Das fängt ja gut an – 344

Wähler… was hast Du Dir dabei gedacht!?

Schon das Stichwort („tag“), unter dem da eine Bundesregierung geschmiedet werden soll-wird-will … fast zum Fremdschämen! JAMAIKA – ja so ein schönes Land (und erst der Rum!) – hat das Land dies verdient? Fremd-schämen? Es geschieht ja in unserem (Wähler-)Namen…

Dass mit vier potentiellen Koalitionspartnern (und jeder würde gebraucht!) sogleich das Vierfache des sogenannten „tatsächlich verfügbaren Finanzrahmens“ als „Wunschliste“ auf den Tisch kommt ist ja fast logisch.

Trotzdem ein bedenkliches Signal: wir reden in der Politik fast nur noch (und sofort) über GELD. Geld ist DAS gängige Totschlag-Argument: „mit diesem Konzept befassen wir uns erst gar nich – es ist ja nicht finanzierbar“.

Es ist richtig: ein irgendwie geartetes Konzept für die Zukunft unseres Landes hat gravierende Auswirkungen auf das benötigte Budget. Aber wäre es nicht sinnvoll, erst mal überhaupt ein solches KONZEPT zu haben – und dann mal zu schauen, wie man das zusammen bringt?

Dass wir nicht alle großen Zukunfts-Herausforderungen sofort mit der ganzen Wucht angehen können ist vermittelbar! Nicht vermittelbar ist, dass man jede Herausforderung zu 15% annimmt … also effektiv gar nicht.

Der richtig Weg wäre heute, zuerst einen Konsens über die PRIORITÄTEN zu erarbeiten. Man kann nämlich mit VERNUNFT und (unter Weglassung der Angst vor der jeweiligen Parteibasis) diesen Katalog durchaus voranstellen:

  • Das Weltklima-Problem rast auf uns zu, der Zeitplan ist durch uns nicht eigenmächtig-willkürlich geändert werden. Muss sofort entschieden werden! Die Folgen falscher Enscheidungen sind furchtbar und nicht korrigierbar. Also Prio-1! Notfalls auch Konzerne mit Entschädigungen abfinden… (Ja: kostet!)
  • Armutsgefahren, Wohlstands-Schere: diese Entwicklungen destabilisieren unser Land – wer zu spät reagiert, wird mit gewaltigen Problemen kämpfen müssen! Höchste Zeit zu reagieren – also Prio-2!
  • Bildung ist ein Prozess, der Halbwertszeiten von 15-30 Jahren hat, muss sehr früh angegangen werden – ist unterwegs auch mal korrigierbar. – also Prio-3!
  • Und dann kommen nach und nach alle anderen Punkte, die man gegebenenfalls „ausfeilschen“ kann.

Mit einem solchen Prioritäten-Katalog, hätte Angela Merkel (es ist falsch, sie alleine dafür verantwortlich zu machen – aber: gibt es noch Persönlichkeiten, die sie wirksam beeinflussen können?) vermeiden können, in Bonn auf dem Welt-Klima-Gipfel eine Nullnummer zu präsentieren. Diesen Punkt hätte man vor allen anderen in den zweieinhalb Wochen Sondierung fest zurren können – ein echter Pro-Klima-Kurs würde im Notfall immer auch von einer von der SPD mit-verantworteten Regierung mitgetragen werden. Und im Falle des Scheiterns der Sondierung/Koalitionsverhandlung könnte eine kommissarische Regierung das alles verantworten, was da nötig ist!

Gestern hat Angela Merkel in Bonn dem Ansehen der Bundesrepublik leider sehr geschadet!

Haben immer noch nicht alle begriffen, dass es bei der Klimapolitik zukünftig sich um eine Art „Notstandsgesetzgebung“ handeln wird?

Der neidisch ausgefeilschte Kompromiss, der im „Erfolgsfalle“ (der Koalitionsbildung) auf uns zu kommt, gruselt mich absehbar schon jetzt: jeder braucht irgendeine Trophäe, die er seiner Parteibasis anschließend zur Rechtfertigung und Genehmigung auf das Podium zerren kann. Es wird in der Folge dazu kommen, dass große Zukunftsfragen unseres Landes weitere vier Jahre ungelöst (ja nicht einmal wesentlich angegangen) bleiben. Viel Spaß dabei, den Murks anschließend dem „Wutbürger“ zu verkaufen!

