über 70, Kinder und Enkel auf ganz Deutschland verstreut) im letzten Jahr am stärksten verändert hat: dies war die Einführung der Familien-Gruppen in einem Messenger-Dienst! Gründer und Organisator ist – wohl typischerweise – der jüngste Sohn gewesen.

Es ist bei uns so organisiert, dass es eine Familiengruppe gibt, in der alle gleichzeitig die Nachrichten sehen, und parallel Einzelkonten, auf denen jeder jeden einzeln ansprechen kann.

Es hat unsere Familie näher zusammengerückt. Und es hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Vor allem auch, weil es keinerlei Zwänge gibt, und spielend leicht zwanglos funktioniert: es ist komplett informell – niemand muss – jeder kann – jederzeit…. oder auch nicht.

Nur: Essens-Fotos zu posten… ist bei uns ziemlich verpönt…

Wichtig: auf dem Messenger nie nach wenigen Minuten jemand drängeln, wo die Antwort bleibt… Dringendes ist immer noch für das Telefon reserviert!

Manchmal ist einen ganzen Tag Stille auf allen Kanälen – manchmal haben wir 90 Nachrichten in einer Stunde. Es kann ein heftiges Blödeln sein, eine wichtige Mitteilung, ein Diskurs über gesellschaftliche oder philosophische Fragen.

Es gibt keine Regel außer der, dass es keine Regel gibt… Man kann fast die Qualität eines F2F-Gespräches (auch zu dritt oder viert) erreichen.

Es ist natürlich vieltausend-fach schneller als ein Briefverkehr, der nur bilateral wäre.

Es ist fast so reaktions-schnell wie ein Telefonat oder Skype – aber: wenn Du eine Nachricht in der Messenger-App sendest, weißt Du, dass Du niemanden störst. Sie schauen es sich an, wenn sie können und wollen. Und wenn es mitten in der Nacht wäre. Also ist es vielemale spontaner – und könnte nur mit einer Telefonkonferenz verglichen werden, die aber aufwändig zu organisieren ist – und bringe mal alle gleichzeitig zusammen!

Messenger-Apps: Allen Familien sehr zu empfehlen!

Aphorismus des Tages: „Es ist leicht über ein Königreich zu herrschen, aber schwer, die eigene Familie zu regieren.“ (Chinesisches Sprichwort)

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 23. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 328

Zwei GUTE Gründe für eine Minderheitsregierung. Dies ist Ihre persönliche Chance – Martin Schulz!

Bevor ich diese Gründe nenne, möchte ich jene Gründe in Erinnerung bringen, die gegen die Neuauflage der Großen Koalition und gegen Neuwahlen sprechen – vor allem aus Sicht der SPD.

Neuwahlen sind von allen Optionen (und eigentlich ist es ja auch keine echte Option, sondern das muss „hingetrickst“ werden…) die schlechteste: Wie „zurück auf Los“ bei Monopoly! Wieder Wahlkampf, wieder diese inhaltsarmen, reduzierten Sprüche von allen Seiten … Monatelang wieder keine konkrete Politik nach Innen oder Außen – und danach würde in wenigen Wochen schon wieder der Bayerische Wahlkampf beginnen! Dies ist der einzige Punkt, in dem unsere sonst so kluge Verfassung keine Vorsorge getroffen hat: dieses Land ist auch so schon fast ständig im Wahlkampfmodus. Das ist eine Katastrophe für die reale Politik… Neuwahlen wären die „Höchststrafe“ für die Bürger – das hat das Land nicht verdient!

Für Martin Schulz persönlich würde dies eine sehr schwierige Situation bedeuten: es würde sich für die SPD – und zuerst natürlich für ihn selbst – wieder die Frage nach dem Kanzlerkandidaten stellen: will/soll er sich wieder hinstellen und so tun als sei er fest davon überzeugt, dass die SPD „stärkste Kraft“ wird? Martin Schulz genießt mein kritisches Wohlwollen: diese Situation hat er nicht verdient. Das Groteske daran wäre: auch für Angela Merkel und die CDU stellt sich eigentlich genau dieselbe Frage… Um so mehr wundert mich, dass sie Neuwahlen ausdrücklich „nicht fürchtet“.

Bei einer erneuten Großen Koalition würde sich die SPD als „Mehrheitsbeschaffer“ trotz anfänglich starker Verhandlungsposition schon alleine dadurch selbst düpieren, dass sie genau das tut, was Angela Merkel will … und kann! – und dass sie die Chance der besseren Option nicht genutzt hat: Angela Merkel in eine Minderheitsregierung zu zwingen – die ihr anscheinend nicht liegt.

