Das fängt ja gut an – 284

Der Big Data Bluff

Jede Dystopie seit den 1930er Jahren (Schöne Neue Welt…) basiert auf unheimlich-unsichtbaren Mächten, die in einem anonym-autokratischen System alles beherrschen, alles über die Menschen wissen, ihnen total bekloppte Regeln aufzwingen und diese mit einem brutalen Strafkodex durchsetzen können, weil sie alles über jeden Bürger wissen – und es keine Gewaltenteilung mehr gibt!

Soweit so gruselig und immer wieder neu-alt, wobei eigentlich nur das Dekor ausgetauscht werden muss.

Aus Dystopien kann man – anders als behauptet – nicht viel lernen, was man nicht viel besser aus der Geschichte lernen könnte. Es sind nur drei Dinge, die jeder Bürger für jetzt und alle Zukunft mit Klauen und Zahnen verteidigen muss, damit kein anonym-autokratisches System die Herrschaft über ihn gewinnen kann:

  • Die strikte Trennung von Staat und Religion bzw. Weltanschauung – vor allem auch in Hinblick auf eine entsprechend „neutrale“ Bildung;
  • die Gewaltenteilung im Staatswesen;
  • eine möglichst unbehinderte, auch gerne investigative Presse.

Wo genau die Abgrenzung zwischen staatlichen Aktionen und der individuellen Person liegen (z.B. in Form von Videoüberwachung und Softwareeinsatz), kann nach den temporären Verhältnissen und dem Zeitgeschmack durchaus fließend gestaltet werden. Das gilt auch für die Grenze zwischen Pressefreiheit und individuellen Persönlichkeitsrechten.

Allerdings geht zunehmend eine Angst bei den Bürgern um, die oben dargestellten drei Grundprinzipien seien nicht mehr ausreichend, um seine Persönlichkeitsrechte und die Integrität des Staates zu schützen.

Die Angst wird meistens mit drei „neuen“ Phänomenen begründet:

  • der Globalisierung;
  • dem Internet (ersatzweise: „Digitalisierung“);
  • der Wirtschaft im Zustand der Kombination aus dem Vorstehnden: den global agierenden Konzernen, besonders auch dem Internetkonzernen und „Datenkraken“.

Man kann getrost von einem verbreiteten Alarmismus sprechen. Dabei spielen auch die Medien eine wichtige Rolle, indem sie pausenlos die Mantras der Alarmierer transportieren.

Hier wäre es notwendig sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: denn ich teile auch die Sorgen um den Einfluss der global agierenden Konzerne. Ich bin allerdings der Meinung, dass das Problem im Wesentlichen durch opportunistisches Fehlverhalten der meisten Staaten (nicht nur immer die ANDEREN beschuldigen!) entsteht: durch den internationale Wettbewerb um die günstigsten Steuer-Sätze für solche wirtschaftlichen Akteure entsteht erst ein wirtschaftlicher Schaden. Die Staatengemeinschaft könnte durch strikte Solidarität auf diesem Sektor Schaden weitgehend verhindern. Dann bliebe im Wesentlichen noch das Problem der neuen Wirtschaftskriminalität in Rahmen der digitalisierten Wirtschaft zu bekämpfen.

Die Globalisierung an sich hat bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts massiv eingesetzt und ist kein „neues“ Phänomen. Und seit der Erfindung und globalen Realisierung der Telegraphie ab ca. 1840 (Nachrichtenagentur Reuter seit 1851!) ist Sekundenschnelle globale Nachrichtenübermittelung Realität – auch mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft (z.B. bilden sich Futtermittel- und Getreidepreise seitdem global …).

Das Internet ist nur eine Technologie, die den seit 1840 verfügbaren Stand unter die Wahrnehmbarkeit-Schwelle beschleunigt hat und unvorstellbar multipliziert auch für alle Bevölkerungsschichten verfügbar gemacht hat (Demokratisierung der Information!). Gigantische Mengen des Datenvolumens im Internet sind dabei heute entweder redundant oder irrelevant – welcher Prozentsatz das ist, weiß ich nicht. Vermutlich aber nicht unerheblich.

Das Phänomen des Internets wird nun zunehmend unter dem Schlagwort „Digitalisierung“ verpackt. Und wenn man sich zu den ganz „gruseligen dystopischen Versionen“ dieser Sache auf macht, dann ist garantiert von „Super-KI“, „Big Data“ und „Algorithmen“ die Rede.

Es wird suggeriert, dass Amazon jetzt schon besser weiß, was du morgen wollen wirst oder was Deine Kinder, die noch gar nicht geboren sind, in 20 Jahren kaufen wollen werden. Alles aufgrund von mysteriösen „Algorithmen“. Und danach weiß Google heute schon, wohin Du nächstes Jahr in Urlaub fahren wirst oder welche Partei du wählen wirst – aufgrund der Web-Sites, die Du besuchst, deinem Bewegung-Profil, Deiner Krankenakte und den Medien, die Du streamst… ebenfalls: auf Basis von KI und Algorithmen. Demnächst wird Dein Lieblings-Pizza-Dienst deine Lieblings-Pizza schon mal in den Ofen schieben, ehe Du eine Bestellung geschickt hast! Und APPLE weiß sowieso alles über Dich, weil die in deinem Smartphone sitzen und der NSA helfen alles mitzuhören und dich als Person völlig gläsern machen.

Lieber Leser: alles das ist per heute im Wesentlichen: HUMBUG! Der „Glaube“ daran basiert auf ein paar Taschenspieler-Tricks, die die oben genannten Verdächtigen aufführen, und die von Experten öffentlich als Beginn eines neuen Zeitalters gepriesen werden. Allzu viele glauben das, anstatt selbst ein paar logische Denkschlüsse zu veranstalten.

Die Wirklichkeit:

Amazon ist ein riesiger Tante-Emma-Laden, oder sagen wir besser: ein riesiges Warenhaus, das versucht, so nahe wie möglich am Zustand eines Tante Emma-Ladens zu bleiben (Achtung: das ist ein Ideal aus der Vergangenheit! … nicht eine Zukunftsvision!). Erinnern wir uns daran, wie Tante Emma in ihrem Laden gearbeitet hat: der Laden lag am Marktplatz, sie kannte alle ihre 400 Kunden (persönlich!), sie wusste wann die Geburtstag hatten, wann sie heirateten, wie alt sie waren, welche Bedürfnisse und welche Träume sie hatten – außerdem sah sie alle vorbeikommen: wenn Frieda jetzt auf der anderen Straßenseite runter geht, geht sie zu Ihrer Tante und wird auf dem Rückweg Milch bei Tante Emma holen… und wahrscheinlich ein kg Zucker, denn den hat sie länger nicht gekauft, oder Back-Hefe, denn morgen werden alle im Dorf backen für das Fest am Wochenende – usw-usw-usw. Weil Emma alles das weiß, läuft ihr Laden gut, bestellt sie Waren rechtzeitig und richtig – und manchmal kaufen Kundinnen nur etwas im Laden, um den neuesten Tratsch auszutauschen, auf dessen Basis Emma wieder wissen wird, wer was wann brauchen wird! Ja und sie wird auch wissen, wann es klug sein wird, einen Bring-Dienst einzurichten, da viele im Dorf immer älter werden!

Genau das will Amazon eben werden oder bleiben: ein Riesen-Tante-Emma-Laden! Ansonsten ist nichts Geheimnisvolles dahinter. Dazu braucht man ein gigantisches komplexes kaufmännisches Warenwirtschafts-System… „Algorithmen“ klingt natürlich besser. Ich würde das aber heute noch nicht einmal mit „Big-Data“ in Verbindung bringen.

Der Taschenspieler-Trick, der ab und zu vorgeführt wird ist, dass man irgend etwas vor kurzem gesucht hat – also plant etwas zu kaufen – und plötzlich werden einem dazu passende Angebote gemacht… Aber da steckt weder KI noch Algorithmus dahinter: das basiert auf klassischen aber riesigen relationalen Datenbanken – und manchen Menschen kommt sowas eben „unheimlich“ vor… ist es aber gar nicht! Die wollen nur sehr-sehr wettbewerbsfähig sein. Ja, man kann sicher sagen, dass der Verbraucher hier etwas „gläsern“ wird… aber was ist das dort gespeicherte Wissen über Sie, verglichen mit dem Wissen, das Tante Emma über jeden von uns hatte?

Bei Reise-Portalen sieht man am besten, wie „dumm“ das (heute noch) ist, was dahinter steckt. Sie sind eben von einer Reise nach Rom zurück gekehrt – da werden sie in den nächsten Tagen ständig Vorschläge bekommen, wie sie (angeblich) günstig nach Rom fliegen können (wo Sie ja gerade her kommen…!) und wo Sie da günstig übernachten können. Wenn da ein „Algorithmus“ dahinter steckt, dann ist das der DÜMMSTE, den ich kenne!

