Das fängt ja gut an – 219

Wer und welche Religion oder Staatsauffassung gehört zu Deutschland und welche Leitkultur haben wir, bitteschön?

Ich bin es leid, von älteren, aufgeblasenen Politikern (ja auch Politikerinnen!), die in einer langen – quälend langen! – Machterhaltungs-Karriere verdumpft, ja inzwischen verdummt sind, ständig erklärt zu bekommen was unsere „Leitkultur“ sei. Dazwischen krähen dann auch noch einige früh-machtgeile Jung-Karrieresuchende, die froh sind endlich eine Thema besetzen zu können, das zu ihnen passt!

Leute: reißt Euch gefälligst zusammen! Es sehen Euch Millionen von Bürgern dabei zu, was Ihr öffentlich treibt. Ja, ich meine auch Sie, der jetzt Minister ist, nachdem er erst kurz nach der Jahrtausendwende anscheinend ein Not-Abitur gemacht hat… und jetzt glaubt anderen erklären zu müssen, was KONSERVATIV ist. Es gibt in der Nähe Ihres neuen Amtssitzes sicher eine Volkshochschule, in der Sie abends nochmal einen Kurs über das Grundgesetz belegen können.

In unserem Staat ist JEDEM – egal wie lange er sich hier schon aufhält und welche Staatsangehörigkeit er hat – RELIGIONSFREIHEIT gewährt. Sie werden im Grundgesetz keine Liste finden, welche Religion dazu gehört oder nicht… (Gäbe es diese Liste, wäre sie vermutlich länger als der ganze Text des Grundgesetzes!)

Die Feststellung, dass unsere Kultur in Deutschland „christlich-jüdisch“ geprägt sei, ist eine LEERFORMEL. Politiker sagen nun einmal gerne: „A ist gleich A, davon beißt keine Maus einen Faden ab und im übrigen stehe ich hier und kann nicht anders als Sätze solcher Tragweite sprechen!“ Es gibt große Landstriche in Deutschland (= mehrere Bundesländer), in denen sich heute gerade mal 25% der Bevölkerung zu christlich-jüdischen Religionen bekennen (und kaum einzelne Prozente zu anderen Religionen) – und davon vermutlich noch ein beträchtlicher Anteil nur als „Mitläufer“ – wir wissen ja: Taufe – Konfirmation – Weihnachten und Hochzeit… da weiß man doch, dass man einen seriösen Dienstleister hat!

Wenn die Dichte der Kapellen, noch aktiven Kirchen, Turm-und-Klassenzimmer-Kreuze, Madonnen-Figuren und Kruzifixe weiter südwestlich höher ist, dann soll das gerne so sein aber:

das ist PRIVATSACHE – man ist FREI darin! Und das ist gut so!

Ich persönlich bekenne mich zu keiner Religion – aber ich achte Ihre Religiosität, wenn Sie diese inhaltlich und formell leben. Wenn Sie ein Mitläufer-Christ sind, dann ist meine Achtung vielleicht nicht ganz so hoch – aber auch das ist Ihre Sache: Sie werden schon wissen, warum Sie einen spürbaren Teil Ihres Einkommens dafür einsetzen.

Im Übrigen gehört das Thema Religion nur dann auf die politische Bühne, wenn es darum geht, die Religionsfreiheit zu schützen, wozu auch gehört, die zu schützen, die unbehelligt von Religion frei leben wollen

NICHT schützenswert sind Gruppen und Grüppchen, die allen Ernstes propagieren, dass alle, die sich nicht zu ihrem Vereinszweck bekennen (symbolisiert in einem Gott oder Propheten) umgebracht oder versklavt werden sollten. Das wissen bei uns nämlich die meisten Bürger, dass das gegen die Menschenrechte und/oder das Grundgesetz verstößt.

Obwohl es natürlich bezüglich der christlichen Kirchen eine Sache der historisch-kulturellen Betrachtungsweise sein kann: noch vor wenigen hundert Jahren galt diese Haltung gegenüber Nicht-Chrsiten durchaus noch als LEGITIM… und wurde auch praktiziert. Ich erkläre hier ausdrücklich, dass mir heute keine christliche Kirche mehr bekannt ist, die diesen standpunkt heute noch vertritt (mit der Ausnahme, dass christlich geprägte Investoren fremde Länder wirtschaftlich verwüsten dürfen….).

