Das fängt ja gut an – 314

Erlanger Stadt-Spitzen (1)

Eine seltene Gelegenheit: vier (in Zahlen: 4 !!) Tage in einer kleinen Groß-Stadt verbringen, ohne Hetze, mit minimalem Pflichtprogramm. Ich lasse mich treiben und dieses Erlangen auf mich einwirken… und stöbere ein bisschen in der Geschichte, denn ohne ein Minimum Wissens über seine Geschichte und seine Topographie kann man nichts Wesentliches über einen Ort erfahren.

Ein paar Wissens-Splitter habe ich in meinem Blog-Text gestern bereits offenbart (https://der-brandenburger-tor.de/?p=4918das-faengt-ja-gut-an-315). Es ist also eine Stadt, die im Laufe der Jahrhunderte drei oder vier große Geschenke bekam, und der man nicht nachsagen kann, dass sie daraus nichts gemacht habe. Ganz im Gegenteil!

Dazu kommen ein paar Kuriositäten. Etwa die, dass in Erlangen die heutige „Altstadt“ jüngeren baugeschichtlichen Datums ist als die „Neustadt“. Oder die, dass ausgerechnet dieser Ort der Lehre und der Wissenschaft nicht weiß, was sein Name bedeutet … (Lt. Wikipedia – wobei es sicher jede Menge Hypothesen geben wird…)

Erst bei diesem Besuch ist mir auch zu vollem Bewusstsein gekommen, was ich eigentlich schon längst hätte wissen können: nämlich dass ich bei unserem Umzug vor knapp vor einem Jahr – von Westmittelfranken nach Berlin – unter dem Aspekt des vor-nationalstaatlichen feudalistischen Kleinstaaten-Deutschlands nur von Residenz zu Residenz umgezogen bin. Bis vor 1806 (als dann Franken zu Bayern kam) hätte ich dabei nur als Untertan desselben Fürstenhauses (Ansbach-Hohezollern) den Ort gewechselt: zum Kernland Brandenburg. Erlangen gehörte seinerzeit ebenso als Brandenburg-Bayreuth bzw. -Kulmbach zu Hohenzollern/Brandenburg bzw. später zum größeren PREUSSEN.

Da kam mir auch wieder jene Frage hoch, die ich seit einiger Zeit jedem stelle, der sich etwas intensiver mit Geschichte beschäftigt: warum ist bei der umfassenden Restitution nach den Napoleonischen Kriegen beim Wiener Kongress ausgerechnet Franken nicht wieder vom Kgr. Bayern abgetrennt und an Preussen zurück gegeben worden?

Nun glaube ich bei diesem Besuch in Erlangen einen ersten Hinweis zur Erklärung gefunden zu haben: der Übergang der fränkischen Bereiche zum Königreich Bayern war zwar 1806/07 zunächst durch einen machtpolitischen Willkür-Akt unter französischer Herrschaft eingeleitet worden, 1810 aber offensichtlich durch einen Kaufvertrag legitimiert worden. Das könnte erklären, dass der Vorgang nicht unter den Restitutionsgedanken fiel, der den Wiener Kongress beherrschte. Dem muss ich allerdings erst noch weiter nachgehen …

Dabei wäre äußerst interessant, zu wissen, warum dieses alte Stück deutschen Kernlandes VERKAUFT wurde… werden MUSSTE? War Brandenburg/Preussen pleite? Ich nehme gerne Hilfe an!

Erlangen erscheint mir jetzt, da es für mich – als Patient seiner Unversitätsklinik – seit zwei Jahren zu einem Teil meiner eigenen Geschichte geworden ist, als eine eigenartige aber angenehm-eigenartige Stadt: UNSPEKTAKULÄR – eine die sich zwar nicht selbst erfunden hat aber immer kräftig zugepackt hat, wenn sie dazu Gelegenheit hatte… Ich höre die Erlanger ihre Stadt nicht laut und prahlend loben sondern eher still genießen.

Vieles in der Stadt ist nicht so offensichtlich und nicht auf den ersten Blick zu sehen. In der kommenden Woche werde ich weitere „Erlanger Spitzen“ beschreiben. Die Erzählung aus dem „Dartmoore Inn“ war eine Einleitung dazu.