Google ist, wie wir eigentlich alle wissen, eine Suchmaschine, die eigentlich gar kein Wissen selbst speichert – sondern nur findet.  Das ist allerdings bei der Menge des Wissens, seinem ständigen Wachstum und der Verteilung im Netz eine gewaltige Aufgabe. Und da braucht man ständig verbesserte Software, die das bewältigt – und es werden immens viele Suchergebnisse (nicht das Wissen selbst, sondern die Referenzen dazu) abgespeichert, damit das immer schneller und besser geschieht. Und es wird auch unser eigenes Suchverhalten gespeichert. In diesem Datensatz werden wir in unserem Wissensdrang „gläsern“ – teilweise durchschaubar… aber nur, wenn wir uns entsprechend eindeutig und nachvollziehbar verhalten. Wenn wir dann noch unser gesamtes Informationsbedürfnis, Finanz-Dienstleistungen und Kommunikation über einen einzigen Dienstleister abwickeln – und uns dann noch so eine Wanze selbst in die Wohnung stellen … dann werden wir sicher ziemlich durchschaubar werden. Und es ist erwartbar, dass derartige Unternehmen Algorithmen entwickeln und immer weiter verbessern, um uns immer besser zu verstehen.

Natürlich darf man einem Unternehmen wie Google – der „Datenkrake“ – nicht „vertrauen“ – weder jetzt noch in der Zukunft. Niemand zwingt und dazu, Intimes über uns „auszulagern“. Aber immer noch gibt es gültige Gesetze, die die Grenze zwischen den wirtschaftlichen Interessen und meinen individuellen  Persönlichkeitsrechten definieren.

Wenn die großen globalen Internetkonzerne in den Geruch kommen, diese Grenzen zu verletzen, dann ist das ja eigentlich ein Nachteil für diese Firmen: wer will schon einen schlechten Ruf haben? Warum unternehmen die Firmen nicht mehr gegen diesen „schlechten Ruf“?

Hierfür gibt es eine einfache, plausible Erklärung: die Unterstellung, dass die Unternehmen diese fast mystischen Fähigkeiten haben, fast mehr über uns zu wissen als wir selbst, steigert ihren WERT! Unabhängig davon, ob sie die unterstellten Fähigkeiten haben oder nicht… Ich bin der Überzeugung, dass man dort versucht auf Basis von Big Data geeignete Algorithmen zu entwickeln – aber die heutigen Ergebnisse sind vermutlich sehr viel bescheidener, als der Mythos glauben machen will.

Die Aura dieses Mythos aber steigert den Wert der Unternehmen – und deshalb unternehmen sie auch nichts gegen diese Legende. Wenn eines Tages sich herausstellen wird (was ich erwarte!) dass sich mittels Datensammeln, Big Data und Algorithmen Gesellschaft und vor allem das Individuum nicht beliebig durchschaubar manipulierbar werden, wird sich der viel zu hohe Wert dieser Unternehmen deutlich relativieren… sie werden „entzaubert“ werden.

Beherrschbar im Sinne der typischen Dystopie à la „Schöne Neue Welt“ oder „QualityLand“ werden wir nur dann werden, wenn wir autokratischen, dem Rechtsstaat feindlich gesonnenen Tendenzen in unserer Gesellschaft Raum geben. Das können wir verhindern, wenn wir wollen!

Google, Tesla und andere sorgen heute aber schon vor gegen eine Entzauberung im Bereich der Algorithmen-Mythen. Sie schaffen neue Mythen: weit in die Zukunft greifende Innovationen bilden starke neue Narrative, wie die „Marsbesiedelung“ und „Super-KI“ respektive „Unsterblichkeit“.

Da man heute geneigt ist, den neuen Internet- und Technologie-Helden praktisch ALLES zuzutrauen, was sie in den Raum stellen, funktioniert es sogar, dass sie dabei völlig unrealistische nahe zeitliche Ziele für diese Projekte ankündigen. Die paar nüchternen Experten, die ihren Zweifel daran äußern hört fast keiner … oder will keiner hören. Her mit den Mythen: in den Science-Fiction Filmen funktioniert das doch auch alles schon!

Google arbeitet bereits erklärtermaßen (nicht lachen!) an der Unsterblichkeit des Menschen (zumindest des Gehirns!). Sie glauben das nicht? Darüber werde ich morgen berichten. Das müssen ja nicht wir, sondern die Investoren glauben … und die glauben, dass man uns so etwas verkaufen kann. Wenn das funktioniert, kann  der Wert der Firma ins Unermeßliche steigen.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 17. Januar 2018

 

 

Das fängt ja gut an – 313

ICE-Ankunft Südkreuz: eine Minute zu früh!

Was mache ich jetzt mit der geschenkten Minute? Geduld! Ohne die kurze Vorgeschichte wird dies nicht verständlich…

Auf der neuen ICE-Schnellfahrstrecke Nürnberg Berlin hatte es seit der Eröffnung am 10.12. häufig Probleme gegeben. Unser Jüngster Sohn war sogar am ersten Betriebs-Tag mit dem ICE in Erfurt „gestrandet“… Meine Hinfahrt Berlin – Erlangen am 14.12. war auch noch ein bischen „ruckelig“ gewesen, aber ohne nennenswerte Verspätung abgelaufen.

Heute, am 18.12. gehe ich die Rückfahrt von Erlangen nach Berlin daher immer noch mit leisen Bedenken an. Aber siehe da: eine Bilderbuchfahrt. Und wie schon am Anfang des Textes zu lesen, komme ich mit einer Minute „Verfrühung“ am Südkreuz an.

Mit diesem Schwung im Rücken lasse ich mich von der Rolltreppe zum S-Bahnhof-Niveau hinauf katapultieren. Oben angekommen läuft direkt vor meiner Nase die S46 in den Bahnsteig ein. Im Hochgefühl einer als völlig verdient empfundenen ÖPNV-Glücks-Strähne rausche ich in den S-Bahn-Waggon und lasse mich in den nächsten freien Sitz fallen.

Es dauert 2-4 Stationen, bis ich wieder in der Realität ankomme und mein Bewusstsein zu registrieren beginnt, dass die Stationen, die wir augenblicklich durchlaufen, nicht den eigentlich zu erwartenden entsprechen. Am Heidelberger Platz ist mir schließlich schlagartig klar: der Zug fährt in die falsche Richtung – nach „Westend“ … Ich springe noch rechtzeitig aus dem Waggon auf den zugigen Perron. Nun bin ich auch bereit zuzugeben, dass nicht der Zug in die falsche Richtung gefahren ist – sondern ich in den falschen Zug EINGESTIEGEN bin. Auf MEINER S46 hätte „Königswusterhausen“ stehen müssen. Damit ich die niederschmetternde Erkenntnis zur genüge auskosten kann, ist der nächste Gegenzug verspätet – und dieser Bahnsteig wirklich besonders zugig.

Fazit: aus der einen geschenkten Minute habe ich 30 verlorene Minuten gemacht….

Ich bin sicher, dass Sie vergleichbare Erlebnisse schon selbst gehabt haben. Ich nenne dies einen  typischen Fall von: „Ungerechtfertigte Annahme des besten Falles.“ oder Neu-Deutsch „Assumption of best case.“

Besonders dann, wenn alles super-glatt und „wie geschmiert“ läuft, neigen wir zu der ungerechtfertigten Annahme, dass nun alles weiter optimal läuft – und versäumen die „Sekunde des Zweifels“ einzulegen, die uns vor Fehlern schützen könnte.

Eine Reihe von positiven Ereignissen, die wir gerne so erwartet hätten (also unser „Normalfall“?) versetzt uns in ein Hochgefühl – und das möchten wir weiter gerne so auskosten … Wir übersehen dabei, dass es sich objektiv gesehen NICHT um einen Normalfall gehandelt hat sondern um den bestmöglichen Fall vieler möglicher Fälle – der aber nicht „normal“ ist.

Es ist gut, wenn man durch solch ein Bagatell-Ereignis, das man leicht noch mit Humor nehmen kann, mal wieder an diesen Mechanismus erinnert wird, denn es gibt Bereiche, in denen solche Fälle nicht mehr als lustig gelten können.

Der erste – und wohl insgesamt wichtigste Bereich – ist die naturwissenschaftliche Forschung. Für die Forschung gibt es aus diesem Grunde strenge Regeln: werden Ergebnisse gefunden, die besonders gut zu den aufgestellten Hypothesen passen, müssen alle Voraussetzungen überprüft werden, die zu diesen Meßergebnissen geführt haben und – das wichtigste überhaupt – sie können nicht als „wahr“ gelten, solange sie nicht wiederholt werden konnten – möglichst in einer anderen Forschungsgruppe.

Forscher sind allerdings auch Menschen! Hat man wunderbar zu den eigenen Hypothesen „passende“ Ergebnisse, ist manchmal der Drang, diese für „wahr“ zu halten großer als „erlaubt“. Das ist nicht immer gleich Betrug…  aber die Versuchung, andere Ergebnisse „passend zu machen“ ist manchmal anscheinend doch zu groß. Es gibt auch vereinzelt echte Betrugsfälle, die dann immer einen großen Schaden für das jeweilige Fachgebiet darstellen. JEDER derartige Versuch der Beschönigung von Forschungsergebnissen, oder gar des Betruges, fliegt irgendwann UNWEIGERLICH auf, da es in den Wissenschaften einen starken Wettbewerb der Forscher untereinander gibt.

Aus diesem Grunde werden wissenschaftliche Veröffentlichungen von neuen Ergebnissen, bevor sie in den für ihr Fachgebiet anerkannten Organen publiziert werden, von Gutachtern streng auf die „Kriterien der Wissenschaftlichkeit“ geprüft. Es sind zehn Regeln, von denen die Wiederholbarkeit eine der wichtigsten ist. Mit ausreichender krimineller Energie kann es in Einzelfällen sogar gelingen, dieses starke System zu überlisten.