Grund eins für die Minderheitsregierung:

Endlich würde der Bürger einmal erfahren, was es heißt, wenn die politischen Prozesse „real time“ zwischen allen politischen Kräften statt finden – dreieinhalb Jahre lang … anstatt dass nach einem mehrwöchigen „Armdrücken“ für vorher ausgefeilschte Ergebnisse möglichst geräuschlos „durchregiert“ wird. Das ist aber die Königinnen-Disziplin der Kanzlerin und der Grund dafür, dass in dem Koalitions-Modell neben ihr alle zum Politzwerg schrumpfen. Das wollen die Menschen nicht mehr! Ein früherer-größerer hätte zur Minderheitsregierung vielleicht gesagt: mehr Demokratie wagen! Anstrengend für die politischen Eliten – aber damit würde deren Image wieder im Wert steigen, wenn gute Arbeit transparenter gemacht wird. Damit könnten die Verkrustungen der Lager-Politik in der BRD aufgebrochen werden.

Grund zwei für die Minderheitsregierung:

Das Parlament wird AUFGEWERTET, bzw. ihm kommt wieder die ihm zustehende Bedeutung zu: anstatt Absegnungs-Institutuion zu sein für zwischen den Koalitionen ausgefeilschten Lösungen, die eigentlich nicht immer alle wollten. Wir werden wieder interessantere Debatten bekommen – und mehr Abgeordnete im Plenum! Genau dies stärkt die Demokratie und schwächt ALLE populistischen Kräfte (nicht NUR die Rechten!).

Sehr geehrter Herr Schulz: nutzen Sie diese Chance – auch für sich selbst – reale Politik im Kräftespiel aller politischen Akteure in der BRD zu machen. Es könne die wichtigen politischen Themen transparent abgearbeitet werden – anstatt unter einem unter Druck ausgehandelten Koalitionsvertrag beschränkt zu agieren.

Wer jetzt kneifte, weil dann die „Gefahr“ bestünde, dass irgendwann im Spiel der politischen Kräfte einmal (zwangsläufig) die AFD mit ihm stimmen wird, der hätte diese Chance eben nicht verdient!

Da werden jene Politiker, die dieses freie Spiel der Kräfte nutzen wollen und können, sich profilieren – und es werden möglicherweise endlich wieder neue Talente sichtbar werden. Eine „ruhige Hand“ des Regierens kann nicht alles zum Stillstand bringen. Aussitzen nicht erlaubt…

Aphorismus des Tages: „Die Regierungen sind gewöhnlich nicht besser als die Regierten.“ (Samuel Smiles, 1812 – 1904, engl. Arzt und Sozialreformer)

 

Bild des Tages: Reserven – Machen Sie es in der Politik wie die Natur: vor harten Zeiten nachhaltige Reserven anlegen!

Reserven

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 3. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 336

Die Bilder in den Köpfen der Bürger – nicht die Sprüche der Politiker – entscheiden das Wahlverhalten des Bürgers in der Situation, wenn er für ein paar Sekunden Wähler ist.

Es gibt Politiker, die das können – entweder weil sie den Zusammenhang kennen und sich Mühe geben oder weil es ihnen halt gegeben ist. Es gibt Politiker, die das nicht können – siehe vorstehend … nur eben „nicht“. Wenn sie es nicht schaffen, können sie trotzdem sehr gute Politiker sein. Das beste Beispiel für mich darin ist derzeit:

Angela Merkel: Sie ist die Absulute Königin derer, die zu großer Macht und Beliebtheit kommen, ohne diese Gabe, „Bilder in den Köpfen der Menschen“ zu schaffen. Ein sehr-sehr typischer Satz für sie war: „Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist.“ Erzeugt es bei Ihnen ein Bild im Kopf? Es führt hier zu weit, danach zu forschen, warum sie trotzdem so erfolgreich war. Ich glaube es lag in dieser extremen Unaufgeregtheit, die Menschen auch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln konnte – verbunden mit einer gewissen Rätselhaftigkeit, die sich darum rankt, wieso sie das eigentlich konnte…. Der  im Zusammenhang mit meinem Thema „Bilder“ aber entscheidende Aspekt bei Angela Merkel ist heute der: es ist ihr „passiert“, dass im Zusammenhang mit Ihr ein einziges, großes, negatives Bild entstanden ist: das Bild der Million Flüchtlinge, die über die Balkanroute nach Deutschland kamen – und ANDERE haben das gestoppt (nicht sie). Das steht ihr heute im Weg wie ein riesiger Felsbrocken, den sie niemals mehr wegräumen können wird. Also wieder ein Beweis für die Macht der Bilder.

Diese Fähigkeit, Bilder in köpfen von Menschen zu generieren, hat nicht mit einem speziellen persönlichen Charisma zu tun. Das beste Beispiel für mich ist derzeit:

Olaf Scholz: als nüchtern und norddeutsch-steif wirkender Typ geltend (ja so ist er wohl auch) kam er ins Amt in Hamburg, sah sich den Schlamassel an, den er bei der Elbphilharmonie geerbt hatte, setzte sich mit den Akteuren zusammen, traf Entscheidungen: und hat heute ein überzeugende Wahrzeichen seiner Stadt, das alle zärtlich „Elphi“ nennen. Das ist das Bild, das sich bei mir mit seinem Namen verbunden hat. Es ist von der Relevanz nicht ganz mit dem Bildzu vergleichen, das Helmut Schmidt an derselben Stelle in HH für unsere Köpfe schuf  – aber doch von ähnlicher Qualität! Es generiert dieses Gefühl: kann eventuell mal ganz dicke kommen – dieser Mensch findet einen Weg.

