Das fängt ja gut an – 261

Was ist nur mit meinen Jungs los? …

… ein Schundroman aus der Hauptstadt

Oben auf dem Dach des Willy-Brandt-Hauses: die in die Jahre gekommene SPD sitzt auf dem Gitterträger, der wie das Rostrum einer römischen Galeere in den Hauptstadthimmel ragt, und kuschelt sich an die schlapp herunter hängende rote Fahne. Es war wieder so ein Tag, an dem es über Berlin kaum hell geworden war als schon wieder die ersten dämmerungsgeschalteten Lampen an gingen. Sie fror in ihrem kurz gewordenen 20,5%-Kittelchen. Eigentlich müsste sie ja längst wieder durch Straßen da unten streifen und sich den Menschen anbieten, aber das war augenblicklich sehr frustrierend: so ein junger Schnösel war da in den letzten Tagen aufgetaucht und hatte alle weg geangelt, die ihr möglichst noch den letzten Rest geben wollten – unerhört! Potentielle Wähler, die ihr wohl wollten, fand sie da unten gerade keine mehr…

Außerdem musste sie den Punkt hier oben auf den Dach des Hauses bewachen: denn Kultur-Moni schlich sicher gerade wieder mit einer Millionenspende für ein vergoldetes Kreuz durch die Stadt . Und dieses war eines der letzten säkularen Gebäude der Stadt, auf dem noch kein Kreuz prangte! Fröstelnd zerrte sie an ihrem immer kürzer werdenden Kittel

Schnitt: tief in den Katakomben des Willy-Brandt-Hauses!

Ein bärtiger Mann steht gebeugt vor einem winzig kleinen Waschbecken und wäscht sich seit geraumer Zeit die Hände. Er seift und schrubbt – und schrubbt und seift wieder! „Damit werde ich meine Ehre wieder herstellen“ murmelt er. Er blickt auf seine strahlend sauberen Hände, von denen das kristallklare Wasser abperlt. Er richtet sich auf und blickt in den Spiegel, über dem eine nackte Glühbirne herab hängt und ihn blendet. Er aber hat den Eindruck, dass es seine eigene Erscheinung ist, die ihn blendet. Sein Oberkörper strafft sich. „Damit werde ich wieder vor sie alle hin treten und verkünden, in welche Richtung ich nun gradlinig wie immer gehen werde. Damit will, nein, muss ich alle überzeugen. Großherzig gebe ich dieses größte aller Ämter, das mir anvertraut war, zurück und ziehe mich bescheiden auf die Güter des Außenministeriums zurück.“ Zufrieden und geradlinig blickt er in den Spiegel.

Da dreht sich rasselnd ein Schlüssel im Schloss – die schwere Tür hinter ihm öffnet sich knarzend, schwere Schritte nähern sich, ein riesiger Schatten fällt auf die Gestalt vor dem Spiegel und eine Stimme sagt: „Bist Du bereit? Du weisst ja, was Du zu sagen hast? Und keine Mätzchen!“ Der Mann vor dem Spiegel sackt in sich zusammen – und sagt mit tonloser Stimme: „Ja, Freund Gabriel…“ So hatte er sich das Ende seiner strahlend begonnenen Laufbahn nicht vorgestellt: ein einfacher Bundestagsabgeordneter… was würde Würselen von ihm denken? Und sein arbeitsloser Freund?

Schnitt: wieder auf dem Dach des Willy-Brandt-Hauses.

Das kurze Kittelchen der alternden Meinungsdirne SPD wird ständig kürzer. Sie versucht sich an Erinnerungen aus besseren Zeiten zu wärmen – aber die sind so lange her, davon gehen kaum noch wärmende Strahlen aus. Sie war nicht immer so dünn und ausgezehrt gewesen. Schon nicht mehr jung war sie doch noch eine füllige Schönheit gewesen. Aber in den letzten 30 Jahren ging alles schief. Natürlich war es dumm von ihr gewesen, etwas mit einem eigenen Kind anzufangen, dem ungestümen, damals schon regierungsunwilligen Buben Ernst – dem sie dann ein Kind gebar und das sie an ihrer einst so prallen Brust nährte und der – das undankbare Balg! – sie auszehrte und ihr den ersten entscheidenden Vitalitätsschwund beibrachte. Hatte sie damals versäumt ihren Kindern beizubringen, was Solidarität wirklich bedeutet? Vermutlich… Ja, und Anstand hatten die auch nicht mehr: kurze Zeit später vereinigte der Bankert sich mit einer heimatlos gewordenen aber eben sehr vermögenden Ost-Partei, die im Grunde eine Erbfeindin war, die ihr im Osten schon vorher einmal den Garaus gemacht hatte…

Und heute? Balgen sich die Jungs auf offener Straße, machen sich gegenseitig vergiftete Geschenke und verschieben Posten nach Gutsherren-Art.

„Was soll nur aus mir werden?“ murmelt die alte Frau auf dem Dach des Willy-Brandt-Hauses und schmiegt sich fröstelnd an den Fahnenmast, den sie fest entschlossen ist gegen Kultur-Moni zu verteidigen – ihre letzte Mission?

Herbert Börger

Der Brandenburger Tor, Berlin, 10. Februar 2018

Das fängt ja gut an – 264

Divide et impera – wann stößt Angela Merkel an ihre Grenzen?

„Die Bundeskanzlerin / der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik.“

Ist es dieser Satz, der in der Konsequenz von Koalitionsverhandlungen regelmäßig den Eindruck erweckt: da sitzt einer auf dem Thron – und die Anderen (die das Kanzlerwesen ja zum regieren BRAUCHT!) schleppt körbeweise Forderungen und Wünsche heran, die diejenigen im Falle des „Mitregierens“ gerne umgesetzt haben würden?