Es gibt auch Fälle, in denen Forscher, im Wissen, dass den anerkannten Fachorganen die vorgelegten Erkenntnisse nicht ausreichend abgesichert erscheinen können, einen ganz anderen Weg gehen: den über Presseorgane oder populärwissenschaftliche Veröffentlichungen. Journalisten und Verlage, die um der kurzfristigen „Sensation“ willen helfen, das ausgeklügelte System der wissenschafltichen Absicherung vor einer Veröffentlichung auszuhebeln, schaden wissentlich unserer Kultur der Aufklärung!

Jeder Forscher, der – unbewusst oder bewusst – sich einer derartig gravierenden Verletzung der Wissenschaftlichkeit bei seinen Arbeiten schuldig macht oder als Gutachter einen solchen Versuch deckt oder eben nicht aufklärt, verliert seine wissenschaftliche Reputation. Diese Reputation aber ist die wichtigste Währung, in der Forschungsanstrengungen „bezahlt“ werden.

Der zweite Bereich, in dem es leider keine strengen wisenschaftlichen Regeln gibt, mit denen man eine Konstellation als zufälliges „Eintreten eines besten Falles“ entlarven kann, ist die Wirtschaft – das Geschäftsleben.

Hier sind die Fälle, in denen nach ständig steil nach oben zeigenden Unternehmens- und Markt-Zahlenreihen der schnelle und völlige Zusammenbruch folgt, keineswegs selten!

Der größte Fehler hinter den meisten dieser Fälle (wenn man nicht einem externen „GURU“ geglaubt hat) ist der, dass man die tollen steigenden Unternehmenszahlen unkritisch auf die eigenen Fähigkeiten und Erkenntnisse zurückführt, und eben deshalb glaubt, dass das immer so weiter gehen MÜSSE.

Das wäre nicht so schlimm, wenn daran nur das Schicksal dieses einen Spielers hängen würde.

Also: Augen auf, wenn es mal besonders gut zu laufen scheint!

Aphorismus des Tages: „Die Extrapolation von Erfolg und Wachstum ist der kürzeste Weg zum Scheitern.“ (Der Brandenburger Tor)

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 18. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 324

Ein offener Brief an Angela Merkel: Bilden Sie eine Minderheits-Regierung – oder sogar eine All-Parteien-Regierung!

Dies ist KEINE Glosse!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Sie stellen unsere Geduld – die Geduld des Wählers – auf eine harte Probe. Wir geben Ihnen gerne die Zeit, die es braucht, um vernünftige Dinge für unser Land zu regeln. Dazu gehört selbstverständlich die Bildung einer handlungsfähigen Regierung, die das Wahlergebnis wiederspiegelt und für die Bürger ein glaubwürdiges Angebot ist.

Ehe ich zu meinen konkreten Vorschlägen komme, apelliere ich an Sie: vermeiden Sie Neuwahlen. Was soll dabei für Sie und für uns Wähler herauskommen, außer, dass es Zeit und Geld kostet? Sollen sich die Parteien, die verloren hatten und sich demzufolge unverstanden fühlen – und das sind die meisten – jetzt an den Wähler wenden: „Was willst Du denn von uns hören, damit Du uns wählst?“ Dieses habe ich (der Bürger) nicht verdient!

Ehe ich zu meinen konkreten Vorschlägen komme, möchte ich Ihnen zwei Ratschläge geben:

Erstens: verschwenden Sie bitte nicht weiter Zeit mit der Verhandlung von Optionen, von denen jemand mit Ihrer Erfahrung vorher wissen müßte, dass sie nicht funktionieren können. Selbst wir „einfache Bürger“ können sehen, dass die SPD für eine „Große-Koalition“ (die alles andere als groß sein würde) so hohe Forderungen und Hürden aufstellen MUSS, um ihre Wunden zu lecken, dass Sie das IHREN Parteien (!) sicher nicht zumuten können.

Zweitens: Da Sie eine geschäftsführende Regierung leiten, regieren Sie bitte während der Suche nach einer neuen Regierung vollwertig – auch international! Es muss Ihnen ja möglich (und zuzumuten sein), dass Sie wichtige internationale Fragen (z.B. zu Europa – im Dialog mit Macron – im Dialog mit Polen!) weiter voran treiben, indem Sie z.B. mit den möglichen zukünftigen Regierungspartnern bilaterale 4 + 4-Augen-Gespräche führen, um niemandem in dieser Phase vor den Kopf zu stoßen. Das kann nicht so schwierig sein, denn die zweitstärkste politische Kraft sitzt sogar noch mit Ihnen in der Regierung… (4 Augen je Seite, falls Ihnen einer der Gesprächspartner der Gegenseite später abhanden kommt….)

Mein Vorschlag: beginnen Sie umgehend damit, die Verhandlungen für die Duldung einer Minderheitsregierung zu führen, anstatt die Zeit mit aussichtslosen GroKo-Spiegelfechtereien zu verbringen. Schauen Sie nach vorne, anstatt in die Abgründe geschundener Politiker-Seelen!

Unser Land brauch politische Innovationen, um nicht immer weiter politisch zu verkrusten – und Sie brauchen eine überzeugende Idee, um der Kritik zu entgehen, Sie hätten zu lange an diesem Amt gehangen! Sie würden damit dem Parlament neues Leben einhauchen.

In der Minderheitsregierung werden alle Parteien mit Ministerien vertreten sein, die sich zu einer Duldung entschließen. Ich würde an Ihrer Stelle mit ALLEN Parteien reden, das Wahlergebnis rechtfertigt das.

Reden Sie auch ernsthaft mit der AfD. Jeder könnte meiner Meinung nach einen Beitrag zur Stabilität in Deutschland leisten. Bieten Sie der AfD das Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung an. (Dies soll keine Satire sein!) Die Partei hat ja ein sehr großes Interesse an der Flüchtlingspolitik! Hier könnte sie Kompetenz entwickeln in der Frage, wie Fluchtursachen wirksam bekämpft werden können… oder klar sagen, dass sie an Verantwortung nicht interessiert sind.

Ich bin ein Ruheständler Jahrgang 1945, unabhängig und kein Mitglied einer Partei – ich glaube, dass Solidarität das wichtigste Element zum Erhalt von (sozialem) Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Herbert Börger, Berlin, den 7. Dezember 2017

Aphorismus des Tages: „Regierungskunst besteht darin, so viel Geld wie möglich einer Klasse von Bürgern zu nehmen und es den anderen zu geben.“ (Voltaire, 1694 – 1778), Französischer Philosoph der Aufklärung).

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 7. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 327

„EUROPA ist für Deutschland ein wichtiges Projekt“ – das ist der Politiker/Talkshowgäste-Sprech, der mich ganz tief drinnen aufregt! Warum?

Das politische EUROPA, also die Europäische Union, ist kein PROJEKT!

Die EU ist ein Rechtsraum, eine gelebte Realität – seit Jahrzehnten. Wer auch immer dieses Un-Wort „Projekt“ in Bezug auf die EU in den Mund nimmt, macht sich indirekt mit-schuldig an der Stärkung nationalistischer Tendenzen. Denken und Sprechen von Menschen sind sehr eng miteinander verbunden – in beiden Richtungen. (Die Wissenschaft ist gerade dabei, die Zusammenhänge im Gehirn zu erforschen, aufgrund derer das Denken das Sprechen – aber auch das Sprechen das Denken beeinflußt.)

Alle, die ständig von einem „Projekt“ reden, besorgen die Sache der „EU-Leugner“ (ja, die Assoziation ist beabsichtigt!). Das Wort impliziert, dass die EU eine vage Phantasie sein könnte, ein Versuch, etwas Noch-Nicht-Existentes, das man auch wieder abstoßen kann. Das ist falsch. Hier werden die Schalter im Gehirn falsch umgelegt – in der Folge dieser Fehlschaltungen wird gerade etwas Großartiges beschädigt – wenn nicht gar zerstört! Wenn Sie dauernd davon reden, dass etwas zur Disposition steht, können sie zusehen, wie es in den Köpfen der Menschen „zerbröselt“. Und welche Alternative/Lösung bietet sich den Menschen sofort bereitwillig an? Der alte, häßliche Nationalstaat hebt sein Haupt und drückt die orientierungslos taumelnden an seine Brust – und stößt sie in die nächste Katastrophe!

Genug der Emotionen… Zur Sache: Alle Staaten und Regionen, die sich zusammen getan haben, haben kulturell und wirtschaftlich davon profitiert. Der Wohlstand ist überall gewachsen. Ländliche und unterentwickelte Regionen sind in allen Staaten gezielt wirtschaftlich entwickelt worden (auch in Deutschland! Auch in Bayern!). Aus meiner Sicht ist die kulturelle Komponente noch viel wichtiger – weil nur der friedliche, kulturelle Austausch auf Dauer zum gegenseitigen Verstehen und Akzeptieren führen kann. Hier hat man manches in den letzten 10 Jahren anscheinend auch wieder aus dem Blick verloren. Was ist aus dem deutsch-französischen Schüler- und Studentenaustausch geworden? Sozusagen dem Rückrat der Europäischen Versöhnung und Befriedung nach dem 2. Weltkrieg! Nichts führt sicherer und anhaltender zu Frieden zwischen Menschen, als das gemeinsame Bildungs-Erlebnis.

In mehreren Realisierungs-Stufen der Europäischen IDEE, die dabei zur REALITÄT wurde, sind Fehler passiert. Es ist ja von Menschen gemacht. Wenn sie die Fehler kennen, können die Menschen sie in ihrem Handeln berücksichtigen.