Aphorismus des Tages: „Wenn schon der Versuch, die Geschichte objektiv aufzuschreiben, misslingt – wie soll dann der Forschung gelingen, das zu verstehen, was geschehen ist? Zu oft wird die Beschreibung der Ereignisse bereits absichtlich gefälscht, mit dem Ziel, Akteure der Geschichte in einem besseren Licht erscheinen zu lassen oder Verbrechen zu vertuschen. Der beste Geschichtsschreiber ist ein berufener Kriminologe oder investigativer Journalist (am besten beides!) – der aber nicht den Skandal mehr liebt als die Wahrheit.“ (Der Brandenburger Tor)

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 17. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 315

Ich habe keine Ahnung, wer gewinnt …

Ich bin in Erlangen – ein Abend in einer Stadt, die nicht meine Stadt ist, aber auch nicht ganz fremd… in gewisser Weise sogar meine zweite Geburtsstadt…

Erlangen verdankt fast alles, was es ist, drei großen, einschneidenden Ereignissen:

  • Der Aufnahme einer sehr großen Zahl von französischen Flüchtlingen auf einen Schlag im 17.Jh, für die dann extra vom Staat eine neue Stadt neben der alten Stadt gebaut wurde;
  • Die Verlegung der Universität kurz nach ihrer Gründung von Bayreuth nach Erlangen;
  • Die Verlegung des Hauptsitzes der Firma Siemens von Berlin nach Erlangen.

Ich habe die Jahreszahlen dieser Ereignisse alle im Kopf – erspare sie Euch aber, damit Ihr nicht auch mit soviel Müll im Hirn herumlaufen müßt.

Es gibt ein viertes Ereignis, von dem ich unsicher bin, ob man es nicht auch dazu zählen sollte: der große Brand, der die Altstadt zerstörte, so dass  man sie „modern“ wieder aufbauen konnte. Chicago hat das – langfristig – auch nicht geschadet… Dadurch ist Erlangen wohl weltweit die einzige Stadt, deren Altstadt NEUER ist als die Neustadt!

Ihr könnt jetzt den Rest des Tages darüber nachdenken, was uns das sagen will – aber bedenkt: es ist, wie es ist. Nur eines steht fest: Erlangen hat gewonnen!

Ich schlendere durch die baumlosen Gassen der Neustadt. Jetzt müßte ich mal etwas herzhaftes essen – man braucht eine Grundlage… für die Nacht in so einer Stadt!

Ich gehe in die nächst-beste Kneipe: es ist der „Dartmoore Inn“.

Die Kneipe ist rappel-voll. Wie durch ein Wunder finde ich fast ganz hinten am Tresen einen gemütlichen Platz, den ich mir mit einer mächtigen hölzernen Säule teilen darf.

Hinter mir brüllt jetzt einer unentwegt etwas , das ich wegen der großen Lautstärke nicht verstehe. Ich drehe mich um: da ist keiner, nur ein riesiger Flachbildschirm hängt an der Wand, auf dem Hoffenheim gegen Dortmund spielt – und ich habe keine Ahnung, wer gewinnt…

Diagonal entgegengesetzt in der anderen Ecke brüllt noch so ein Bildschirm – den kann ich aber nicht sehen, weil da aus meiner Sicht zwei Holz-Säulen davor stehen. Auf dem läuft glücklicherweise wenigstens dasselbe Programm (hätte schlimmer sein können…).

Ich preise den Zufall, dass ich in dieser Kneipe den offensichtlich einzigen Platz gefunden habe, von dem aus man BEIDE Bildschirme nicht sieht. Freue mich!

Es dauert noch eine ganze Weile, bis ich merke: das ist gar kein Zufall, denn dies ist eine FUSSBALL-KNEIPE. Auch gut – ich freue mich weiter.

Das Dartmoore Inn hat eine fulminante Currywurst-Karte mit 5 Currywurst-Varianten. Ich vermute, dass der Wirt ein gebürtiger Berliner ist. Ich frage ihn. Es stimmt.