Martin Schulz: er ist für mich geradezu der Prototyp des Politikers, der viel gutes will – aber die Bilder dafür nicht findet. Er sagt 100.000-mal „mehr Gerechtigkeit“ – aber es entsteht bei mir kein Bild, was das sein soll. Da sind nur Worte und Worthülsen wie die der „hart arbeitenden Menschen“ (dazu auch mein Blog https://der-brandenburger-tor.de/?p=1583 ) – und das obwohl er ein temperamentvoller, rheinischer Mensch ist und bestimmt ehrlich und integer – aber anstatt eigene Bilder zu schaffen, verwurstet er die Ratschläge anderer zu unkenntlichen Botschaften.

Mit der Erkenntnis von den Bildern in den Köpfen komme ich auch dem Phänomen der AfD näher: sie erzeugen ununterbrochen eine Flut von starken Bildern, die in den Köpfen der Bürger sehr unterschiedlich wirken. dafür waren die Nationalsozialisten wirklich perfekte Lehrer – die schon damals erprobten Bilder kommen wieder hervorragend an! Das zeigt, dass man dem mehr entgegensetzen muss als nur hilflose Rufe der Verzweiflung oder die AfD lächerlich zu machen. (Es würde natürlich helfen, wenn sie sich selbst lächerlich macht…)

Gerade haben einige sehr kreative Menschen – „Zentrum für politische Schönheit“ – im Falle „Bernd“ ..äh.. Björn Höcke eine Aktion erfunden, die diese Eigenschaft des Bildes im Kopf haben kann: Diese Aktion hat die Qualität, Höckes unsägliche These von der „180°-Wende in unserer Erinnerungskultur“ mit einem dauerhaften Bild zu brandmarken. Bravo!

Auf der anderen Seite des Nordatlantiks spielt sich gerade ein Drama ab, in dem Bilder in den Köpfen der Menschen eine große Rolle spielen und spielen werden: Präsident Trump hat eine entfesselte Flut von Bildern erzeugt – und ist noch dabei, die das ganze Land USA dramatisch spalten. Das einzige, das schon jetzt feststeht ist, dass durch die immense Flut der Trump-generierten-Bilder die „Marke Trump“ einen gigantischen Wert erreicht hat – unabhängig davon, ob er als Präsident scheitert oder nicht.

Bild des Tages: Übrigens … der Botanische Garten ist immer noch erleuchtet! Erzeugt starke Bilder in den Köpfen! … und zwar Angenehme!

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Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 24. November 2017

Das fängt ja gut an – 338

Wollt Ihr wirklich den großen Verteilungskampf?

Aus meiner Sicht sind dies die Symptome (inländisch):

  • Eine Partei, die „mehr Gerechtigkeit“ verspricht, ist in der BRD nicht annähernd mehrheitsfähig, obwohl die Menschen (verständlicherweise) mehr Gerechtigkeit fordern.
  • Einer Kanzlerin, die völlig entspannt „mit ruhiger Hand“ regiert, wird von immer mehr Seiten vorgeworfen, dass es zunehmend Kontrollverluste gibt – inzwischen nicht nur von Opposition und „Wutbürgern“, sondern von leitenden Staadtbediensteten. (In einer voll funktionsfähigen Exekutive würde dann der Innenminister/Innensenator gefeuert – bei uns bekommt wahrscheinlich der warnende Beamte Schwierigkeiten.)
  • Seit den 60er/70er Jahren ist die demografische Entwicklung prognostiziert worden (das ist nicht schwer – und keine Verschwörungstheorie!), die heute die sozialen Systeme in Schwierigkeiten bringt – weil nicht rechtzeitig (und immer noch nicht!) auf ein solidarisches System für ALLE Bürger umgesteuert wurde.
  • In mehreren der reichsten Länder der Welt (auch und gerade in der BRD) wächst der Anteil der von Armut bedrohten Menschen!

… und international:

  • Der internationale Wettbewerb um die niedrigsten Steuern für Unternehmen ist bis heute nicht gestoppt worden. Die Folgen werden von den untersten Einkomensklassen der betroffenen Staaten bezahlt. Ja, dies ist eine Art modernen Krieges! (Herr Steinbrück hatte – auf seine Art – nicht ganz unrecht…) Der international organisierte Kampf gegen die Steuerflucht wurde viel zu spät begonnen.
  • Die UNO wäre sinnvollerweise die Plattform, auf der in einem solidarischen internationalen System die Folgen von Flucht und Vertreibung (und Armutsmigration) aufgefangen werden sollten – basierend auf der gerechten Ausstattung mit Mitteln aus allen Staaten. Es ist eine Illusion, dass einzelne Staaten oder selbst Europa (oder Australien) für sich dieses Problems Herr werden könnten. Wenn man irgendwo ein Loch gestopft zu haben glaubt, wird woanders ein neues aufreißen. So wird – auf dem Hintergrund einer hoch-problematischen inner-europäischen Geschichte die Lösung dieses Problems innerhalb Europas zunehmend unmöglich. Stattdessen ist aber die UNO in den letzten Jahrzehnten zunehmend geschwächt worden und kann dies nicht leisten.
  • Der neue Nationalismus in Form von Separationismus ist ein deutlicher Indikator dafür, dass schlechte nationale Politik gemacht wird: sonst würden so viele Menschen die innerstaatliche Solidarität nicht aufkündigen.