Der größte Fehler wird vermutlich die Einführung einer gemeinsamen Währung gewesen sein – ohne die Grundlage echter politische Einheit und ohne gemeinsame Finanzverwaltung. Eine Rückabwicklung der Währungsunion nach 16+ Jahren birgt vermutlich heute nicht kalkulierbare Risiken. Wie können die Fehler, die dadurch passiert sind – wie die Überforderung der südeuropäischen Staaten durch den starken EURO – anders kompensiert werden, als dass es einen echten Finanzausgleich zwischen denen und den vom starken Euro massiv profitierenden Ländern gibt?! Die BRD ist in ihrem Föderalismus ja dem Euroland nicht unähnlich. Seit vielen Jahrzehnten gibt es ganz selbstverständlich hierzulande den solidarischen Finanzausgleich zwischen den Regionen und Ländern! Mit großem Erfolg. Ein Ausgleich, der ständig neu bewertet und weiterentwickelt wird. Denn entgegen dem zur Schau getragenen Landes-Nationalismus (z.B. der Bayern) wird damit den Schwächeren kein Bett gemacht, in dem sie es sich gemütlich machen. Länder die früher schwach waren, sind dadurch stark geworden – Bayern selbst ist das beste Beispiel dafür! Die Menschen hierzulande wissen heute nicht mehr, wie es im Bayerischen Wald (und nicht nur da!) kurz nach dem Krieg ausgesehen hat. Ich bin auch im sog. „Zonenrandgebiet“ aufgewachsen: Ohne den solidarischen Ausgleich innerhalb der BRD (und später auch der EU!) wären die Menschen dort damals genauso dramatisch weggezogen, wie später aus Mecklenburg-Vorpommern!

Selbstverständlich wird man bei Beibehaltung des EURO nicht um einen europäischen Finanzausgleich herum kommen. Es ist ja lächerlich: den gibt es ja längst! Man darf das Wort in Deutschland nur nicht in den Mund nehmen… und das ist absurd.

Frankreich ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Wort, die Idee, die grundlegende Überzeugung die politische Stimmung radikal verändern kann. Vor zwei Jahren haben alle erwartet, dass der FN und EU-Gegnerin Marine le Pen immer stärker werden wird, und damit Frankreich ebenfalls in die Rige der EU-Austrittskandidaten „aufrückt“. Gleichzeitig war das alte System politischer Eliten quasi in sich zusammengebrochen – Verwesungsgeruch schwebte über den einst mächtigen Parteien – zum Nutzen der Rechtspopulisten.

Dann tritt Macron auf und fegt binnen weniger Monate kurz vor einer entscheidenden Wahl die alten, verrotteten Parteien weg und sammelt die politische Elite hinter sich als eine neue Bewegung. Und er gewinnt – zunächst. Heute ist von den Rechtspopulisten in Frankreich (hier) nicht mehr viel zu hören – sie zerfleischen sich vermutlich bei der Aufarbeitung ihres Absturzes… Aber Vorsicht: noch ist dort nichts in trockenen Tüchern! Die großen Hoffnungen müssen erst noch mit der Wirklichkeit erfüllt werden – und die eng nach außen abgeschotteten gesellschaftlichen Eliten in Frankreich, die ein Teil des eigentlichen Problems sind, gibt es noch immer. Frankreich braucht Deutschland – und selbstverständlich braucht auch Deutschland Frankreich!

Während wir uns über Macron freuen, sollten wir nicht den fatalen Fehler begehen ihn zur „EU-Lichtgestalt“ zu einem Messias oder St. Macron zu stilisieren. Genau das beschädigt einen Hoffnungsträger – immer! (Die Assoziation ist beabsichtigt…)

Unsere politische Klasse sollte mit ihm eine kluge Realpolitik machen, die den Nationalisten und Identitären den Wind aus den Segeln nimmt.

Wenn Sie Politiker oder Journalist sind: stellen Sie unbedingt jeden Tag auf Neue klar, dass Europa eine Realität ist, was sie für uns bedeutet, und was diese Realität noch in Zukunft für Chancen für uns alle birgt. Und machen sie sich und anderen klar, was es bedeutet, wenn wir diese hohe Gut leichtfertig aufs Spiel setzen.

Sie tun das schon? Warum reden Sie dann dauernd von einem PROJEKT?

Bild des Tages: Reflex eines Nachkriegskindes (Jahrgang 1945)? Immer wenn ich Wolkenformationen sehe, die – wie auf diesem Bild – eilig über uns hinweg ziehen, denke ich an Europa. Das ist seit meiner frühen Jugend so: ich denke an einen Kontinent, der von Machtmißbrauch und Kriegen über Jahrhunderte geschunden wurde. Ich denke daran, dass viele Stunden vorher schon ein Hirte auf den Pyrenäen, ein Weinbauer in der Bourgogne oder ein Student in Köln zum Himmel geblickt hat und diese Wolkenformation gesehen hat (was nur eine Metapher ist…). Ich sehe dabei diese Wolken über ein Europa ohne Grenzen und im Frieden ziehen – wie ich es in der Mitte meines Lebens schließlich erleben durfte. Heute mischen sich Sorgen in meine Gedanken, wenn ich zu den dahin eilenden Gebilden schaue, die nur kondensierte Wassertröpfchen sind… und sich um keine Grenze scheren müssen.

Wolkenschlachtschiff1

Das fängt ja gut an – 350

Digitale „Brutpflege“

Hier bringe ich zwei Erfahrungen meines Lebens zusammen, die ca. 50 Jahre auseinander liegen.

Erste Episode: „Liebe Mutti, lieber Vati…“:

Ich las gerade – nach Jahrzehnten – in einem sehr dicken Stoß sauber abgehefteter Briefe, die ich an meine Eltern 1965-1967 geschrieben habe. Das war während meiner Bundeswehrzeit. Sehr-sehr-viele Briefe! Manchmal alle paar Tage abgeschickt, manchmal mit einem Monat Pause – abhängig von der augenblicklichen Situation. Kurze, nüchterne Nachrichten – häufig aber auch sehr detaillierte Schilderungen meiner körperlichen, gesundheitlichen, ernährungstechnischen, gedanklichen und gefühlsmäßigen Lebensumstände (einschließlich Wetterbericht…).

Meine Eltern händigten mir die sauber archivierten Lebenszeichen danch aus – es waren ja auch eine Art Tagebuch.

Das Einrücken zum Militär stellte für meine Eltern den großen „disruptiven“ Lebens-Schock dar: plötzlich im Nest alleine! Wie abgeschnitten. Meine ältere Schwester war schon früher aus dem Haus gegangen – danach hatten die Eltern aber noch mich… Mit meinem Weggang (schlagartig ohne Übergang) begannen dann aber die Ablösungs-Schmerzen in voller Heftigkeit.

Dieser Prozess ist in (fast) allen Familien gut bekannt – und Kind und Mutter gehen meist sehr klug damit um: die Mutter „darf“ dann für einige Zeit bei Bedarf das Kind kontaktieren. Es ist ja ein heftiges aber eben allmächlich abklingendes Phänomen.

Damals gab es die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten noch nicht – also schrieb ich sehr häufig Briefe nach Hause – die übrigens fast immer am Folgetag schon da waren! Dahinter stand deutlich erkennbar das Ziel, meiner Mutter die Situation etwas zu erleichtern.

Woher weiß ich dass die Briefe so schnell waren? Unter meinem Brief-Datum oben rechts war fast immer das durch meinen Vater handschriftlich vermerkte Eingangsdatum zu finden… für mich ein Indiz, dass auch er von der Situation betroffener war, als damals ein Vater zugegeben hätte.

SCHNITT – dieser Tage im Hier:

Die Ablösungsphase ist bei uns zu Hause nun schon länger her – auch beim letzten Nachzögling schon weit über zehn Jahre. Zu dem Zeitpunkt war das Mittel der Kommunikation überwiegend die inzwischen billig gewordene Telefonie.

Der jüngste Sohn hat inzwischen für die ganze Familie eine Nachrichten-Gruppe (und auch bilaterale Kanäle zwischen einzelnen Mitgliedern) auf einem Messenger-Dienst eingerichtet – auf dem seit über einem Jahr ein sehr intensiver Austausch zwischen allen Familienmitgliedern läuft. Stark fluktuierend: mal nur wenige Worte, ein Satz  hingeworfen dann mal Seitenlange Ergüsse und ebensolange Erwiederungen. Wir empfinden das als eine wundervolle Möglichkeit, Nähe auf VIRTUELLEM Wege herzustellen. Man braucht auch bei den Nachrichten nicht hinzusehen, wer der Absender ist: man erkennt es sofort an der Ausdrucksweise.

Es ist tatsächlich so etwas wie ein neue NEST geworden, jedenfalls aus unserer Eltern-Sicht. Das Internet kann also tatsächlich helfen, das uralte Problem der Ablösung besser zu lösen.

Als meine Frau und ich gestern nach einem Streifzug durch den Berlin-Dschungel nach Haus kamen, stellte ich fest: seit mehr als 2 Tagen keine Nachricht auf dem Messenger – von keinem einzigen Nestbewohner nur das kleinste Wort! Seit über 48 Stunden! Einzelne noch länger…?

Es veranlasste mich einen kleinen besorgten Rund-Ruf zu senden: tja – Väter allein im Nest.. äh.. Netz?