Ich sollte aber doch noch erwähnen, dass meiner Meinung nach nur ein marginaler Unterschied zum Umbringen von Nicht-Christen darin liegt, denen, die nicht an den Richtigen Gott/Propheten glauben, die Hölle nach dem Tode anzudrohen… Das gilt durchaus bis heute. Und es galt/gilt sogar zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen gnadenlos: die katholische Großmutter meiner Frau hat sie als (damals noch) evangelisches „Balg“ mitleidslos auf dem weg zum Kindergarten hinter sich her her gezerrt: das war ja sowieso verloren…

Es gibt Unmengen von christlichen (oft „evangelikalen“) Gruppen und Grüppchen, die in wichtigen Glaubensgrundsätzen ihrer Vereine unser Grundgesetz verletzen. Aus meiner Sicht gehören die Kreationisten und Anhänger des „Intelligent Design“ (eine Kreationisten-Tarnorganisation) dazu.

Und zwar nicht deshalb, weil sie ihre Anhänger dazu auffordern zu glauben, dass Gott eigenhändig und buchstabengetreu vor ca. 6.400 Jahren die Welt in allen Einzelheiten geschaffen hat. Die können meinetwegen glauben, was sie wollen!

Dazu sollen in USA ca. 25% der Bevölkerung gehören – bei uns aber immerhin 15%.

Der Verstoß gegen unsere staatlich-gesellschaftlichen Regeln liegt darin, dass diese Gruppen Schulen gründen und betreiben, in denen dieser Unfug allen Kindern als seriöse Pseudo-Wissenschaft gelehrt wird!

Wo das Problem ist?

Fragen Sie sich bitte selbst, ob sie möchten, dass ein wesentlicher Anteil der Wählerschaft in unserer Demokratie durch derart absurde Vorstellungen manipulierbar gemacht wird?

Die groteske Situation liegt hier in unserem Rechtssystem begründet: es ist bei uns erlaubt alles zu lehren – solange die Schule den systemisch „vorgeschriebenen Stoff“ rüber bringt. Daneben ist anscheinend jeder Stuß erlaubt!

In den USA gibt es wenigstens durch das Rechtssystem bedingt die echte Bremse, dass in öffentlichen Schulen (und das sind eigentlich auch fast alle privaten, da sie vom Staat maßgeblich mitfinanziert werden) Kreationismus nicht gelehrt werden darf – und auch Intelligent Design gilt lt. Rechtssprechung hierzu! Das versuchen die kreationistischen Fundamentalisten derzeit auszuhebeln… ich fürchte, es wird ihnen gelingen!

Hiermit wollte ich nur einige – wirklich relevante – Schnittstellen zwischen Politik und religion anreißen.

Komme ich zurück zum Anfang des Textes:

Politiker – zumal solche, die in der Regierung der BRD sitzen – haben den Auftrag des Grundgesetzes zu erfüllen: also die Religionsfreiheit (und die Freiheit der nicht-religiösen Bürger – ja, auch Börger) zu gewährleisten. Ansonsten sollen sie sich zurücknehmen und Landtagswahlen dadurch zu gewinnen versuchen, dass sie gute Politik für die Bürger machen!

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 22. März 2018

Das fängt ja gut an – 277

Kirchensteuer – Update: Wegelagerer in Berlin

Am 30.12.17 hatte ich über meine neuen Erfahrungen mit der evangelischen Amtskirche in Berlin-Brandenburg berichtet:

Das fängt ja gut an – 301

Damals war der letzte Stand, dass die Kirchensteuerstelle der Kirchen mir mitgeteilt hatte, es sei nun meine eigene Aufgabe, meinen Kirchen-Austritt nachzuweisen, sonst …

Ich war zwar – wie Sie gleich erfahren werden: zu recht – erbost über so viel Frechheit, habe aber dann doch am 8. Januar den aus meiner Sicht einzig logischen Schritt getan, nämlich einer förmlichen, schriftlichen Anfrage beim Taufregister der ev. gemeinde meiner Geburtsstadt Clausthal, in der ich 1947 getauft worden war. Nachdem ich durch akribische Recherche bei allen möglichen Ämtern (Amtsgerichte, Finanzämter, Standesämter) meiner bewegten Umzugshistorie festgestellt hatte, dass derartige Daten auf Seiten des Staates einfach keiner Aufbewahrungsfrist >10 Jahren unterliegen, hatten mir Fachleute geraten, dass dies der einzig LOGISCHE Schritt sei.