Das Thron-Wesen aber läßt sich huldvoll breitschlagen oder lehnt ab – bietet vielleicht eine Tüte Haribo-Konfekt zum Ausgleich …

In diesem Scharmützel würden „gleiche Waffen“ bedeuten, dass gleichzeitig (und vorab) BEIDE Seiten ihre Regierung-Ziele für die Legislaturperiode – ja und in vielen Fällen für die nächsten Jahrzehnte! – vorlegen… rot, gelb, grün gefärbt entsprechend der jeweiligen Prioritäten. Man könnte das sogar als einen Akt der poltischen Höflichkeit bezeichnen – und es würde dann auch aufhören, dass hinterher jemand beim Wähler einen Erfolg verbucht, den eigentlich der andere angestoßen hatte. Man könnte dann auch klar sehen, welche Ziele beide (oder drei) Seiten gleichermaßen angestrebt haben!

Man wird ja noch mal träumen dürfen.

Nun sind die derzeit laufenden Verhandlungen für die sog. „GroKo“ ja in Wirklichkeit solche zwischen drei Parteien (von denen zwei ihre Wählerstimmen traditionell zusammen zählen, diesmal 26,8% + 6,2%). Tatsächlich ist es aber bei einem großen Teil der zu Verhandlungen so, dass die CDU nur in der Mitte sitzt und die „wilden Rangen“ CSU mit 6,2%  die SPD mit 20,5% um die Themen heftig streiten – und Mutti sitzt in der Mitte und moderiert.

In diesem Jahr gibt es da aber eine weitere Komplikation: ein großer Teil der SPD-Mitglieder will das Koalieren ÜBERHAUPT nicht. Der Chef der SPD hat die aber angebettelt, dass er erst mal verhandeln darf – und sie (= alle Mitglieder) dürfen hinterher genehmigen, ob es dann eine Koalition gibt (dauert 3 Wochen). Er hat sich – außer dass er betteln MUSSTE (so geht diese Partei mit ihren Chefs um!) – davon versprochen, dass er damit einen überdimensionalen Druck auf die Gegner ausüben kann: Knüppel-aus-dem-Sack! Ihr erfüllt meine Wünsche – sonst wollen die Meinen das nachher nicht!

Und dann gibt es da noch eine Kleinigkeit: in ca. 6 Monaten ist Landtagswahl in Bayern und die CSU braucht ebenso dringend Erfolge wie die SPD!

Eine Verbindlichkeit bekommt eine Abstimmung innerhalb einer privaten Körperschaft (Partei) nur dadurch, dass der Vorstand der Partei sich verbal vorher dem Mitgliederentscheid unterworfen hat. Als privatrechtlicher Vorgang kann die Mitgliederbefragung auch nicht verfassungswidrig sein … Für die Bundestagsabgeordneten hätte das Ergebnis an sich keinerlei Rechtsverbindlichkeit. Und für die Demokratie in der BRD ist das auch kein Gewinn – aber dazu wurde schon genug gesagt. Ich persönlich halte der repräsentativen Demokratie fest die Stange!

Das ist sozusagen die tiefer gelegte Politische-Kultur als Quittung für Muttis Hofhaltung … und es ist, wie es ist. Allerdings wird hier extrem hoch gepokert: eine Ablehnung durch die SPD-Mitglieder (an der hart gearbeitet wird!) bedeutet Neuwahlen und könnte anschließend einen guten Teil der derzeitig politischen Eliten aus Ihren Führungspositionen fegen!

Nehmen wir einfach mal an, dass Martin Schulz da einen Plan hat… und in der nächsten Zeit nicht dauernd unbedachte Äußerungen in die Runde schleudert!

Während ich dies schreibe kommt die Meldung, dass die Marathon-Verhandler eine Einigung erzielt haben. Nach allem was durchsickert, hat der Druck der SPD starke Wirkung gezeigt. Die ersten Gerüchte über die Kabinetts-Besetzungsliste lassen erkennen: die beiden „wilden Rangen“ haben Mutti so kräftig zugesetzt, dass man für den stärksten Koalitionspartner (CDU) eigentlich nur von einem „CDU-Rumpf-Kabinett“ sprechen kann – nur noch durch den KanzlerInnen-Bonus halbwegs zu erklären. Hier ist Angela Merkel also anscheinend wirklich mit ihrer Taktik an eine Grenze gestoßen!

Wenn das man diesmal keinen Shit-Storm bei der CDU gibt!?

Nach ersten Meldungen wird Martin Schulz auch wie befürchtet seine letzte bisher noch gültige Ankündigung schreddern: er will Außenminister unter Angela Merkel werden…

… und er flüchtet zu diesem Zweck aus dem Amt des Parteivorsitzenden!

Wir sehen gleichzeitig dem märchenhaften Aufstieg einer starken SPD-Frau zu (Andrea Nahles)! Nur sie kann das Mitglieder-Votum retten.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 7. Februar 2018

Das fängt ja gut an – 272

Künstliches Gehirn, KI und Neuromorphic Computing

oder: Wollen sie wirklich MEIN Gehirn als Vorbild für das künstlicheGehirn nehmen?

(Einige Gedanken, meinem Freund Frank zum Geburtstag gewidmet! Entzündet an der Meldung, dass künstliche Synapsen entwickelt wurden, die nur einen Bruchteil der Energie einer natürlichen Synapse verbrauchen.)