Anstatt eines Aphorismus:

Dem ja so gängigen „Internet-Bashing“ (auf as www-Netz einprügeln), dem ich hier auch bereits wiederholt unter dem Stichwort „Digitale Pest“ gefrönt habe, möchte ich gerechterweise jene „Wunder“ gegenüber stellen, die unser „Leben in Zeiten des WWWbereichert haben! Da gibt es eben in dem Bereich Eltern-Kinder eben nicht nur die vielen lustigen und slapstick-artigen Momente (ausgelöst durch die Tapsigkeit der Älteren lauf diesem Terrain) sondern echte emotionale Aspekte – s.o.

Bild des Tages:

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Herbert Börger

Der Brandenburger Tor, Berlin, 10.November 2017

Das fängt ja gut an – 351

Die digitale Pest:  T R O L L E !

Stellen Sie sich vor: eine lebhafte Gesprächsrunde unter Freunden und Bekannten. Eine überschaubare Zahl von Gesprächsteilnehmern in einer Runde um einen Tisch. Man kann sich beim Gespräch in die Augen sehen. Jeder bringt zu einem Thema, das hier alle interessiert, seine Informationen und Erfahrungen oder Vermutungen ein. Der Gesprächsfaden wird hin und her gesponnen. Manchmal macht einer einen Scherz – ohne die anderen zu verletzen. Am Ende haben alle gewonnen – im ungünstigsten Falle hat uns  das nicht viel weiter gebracht. Die Runde geht irgendwann auseinander und freut sich wahrscheinlich auf den nächsten Austausch. Ist es mal dabei zu einer persönlichen Verletzung gekommen oder hat jemand unangemessen provoziert, dann wird er von den Gutwilligen bald gestellt – entweder kommt es zu einer Entschuldigung oder der Verurrsacher ist beim nächsten Mal nicht mehr dabei …

Im Netz sind solche Szenarien seit längerer Zeit auch möglich geworden, ohne dass man jetzt gerade um den physischen Tisch herum sitzt – und wahrscheinlich waren alle begeistert davon, wie ich auch: ein „Echtzeit-Austausch“ jederzeit, selbst wenn die Teilnehmer auf unterschiedlichen Kontinenten sitzen. Wir hofften – und hoffen immer noch – das dies die Gesellschaft voran bringen könnte.

Aber dann …

Eine alltägliche Situation in Blogs und Foren ist inzwischen diese: es geht um ein sachliches Thema – sagen wir: Eine astrophysikalische Entdeckung über Gravitationswellen und Neutronensterne. Statements, Fragen und Antworten bewegen sich zunächst in normalem Rahem.

Nach sehr kurzer Zeit schaltet sich „aus dem OFF“ anonym eine Stimme ein, die irgendwelche absurde und unbegründete Behauptungen augstellt. Die Gesprächsrunde reagiert darauf – nach kürzester Zeit kommt es zu persönlichen Angriffen und Beleidigungen. Wenn nicht ein erfahrener Admin die Diskussion begleitet, der das Zeichen des Fisches oder „DNFTT“ eingibt, fliegt den Gesprächsteilnehmern der Diskurs nach kurzer Zeit um die Ohren.

Der aus Sonderzeichen konstruierte Fisch ( ><)))*> ) oder DNFTT bedeutet: „Do not feed the Troll“. Der destruktive Störer wird in der Netzkultur „Troll“ genannt. Wenn alle Beteiligten die Bedeutung der Zeichen kennen und sich an die Methode halten, wird der Troll dann ignoriert… und zieht vielleicht ab.

Das geschieht heute andauernd! Selbst wenn eine Gemeinschaft, die Trolle abzuschütteln lernt, ist die Freude an der Gesprächskultur dadurch erheblich gestört!

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, stellt man fest, dass es Organisationen gibt, die viele Trolle gezielt durch die Foren und Netzbereiche schicken, um damit Einfluß zu nehmen (politisch, kommerziell  oder einfach destruktiv wirken – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt …).

Und die gruseligste Variante: da müssen nicht nur Menschan an den Tastaturen sitzen! Mittlerweile sollen sich Software-Roboter als Trolle durch das Netz bewegen (Fachsprache: „bots„).

Deshalb wird die „große digitale Freiheit des Netzes“ zunehmend wieder eingeschränkt, da Foren sich zum Schutz davor abschotten (nur mit überprüften Log-Ins benutzbar).

Dadurch wird ein wesentlicher Freiheitsgrad des Netzes unterdrückt: die überraschende „Möglichkeit des Unerwarteten„.

Ich wüßte gerne: was passiert, wenn sich zwei „Troll-bots“ unterschiedlicher Auftraggeber in einem Forum treffen? Erkennen die, das der andere ein bot ist? Können die sich gegenseitig asusschalten?

Schöne neue Welt!

Aphorismus des Tages: „Bist du denn dümmer als ein Kleinkind, dass du nicht wenigstens eine neugierige Frage am Tag stellst?“ (Der Brandenburger Tor)

… diese Frage möchte ich allen stellen, die einen Erkenntnisgewinn dadurch vermeiden, dass sie immer dieselben einmal lieb gewonnenen Antworten nachbeten, anstatt sich und andere ständig zu fragen: warum ist das so? kann man das ändern? wollen wir das ändern? Aus Lebenserfahrung weiß ich, dass diejenigen, die immer wieder „nachgebohrt“ haben, schon bei den Lehrern höchst unbeliebt waren: sie stören den Routineablauf, sie lassen die „Möglichkeit des Unerwarteten“ aufblitzen! Das soll bitte unterbunden werden! – Leider!

Bild des Tages: Unterschiedliche Erscheinungsformen ähnlicher Dinge… ein Bild-Gleichnis.

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Herbert Börger

Der Brandenburger Tor, Berlin, 09. November 2017

Das fängt ja gut an – 352

Immer wieder bewundere ich die Klugheit unserer Verfassungs Väter (und Mütter?)

… und gleichzeitig ihre „Gerissenheit“, in dieser Verfassung auch gleich sehr hohe Hürden gegen ihre Änderung eingebaut zu haben! Der Anlass für dieses Bekenntnis ist, dass es nun seit vielen Jahren immer öfter vorkommt, dass  die Richter des Verfassungsgerichtes über eine gesetzliche Regelung entscheiden, anstatt des Parlamentes, das die Aufgabe hätte, nach einem Kompromiss auf Basis dieser Verfassung zu suchen.

Woran liegt das?

Dafür kann man viele Vermutungen und Hypothesen aufstellen: Faulheit/Arbeitsverweigerung der Parlamentarier, „falsche“ (unfähige) Vertreter, steigende Neigung „Lieblingsprojekte“ gegen die Vernunft „durchzupauken“….

Der Schaden ist groß: denn alleine schon die enorme Verzögerung der Gesetzgebungsprozesse dadurch, sind ein nicht mehr wieder gut zu machende Schaden!

Was auch immer der Grund dafür ist: dieses Verhalten der Parteien und der Volksvertreter SCHWÄCHT die Demokatie. Und es desavouiert das Ansehen der repräsentativen Demokratie. Dass es nun noch einmal so viele Volksvertreter mehr im Deutschen Bundestag mehr sind, wird vermutlich diese Situation eher verschlimmern – wenn nicht ein Ruck durch die Parteien ginge, endlich verantwortungsvoller mit den hohen Gütern der repräsentativen Demokratie umzugehen.

Leider muss ich sagen, dass mich die skurrile Koalition, die man da gerade versucht zu zimmern (ich bevorzuge den Begriff „Schwampel“ – das Ergebnis wird etwa so sein wie dies klingt….) in Hinblick auf diese Probleme nicht optimistisch stimmt.

Die Situation erleichtert auch rechten Populisten und generell immer populistischer gestimmten Politikern jeder Couleur ihr Wirken. Man sieht es daran, dass – auch aus Ecken, aus denen man das nie vermutet hätte – mehr und mehr Stimmen für Basisdemokratie („nach Schweizer Vorbild“) plädieren. Das ist per se reines populistische Schaulaufen.

Ich behaupte, dass es für pluralistische Massengesellschaften wie die BRD auf allen ebenen – außer der Kommune (aber keiner mit 3,5 Mio Einwohnern!) – keine Alternative zum repräsentativen System gibt: „Direkte Demokratie“ erfordert, dass die Menschen, die dabei Entscheidungen treffen, sich gegenseitig ins Auge sehen können. Wenn meine Hypothese richtig ist, ist damit auch alles gesagt…

Allen möglichen Neu-Koalitionären möchte ich ins Stammbuch schreiben: macht die Koalitionsvereinbarung nicht unter dem Gesichtspunkt eines Schein-Konsenses: macht nix – das werden wir (oder andere) vor dem Verfasssungsgericht sowieso wieder kippen!

Sonst bleibt lieber gleich zu Hause! Ihr seid uns vor allem: TEUER!

Aphorismus des Tages:

„Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen; der Staat muss untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.“ (Friedrich von Schiller, dt. Dichter, 1759 – 1805)

Dieses Zitat ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie schön sich Zitate nach eigenem Gusto mißbrauchen lassen: Der Satz ist doch ein Super-Spruch für alle, die Demokratie verunglimpfen wollen – und dann noch von SCHILLER … oder?

Hier sei gesagt: diesen Ausspruch hat Schiller in seinem letzten, unvollendeten Trauerspiel einem polnischen Fürsten (Ende des 17. Jh.) in den Mund gelegt, der mit seinem Veto die Mehrheits-Entscheidung des polnischen Adels kippen wollte (was nicht ganz erfolgreich war …).