Und über alle dem schwebt auch noch die drohende Klima-Katastrophe, die weltweit nicht alle gleichermaßen betreffen wird – und damit ein neues, extrem brisantes Solidaritätsproblem, Flüchtlingsproblem und Verteilungskämpfe erzeugen wird!

Wie reagiert (völlig unrational!) ein großer Teil der Bürger in der BRD? – Sie wählen vermehrt Parteien, die nicht regieren wollen, sondern nur im Protest verharren.

Und wie reagiert die politische Klasse der BRD in dieser Lage? – Vier bürgerliche Parteien sind nicht in der Lage, eine stabile Regierung zu bilden. „Wir haben ja eine geschäftsführende Regierung… gähn…“ Die zweitstärkste politische Kraft (SPD) verweigert sich der Regierungs- und Gestaltungsverantwortung (Die sie IHREN Wählern im Wahlkampf versprochen hatte auszuüben!) weil sie Angst vor der Kanzlerin hat, deren Macht gerade sichtbar schwindet. Warum ist die SPD in der Großen Koalition so marginalisiert worden? Weil sie im Kuschelkurs sich in einem Nest mit der Kanzlerin eingerichtet hat, anstatt – wo nötig – zu streiten, dass die Fetzen fliegen.

Liebe Regierende: Regierungspolitik besteht nicht darin, dass ein Koalitionsvertrag brav abgearbeitet wird (oder auch nicht…), sondern darin, dass wirkliche, akute Probleme ernsthaft angegangen werden. Gute Politik ist nicht rückwärts- sonder vorwärtsgewendet – und ohne Streit nicht zu haben.

Liebe Bürger, die geschäftsführende Regierung wird die notwendige Umsteuerung im effektiv bereits herrschenden Verteilungskampf nicht leisten! (Nein, das ist kein Alarmismus!)

Das Versagen der Demokraten ist die größte Gefahr für die Demokratie (es ist ja nicht so, dass es das nicht schon mal gegeben hätte)!

Dies ist nur ein „Vorwort“ – ab morgen werde ich mich mit einzelnen konkreten Problemen befassen.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 22.11.2017

Das fängt ja gut an – 341

Leuchtender Botanischer Garten, Berlin, Steglitz – („Christmas Garden Berlin“)

Hingehen! Sehr empfehlenswert!

Das Konzept des nächtlich phantasievoll erleuchteten Botanischen Gartens wurde hier in Berlin (2. Jahr) anscheinend von den Londoner „Royal Botanic Gardens“, auch „Kew Gardens“ genannt, übernommen, wo das Ereignis heuer schon zum fünften mal stattfindet. Die Marke „Christmas Garden“ ist offensichtlich dem Veranstalter des Konzeptes geschuldet. Dabei ist es – glücklicherweise – weniger ein „Weihnachts-Rummel-Event“, sondern tatsächlich zu sehr großen Teilen eine Licht-Schau, die mit den wunderbaren Schätzen dieses alten Botanischen Gartens wuchert!

In beiden Gärten beträgt die Gesamtlänge der Leucht-Schau-Wege ca. 2 km. Genug, um sich satt zu sehen – mehr hätte für mich auch zu einer Überreizung geführt.

Aber so war die Dosis gut bis reichlich: die Dichte der Leucht-Effekte ist sehr hoch – und es ist meines Erachtens wirklich für jeden genug Ansprechendes dabei. Wir waren zu zwei Generationen und zwei Geschlechtern da (ohne Kinder) und allen drei hat es sehr gut gefallen. Ich persönlich genieße mehr die Szenerien, in denen die beleuchtete Natur die Hauptrolle spielt und schätze die reichlich vorhandenen Glitzer-Effekte („Tanzende Bäume“) nur in zweiter Linie (und eher sparsam eingesetzt): ich war begeistert.

Gerade für mich war der frühe Zeitpunkt unseres Besuches jetzt Mitte November daher ein wirklicher Glücksfall, da ein nennenswerter Teil der Büsche und Bäume noch einen Teil des Laubes hatte, was zu teilweise überwältigenden Effekten führt: wie hier auf dem Bild der absoluten Königin der angestrahlten Bäume zu sehen – die riesige Trauer-Buche!