Solange der Mensch logisch denkt, unvoreingenommen forscht und technische Lösungen erschafft, ist er bemüht gewesen, der Natur abgelauschte Lösungen  in seine artifiziellen Schöpfungen (Technik!) einzubringen: um so die Jahrmillionen lange Entwicklungszeit im Kosmos zur Beschleunigung seiner eigenen Entwicklungstätigkeit zu nutzen.

In der jüngeren Technik-Geschichte hat man diesem Vorgehen schließlich einen eigenen Begriff gewidmet: BIONIK. Ich war selbst lange Strecken meiner beruflichen Tätigkeit damit beschäftigt, ein bionisches Prinzip anzuwenden im Bereich der Tragstrukturen aus Hochleistungs-Faserverbundwerkstoffen (GFK-, CFK-Composite) bei denen wir die Struktur der Werkstoffe dem Kraftfluss anpassen, wie es bei Knochen, Bäumen etc. in der Natur bereits existiert.

Das menschliche Gehirn in Verbindung mit unserem Nervensystem  ist ohne Frage auch so ein Hochleistungs-System, das sich die Wissenschaftler und Ingenieure gerne erklärtermaßen zum Vorbild nehmen, um künstliche Intelligenz (KI bzw. AI) und künstliche Gehirne auf Basis neuronaler Netze zu schaffen. Damit wollen wir  Denken, Wahrnehmen, Erinnern, Entscheiden (und Bewusstsein?) auf ein neues, schnellere und komplexeres Niveau heben.

Ich möchte jetzt nicht darüber spekulieren, ob und in welchem Ausmaß Menschen KI-basierten Systemen Denk- und Kognitions-Prozesse übertragen  können, sollen bzw. dies wollen sollen…

Ich bin auch nicht so vermessen, darüber zu befinden, ob es möglich sein wird, das menschliche Bewusstsein auf der Basis von künstlicher Intelligenz und künstlichen Gehirnen (also Computern irgendeiner neuen Technologie) zu simulieren bzw. sogar unkontrolliert „laufen zu lassen“ (also: frei zu setzen!).

Ich bin nur dezidiert der Meinung, dass wir alle gemeinsam unseren Standpunkt definieren müssen, ob wir das machen wollen, wenn das möglich sein sollte – und zwar ehe es möglich sein wird, denn danach wird es auf jeden Fall jemand machen, wenn es nicht vorher reguliert wird – und dann ist es nie mehr rückgängig zu machen!

Ich bin auch dezidiert der Meinung, dass derartige Forschungs- und Entwicklungsprozesse nicht privaten Firmen überlassen werden dürfen, sondern in einen transparenten Prozess auf einer open-source Plattform gehören! KI-Forschungsinstitutionen müssen mindestens so reguliert werden wie Banken – wahrscheinlich eher noch schärfer. Die möglichen Ergebnisse auf den heute noch fiktionalen Ebenen müssten ebenso kontrolliert werden wie Nuklear-Waffen und Biologischen Waffen. Technikfolgenabschätzung als globale Gemeinschaftsaufgabe!

Ich möchte aber allen, die am künstlichen Gehirn arbeiten und sich dabei das menschliche Gehirn als Vorbild nehmen zu bedenken geben, dass die Synapsen in unserem Gehirn bei weitem nicht so effizient zu arbeiten scheinen, wie das dem Forscher im Labor vielleicht vorkommt. Makroskopisch betrachtet enthält mein Gehirn im Bereich der Erinnerung weitaus mehr Müll als Nutzinhalt. Es kann z.B. sein, dass mir der Name eines bedeutenden Physikers gerade nicht einfällt – aber anstatt dessen weiß ich, wie oft Gerhard Schröder oder Mörtel Lugner verheiratet waren (u.v.a.m.)! Ich empfehle daher, dass man sich doch die Qualität der Synapsenfunktion im echten Gehirn darauf hin noch einmal kritisch ansieht! Man sollte dabei berücksichtigen, dass das on-line vernetzte künstliche Gehirn mit direktem Zugang zum Internet zu wesentlich mehr Wissens-Müll Zugang hat als mein Gehirn. Meiner Schätzung nach sind lediglich 0,1% des Daten-Inhalts des Internets potentiell relevant!

Wenn Ingenieure zukünftig Roboter mit künstlichen Gehirnen ausstatten, dann sollten sie keinesfalls vergessen, die folgende wichtige Assoziations-Technik des menschlichen Gehirns zu implementieren: wenn ich losgegangen bin, um etwas Bestimmtes zu erledigen, aber auf halbem Wege vergessen habe, was das war, gehe ich an den Ort zurück, an dem ich den Beschluss gefasst hatte – dann fällt es mir sofort wieder ein. Diese enorm mächtige Kognitionsleistung muss der Roboter unbedingt beherrschen!

(Wenn die letzten beiden Absätzen bei Ihnen den Eindruck einer Glosse erweckt haben, liegen Sie nicht ganz falsch.)

Im übrigen bin ich auch sehr gespannt, wann wir einen neuromorphischen Computer in unserer Hosentasche tragen werden. Dabei wünsche ich mir ein Modell, das nicht mit der KI-Abteilung des Herstellers in Verbindung ist (wie Siri oder Alexa), sondern sich völlig autark lernend entwickelt – vergleichbar mit einem Kind, das geistig heranwächst – nur viel schneller.. Besonders gespannt wäre ich, wann ich dann anfangen kann mit dem Bot philosophische Themen zu erörtern – und ab wann er mir dabei über sein wird….