Das Zitat steht aber in einer einschlägigen Zitatesammlung unter der Rubrik „Demokratie“, legt also nahe dass Schiller hier etwas über Demokratie sagen wollte  – Wie immer also: Vorsicht vor Fake-News…

Bild des Tages:

„Vergehen in Schönheit“ – kein Sinnbild für die Verfassung der BRD!

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Herbert Börger

Der Brandenburger Tor, Berlin, 08. November 2017

Ist das Kunst, oder kann das weg?

  • zwei Tage auf der Documenta 14

In Kassel ist die Documenta allgegenwärtig – die Litfaßsäulen-Provokation im ersten Bild zeigt eindrucksvoll, wie Kreativität weitere Kreativität befeuern kann: das Plakat gehört zur Documenta-begleitenden Werbeaktion eines Mobilfunk-Anbieters – nicht etwa zu einer Bürgerinitiative gegen die Documenta. Gemeint ist, dass die Nutzung der Kommunikationsdienste kinderleicht sei…..

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Bild 1: Litfaßsäule auf der Wilhelmshöher Allee in Kassel

„Ist das Kunst – oder kann das weg?“ haben wir uns zwei Tage lang in Kassel gefragt. Wir: Drei Naturwissenschaftler (Physiker/Mathematiker/Ingenieure), ein Mediziner, ein Jurist – Abiturjahrgang 1965. Zum Teil mit Ehefrauen.

Vorweg zum „Hauptdarsteller“ – nämlich der Stadt Kassel: die wirkt trotz (oder wegen?…) der weitgehenden Abwesenheit von Schönheit der Innenstadt außerordentlich sympathisch – ich muss aber bekennen, dass ich durch die Dreingabe eines (durchgehend) strahlenden Spätsommerwetters als heftig korrumpiert gelten muß. Ich kann nur jedem empfehlen, sich neben der Documenta auch die „Knaller“ zu genehmigen, die die Stadt selbst „unten“ und „oben“ einrahmen: Karls-Aue und Schlosspark mit Wasserspielen.

Wir preisen noch heute den in unserer Gruppe, der die Idee hatte: lasst es uns unter der Woche machen – die Meisten sind ja im Ruhestand. Das ist wohl der Grund, weshalb in diesem Bericht die Schau so entspannt erscheint und nicht über Massenandrang und lange Schlangen geklagt wird. Dennoch war es – für Dienstag/Mittwoch – überall sehr gut besucht! War ja auch noch Ferienzeit.

Ich habe versucht, möglichst unvoreingenommen dort aufzutreffen – dennoch ist es aufgrund der Prominenz der Documenta schwierig, völlig ohne Vorabinformationen und Meinungsbilder dort anzukommen: selbst wenn man am ersten Tag hinginge, würde man bei uns als Feuilleton-Leser schon die Meinungen selbsternannter Kunst-Richter kennen… darunter solche, die schon vorab die Documenta14 zum krachendsten Ausstellungsscheitern des Jahrhunderts kürten (Oliver Heilwagen, 10.6.2017) *).

Vorab: letzteres (krachend gescheitert) ist die Documenta14 NICHT.

Sie ist mindestens so interessant wie die Vorgänger – und hat Anlass zu sehr viel Auseinandersetzung und Erörterung gegeben – beides ist in meinen Augen ein positives Resultat für eine Ausstellung von Gegenwartskunst.

Für mich hatte die Documenta 14 drei Schichten:

erste Schicht: Die (meist größeren) Arbeiten, oft im Außenbereich, die einen gesellschaftlichen Fokus haben und Documenta-Halle und alte Haupt-Post.

zweite Schicht: Die Ausstellung im Fridericianum, die eine Sammlung von Gegenwartskunst aus Athen darstellt (Museum EMST, das wegen Geldmangels nicht eröffnet werden kann…).

dritte Schicht: Die älteren Kunstwerke im Außenbereich, die die Stadt Kassel bei den jeweiligen Documentas angekauft hatte.

zur Schicht 1:

Dies ist der Bereich der Arbeiten, die viel Kritik ausgelöst hat mit den Schlagworten dies sei „Kunst als Waffe“, Ideologie und Agit-Prop-Provokation, selbstgefällige und Überhebliche Schau einer Weltverbesserungs-Armee. Und immer wieder das Schlagwort von der „politisierten“ Documenta.

Zunächst möchte ich oberlehrerhaft, wie ich bin, darauf hinweisen, dass

  1. der Begriff „politisch“ aus meiner Sicht grundsätzlich verfehlt ist: viele Künstler haben sich mit gesellschaftsrelevanten Themen auseinandergesetzt – mit Ihren jeweiligen Mitteln – und wurden wohl auch vom Kurator dazu ausdrücklich ermuntert. Kunst darf und soll das, wobei im Einzelnen zu fragen wäre, ob das Thema gegenwärtig wirklich relevant ist.
  2. es vorkommen kann, dass ein Künstler die Ursachen für ein ihm persönlich schwer erträgliches Problem auf unserer Welt so extrem verkürzt wahrnimmt, dass diese Darstellung an der Wirklichkeit (einschließlich Ursache und Wirkung) massiv vorbei geht. Hier ist sicher „Auschwitz on the beach“ nur die Spitze des Eisberges. Aber alles andere dürften wir aushalten…

Ich selbst bekenne, dass ich wirklich genervt bin, von Kunstwerken, die ich als „Holzhammer-Aktionen“ bezeichne: weder neu noch originell noch irgendwie hilfreich. Bestes Beispiel aus meiner Sicht: der Schriftzug auf den Fridericianum „BEINGSAFEISSCARY“ (being-safe-is-scary).

Nach 25 Jahren Terrorismus-Debatte möchte ich zu dieser falsch-verkürzten Arbeit nur sagen: 4-minus, setzen… Aber: So what….

Dafür habe ich viele sehr eindrucksvolle Arbeiten gefunden, wie den Parthenon der Bücher, den Obelisk auf dem Königsplatz, die Abwasser-Rohre, das Marmorzelt, den Vorhang aus Rentierschädeln, die große Videoprojektion mit Masken/Gesichtern in der Haupt-Post etc.

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Richtig ist es, das alles zu diskutieren, in Frage zu stellen… aber ohne das Zusammentreffen mit dem Kunstwerk hätte man sich vielleicht manche Fragen nicht gestellt…?

zur Schicht 2:

Die Athener Sammlung besteht nicht nur aus aktueller Gegenwartskunst, sondern berücksichtigt vor allem griechische Künstler, mehrere Jahrzehnte zurückreichend. Etwas, was wir hier in Westeuropa meist nicht zu sehen bekommen – aber meines Erachtens auch ein guter Schritt (solidarisch?), eine Sammlung auszustellen, die in Athen aus Mangel an Geld nicht gezeigt werden kann. Teilweise wirklich beeindruckend, zum Beispiel gleich im Eingang die Projektion der „fließenden Mosaike“ auf die Besucher, was überraschende Effekte in Wechselwirkung mit unseren Körpern mit sich brachte – hier wurde auch viel gelacht, was in Museen für Gegenwartskunst eher Seltenheitswert besitzt.

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zur Schicht 3:

Hier erkennt man zunehmend, dass diese Methode für die Stadt Kassel ein großer Gewinn ist – und man kann nach einigen Jahren beim Wiedersehen mit den Kunstwerken prüfen, was sie uns heute sagen. Ich habe jedenfalls über etliche Lebensjahrzehnte festgestellt, dass sich die Beziehung zu Kunstwerken entwickelt und ändert. Sie bilden quasi einen Kontext parallel zum eigenen Leben.

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Zum Schluß eine Bemerkung zu den „ChoristenInnen“ – also den offiziellen „Documenta-Führenden“:

160 Fachleute waren dazu verpflichtet worden, organisierte „private“ Führungen waren deshalb „verboten“.

Das Bild des „Choristen“ habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich verstanden: hier liegt ein Widerspruch vor – das einzelne Mitglied des Chors für sich ist eigentlich … nichts, es sei denn, er sei außerdem „Solist“. Oder sollte der Führende mit den zu führenden einen Chor bilden? Sei’s drum!

Wir hatten für gut 2 Stunden eine solche offizielle „Choristin“, die mit uns in sehr lebhaften Gesprächen einen Chor bildete – also doch!

Das hat sie nach einhelliger Meinung sehr gut gemacht!

Nun ja: wenn man eine Gruppe so intelligenter und gebildeter Menschen führen darf….

Berlin, 28.08.2017

Herbert Börger (kein Kunst-Experte)

P.S.: *)

Auf eine Dokumenta-Kritik – nämlich jene „vernichtende“ von von Oliver Heilwagen vor Beginn der Kasseler Schau veröffentlichte – möchte ich noch kurz zurückkommen.

Herr Heilwagen scheint ja wirklich alles zu wissen und steht auch über allem… Vor allem erhebt er sich weit über Kassel. Ich habe nachgesehen, derzeit ist er Berliner. Seine herablassenden Äußerungen über Kassel im Zusammenhang mit der Dokumenta scheinen aber darauf hinzuweisen, dass er die traumatischen Erlebnisse einer Jugend in Kassel darin verarbeitet….

Zitat aus „documenta 14“ auf Internet-Portal „Kunst+Film“:

…. „Dagegen war Kassel stets geruhsame Residenz- und später Beamtenstadt. Sie hat trotz bedeutender Kunstschätze kein eigenes kulturelles Profil entwickelt; ab 1955 wurde sie rein zufällig zum Standort der weltgrößten Ausstellung zeitgenössischer Kunst.