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Wenn die Blätter bald ganz verschwunden sein werden, wird sich das Bild wieder verändern – und ein neuer Höhepunkt könnte dann eintreten, wenn die Lichteffekte einmal tatsächlich von Schnee überzogen würden…

Ich werde versuchen, bald noch einmal nur zum Fotografieren zurückzukehren. Dann werde ich einen extra Beitrag auf meinem Foto-Blog www.fotosaurier.de veröffentlichen.

In der Nähe der Ein-/Ausgänge waren die mehr „disneypark-artigen“ Effekte wie z.B. die fallenden Sternschnuppen positioniert. Auch diese wirklich ein Hingucker! Die Höhepunkte für die Kinder (Weihnachts-Themen-Skulpturen) waren so kitschig wie sich das gehört in der Mitte des Rundweges positioniert. Da können eltern mit Kindern die Kleinen „bei der Stange“ halten.

Wichtiger Rat: Wander-Schuhe  für diesen Besuch anziehen!

Bild des Tages: Botanischer Garten, Steglitz, Berlin am 18.11.2017

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Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 19.November 2017

Das fängt ja gut an – 355

Guten Tag, Herr Amend!

Sie hatten mir in Ihrem werktäglichen Newsletter versprochen, dass ich bei der Lektüre des Maroldt/Martenstein-Artikels „Ins Scheitern verliebt“ häufig werde lachen müssen…

Hab‘ es gelesen (wir sind Abonnenten!) – ich bin allerdings nicht einmal in die Nähe eines Schmunzelns gekommen. Am meisten habe ich aber in dem Text das anregende Narrativ vermisst – das ja quasi „als Versprechen“ (ungeschrieben) hinter solch einem Titel in solch einer Zeitung steht (sonst würde ich die Zeitung ja nicht lesen…).

Das ist wirklich ein merkwürdiger Artikel: Aneinanderreihung von Zeitungsmeldungen, die wir alle schon aus den letzten 9 Monaten kannten … Erkenntnis? … oder wenigstens Pointe? Keine Glosse aber auch kein Essay – keine Dramaturgie – keine Struktur – der Text atmet vor allem eines: Resignation – und eben auch Elemente genau dieses Zeitgeistes, der sich im Scheitern kuschelig einzurichten scheint.

Mir scheint, Herr Martenstein ist hier (ich kenne seine wöchentlichen Zeitmagazin-Kolumne natürlich) sehr weit unter seinen Möglichkeiten geblieben.

Ich muss wohl auch erkennen, dass ältere Menschen mit meinem Hintergrund über anderes lachen als solche, die sich noch am Puls der Gesellschaft wähnen – ist wohl so! Aber ich bestehe doch auch auf meinen Ansprüchen an guten Journalismus:

Entweder eine saftige, spritzige Glosse…

…oder ein journalistischer Ansatz, der den Anspruch erhebt, den Gründen des Berliner Scheiterns tiefer nachzugehen – und letztlich Konzepte zu finden, da heraus zu kommen.

Daran sollten Sie sich mal machen! – Ich bin schon dran…

Im Angesicht dieses vielfältigen Scheiterns biete ich den Lesern heute eine Auswahl aus drei Ahorismen des Tages passend dazu an:

„Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter.“ (Ralph Waldo Emerson)

„Wenn man denkt, es geht nicht mehr, hat man immer noch zwei Drittel seiner Kräfte.“ (Horst Köhler

„Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel“ (Konfuzius)

Bild des Tages – passend zum Thema:

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Herbert Börger, Berlin, 05. November 2017

Das fängt ja gut an – 357

Donald Trump – vermutlich nur die Marionette ultra-konservativer Kreise in USA?

Wenn man die Meinungsäußerungen und Stimmungen zu Donald Trump aus den USA verfolgt, findet man vermehrt alarmierende Äußerungen der Art:

„OMG – lasst ihn da, wo er ist, sonst wird es erst richtig furchtbar. Der ist nur doof – aber dahinter steht eine Riege bereit, die wirklich gefährlich ist.“

Diese Meinungen stützen sich offensichtlich auf die Tatsache, dass im Falle eines vorzeitigen Scheiterns von Trump als Präsident, Mike Pence als Präsident nachrücken würde. Pence ist einer der fundamentalistischsten Vertreter der breiten und mächtigen ultra-konservativen Evangelikalen- und Kreationisten-Kreise in USA. Hinter Pence sind mehrere Personen dieser Kreise jetzt im Kabinett positioniert: Betsy DeVos ist Bildungsministerin – sie wurde (erstmals in der US-Geschichte) nur durch das Sondervotum des Vizepräsidenten (eben: Pence!) installiert und sitzt damit an einer Schlüsselposition für die Bildung der Zukunft: Ziel ist es anscheinend, Kreationismus möglichst flächendeckend in den Schulen lehren zu dürfen…

Falls jemand mit dem Bergriff „Kreationismus“ (USA-spezifisch) nicht so sehr vertraut ist: Vizepräsident Pence glaubt als Kreationist wortwörtlich, dass die ganze WELT (also der gesamte Kosmos!) vor 6000 Jahren sozusagen „eigenhändig“ von GOTT in 6 Tagen geschaffen wurde. Punkt!