Am 17. Januar 2018 erhielt ich von dort die schriftliche Bestätigung, dass ich 1967 aus der Kirche ausgetreten war.

Was heißt das jetzt (außer dass bei meinem Steuerstatus „Entwarnung“ herrscht)?

Die fraglichen Daten, die meinen fast das ganze Erwerbsleben über beanspruchten und gewährten Status „ohne Konfession“ rechtfertigten lagen tatsächlich „im Schoße“ und im ungehinderten Zugriff der Amtskirche!

Was hatte die evangelische Kirchensteuerstelle aber getan, um ihrerseits den Sachverhalt aufzuklären?

Eigentlich nur eines – außer mich zu drangsalieren – nämlich eine eigene interne Anfrage in der Kirchengemeinde meines damaligen Wohnsitzes bei Austritt zu machen … Wie ich inzwischen weiß, war das nicht logisch.

Fassen wir zusammen: Die Kirche besitzt keine aussagefähigen Mitgliederverzeichnisse, auf die sie ihre Ansprüche stützen könnte! In meinem Fall basierte die Behauptung seitens der ev. Kirchenverwaltung ausschließlich darauf, dass ich selbst dem Finanzamt auf dessen Fragen hin die Auskunft über meine ursprüngliche Taufe (und Tauf-Kirchengemeinde) und Wohnort bei Austritt selbst gegeben hatte: selbstverständlich beantworte ich jegliche Fragen meines Finanzamtes immer wahrheitsgemäß! (Das heißt gleichzeitig: der Amtskirche hätte ich diese Informationen NICHT gegeben!) Die Kirche benutzt die Finanzverwaltung zur Erhebung von Daten der Bürger, die ihr normalerweise als Institution nicht zustehen würden. Auf Deutsch: die Kirche mißbraucht das Finanzamt dazu, den Bürger nach Daten auszufragen, die sie fahrlässiger weise selbst nicht archiviert!

Erschwerend kommt in meinem Fall hinzu, dass die Kirche auf Basis meiner Auskünfte, wider besseren Wissens ihre eigene „Nachforschung“ an der falschen Stelle durchgeführt hat!

Nach wie vor ist mir der Anlass nicht ersichtlich, weshalb das Finanzamt Treptow-Köpenick die Frage der Kirchensteuerpflicht bei mir überhaupt aufgeworfen hat: in meinem Steuer-ID-Datensatz war nach 54 Jahren ununterbrochener Steuerpflicht in Deutschland „ohne Konfession“ eingetragen.

Liebe evangelische Amtskirche Berlin-Brandenburg: jeder Verein in der BRD muss auf Basis der Treuepflicht: die Ausgaben den Einnahmen anpassen! Wegelagerei ist keine Lösung für die finanziellen Probleme eine weltanschauliche Vereinigung!

Ich berichte diesen Vorgang so detailliert, um möglicherweise anderen Bürgern zu helfen, für die diese Erkenntnisse auch nützlich sein könnten, um sich gegen die unmoralische Praxis einer Amtskirche zu wehren.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 23. Januar 2018

Das fängt ja gut an – 301

Vorsicht: Wegelagerer in Berlin – die EKD (Berlin-Brandenburg) führt einen Bürgerkrieg um Steuerzahlungen gegen Menschen, die vor langer Zeit aus der Kirche ausgetreten sind – und hat das Finanzamt dafür als Erfüllungsgehilfen gewinnen können.