Kassel als neutrale Kulisse

Diese Mittelmäßigkeit hat Vorteile. In den 1970/80er Jahren wurde Kassel gern als Testgebiet zur Markteinführung neuer Produkte genutzt, weil es statistisch so nah am bundesdeutschen Durchschnitt lag. Für den Kunstbetrieb war und ist die Stadt eine erstklassige, da neutrale Kulisse: Sie bietet eine passable Infrastruktur, ansonsten stört sie nicht weiter. Universität und Kunsthochschule liefern Talente und billige Hilfskräfte, alle anderen halten sich raus.

Bis zur Jahrtausendwende war den meisten Einwohnern die Karawane komischer Kunst-Vögel, die alle fünf Jahre in die Stadt einfiel, völlig schnuppe; heutzutage interessiert sie am ehesten, an fast einer Million Ausstellungs-Besuchern mitzuverdienen.“….

Zitat Ende.

Die Stadt, die die größte zeitgenössische Kunstschau weltweit stemmt, bei deren Namen JEDER sofort an die DOCUMENTA denkt – hat kein eigenes kulturelles Profil entwickelt?

Ach ja: ist ja nur Kulisse…

Dabei kommt Kassel noch glimpflich weg – verglichen mit dem, was Heilwagen über Herrn Szymczyk auzsschüttet!

Schluss mit lustig! Satire hilft nur Euch selbst….

Na toll: da liefert Donald Trump TÄGLICH den reinsten Stoff für Satire, Glosse und Co.! Das ist gut für die Kabarett-/Comedy-Branche – und auch für die Zeitungsverlage in USA, wie man liest! Wenn die Kabarettisten aber Pech haben, ist er schon im Original satirischer als sie je sein werden….

Seid Euch bitte im Klaren darüber: das ist alles nur Therapie für Euch selbst – mir hilft eine gut gemachte Satire á la Heute-Show auch emotional *) … ich lache drüber, prompt geht es mir besser – aber gegen den realen Trump und seine Politik hilft das kein bisschen. Die Trump-Show läuft weiter… bis Ihr Euch die nächste Therapie-Dosis holt.

Bis jetzt REAGIEREN die meisten nur auf Trumps Show: aber

gibt es bereits irgendwo klare Strategien für das AGIEREN?

Die kann es nur geben, wenn man VORAUSDENKT, was die Konsequenzen des Trump’schen Handelns sein werden, was seine nächsten Schritte sein müssen.

Es mag emotional für Trump-Kritiker (weltweit) eine hilfreiche Situation sein, wenn man sich ständig gegenseitig bestätigt, dass das so nicht geht. Aber es ändert nichts.

Ad 1: Die Win-loose-situation

Egal, wie die Sache ausgehen wird: Trump wird immer der Gewinner sein!

Ob er aus dem Amt gejagt wird, ob er sich durch vier Jahre so wie bisher durchwurstelt (wie sonst?) – egal wie die Sache ausgeht: die „Marke TRUMP“ wird um das zig-fache gestiegen daraus hervorgehen.

Der aufgeklärte, positiv ausgerichtete Mensch und Beobachter ist auf einen humanistischen Mehrwert ausgerichtet. Er kennt die Trash-Werteskala der Trump-Welt nicht. Ein Schuft der der ihn deswegen einen NAIVEN GUTMENSCHEN schimpft.

Aber tatsächlich kann der Marktwert der Marke Trump aufgrund der immensen Aufmerksamkeits-Lawine ununterbrochen nur steigen – egal was er macht, egal wie es ausgeht…. solange er nicht klug abwägend oder staatsmännisch redet oder handelt, geht es immer aufwärts.

Die erste Nummer hat er mit Bravour abgehakt: er IST Präsident GEWORDEN! Entgegen allen 1:10 Wetten!

Selbst wenn er nun mit „Schimpf und Schande“ aus dem Amt gejagt würde (was wohl sehr schwierig zu bewerkstelligen wäre) – das würde ihm nicht schaden – in seiner Trash-Währung ist das Verstoßen gegen Regeln ein Wert per se. Was der aufgeklärte positiv-ethisch denkende Mensch über ihn denkt ist irrelevant (dt.: interessiert ihn nicht). Seine Anhänger-Gemeinde würde ihn danach zum Märtyrer stilisieren (bzw. er sich selbst natürlich – das tut er ja jetzt schon).

Unsere Empörung zementiert die Win-situation für Trump, weil unsere Argumentation den Punkt nicht trifft: wer sich auf Trumps Niveau nicht herablässt, wird ihn und seine Anhänger nie erreichen – und ich weiß, dass das hart wird für alle wohlmeinenden Zeitgenossen. Aber mann kann jemanden nicht treffen, der nie ein Staatsmann sein wollte, wenn man ihm vorwirft, dass er nicht staatsmännisch handelt.!

Ad 2: Das Ziel kann nur sein, die „Marke Trump“ zu zerstören

Ich bin kein Marketing-Fachmann und kann nicht beurteilen, ob das überhaupt möglich ist.

Aber meine laienhafte Einschätzung sagt: es gibt zwei „Lindenblätter“ auf seinem Trash-Drachenblut-gestählten Körper.

Erstes Lindenblatt: Lächerlichkeit.

Lächerlichkeit ist ein sehr gutes Gegengift gegen den Märtyrerstatus – wohlgemerkt: Lächerlichkeit in den Augen seiner Anhänger! Achtung: Satire/Kabarett hilft da nicht, da seine Anhänger Satire nicht verstehen oder akzeptieren.

Zweites Lindenblatt: Konsens mit seriösen Politikern

Die Kernwählerschaft ist ganz wesentlich dadurch an ihn gebunden, dass er sich mit dem Rest der Welt anlegt – einschließlich seiner eigenen Partei.

Wenn vernünftige, seriöse und ethisch unanfechtbare Zeitgenossen es schaffen würden, dass er mit ihnen einen Konsens einginge, würde das Trump bei seiner Kernwählerschaft schaden – bei den Wählern des Gegenlagers aber nicht Nützen…

Ad 3: Alles vermeiden, was zum Märtyrer-Status Herrn Trumps beitragen würde.

Also: bitte nich illegal beseitigen.

Ad 4: Das reicht ja nun wohl als Aufgabe für die nächste Zeit.

Ach ja, noch eines: Liebe Amerikaner, schützt Eure Richter! Das sind die Einzigen, die ihn derzeit in Schach halten können!

Bitte Vollzug melden!

Der Brandenburger Tor

*) …sollte auf Rezept gesendet werden!

Weniger ist mehr…

Oder: Ja, mach‘ nur einen Plan!

Haben Sie auch diese schreckliche Angst, etwas zu verpassen?

Wie schon unwidersprochen bei Brecht zu erfahren war: funktionieren alle unsere Pläne nicht – zumindest die, die den Kern unseres Lebens und Daseins betreffen.

Wer berichtet, dass er seine geistig-physische Entwicklung über Jahrzehnte nahtlos und erfolgreich geplant hat, der lügt – oder hat nicht begriffen, dass er geschmeidig die Zufälle des Lebens oder äußere Einflüsse umgedeutet hat zu seinem eigenen weisen Ratschluss.

So rumpeln wir durch die Wechselfälle unserer  Existenz und basteln uns einen Lebenslauf nach eigener Herrlichkeit …

Dabei sind wir nicht einmal in der Lage, vorherzusehen, wohin uns unser vermeintlicher Plan führen kann.

Man müsste….

… man müsste in alle jene Theaterstücke gegangen sein, die man sich Wochen vorher fest vorgenommen hatte zu besuchen – und dann vergaß die Karten zu besorgen oder den Termin einzutragen bis die Zeitung schrieb: morgen ist es! Aber da kannst Du jetzt nicht….

… man müsste in alle jene Konzerte gegangen sein, in denen nach jahrelangem Warten endlich der hoch geschätzte Interpret auftrat mit einem beglückenden Programm – als man vom Tagestrubel fortgerissen doch zu spät dran war und natürlich keine Karten bekam! Danach bejubelte selbstverständlich die Kritik das Konzert als Jahrhundertereignis – und was hättest Du Deinen Enkeln alles erzählen können … kannste aber nicht!

Würde es aber uns wirklich weiter bringen, wenn wir stets dank minutiöser Kontrolle unsere Pläne realisieren würden?

Man könnte…

… sich (wenigstens gedanklich) in eine Lage versetzen, in der man sowieso kein Theaterstück, kein Konzert und keine Lesung… kein Kabarett und keinen Kinofilm besuchen könnte – weil man kein Geld dafür hätte… oder weil man in der Antarktis verloren gegangen ist.

Was passiert dann?

Du kannst nichts verpassen, also fehlt Dir auch nichts.

Du liest keine Zeitung, siehst kein TV – also weisst Du nicht, was gelobt oder verrissen wird.

Du führt also ein Leben ohne sinnloses Bedauern, ohne sinnloses Wissen!

Dann könnte es sein…

… dass ein eigener Text, eine eigene Musik Deines Lebens in Dir aufsteigt: ein Echo, das wer weiß woher kommt…

… dass etwas auftaucht, das aus eigenen Bildern, Worten, Liedern, Gedanken zu bestehen scheint…

…. dass Du viele, vielleicht ALLE Gewissheiten verlierst, und dafür beliebig viele Möglichkeiten gewinnst, in denen Du möglicherweise etwas von Dir erkennst.