Ich bestelle ein Murphy’s Stout. Die meisten Gäste trinken allerdings bayerisches Landbier, oder Veltins. Fußballfans eben.

Ich bestelle eine Currywurst mit einer exotisch-variierten Sauce und freue mich auf das Essen, denn ich liebe das Abenteuer.

Das Stout kommt und ist so tief-schwarz, wie ich es erwartet habe und schmeckt… wie Stout.

Inzwischen ist die Kneipe noch VIEL rappel-voller geworden. Ich hätte nicht gedacht, dass da so viele Leute rein gehen. Gut für die Rente des Wirts. Das Dartmoore wirbt auch damit, dass dort Dart gespielt werden kann. Mir ist schleierhaft, wie man bei dem Gedränge noch Dart spielen kann, ohne dass es zu Verletzungen kommt. Passenderweise liegen aber auch mindestens sieben große Kliniken in unmittelbarer Nachbarschaft…

Es werden überall Zettel und Stifte verteilt. Es stellt sich heraus: es wird heute Abend Kneipen-Quiz geben. Der Wirt ist der Quiz-Master.

Die Curry-Wurst kommt … sogar ziemlich zügig. Was auf dem Teller liegt, nimmt mich vollständig ein – und ich nehme es vollständig ein: prachtvoll – alles.

Zwei junge Leute neben mir versuchen, mich für ihre Quiz-Gruppe anzuwerben – in der vermutlich nicht ganz irrigen Annahme, dass jemand der so stein-alt ist wie ich, schon irgendetwas wissen wird!

Ich bin noch nie in einen Verein eingetreten (außer in die Deutsche Physikalische Gesellschaft) aber ich sage ihnen zu, dass ich es ihnen exklusiv zustecken werde, sollte ich etwas wissen. So geschieht es in der ersten Quiz-Runde. Die beiden versuchen mich mit Freibier zu bestechen, damit ich bleibe – aber das dritte Stout hätte genauso geschmeckt, wie das erste.

Ich brauche öfter was Neues… Ich gehe – und habe wieder keine Ahnung, wer gewinnt… Aber ich habe hier etwas Neues kennenglernt: hätte ich vorher gewußt, dass es eine Fußballkneipe ist, wäre ich nicht rein gegangen. Nun würde ich ins „Dartmoor“ immer wieder rein gehen! Also: ICH habe gewonnen!

Aphorismus des Tages: „Wissen kann auch hinderlich sein!“ (Der Brandenburger Tor)

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Erlangen, 16. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 330

Waren Sie schon mal bei einem Poetry Slam? (Meine Schätzung: 65% sagen jetzt ja…)

Für mich war es gestern DAS ERSTE MAL beim 7. Poetry Slam Adlershof, Berlin, veranstaltet von Meinhardt Medien im Erwin-Schrödinger-Zentrum. Slam Master: Felix Römer. Es war ein kleiner Saal zu 2/3 gefüllt mit gut 100 Zuhörern.

Da mir also der Vergleichsmaßstab fehlt, liegt auf der Hand, dass dies keine „Kritik“ der Veranstaltung oder der Autoren und Lyrik-Inhalte sein kann – es ist ein Erlebnisbericht!

Fünf Poetry Slammer waren vorher eingeladen – die Regeln kannten die gut, denn sie haben es offensichtlich nicht zum ersten Mal gemacht: obwohl die Vortragszeiten nicht gestoppt wurden, kam es nicht zu Längen. Es gab kein Programm zur Veranstaltung, und ich kannte keinen der Slammer. Daher ließ ich mir die Namen der Teilnehmer hinterher von Herrn Römer geben. Erst später habe ich recherchiert. So bin ich völlig unbedarft und unbeeinflußt dort hin gegangen – Das war gut so!

Ich dachte erst: nur fünf Slammer? Bisschen mickrig das Programm, mit 5 Minuten je Vortrag … Ich war halt Newbie! Hinterher war ich froh darüber – Mehr Teilnehmer hätten mein Gehirn kaum verkraftet.