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 29. Januar 2018

Das fängt ja gut an – 279

Deutschland – ein Wintermärchen

Es war einmal eine weise Königin. Die regierte ihr Land schon lange und hatte es gut getroffen: denn in ihrem Lande war schon vor vielen Jahrzehnten eine Seuche aufgebrochen, die die Menschen nicht im Geringsten in ihrer Kraft und Leistung beeinträchtigte sondern ausschließlich auf ihre Gedanken wirkte: die Untertanen der Königin hatten eine große, verstörende Angst vor Veränderungen und damit waren sie auch in Bezug auf die Zukunft eher ängstlich, denn alle Veränderungen liegen ja bekanntlich dort …

Ganz großartig fanden die Untertanen der Königin aber die Vergangenheit – die machte ihnen überhaupt keine Angst. Sie hegten und pflegten die alte Kultur ihrer Vorfahren und in keinem Land der Welt gab es mehr Museen, Konzertsäle und Theater.

Es war üblich, dass die Städte, die nach dem letzten großen Krieg sehr stark beschädigt waren, möglichst historisch oder altertümlich rekonstruiert wurden – manchmal sogar in einem älteren Stil als in dem direkt vor der letzten Zerstörung! Als sie plötzlich feststellten, dass es in ihrer Hauptstadt gar kein Schloß mehr gab (der Königin war sowas nämlich egal!) wurden die Bürger furchtbar aufgeregt, kramten ihre Ersparnisse hervor und ließen sich das Schloss genauso wieder aufbauen, wie es vor 300 Jahren gewesen war.

Damit niemand auf die Idee kann, dass sie den alten Kaiser wieder haben wollten (der hatte nämlich keinen so guten Ruf! Der hatte das mit den Kolonien versemmelt!) nannten sie das neugebaute Schloß nach einem berühmten Aufklärer aus diesem Lande – ohne allerdings nachzudenken, was der wohl heute anstatt dessen gemacht hätte und ob der solch ein Denkmal haben wollte…

Weil die weise Königin den Menschen versprach, dass sie gut auf sie  aufpassen würde, waren die Menschen zufrieden und lobten die Königin.

Obwohl das alles so wunderschön war, ist es leider nicht so geblieben, denn – das lehrt uns die Geschichte – es gibt immer irgendwelche Unzufriedenen, denen auch das Gute nicht gut genug ist und die damit alles kaputt machen!

Da war eine kleine aber plötzlich sehr laute Gruppe, die hatte besonders viel Angst! Die sagte: „Ihr habt uns belogen – es hat sich doch etwas verändert und wir wollen, dass das wieder rückgängig gemacht wird. Wir wollen alles so haben wie früher, da haben wir uns viel wichtiger gefühlt – jetzt kommen lauter fremde Leute in das Land und die werden wichtiger genommen wie wir. Wir finden aber, dass wir die wichtigsten Menschen sind und wollen alles wieder wie früher haben!“ Die Anführer dieser Gruppe waren von der Angst-Seuche ganz besonders stark befallen und hatten es sich zur Aufgabe gemacht, allen anderen auch in ihrer Angst zu bestärken.

Das war ein bißchen mehr als ein Zehntel der Menschen und die waren ziemlich laut und ungehobelt – sie forderten sogar, dass die Königin weg sollte!

Die andere Gruppe bestand aus Leuten, die sagten: „Man muß nicht Angst vor Veränderungen haben sondern davor, dass sich nicht genug verändert! Wenn wir immer so bleiben, wie wir sind, werden wir erstarren, verschimmeln und vermodern!“ Die waren vor allem gebildet und nicht so laut, weshalb man sie schlechter hören konnte. Die Zahl dieser Unzufriedenen war eigentlich viel größer – mehr als drei mal so groß!

Aber diese Gruppe war aufgespalten in mehrere kleinere Grüppchen, die sich gegenseitig nicht ausstehen konnten. Wenn einer sagte: „Das ist rot!“ dann sagte der andere „Nein, das ist grün!“ und der dritte sagte „Das ist gelb!“ und noch einer sagte: „Das ist noch viel röter als rot!“

Die waren der Königin auch böse – aber sie hatten ein ganz großes Problem: sie hatten sehr viel Angst vor den lauten und ungehobelten Menschen, die alles wieder wie ganz früher haben wollten.

Alle Unzufriedenen zusammen waren viel mehr als die Zufriedenen, die die Königin immer noch priesen – aber es nützte ihnen nichts, weil sie sich miteinander stritten und nicht mit der Königin stritten.

Dadurch wird die Königin immer weiter weise, zufrieden und ruhig ihr Land regieren können, obwohl sie bald gar keine zufriedenen Untertanen mehr haben wird – aber die haben ja eben doch am meisten Angst vor Veränderungen – und vor den anderen Farben ihrer Konkurrenten.

Es ist Winter und alles ist vom eisigen Reif der Angst und Unzufriedenheit überzogen und die Deutschen ziehen sich ihre Bettdecke bis an die Nasenspitze, damit es ja nicht ungemütlich wird!

Und so wird die weise Königin bis in alle Zukunft weiter regieren!

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 22. Januar 2018

 

Das fängt ja gut an – 308

Lob des Netzes – Familienkommunikation

Wenn ich sagen sollte, was unser Familienleben (Eltern knapp über 70, Kinder und Enkel auf ganz Deutschland verstreut) im letzten Jahr am stärksten verändert hat: dies war die Einführung der Familien-Gruppen in einem Messenger-Dienst! Gründer und Organisator ist – wohl typischerweise – der jüngste Sohn gewesen.

Es ist bei uns so organisiert, dass es eine Familiengruppe gibt, in der alle gleichzeitig die Nachrichten sehen, und parallel Einzelkonten, auf denen jeder jeden einzeln ansprechen kann.

Es hat unsere Familie näher zusammengerückt. Und es hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Vor allem auch, weil es keinerlei Zwänge gibt, und spielend leicht zwanglos funktioniert: es ist komplett informell – niemand muss – jeder kann – jederzeit…. oder auch nicht.