Und morgen soll es soweit sein: Schaffen wir das? – oder nicht? Ich gebe auch heute noch keinen eigenen Tip ab – außer: eigentlich dürfte es ja nicht gehen…! Nichts ist „alternativlos“

„Der Wähler“: er hat sich wohl eher nix dabei gedacht. Laut Wahlanalysen (DAS lassen wir uns echt Geld kosten!!! Ich würde sowas den öffentlichen Medien ja verbieten! Sollen bitte die Parteien die Analyse ihres Ungemachs selbst bezahlen!) wird er von Gefühlen geleitet: er ist politikverdrossen, wütend, zurückgelassen, irgendwie solidarisch – oder auch nicht … Kein besonders hohes Lied für den vorangegangenen Wahlkampf.

Übrigens: ein erstauntes Lob der Medien – nach kurzem anfänglichen Aufblitzen, hat sie jetzt schon fast drei Wochen (!) keine dicken Spekulations-Säue über die Postenverteilung durch das Dorf getrieben! Auch: Martin Schulz wurde weitgehend in Ruhe gelassen: das brauch er wohl auch, um rauszufinden, wer er wirklich ist.

Bild des Tages:

Die folgende Darstellung habe ich mir erlaubt – unter Zitat-Nennung aus „klimafakten.de“ zu kopieren. Sie belegen den dramatischen Einfluss des menschengemachten CO2-Anstigs.

In Abbildung 3 sind die Daten für den Übergang von der letzten Eiszeit zur Warmzeit quasi in Nahaufnahme zu sehen: Die Erwärmung der Antarktis (rote Kurve) ging in der Tat dem Anstieg der CO2-Werte (gelbe Punkte) leicht voraus, doch die globale Erwärmung (blaue Kurve) folgte erst auf diese CO2-Zunahme. Mehr als 90 Prozent der weltweiten Erwärmung ereignete sich jedenfalls nachdem CO2-Anstieg (blaue Kurve).

Abbildung 3: Die aus einer Vielzahl von Proxy-Daten ermittelte globale Durchschnittstemperatur (blau), dargestellt als Abweichung vom Mittelwert des frühen Holozän (vor rund 11.500 bis 6.500 Jahren); ein aus Eisbohrkern-Daten rekonstruierter Temperaturverlauf in der Antarktis (rot); Konzentration von Kohlendioxidin der Atmosphäre (gelbe Punkte). An der horizontalen Achse sind prominente Zeitintervalle verzeichnet (LGM – Letztes Glaziales Maximum, OD – Älteste Dryaszeit, B-A – Bölling-Interstadial, YD – Jüngere Dryaszeit sowie Holozän); Quelle: Shakun et al. 2012

Die Behauptung, die Verzögerung beim CO2-Anstiegs während prähistorischer Klimawandel widerlege den Einfluss von CO2 auf die Erderwärmung, zeugt also von einem mangelnden Verständnis der Prozesse, die von Milanković-Zyklen angetrieben werden. Eine Analyse der Forschungsergebnisse zu den vergangenen Deglaziationsphasen ergibt jedenfalls:

  • Die Deglaziation wird nicht durch CO2, sondern durch Orbitalzyklen angestoßen.
  • CO2 verstärkt jedoch das Ausmaß der Erderwärmung, das nicht durch Orbitalzyklen allein erklärt werden kann und sorgt zudem für eine Verteilung der Erwärmung über den gesamten Globus.

Für den aktuellen Klimawandel lässt sich aus alldem Zweierlei lernen: Die gegenwärtige Erderwärmung vollzieht sich viel zu schnell und zu heftig, als dass sie mit orbitalen Faktoren erklärt werden könntezumal die gegenwärtigen Veränderungen der Erdbahnparameter zu einer sehr langsamen Abkühlung führen müssten. Momentan geht also etwas grundsätzlich anderes vor als in Deglaziationsphasen, bei denen der CO2-Anstieg tatsächlich erst durch die Erderwärmung angestoßen wurde. Was dann aber auf diese höhere Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre folgte, lässt wertvolle Rückschlüsse darauf zu, wie das Klimasystem der Erde heute bzw. in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten auf die menschengemachten CO2-Emissionen reagieren dürfte.

John Cook/klimafakten.de, Juni 2010,
zuletzt aktualisiert: Juli 2014

Herbert Börger

Der Brandenburger Tor, Berlin, 16. November 2017