Das Publikum war auch nicht durchgehend erfahren in dem Genre – nach „Blitzumfrage“ durch den Slam Master waren auch ca. 30% erstmals beim Poetry Slam dabei – erstaunlich. Noch erstaunlicher war die Alterspyramide im Saal: die lag sehr nahe bei der statistischen Gesamtverteilung der BRD (ohne Kinder – aber die muss man sich ja zukünftig ohnehin immer mehr wegdenken…) – das hätte ich viel jünger erwartet. Aber: das Genre ist ja auch schon 25 Jahre unterwegs… Dieses Publikum hatte die heilige Aufgabe, durch Klatschen, Johlen, Trampeln über die Qualität der Dichtung abzustimmen… Der Slam Master räumte seinerseits gleich ein, dass das ein völlig sinnloser Vorgang sei. Buh war auch erlaubt – hat aber keiner gemacht! ( Aus Wikipedia weiß ich, dass es auch Slams gibt, bei denen exakt Punkte vergeben werden – oder Wäscheklammern, die bei dem/der SlammerIn angeklipst werden… das muß sehr schön aussehen!)

Der Wettbewerbsmodus ging so: 1. Durchlauf: SiegerIn aus 5 ermitteln – 2. Durchlauf: SiegerIn aus restlichen 4 ermitteln (Reihenfolge des Vortrags umgekehrt!) – 3. Durchlauf: Finale zwischen den beiden SigerInnen. Natürlich lauter verschiedene Texte!

Kurzer Überblick über die Teilnehmer:

Aron Boks war der erste, der auf die Bühne kam – und wurde schließlich der Sieger des Abends. Sehr jung, Student in Berlin. Er stammt aus dem Harz – wie ich, aber es liegt ein halbes Jahrhundert und die ehemalig Zonengrenze zwischen unseren Geburten/Geburtsorten. Text, Sprache und Performance (Bühnenpräsenz!) bilden bei ihm eine homogene Einheit – und die ist nicht die Darbietung eines Sonnyboys sondern eher dunkel eingefärbt! Ich hatte den Eindruck, dass ihm das Talent regelrecht aus allen Poren dringt und kleine Pfützen auf der Bühne hinterlässt… Seine Texte waren die einzigen, die ich hinterher als Ausdruck ergattern konnte. Sein gedruckter Text ist extrem sperrig zu lesen – aber als er die Performance vortrug – völlig frei sprechend, traf sie mich direkt ins Herz. Sehr ungewöhnlich… Was er da gestern auf der Bühne zeigte hatte nichts mit dem Video auf Youtube, „Hoffentlich Berlin“, zu tun – außer dem gleichen Text (https://youtu.be/5Wqa5DUViqk). Sie würden Ihn nach dem Video nicht wiedererkennen: er muss in der Zwischenzeit sehr hart an der Performance gearbeitet haben. Und eine tolle Gedächtnisleistung erbringt er obendrein!

VUX (eine Frau!) stand gestern schließlich im Finale gegen Aron Boks – auch Studentin, auch jung, Berlinerin. Messerscharfe Texte, war in den  Acts mit frauen- und ich-bezogenen Texten unterweg und sprachlich und emotional sehr stark. Erkennbar war sie entprechend auch der Liebling der Frauen im Saal. Sie trägt teilweise frei vor, unterstützt von Blicken in Ihren Schrifttext. Das mach die Performance allerdings weniger frei – und hat sie vielleicht auch den „Endsieg“ gekostet.

Arno Wilhelm(-Weidner) schreibt sehr originelle, witzige Texte. Seine Texte entsprachen etwa meinem Erwartung-Klischee von Poetry-Slam – es reimte sich sogar teilweise… Allerdings liest er durchgehend alles ab. Das führt dazu, dass sein Gesicht überhaupt nicht mehr zu sehen ist, wenn der Text sich unten auf dem A4-Blatt befindet. Durch die fehlende Performance kann er wohl schwer auf der Bühne gegen die „high-performance“-Slammer gewinnen. Bei seinen Texten ist es für mich genau umgekehrt zu Aron Boks: seine Texte gewinnen, wenn man sie selbst liest, gegenüber Wilhelms eigenem Vortrag erheblich! Er erklärt, dass er Sätze liebt, die mit drei Punkten beginnen – ich liebe Sätze, die mit drei Punkten enden …