Da die Trennung von Kirche(n) und Staat eine der Säulen der US-amerikanischen Verfassung ist,  sind die Kreationisten bisher damit gescheitert, ihre Lehre (die gleichzeitig natürlich eine strikte Ablehnung der Evolutionstheorie beinhaltet!) in die öffentlichen Schulen (bzw. privaten Schulen, die mit öffentlichen Zuschüssen arbeiten) hinein zu tragen.

Sie hatten aber einen Plan: seit den 90er Jahren wird dazu extra eine Theorie – die angeblich NICHTS mit Religion zu tun hat! – hoffähig gemacht: das sog. „Intelligent Design„. Dies ist eine pseudo-wissenschaftliche Verpackung des Kreationismus. Die gesamte Wissenschaftsgemeinde weltweit einschließlich der USA (mit Ausnahme einer Handvoll einzelner Spinner) hat diesem „Intelligent Design“-Gedanken bescheinigt, pseudo-wissenschaftlich zu sein. Und dem haben sich bis jetzt alle amerikanischen Gerichte, die damit befasst waren, angeschlossen. (Hier sieht man aber wieder, wie wichtig die Personalien des obersten US-Gerichtes eines Tage sein können!)

Intelligent Design tarnt sich als Wissenschaft – es wird darin bestritten, dass dies etwas mit Religion zu tun habe. Es könne eben „irgendeine“ Intelligenz hinter dem „Design“ (= der Schöpfung) stehen. Gleichzeitig laufen aber maßgebliche Vertreter des Denkens (z.B. Pence) herum und verkünden, dass die „Intelligenz“ NATÜRLICH der christliche Gott sei!

Nun ist die Intelligent-Design-Bewegung nicht einfach so eine Spinnerei einiger Ultra-Konservativer in den USA: viele Super-Reiche haben hunderte Millionen Dollar aufgewendet, um Think-Tanks aufzubauen und zu unterhalten, die genau diese Lehre fördern und versuchen gerichtsfest zu machen. Dort steht Betsy DeVos in der ersten Reihe (als Teil eines ganzen Milliardärs-Clans). Zum Beispiel sthen auch Super-Reiche wie die Brüder KOCH dahinter, die angeblich die Wahl Trumps mit ca. 900 Millionen Dollar Spenden maßgeblich mit befördert haben sollen (die aber heute mit T. unzufrieden sein sollen, da er nicht radikal genug vorgeht…).

Alle Informationen, auf die ich mich oben beziehe, stammen aus seriösen Quellen und sind frei zugänglich. Dennoch frage ich mich immer wieder: könnte da auch eine Kampagne dahinter stehen? Gibt es Fake-News in diesem Bereich? Wessen Interessen werden hier vertreten? Ich suche immer wieder nach glaubhaften Informationen der Gegenseite. Das ist eine wichtige Aufgabe der investigativen Presse. Bisher habe ich aber keine Anzeichen gefunden, dass die „Verschwörungs-Theorie“ bezüglich der Ultrakonservativen hinter Trump auf Fake-News beruht…

Die weltweite Wissenschafts-Öffentlichkeit hat ja bereits längst auf  Intelligent Design und Trump-Aktionen (Leugnung menschenbeeinflußter Klimawandel!) reagiert: wir sind in großer Präsenz beim „March for Science“ an die Öffentlichkeit gegangen – gerade in Berlin.

Für mich stellt sich hier die ganz zentrale Frage: wie ist es möglich, dass jemand, der einschließlich seiner Unterstützer-Kreise so eindeutig zu den privilegierten Eliten des Landes gehört, mit einer Kampagne gegen Eliten an die Macht kommt? Das ist ja keineswegs alleine USA-typisch: vielerorts, auch bei uns, gibt es ähnliche Tendenzen.

Die Antwort auf diese Frage, wird sehr viel über den Zustand unserer Gesellschaften verraten. Ich bleibe dran – für Unterstützung dabei wäre ich dankbar!

Aphorismus des Tages:

Pegida ist… betreutes Wütend-Sein in einer Blase – gefühlte Macht… ohne eigenes Nachdenken! (Der Brandenburger Tor)

Bild des Tages: „Nadelbaum“ abstrakt… – Ausschnitt einer Bildecke aufgenommen mit Triotar 50mm f2.9

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Herbert Börger, Berlin, 03.November 2017

Das fängt ja gut an – 359

Die Armut – die Stadt – Fritz Reuter… und ich

Im Nachgang meines Blog-Beitrages zu Stadt und Armut (-364) vor fünf Tagen, fiel mir das folgende Fritz-Reuter-Zitat ein, das man auch häufig in Aphorismen-Sammlungen findet:

Aphorismus des Tages:

Die große Armut in der Stadt kommt von der Poverteh her. (Fritz Reuter – Dichter – 1810-1874, Ut mine Stromtid II, Kap. 38)

Dieser Spruch wird ganz verschieden interpretiert: manche sehen darin den Ausdruck dafür, dass „die Armut (der Eltern) immer wieder neue Armut (der Kinder) gebiert“ – was durchaus so sein kann. Fritz Reuter war der große norddeutsche Dichter des feinsinnigen Humors und der berechtigten, sachkundigen Gesellschaftskritik. Vor allem aber ein vielschichtiger Erzähler gesellschaftlicher Zustände in der Mitte des 19. Jahrhunderts (in Mecklenburg).