Nur: Essens-Fotos zu posten… ist bei uns ziemlich verpönt…

Wichtig: auf dem Messenger nie nach wenigen Minuten jemand drängeln, wo die Antwort bleibt… Dringendes ist immer noch für das Telefon reserviert!

Manchmal ist einen ganzen Tag Stille auf allen Kanälen – manchmal haben wir 90 Nachrichten in einer Stunde. Es kann ein heftiges Blödeln sein, eine wichtige Mitteilung, ein Diskurs über gesellschaftliche oder philosophische Fragen.

Es gibt keine Regel außer der, dass es keine Regel gibt… Man kann fast die Qualität eines F2F-Gespräches (auch zu dritt oder viert) erreichen.

Es ist natürlich vieltausend-fach schneller als ein Briefverkehr, der nur bilateral wäre.

Es ist fast so reaktions-schnell wie ein Telefonat oder Skype – aber: wenn Du eine Nachricht in der Messenger-App sendest, weißt Du, dass Du niemanden störst. Sie schauen es sich an, wenn sie können und wollen. Und wenn es mitten in der Nacht wäre. Also ist es vielemale spontaner – und könnte nur mit einer Telefonkonferenz verglichen werden, die aber aufwändig zu organisieren ist – und bringe mal alle gleichzeitig zusammen!

Messenger-Apps: Allen Familien sehr zu empfehlen!

Aphorismus des Tages: „Es ist leicht über ein Königreich zu herrschen, aber schwer, die eigene Familie zu regieren.“ (Chinesisches Sprichwort)

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 23. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 328

Zwei GUTE Gründe für eine Minderheitsregierung. Dies ist Ihre persönliche Chance – Martin Schulz!

Bevor ich diese Gründe nenne, möchte ich jene Gründe in Erinnerung bringen, die gegen die Neuauflage der Großen Koalition und gegen Neuwahlen sprechen – vor allem aus Sicht der SPD.

Neuwahlen sind von allen Optionen (und eigentlich ist es ja auch keine echte Option, sondern das muss „hingetrickst“ werden…) die schlechteste: Wie „zurück auf Los“ bei Monopoly! Wieder Wahlkampf, wieder diese inhaltsarmen, reduzierten Sprüche von allen Seiten … Monatelang wieder keine konkrete Politik nach Innen oder Außen – und danach würde in wenigen Wochen schon wieder der Bayerische Wahlkampf beginnen! Dies ist der einzige Punkt, in dem unsere sonst so kluge Verfassung keine Vorsorge getroffen hat: dieses Land ist auch so schon fast ständig im Wahlkampfmodus. Das ist eine Katastrophe für die reale Politik… Neuwahlen wären die „Höchststrafe“ für die Bürger – das hat das Land nicht verdient!

Für Martin Schulz persönlich würde dies eine sehr schwierige Situation bedeuten: es würde sich für die SPD – und zuerst natürlich für ihn selbst – wieder die Frage nach dem Kanzlerkandidaten stellen: will/soll er sich wieder hinstellen und so tun als sei er fest davon überzeugt, dass die SPD „stärkste Kraft“ wird? Martin Schulz genießt mein kritisches Wohlwollen: diese Situation hat er nicht verdient. Das Groteske daran wäre: auch für Angela Merkel und die CDU stellt sich eigentlich genau dieselbe Frage… Um so mehr wundert mich, dass sie Neuwahlen ausdrücklich „nicht fürchtet“.

Bei einer erneuten Großen Koalition würde sich die SPD als „Mehrheitsbeschaffer“ trotz anfänglich starker Verhandlungsposition schon alleine dadurch selbst düpieren, dass sie genau das tut, was Angela Merkel will … und kann! – und dass sie die Chance der besseren Option nicht genutzt hat: Angela Merkel in eine Minderheitsregierung zu zwingen – die ihr anscheinend nicht liegt.

Grund eins für die Minderheitsregierung:

Endlich würde der Bürger einmal erfahren, was es heißt, wenn die politischen Prozesse „real time“ zwischen allen politischen Kräften statt finden – dreieinhalb Jahre lang … anstatt dass nach einem mehrwöchigen „Armdrücken“ für vorher ausgefeilschte Ergebnisse möglichst geräuschlos „durchregiert“ wird. Das ist aber die Königinnen-Disziplin der Kanzlerin und der Grund dafür, dass in dem Koalitions-Modell neben ihr alle zum Politzwerg schrumpfen. Das wollen die Menschen nicht mehr! Ein früherer-größerer hätte zur Minderheitsregierung vielleicht gesagt: mehr Demokratie wagen! Anstrengend für die politischen Eliten – aber damit würde deren Image wieder im Wert steigen, wenn gute Arbeit transparenter gemacht wird. Damit könnten die Verkrustungen der Lager-Politik in der BRD aufgebrochen werden.

Grund zwei für die Minderheitsregierung:

Das Parlament wird AUFGEWERTET, bzw. ihm kommt wieder die ihm zustehende Bedeutung zu: anstatt Absegnungs-Institutuion zu sein für zwischen den Koalitionen ausgefeilschten Lösungen, die eigentlich nicht immer alle wollten. Wir werden wieder interessantere Debatten bekommen – und mehr Abgeordnete im Plenum! Genau dies stärkt die Demokratie und schwächt ALLE populistischen Kräfte (nicht NUR die Rechten!).

Sehr geehrter Herr Schulz: nutzen Sie diese Chance – auch für sich selbst – reale Politik im Kräftespiel aller politischen Akteure in der BRD zu machen. Es könne die wichtigen politischen Themen transparent abgearbeitet werden – anstatt unter einem unter Druck ausgehandelten Koalitionsvertrag beschränkt zu agieren.