… und Du wärest für den Rest Deiner Zeit (die landläufig Leben genannt wird) frei von der Angst irgendetwas zu verpassen…

————————————–

Das oben stehende ist ein Extrakt aus der eigenen Erfahrung, als ich mich drei Jahre lang von jeglichen äußeren kulturellen Reizen ferngehalten hatte, die man landläufig „Kulturbetrieb“ nennt.

Während dieser Zeit habe ich:

  • kein Buch gelesen,
  • Kein Konzert besucht,
  • Kein Theater besucht,
  • Keine Musik-Konserve (oder Radio) gehört,
  • Nicht ferngesehen,
  • Keine Zeitung gelesen.

Was war die Folge?

Es entstanden damals weit über 100 Texte aller Art – vom Aphorismus bis hin zu einem vollständigen Theaterstück – ohne dass ich mich jemals hingesetzt hätte, um etwas zu schreiben.

Diese Texte kamen spontan irgendwoher – und da Schreiben eine Kulturtechnik ist, deren praktisch jeder Mitteleuropäer einigermassen fähig ist, lag es für mich nahe, sie aufzuschreiben.

Das Erlebnis, das ich bei mir selbst „Es schreibt mich“ nannte, habe ich damals (2009) in einer Glosse verarbeitet, die ich zur Belustigung des Lesers unter diesen Text gesetzt habe – sie hat die Form eines Briefes an einen Verleger, dem ich meine Texte zusende und ihn bitte, deren Veröffentlichung abzulehnen ….

Texte waren aber nicht das einzige: es entstanden in der Vorstellung auch Bilder, die aber nie gemalt wurden… aber in mir sind sie noch immer da. Parallel zum Schreiben auch noch zu malen ist aber ein Ding der Unmöglichkeit, solange man kein „Privatier“ ist, also folglich für den Lebensunterhalt „arbeiten“ muss….

Da ich die Kulturtechnik des Komponierens von Musik nicht beherrsche, blieben die auftauchenden Melodien und Lieder unaufgezeichnet – aber ich konnte in meiner Vorstellung jederzeit Symphonien und Konzerte von Beethoven, Dworschak, Mozart oder Schostakowitsch „ein-und aus-schalten“… und zwar in der von mir meist-geschätzten Interpretation.

Mit der Beschreibung dieser Erfahrungen will ich hier die Erkenntnis teilen:

weniger KANN mehr sein!

Die Hetze nach möglichst viel „Events“ und Orten, an denen man gewesen ist, könnte sich durchaus als  Beschränkung der eigenen Möglichkeiten erweisen.

Meine Empfehlung: mal ausprobieren!

Vielleicht gibt es ja ein „Gleichgewicht“ zwischen den Gewissheiten und den Möglichkeiten…

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ES Schreibt mich! (Glosse, 2009)

Liebe/r Verleger/in,

ich bin Ingenieur und Physiker.

Seit drei Jahren werde ich von Prosa-Texten heimgesucht (Kurzgeschichten? Essays? Glossen? – ich habe keine wirklich genaue Vorstellung, in welches Genre die gehören). Ich weiß nicht woher sie kommen. Sie sind plötzlich da – ich habe nie um diese Heimsuchung gebeten – will sagen: ich hatte nie den „Traum“ Autor zu werden.

Seitdem ich schreiben muss, weiß ich, dass der Beruf des Autors ein Albtraum ist – mit winzigen, eingestreuten Momenten des Glücks.

Diese „heimsuchenden Texte“ haben von mir verlangt, dass ich sie aufschreiben solle. Ich habe es versucht – und bin gescheitert. Ich habe die Texte angefleht, sie mögen woanders hingehen, sich einen anderen suchen, der schon schreiben kann – einen Profi. …sie hatten kein Erbarmen, sondern haben Mitverschworene geschickt: Kabarett-Texte, zum Schluss sogar Theaterstücke. Schließlich standen die  alle in einer Reihe geduldig da uns sagten: du wirst das schon irgendwie hinkriegen!

Ich habe sie angebettelt – hört zu: ich habe wahnsinnig viel zu tun! Ich arbeite 16 Stunden am Tag als Ingenieur und Manager. Ich bin schon 63… was soll das?

Sie hatten kein Mitleid – es wurden immer mehr. Schließlich saß ich nachts da und probierte alles mögliche aus, wie ich sie los werden konnte. Soviel hatte ich schließlich begriffen: ich würde erst Ruhe haben, wenn ich sie zu Papier gebracht hätte.

Erste kleine Ergebnisse zeitigte das Jahr 2006: Manchmal gelang ein erster Satz – dann entwickelte sich ein Rhythmus – zufällig war der Laptop nicht in der Nähe. Ich begann mit der Hand aufzuschreiben: das ging dann viel besser – der Rhythmus der Worte trieb die „Feder“, die eigentlich ein Kugelschreiber war, voran…

Am Ende war ich erschöpft, aber die Prosatexte in der Warteschlange applaudierten und riefen:

„ Na also! Geht doch! – Jetzt wir!“

Seitdem bin ich ihr Sklave. Ich habe keine Ausrede mehr – sie wissen dass ich es kann. Ich entkomme ihnen nicht mehr!

So reihte sich Prosatext an Essay an Sketch an Glosse … Gelegentlich schrieb ich die von Hand verfassten Texte dann im PC auf – überarbeitete sie dabei – las sie immer wieder – amüsierte mich köstlich über meine Kinderchen – änderte noch mal – las wieder – freute mich immer wieder aufs Neue. Eine kleine Entschädigung…

Schließlich sagten die Prosa-Texte (sie hatten das „Kolloquium im Krankenbett“ vor geschickt weil sie wussten, dass ich das besonders gerne mochte!): „Uns ist langweilig. Na gut, es kommen ab und zu neue Kollegen dazu, mit denen man sich unterhalten und austauschen kann, aber wir sind Texte! Unser Lebensinhalt ist es gelesen zu werden! Tu’ gefälligst was dafür.“

Da war meine Gelassenheit zu Ende:

„Erst kommt ihr von sonst wo her zu mir, belästigt mich, stehlt mir meine Zeit. Gut, dass ich selbst inzwischen ein bisschen Freude an euch gehabt habe, ist ein kleiner Trost. Aber eure zweifelhafte Herkunft und meine zweifelhaften Fähigkeiten, euch zum Text-Leben zu verhelfen sind schon ein wahrlich halbseidenes Duett an Voraussetzungen, euch eine größere Leserschar zu eröffnen. Ihr seid fein raus – niemand wird euch verantwortlich machen für das Desaster, obwohl ihr alleine die Urheber seid. Aber über mich wird man Kübel von Hohn und Spott ausleeren, sich dann hämisch umdrehen und dem nächsten Möchte-Gern-Autoren zuwenden, um den zu teeren und zu federn!“

Genauso lästig, wie sie von Beginn an waren, gaben sie dennoch keine Ruhe.

„Es müssen ja keine Millionen von Lesern sein – ein einziger mehr wäre immerhin schon die doppelte Zahl!“

Sie kriegten mich rum! Ich gab den ersten Text versuchsweise meiner Frau, mit dem fiesen Hintergedanken, dass die Sache dann sofort erledigt sein würde:

Immerhin ist sie meine schärfste Kritikerin in allen Lebenslagen!

Es war ein Flop: Meine schärfste Kritikerin sagte: „Ich habe schon Schlechteres gelesen!“

Schlimmer hätte es nicht kommen können. Die Texte kannten meine Frau bereits gut, da sie zwar verschlüsselt aber immerhin doch in ihnen vorkommt!

Sie schickten jetzt ihre einflussreichsten Vertreter (besagtes „Kolloqium im Krankenbett“, „Ackergaul Chronos“, „Wenn der Vogel am Morgen singt“ und „Es fährt noch ein Zug…“) als Abordnung zu mir. Sie setzten mir ein Ultimatum:

Wenn du nicht binnen zwei Monaten versucht hast einen Verleger für uns zu finden, mobilisieren wir ganze Scharen von Kollegen – besonders Herr Tourenski hat eine riesige russische Verwandtschaft – die in so großer Zahl über dich her fallen, dass du sowieso zu nichts anderem mehr kommst…!

Was sollte ich machen?

Ich sah mich also um.

Ich fand einen kleinen Verlag ganz in der Nähe, der sehr kompetent und sympathisch wirkte.

Hier war ich mir besonders sicher, dass man meine Kraut-und-Rüben-Texte nicht annehmen würde, aber  – das ist mir wichtig – einem Autor eine sehr höfliche Absage senden würde, die möglichst den Scharen von Texten, die um ihn herumlungern, nicht allzu weh tun (immerhin sind sie ja irgendwie meine Kinder!). Mit diesem Beleg in Händen werde ich dann vielleicht etwas mehr Ruhe bekommen.

In diesem Sinne überlasse ich eine Probe dieser Text-Kinderchen Ihnen hier zur Begutachtung. Sie können auch gerne mal hineinsehen, ehe Sie sie ablehnen: dagegen hätte ich nichts einzuwenden.

Wenn Sie mir noch einen anderen Verlag besonders empfehlen möchten, der meine Texte ablehnen könnte, wäre ich dankbar für jeden Hinweis.

Mit freundlichen Grüßen

Herbert Börger

— und sie werden es nicht glauben: das hat auch wirklich geklappt!

Alle Verlage haben meine Texte wie gewünscht abgelehnt – meine Ruhe ist jetzt nicht perfekt, aber das lästige Nörgeln meiner Text-Kinderchen hat doch aufgehört!