Ich selbst kenne Reuters Werke seit meiner Teenager-Zeit (als die Teenie-Mädchen noch Backfische genannt wurden!). Mein Vater hat uns den ganzen langen Harz-Winter durch Reuters Werke vorgelesen…

Den Bräsig-Spruch habe ich immer so wahrgenommen, dass jemand etwas, das er auch nicht versteht, mit einem Fremdwort erklärt, das NICHTS erklärt, sozusagen die Anmaßung von in Wirklichkeit nicht vorhandenen Kenntnissen und Bildung – für die er dann noch große Bewunderung bei seinen Zuhörern erntet.

Um zu entscheiden, was Fritz Reuter nun wirklich gemeint haben könnte, habe ich nach Jahrzehnten mal wieder den Original-Text in der Werkausgabe aufgeschlagen, aus der mein Vater schon vorgelesen hat (Fraktur-Schrift, sehr eng gedruckt – Hempels Klassiker-Ausgabe).

Schon das Auffinden des Textes war ziemlich zeitintensiv, da die Stelle in den Aphorismen-Zitaten meist nicht genau mit Band und Kapitel zitiert wird (und oft auch falsch wiedergegeben wird…).

Ich habe dann das ganze Kapitel erneut gelesen und will gleich sagen, dass auch das Textstudium mir keine völlig eindeutige Entscheidung über die Bedeutung des Teuter-Zitates gebracht hat: vordergründig bestätigt sich zunächst in der direkten Handlung meine o.g. Erinnerung (Pseudo-Erklärung der Armut durch das französische Wort für Armut „poverté“), weil der Bräsig es eben auch nicht weiß… Das schließt aber nicht aus, dass der Autor Fritz Reuter selbst (feinsinnig-hintersinnig wie er ist!) mit der Erzählung eben doch genau das sagen wollte: Armut gebiert immer neue Armut, wenn man nichts gegen die Ursachen tut!

Allerdings prangert die Reutersche Erzählung einen Umstand aus der Zeit von 1848 (das Jahr, in dem die Erzählung spielt) ganz deutlich an: eigentlich sollte es auf Grund der arbeitsrechtlichen Verhältnisse der Tagelöhner in Mecklenburg auf dem Land keine Armut geben – wenn das Arbeitsrecht von den Gutsherren respektiert worden wäre. Er schildert dort sehr drastisch (in Form einer Rede des Inspektor Bräsig) dass der Rittergutsbesitzer „Pomuchelskop“ dieses Recht der Tagelöhner mit Füßen tritt und dass es deswegen eben doch bittere Armut auf dem Land gab, obwohl gerade die Landwirtschaft in normalen Zeiten tatsächlich in der Lage gewesen wäre, alle dort lebenden Menschen gut zu ernähren.

Diesen damaligen Verhältnissen verdanken wir vermutlich auch die Bezeichnung „nach Gutsherrenart“ – mit der der willkürliche Umgang mit dem Recht (vor allem im sozialen Bereich) gemeint ist.

Aber über die Ursachen der Armut in der Stadt, liefert Inspekor Bräsig hier bei Fritz Reuter keine tieferen Erkenntnisse.

Noch ein Nachtrag: Ja – seit neuestem nehme ich die Obdachlosenzeitung („Motz“) immer mit, wenn ich den Verkäufern eine Spende gebe!

Bild des Tages: Diesen wunderbaren Fußboden in der Berliner Gedächtniskirche werden die wenigsten Besucher bei Tag wahrnehmen, da das durch die Kirchenfenster blau gefilterte Tageslicht das Mosaik fast unsichtbar macht. Mir hat es der elektronische Sucher meiner Kamera sichtbar gemacht.

GedächtniskircheBoden

Herbert Börger, Berlin, 01. November 2017

Moment mal….. Herr Martenstein!

Man(N) sollte den Dingen schon auf den Grund gehen!

Sie scheinen ja ein großer Experte für den ostdeutschen Toast zu sein. Ihrem Text fehlt allerdings die Ausgewogenheit in bezug auf die Westdeutschen Dosenravioli!

Diese Dosenravioli können nämlich eine faszinierende Geschichte westdeutscher Nachkriegs-Sozialisierung erzählen.