Wer jetzt kneifte, weil dann die „Gefahr“ bestünde, dass irgendwann im Spiel der politischen Kräfte einmal (zwangsläufig) die AFD mit ihm stimmen wird, der hätte diese Chance eben nicht verdient!

Da werden jene Politiker, die dieses freie Spiel der Kräfte nutzen wollen und können, sich profilieren – und es werden möglicherweise endlich wieder neue Talente sichtbar werden. Eine „ruhige Hand“ des Regierens kann nicht alles zum Stillstand bringen. Aussitzen nicht erlaubt…

Aphorismus des Tages: „Die Regierungen sind gewöhnlich nicht besser als die Regierten.“ (Samuel Smiles, 1812 – 1904, engl. Arzt und Sozialreformer)

 

Bild des Tages: Reserven – Machen Sie es in der Politik wie die Natur: vor harten Zeiten nachhaltige Reserven anlegen!

Reserven

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 3. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 336

Die Bilder in den Köpfen der Bürger – nicht die Sprüche der Politiker – entscheiden das Wahlverhalten des Bürgers in der Situation, wenn er für ein paar Sekunden Wähler ist.

Es gibt Politiker, die das können – entweder weil sie den Zusammenhang kennen und sich Mühe geben oder weil es ihnen halt gegeben ist. Es gibt Politiker, die das nicht können – siehe vorstehend … nur eben „nicht“. Wenn sie es nicht schaffen, können sie trotzdem sehr gute Politiker sein. Das beste Beispiel für mich darin ist derzeit:

Angela Merkel: Sie ist die Absulute Königin derer, die zu großer Macht und Beliebtheit kommen, ohne diese Gabe, „Bilder in den Köpfen der Menschen“ zu schaffen. Ein sehr-sehr typischer Satz für sie war: „Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist.“ Erzeugt es bei Ihnen ein Bild im Kopf? Es führt hier zu weit, danach zu forschen, warum sie trotzdem so erfolgreich war. Ich glaube es lag in dieser extremen Unaufgeregtheit, die Menschen auch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln konnte – verbunden mit einer gewissen Rätselhaftigkeit, die sich darum rankt, wieso sie das eigentlich konnte…. Der  im Zusammenhang mit meinem Thema „Bilder“ aber entscheidende Aspekt bei Angela Merkel ist heute der: es ist ihr „passiert“, dass im Zusammenhang mit Ihr ein einziges, großes, negatives Bild entstanden ist: das Bild der Million Flüchtlinge, die über die Balkanroute nach Deutschland kamen – und ANDERE haben das gestoppt (nicht sie). Das steht ihr heute im Weg wie ein riesiger Felsbrocken, den sie niemals mehr wegräumen können wird. Also wieder ein Beweis für die Macht der Bilder.

Diese Fähigkeit, Bilder in köpfen von Menschen zu generieren, hat nicht mit einem speziellen persönlichen Charisma zu tun. Das beste Beispiel für mich ist derzeit:

Olaf Scholz: als nüchtern und norddeutsch-steif wirkender Typ geltend (ja so ist er wohl auch) kam er ins Amt in Hamburg, sah sich den Schlamassel an, den er bei der Elbphilharmonie geerbt hatte, setzte sich mit den Akteuren zusammen, traf Entscheidungen: und hat heute ein überzeugende Wahrzeichen seiner Stadt, das alle zärtlich „Elphi“ nennen. Das ist das Bild, das sich bei mir mit seinem Namen verbunden hat. Es ist von der Relevanz nicht ganz mit dem Bildzu vergleichen, das Helmut Schmidt an derselben Stelle in HH für unsere Köpfe schuf  – aber doch von ähnlicher Qualität! Es generiert dieses Gefühl: kann eventuell mal ganz dicke kommen – dieser Mensch findet einen Weg.

Martin Schulz: er ist für mich geradezu der Prototyp des Politikers, der viel gutes will – aber die Bilder dafür nicht findet. Er sagt 100.000-mal „mehr Gerechtigkeit“ – aber es entsteht bei mir kein Bild, was das sein soll. Da sind nur Worte und Worthülsen wie die der „hart arbeitenden Menschen“ (dazu auch mein Blog https://der-brandenburger-tor.de/?p=1583 ) – und das obwohl er ein temperamentvoller, rheinischer Mensch ist und bestimmt ehrlich und integer – aber anstatt eigene Bilder zu schaffen, verwurstet er die Ratschläge anderer zu unkenntlichen Botschaften.

Mit der Erkenntnis von den Bildern in den Köpfen komme ich auch dem Phänomen der AfD näher: sie erzeugen ununterbrochen eine Flut von starken Bildern, die in den Köpfen der Bürger sehr unterschiedlich wirken. dafür waren die Nationalsozialisten wirklich perfekte Lehrer – die schon damals erprobten Bilder kommen wieder hervorragend an! Das zeigt, dass man dem mehr entgegensetzen muss als nur hilflose Rufe der Verzweiflung oder die AfD lächerlich zu machen. (Es würde natürlich helfen, wenn sie sich selbst lächerlich macht…)

Gerade haben einige sehr kreative Menschen – „Zentrum für politische Schönheit“ – im Falle „Bernd“ ..äh.. Björn Höcke eine Aktion erfunden, die diese Eigenschaft des Bildes im Kopf haben kann: Diese Aktion hat die Qualität, Höckes unsägliche These von der „180°-Wende in unserer Erinnerungskultur“ mit einem dauerhaften Bild zu brandmarken. Bravo!