Fee (die andere Frau) stellt auf der Bühne das „strahlende Leben“ dar – sie schreibt sehr originelle-witzige Texte, verbunden mit einer sehr starken gesellschaftlich Botschaft und mit einer guten Performance (und ein bisschen Gedächtnisstütze). Wenn sie jetz noch immer völlig frei sprechen würde… Sie studiert Operngesang – und baute auch einen kurzen gesanglichen „Beweis“ in ihre Performance ein! Ihr Text „Wenn schlau das neue schön wäre…“ war aus meiner Sicht vielleicht der beste/originellste Eizel-Beitrag des Abends! (Kann man auch auf Youtube sehen/hören (https://youtu.be/n-GjxhHYBqU)  – ihr Vortrag war aber gestern abend eine ganze Klasse besser als im Video!)

Wolf Hogekamp ist – wie mir Felix Römer zu-raunte – DAS Poetry-Slam-Urgestein Deutschlands. Wikipedia bestätigt das! und petzt, dass er Jahrgang 1961 ist. – Er veranstaltete die ersten Slams in Berlin ab 1994 als Vorreiter im deutschen Sprachraum. Es ist also Ehrfurcht angesagt! Und berechtigt. Er liest seine Texte ab – aber die haben es in sich… Sein zweiter Beitrag war von kaum zu überbietender Skurrilität! Und dabei hatte ich ein déjà-vu: er bewegte sich exakt im Genre, das ich bisher nur von Torsten Sträter kannte (der 5 Jahre jüngere Sträter stammt hörbar aus dem Pott – Hogekamp vom Niederrein… darin liegt der ganze Unterschied!). Ist Hogekamp das Original? Danke Meister! Dass er den Slam anscheinend nicht gewinnen wollte (?) sondern die großartigen-jungen vor gelassen hat (?), ist ihm eventuell anzurechnen…

Ich finde es gerecht, die Lyrik-Helden zuerst zu loben…. Ungerecht wäre es aber, den Slam Master ganz auszulassen. Die extrem unterschiedlichen fragilen Gebilde von Lyrik, Texten und Performance müssen unbedingt in einem Rahmen zusammengehalten werden.

Felix Römer ist nach allerhöchsten Maßstäben ein sehr-sehr guter Moderator – einer, dem das im Blut liegt. Er hatte sich gestern Abend (oder macht er das immer so?) für den Weg der „Publikumsbeschimpfung mit Fingerspitzengefühl“ bzw. „Zuckerbrot und Peitsche“ entschieden. Die auftretenden Autoren-Performer sind bei ihm die Helden – das Publikum quasi der träge, etwas beschränkte „Koloss“, aber einer der gutmütigt werden will und manipulierbar ist und dafür mildernde Umstände bekommt.

Wir – Zuhörer und Jury in einer Person – durften in solche Klatsch-Orgien ausbrechen, dass mir heute noch die Hände weh tun (das fördert aber die Durchblutung! … und für nur 10 EURO eher eine billige Therapie!) – danke, Herr Römer.

Zum Schluß bleibt noch, den mutige Gast (eigentlich Zuhörer) zu erwähnen, der sich für eine musikalische Umrahmung des Programms mit Saxofon bereit erklärt hatte, obwohl er eigentlich noch übt… Chapeau!

Heute kein Aphorismus, sondern ein Zitat über den Slam-Zuhörer (aus dem Wikipedia-Artikel):

„Der durchschnittliche Slam-Zuhörer bewertet den künstlerischen Wert eines Gedichts nicht aufgrund literarischer Qualität, sondern im Vergleich zur allgemeinen Populärkultur, die ihn umgibt. Nur mit dem Wissen ausgestattet, welche Dinge sie persönlich in anderen Bereichen ihres Lebens unterhaltsam finden, wenden die Zuhörer die gleichen Standards an, um die Bühnendichter zu bewerten.“

Joe Pettus: How to win a poetry slam
Herbert Börger
© Der Brandenburger Tor, Berlin, 01. Dezember 2017