  1. Akt: Ich habe die früh-jugendliche Glaubens-Phase bis zur Konfirmation hinter mir  gelassen. Ich bin mir zwar nicht so ganz sicher, wie die Sache mit Gott wirklich ist … aber diese Amtskirche will ich nicht. Ich trete 1967 mit 21 Jahren beim Amtsgericht aus der ev. Kirche aus. Dabei habe ich nicht im geringsten an die Kirchensteuer gedacht – es war eine rein weltanschauliche Entscheidung. (Mein Sold als Zeitsoldat betrug zu diesem Zeitpunkt DM 382,00 mtl.)
  2. Akt: Mein Schritt wird vom Amtsgericht dem Finanzamt (Goslar) gemeldet – in der Folge bin ich (automatisch) steuerlich „ohne Konfession“ eingestuft. Ich habe danach während meines ganzen Erwerbslebens keine Kirchensteuer gezahlt – was die Kirche natürlich weiß! 52 Jahre lang!
  3. Akt: Meine ehemalige Verlobte tritt 1970 zwei Monate vor unserer Heirat (wir wissen schon, dass wir unsere Kinder nicht taufen lassen werden – das sollen sie später selbst entscheiden) beim Amtsgericht Stolberg/Rhld aus der ev. Kirche aus. Auch für sie spielte die Kirchensteuer dabei keine Rolle (1969 hat sie DM 99,49 Kirchensteuer im Jahr gezahlt). Automatisch erhält sie danach eine Lohnsteuerkarte mit Vermerk „ohne Konfession“ (FA Aachen-Rothe Erde). Erstaunlicherweise hatte sie Ihre Austrittsbestätigung von 1970 jetzt immer noch…
  4. Wir heiraten 1970 und in unserem damals angelegten Familienstammbuch sind beide Eheleute ohne Konfession eingetragen. Selbstverständlich heiraten wir nicht kirchlich.
  5. Akt: Wir ziehen drei Kinder ungetauft groß – von ihnen  hat sich – bisher – keines der Kirche zugewendet.
  6. Akt: Während meines Erwerbslebens wandere ich von Finanzamt zu Finanzamt: Aachen – Würzburg – Heidelberg – Nürnberg – Heidelberg – Uffenheim (Mittelfranken). Alle Finanzämter übernehmen fünf Jahrzehnte lang den vom vorherigen FA gemeldeten Status „ohne Konfession“. Ein erneuter Nachweis wird in keinem einzigen Falle gefordert.
  7. Akt: 12 Umzüge später – Umzug zum „Ruhesitz“ Berlin 2017. Unsere Steuerakte wird mitten in der Bearbeitung der Jahres-Einkommensteuer an das Finanzamt Treptow-Köpenick abgegeben. Wir ahnen noch nichts Böses …
  8. Akt: Die Kirchensteuerstelle beim FA Treptow-Köpenick konfrontiert uns mit der Feststellung, dass unsere Kirchenzugehörigkeit nicht zweifelsfrei geklärt sei. Wir sollten einen Fragebogen ausfüllen – dies haben wir dann sehr verwundert aber natürlich wahrheitgemäß entsprechend der oben beschriebenen Vorgeschichte getan.
  9. Akt: Meine Frau hatte – eher zufällig – tatsächlich ihre Austrittsbestätigung von 1970 noch – ich nicht. Die Evangelische Kirche läßt ihre Steuer vom Staat einziehen, die Kirchenaustritte von staatlichen Institutionen entgegen nehmen (Gericht oder Standesamt – beide haben dafür eine Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren!) – hat keine bundesweite Übersicht und Kontrolle über Ihre Mitglieder (die Tatsache meiner Taufe wußte sie nur weil ICH ihr Ort und Datum auf Nachfragen wahrheitsgemäß selbst genannt habe!). Aber: ich soll meinen Austrittsbeleg 52 Jahre aufbewahren. Dazu behauptet die Kirchensteuerstelle Berlin wahrheitswidrig, dass die Festlegung der Konfessionszugehörigkeit (früher auf der Lohnsteuerkarte) alleine auf den eigenen Angaben der Steuerzahler beruhten. Das ist falsch: Die Merkmale zur Kirchensteuer wurden beim Finazamt aufgrund der Mitteilungen der Amtsgerichte automatisch ohne Mitwirkung der Steuerpflichtigen geändert! Auch heute ist das so!

DANKE ! – liebe Evangelische Kirche: jetzt hast Du mir bestätigt, dass es richtig war, vor 52 Jahren aus Dir auszutreten!

Ich fordere: Vertrauens-Schutz für Verwaltungsakte, die vom Staat vor bis zu 52 Jahren im Auftrage der Kirche durchgeführt wurden.