Auf der anderen Seite des Nordatlantiks spielt sich gerade ein Drama ab, in dem Bilder in den Köpfen der Menschen eine große Rolle spielen und spielen werden: Präsident Trump hat eine entfesselte Flut von Bildern erzeugt – und ist noch dabei, die das ganze Land USA dramatisch spalten. Das einzige, das schon jetzt feststeht ist, dass durch die immense Flut der Trump-generierten-Bilder die „Marke Trump“ einen gigantischen Wert erreicht hat – unabhängig davon, ob er als Präsident scheitert oder nicht.

Bild des Tages: Übrigens … der Botanische Garten ist immer noch erleuchtet! Erzeugt starke Bilder in den Köpfen! … und zwar Angenehme!

BotGar2

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 24. November 2017

Das fängt ja gut an – 338

Wollt Ihr wirklich den großen Verteilungskampf?

Aus meiner Sicht sind dies die Symptome (inländisch):

  • Eine Partei, die „mehr Gerechtigkeit“ verspricht, ist in der BRD nicht annähernd mehrheitsfähig, obwohl die Menschen (verständlicherweise) mehr Gerechtigkeit fordern.
  • Einer Kanzlerin, die völlig entspannt „mit ruhiger Hand“ regiert, wird von immer mehr Seiten vorgeworfen, dass es zunehmend Kontrollverluste gibt – inzwischen nicht nur von Opposition und „Wutbürgern“, sondern von leitenden Staadtbediensteten. (In einer voll funktionsfähigen Exekutive würde dann der Innenminister/Innensenator gefeuert – bei uns bekommt wahrscheinlich der warnende Beamte Schwierigkeiten.)
  • Seit den 60er/70er Jahren ist die demografische Entwicklung prognostiziert worden (das ist nicht schwer – und keine Verschwörungstheorie!), die heute die sozialen Systeme in Schwierigkeiten bringt – weil nicht rechtzeitig (und immer noch nicht!) auf ein solidarisches System für ALLE Bürger umgesteuert wurde.
  • In mehreren der reichsten Länder der Welt (auch und gerade in der BRD) wächst der Anteil der von Armut bedrohten Menschen!

… und international:

  • Der internationale Wettbewerb um die niedrigsten Steuern für Unternehmen ist bis heute nicht gestoppt worden. Die Folgen werden von den untersten Einkomensklassen der betroffenen Staaten bezahlt. Ja, dies ist eine Art modernen Krieges! (Herr Steinbrück hatte – auf seine Art – nicht ganz unrecht…) Der international organisierte Kampf gegen die Steuerflucht wurde viel zu spät begonnen.
  • Die UNO wäre sinnvollerweise die Plattform, auf der in einem solidarischen internationalen System die Folgen von Flucht und Vertreibung (und Armutsmigration) aufgefangen werden sollten – basierend auf der gerechten Ausstattung mit Mitteln aus allen Staaten. Es ist eine Illusion, dass einzelne Staaten oder selbst Europa (oder Australien) für sich dieses Problems Herr werden könnten. Wenn man irgendwo ein Loch gestopft zu haben glaubt, wird woanders ein neues aufreißen. So wird – auf dem Hintergrund einer hoch-problematischen inner-europäischen Geschichte die Lösung dieses Problems innerhalb Europas zunehmend unmöglich. Stattdessen ist aber die UNO in den letzten Jahrzehnten zunehmend geschwächt worden und kann dies nicht leisten.
  • Der neue Nationalismus in Form von Separationismus ist ein deutlicher Indikator dafür, dass schlechte nationale Politik gemacht wird: sonst würden so viele Menschen die innerstaatliche Solidarität nicht aufkündigen.

Und über alle dem schwebt auch noch die drohende Klima-Katastrophe, die weltweit nicht alle gleichermaßen betreffen wird – und damit ein neues, extrem brisantes Solidaritätsproblem, Flüchtlingsproblem und Verteilungskämpfe erzeugen wird!

Wie reagiert (völlig unrational!) ein großer Teil der Bürger in der BRD? – Sie wählen vermehrt Parteien, die nicht regieren wollen, sondern nur im Protest verharren.

Und wie reagiert die politische Klasse der BRD in dieser Lage? – Vier bürgerliche Parteien sind nicht in der Lage, eine stabile Regierung zu bilden. „Wir haben ja eine geschäftsführende Regierung… gähn…“ Die zweitstärkste politische Kraft (SPD) verweigert sich der Regierungs- und Gestaltungsverantwortung (Die sie IHREN Wählern im Wahlkampf versprochen hatte auszuüben!) weil sie Angst vor der Kanzlerin hat, deren Macht gerade sichtbar schwindet. Warum ist die SPD in der Großen Koalition so marginalisiert worden? Weil sie im Kuschelkurs sich in einem Nest mit der Kanzlerin eingerichtet hat, anstatt – wo nötig – zu streiten, dass die Fetzen fliegen.

Liebe Regierende: Regierungspolitik besteht nicht darin, dass ein Koalitionsvertrag brav abgearbeitet wird (oder auch nicht…), sondern darin, dass wirkliche, akute Probleme ernsthaft angegangen werden. Gute Politik ist nicht rückwärts- sonder vorwärtsgewendet – und ohne Streit nicht zu haben.

Liebe Bürger, die geschäftsführende Regierung wird die notwendige Umsteuerung im effektiv bereits herrschenden Verteilungskampf nicht leisten! (Nein, das ist kein Alarmismus!)

Das Versagen der Demokraten ist die größte Gefahr für die Demokratie (es ist ja nicht so, dass es das nicht schon mal gegeben hätte)!