Stellen Sie sich den Autor dieser Zeilen vor – 17 Jahre jung: er hütet während eines Ferien-Jobs in Hamburg-Rissen das Häuschen von Großonkel/-tante. Tolle Sache – wenn da nicht das Problem mit der Ernährung wäre… „Essen gehen“ oder „Snack kaufen“ war uns 1963 noch nicht als Ernährungsmethode in die Gene geschrieben. Also: Dosenravioli beschafft. Warm machen? Dose in einen großen Topf mit heißem Wasser gesetzt – und warten. (Immerhin: nicht direkt auf die Gasflamme gestellt!) Hunger! Jetzt kommt der Moment: der Dosenöffner wird angesetzt – ein Schlag…. und die ziegelrote, verführerisch duftende Raviolisoße verteilt sich explosionsartig auf die Wände der kleinen Küche!

Den Rest der Geschichte habe ich offensichtlich verdrängt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich damals noch nicht Physiker war, nicht mal werden wollte… weiß auch nicht, ob ich es wegen dieses Ereignisses dann geworden bin.

Festzuhalten ist: ich konnte mit 17 Jahren nicht kochen – nicht mal Dosenravioli konnte ich heiß machen. Mein Vater konnte auch nicht kochen – der hat nicht mal Kaffee gekocht. ABER: meine drei Söhne sind schon in jungen Jahren quasi Sterne-Köche gewesen… jedenfallso im Vergleich zu mir damals! Und das haben sie nicht von mir.

Verantwortlich dafür, das alle unsere Söhne kochen können, ist deren Mutter/meine Frau. Also hat ein kleiner Teil der Menschheit einen Riesen-Schritt gemacht, durch die Kreuzung zweier völlig verschiedener ja fremder Rassen: eine Frau mit einem Mann.

Spannende Frage: hat die neuere Sozialisierungsgeschichte der Ostdeutschen Menschen ähnliche Höhepunkte zu verzeichnen? Können die „neuen Söhne“ dort jetzt auch kochen? Dann dürfte sich das Thema des Toasts ganz von alleine erledigen, ohne dass jemand auf die Straße geht – nicht mal zum Fertig-Snacks holen. Es sei denn, diese Gesellschaft würde sich hartnäckig gegen die Überfremdung (durch Frauen, die wirklich was zu sagen haben) widersetzen…

Übrigens: nur ein gerösteter Toast füllt immer auch die Marmeladenseite!

Gespannt auuf Ihre Rechtfertigung verbleibt

Ihr

Brandenburger Tor

P.S.: Ach ja – noch was: „Ein Toast auf die tapferen Ostdeutschen, die nach fast 50 Jahren ideologischer Regelmentierung (2 Systeme, die sich nur in der Unfreiheit für das Volk einig waren) unermüdlich auf dem langen Marsch in die Demokratie gemacht haben – ohne sich in der Demokratie gleich der Einfachheit halber selbst zum Volk zu erklären.“

Tegel – ein klassischer Merkel-Coup

Ja, wieder einmal so ein typischer Merkel-Moment:

fast beiläufig und unspektakulär, spricht sich die Kanzlerin gegen Tegel-Offenhaltung aus, ohne sich gegen die Offenhaltung von Tegel „in Stellung“ zu bringen…

Wenn die eigene CDU-Couleur vor Ort die Grundrechenarten nicht beherrscht – „Mutti“ jedenfalls KANN rechnen: ca. 300.000 Tegel-Betroffene stehen maximal der Hälfte BER-Betroffener gegenüber. Da die direkt betroffenen  auch noch Beeinflusser von NICHT-Betroffenen sind, liegt die Gesamtzahl der Gruppe noch viel höher. Und zwar unabhängig von Landesgrenzen: es ist Bundestags-Wahlkampf!

Folglich stellt sich die Amtsinhaberin „BUNDES-CDU“ gleichzeitig auf die Seite des Rechtes – wie auch die der größeren Zahl der Betroffenen.

Dass es längere Zeit so ausgemacht galt, dass der Volksentscheid zugunsten der Tegel-Offenhaltung ausgehen sollte, ist einfach nicht plausibel. Dass die Berliner CDU umgefallen ist, sobald sie Gegenwind in ihrer Halung verspürte, spricht nicht von solider Grundhaltung. Aber es wird bei der Bundestagswahl nicht viel schaden, da die Bundes-Parteivorsitzende ja das wieder repariert hat. Somit wird das Thema der Bundes-CDU nicht schaden, der Bundes-SPD trotz der geraden Haltung der Landes-SPD aber auch nicht nützen.

Was den Volksentscheid betrifft: die Mehrheitsbetroffenen bringen sich gerade in Stellung: aus meiner Sicht wäre es unlogisch, dass sich die Mehrheit der Nicht-Betroffenen gegen die Rechtslage und für die Minderheit der Betroffenen entscheidet. Denn: wenn es eines Tages einmal sie selbst betrifft, möchten sie auch, dass das Recht gilt!

Der Autor dieses Textes gehört keiner Partei an und wohnt im Einflugbereich von Schönefeld/BER.

P.S.: Lesen Sie auch meine Glosse von 2009 – in diesem Blog unter „Angela Merkel macht einer Jüngeren Platz„.

Der Brandenburger Tor, 30.08.2017