Der Treppen-Witz dabei ist: das Finanzamt, das dabei Schützenhilfe leistet – kassiert in der Folge – wenn UNBERECHTIGT Kirchensteuer erhoben wird – für den Staat WENIGER, da der Kirchensteuerbetrag vom Brutto wieder abgezogen werden kann! Eine massive zusätzliche Subvention der Kirchen!

Erst in diesem Stadium habe ich über das Phänomen recherchiert – und siehe da: es ist nicht neu! Schon seit 2006 gibt es Klagen über das Vorgehen der Kirche (offensichtlich nur in Berlin-Brandenburg!) in dieser Sache – jährlich werden tausende von Bürgern auf diese Weise abgezockt – sehr häufig auch ehem. DDR-Bürger, denen die Pfarrer nicht gesagt haben, dass sie ihren Austrittswunsch nicht entgegen nehmen können, sondern dass der Bürger dazu zum Notar gehen musste!

Hier ein paar Links über andere Beschwerden zum Thema:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/kirchenaustritte-koennen-jahre-spaeter-noch-teuer-werden/688812.html

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2010/Kirchenaustritt-Gebuehren-und-Schikanen,panoramakirche106.html

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 30. Dezember 2017

Das fängt ja gut an – 360

 

Zwei Aphorismen zum Reformationstag (31.10.):

Ludwig Feuerbach sah aufgrund der Bedeutung Luthers für unsere spirituelle Kultur einen Bedarf, Luthers Denken philosophisch zu interpretieren.

Aus Luthers Formulierung:

Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ (Martin Luther, Das Wesen des Christentums) – und anderen ähnlichen Sätzen,

leitete er die philosophische Deutung ab, bzw. „schiebt Luther in den Mund“:

Gott ist eine leere Tafel, auf der nichts weiter steht, als was du selbst darauf geschrieben. (Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Glaubens im Sinne Luthers) – und leitete aus Luthers Erläuterungen die These ab:  wenn Gott ein Mensch ist, dann ist auch der Mensch Gott.

Da aber Luthers Gedankengebäude nicht Bestandteil einer philosophischen Schule sind, muss die Deutung dieser Gedanken im Sinne einer philosophischen Disziplin auf unauflösliche Widersprüche stoßen: Glaube und Philosophie sind „inkommensurable“ Disziplinen – man kann keine von Ihnen mit den Methoden der anderen analysieren.

Luthers Gedanken wurden nicht erst rund 300 Jahre später fehlgedeutet. Schon zu seinen Lebzeiten löste seine Auffassung von „Der Freiheit eines Christenmenschen“ große und sehr tragische Missverständnisse aus: das blutige Geschehen der Bauernkriege!

Da heute die Macht des Glaubens in der Gesellschaft eine wesentlich geringere ist als zu Zeiten Luthers, besteht allerdings kein sehr großer Bedarf mehr, die Glaubenswelt und die Zivilgesellschaft in einen einheitlichen Kontext zu zwängen. Das bewegt sich heute mehr auf der Ebene des Individuums.

Heute sind religös-gläubige Menschen in Deutschland weitgehend in völlig friedlicher Koexistenz mit un-religiösen Menschen oder gar Atheisten… Dabei finde ich aus meiner eigenen Sicht den Begriff Atheismus unpassend, da er im allgemeinen mit einer streng-materialistischen Weltauffassung zusammen gesehen wird.

Für mich würde ich den Begriff „Humanismus“ wählen – einer spirituellen, dem Menschen zugewande Weltauffassung. Auch diese entstand in Luthers Zeit und zwar als Kern-Prozess der Aufklärung. Den Super-Star ders Humanismus – Erasmus von Rotterdam – konnte Luther nicht als „Mitstreiter“ für seine religiöse Sache gewinnen!

So schließt sich quasi ein Kreis – und nicht nur dieser! Gerade heute und gerade in Deutschland, sind mehr als nur zarte Strömungen zu finden, die die durch Luther provozierte (und durch die Gegen-Reformation nur noch verschärfte) Spaltung des christlichen Glaubens zu überwinden. Dieser kann ich – auch als Humanist – nur viel Glück wünschen.

Bild des Tages: Aufleuchtendes Vergehen… (Mehr Fotos von mir auf www.fotosaurier.de oder auf flickr unter „Herbert Börger“)

GegenDas HerbstLicht1

Herbert Börger, Berlin, 31. Oktober 2017