Dies ist nur ein „Vorwort“ – ab morgen werde ich mich mit einzelnen konkreten Problemen befassen.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 22.11.2017

Das fängt ja gut an – 341

Leuchtender Botanischer Garten, Berlin, Steglitz – („Christmas Garden Berlin“)

Hingehen! Sehr empfehlenswert!

Das Konzept des nächtlich phantasievoll erleuchteten Botanischen Gartens wurde hier in Berlin (2. Jahr) anscheinend von den Londoner „Royal Botanic Gardens“, auch „Kew Gardens“ genannt, übernommen, wo das Ereignis heuer schon zum fünften mal stattfindet. Die Marke „Christmas Garden“ ist offensichtlich dem Veranstalter des Konzeptes geschuldet. Dabei ist es – glücklicherweise – weniger ein „Weihnachts-Rummel-Event“, sondern tatsächlich zu sehr großen Teilen eine Licht-Schau, die mit den wunderbaren Schätzen dieses alten Botanischen Gartens wuchert!

In beiden Gärten beträgt die Gesamtlänge der Leucht-Schau-Wege ca. 2 km. Genug, um sich satt zu sehen – mehr hätte für mich auch zu einer Überreizung geführt.

Aber so war die Dosis gut bis reichlich: die Dichte der Leucht-Effekte ist sehr hoch – und es ist meines Erachtens wirklich für jeden genug Ansprechendes dabei. Wir waren zu zwei Generationen und zwei Geschlechtern da (ohne Kinder) und allen drei hat es sehr gut gefallen. Ich persönlich genieße mehr die Szenerien, in denen die beleuchtete Natur die Hauptrolle spielt und schätze die reichlich vorhandenen Glitzer-Effekte („Tanzende Bäume“) nur in zweiter Linie (und eher sparsam eingesetzt): ich war begeistert.

Gerade für mich war der frühe Zeitpunkt unseres Besuches jetzt Mitte November daher ein wirklicher Glücksfall, da ein nennenswerter Teil der Büsche und Bäume noch einen Teil des Laubes hatte, was zu teilweise überwältigenden Effekten führt: wie hier auf dem Bild der absoluten Königin der angestrahlten Bäume zu sehen – die riesige Trauer-Buche!

TrauerBucheBirke

Wenn die Blätter bald ganz verschwunden sein werden, wird sich das Bild wieder verändern – und ein neuer Höhepunkt könnte dann eintreten, wenn die Lichteffekte einmal tatsächlich von Schnee überzogen würden…

Ich werde versuchen, bald noch einmal nur zum Fotografieren zurückzukehren. Dann werde ich einen extra Beitrag auf meinem Foto-Blog www.fotosaurier.de veröffentlichen.

In der Nähe der Ein-/Ausgänge waren die mehr „disneypark-artigen“ Effekte wie z.B. die fallenden Sternschnuppen positioniert. Auch diese wirklich ein Hingucker! Die Höhepunkte für die Kinder (Weihnachts-Themen-Skulpturen) waren so kitschig wie sich das gehört in der Mitte des Rundweges positioniert. Da können eltern mit Kindern die Kleinen „bei der Stange“ halten.

Wichtiger Rat: Wander-Schuhe  für diesen Besuch anziehen!

Bild des Tages: Botanischer Garten, Steglitz, Berlin am 18.11.2017

BotGart20171118

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 19.November 2017

Das fängt ja gut an – 355

Guten Tag, Herr Amend!

Sie hatten mir in Ihrem werktäglichen Newsletter versprochen, dass ich bei der Lektüre des Maroldt/Martenstein-Artikels „Ins Scheitern verliebt“ häufig werde lachen müssen…

Hab‘ es gelesen (wir sind Abonnenten!) – ich bin allerdings nicht einmal in die Nähe eines Schmunzelns gekommen. Am meisten habe ich aber in dem Text das anregende Narrativ vermisst – das ja quasi „als Versprechen“ (ungeschrieben) hinter solch einem Titel in solch einer Zeitung steht (sonst würde ich die Zeitung ja nicht lesen…).

Das ist wirklich ein merkwürdiger Artikel: Aneinanderreihung von Zeitungsmeldungen, die wir alle schon aus den letzten 9 Monaten kannten … Erkenntnis? … oder wenigstens Pointe? Keine Glosse aber auch kein Essay – keine Dramaturgie – keine Struktur – der Text atmet vor allem eines: Resignation – und eben auch Elemente genau dieses Zeitgeistes, der sich im Scheitern kuschelig einzurichten scheint.

Mir scheint, Herr Martenstein ist hier (ich kenne seine wöchentlichen Zeitmagazin-Kolumne natürlich) sehr weit unter seinen Möglichkeiten geblieben.

Ich muss wohl auch erkennen, dass ältere Menschen mit meinem Hintergrund über anderes lachen als solche, die sich noch am Puls der Gesellschaft wähnen – ist wohl so! Aber ich bestehe doch auch auf meinen Ansprüchen an guten Journalismus:

Entweder eine saftige, spritzige Glosse…

…oder ein journalistischer Ansatz, der den Anspruch erhebt, den Gründen des Berliner Scheiterns tiefer nachzugehen – und letztlich Konzepte zu finden, da heraus zu kommen.

Daran sollten Sie sich mal machen! – Ich bin schon dran…

Im Angesicht dieses vielfältigen Scheiterns biete ich den Lesern heute eine Auswahl aus drei Ahorismen des Tages passend dazu an:

„Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter.“ (Ralph Waldo Emerson)

„Wenn man denkt, es geht nicht mehr, hat man immer noch zwei Drittel seiner Kräfte.“ (Horst Köhler

„Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel“ (Konfuzius)

Bild des Tages – passend zum Thema:

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Herbert Börger, Berlin, 05. November 2017