AKK

Dies ist mein erster und gleichzeitig letzter Blog-Text zur derzeitigen Noch-Parteivorsitzenden der CDU.

Ich beginne mit einer Empfehlung an Frau Kramp-Karrenbauer: packen Sie alle widersprüchlichen Äußerungen, zu denen Sie Ihr politisches Bewusstsein drängt in EINE Mitteilung – Sie sparen sich und uns die dazwischen liegende und folgende Diskussion.

Sagen Sie also: ich muss hier doch auch mal sagen dürfen, dass Meinungsäußerungen gegen und zum Schaden der CDU verboten gehören (meine Meinung! darf ich sagen!) – gleichzeitig wäre es natürlich absurd, wenn ich so etwas sagen (und erkennbar meinen) würde: also hören Sie einfach mal weg, wenn ich mit DIESEM Gesichtsausdruck etwas sagen will… und das noch montags!

Es handelt sich um die altbekannte Situation: „Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph geblieben!“ (Wie zum Beispiel mache Lehrer oder Hochschulassistenten bei Prüfungen über mich MEINTEN: wir haben den Eindruck, dass Herr Börger viel mehr weiß, als bei dieser Prüfung zum Ausdruck gekommen ist!). Antwort der Delinquentin: ich bin keine Philosophin und will auch keine werden – also rede ich! Eine Nachsicht seitens der Prüfer scheidet damit aus …

Es ist eigentlich auch schon (fast) alles gesagt: wer eine solche Vorsitzende hat, braucht keine AfD, die „Lügenpresse“ brüllt. Alle anderen Fragen muss sich eben doch die politische Vereinigung beantworten, die sich diese Frau zur Vorsitzenden erwählt hat.

Copyright Der Brandenburger Tor, Berlin, 28.5.2019

Herbert Börger

P.S. (29.05.2019) – Jetzt ohne Satire: Bei genauerer Betrachtung komme ich zu dem Schluss, dass aus AKKs Äußerungen die Angst vor diesem unheimlichen Medium „Internet“ spricht. Daher die neue, ehrliche Empfehlung: Wissen über eine Sache kann die Angst besiegen – wie bei den meisten Dingen auf der Welt …

Mein Löwenzahn-Faschismus

Offener Brief an Bettina Weiguny,

Berlin, den 5. Mai 2019

(Betr.: Ihre Kolumne „Balance-Akt“ vom 5.5.2019)

Liebe Frau Weiguny,

erlauben Sie, dass ich Ihnen zu Ihrem heutigen Kolumnen-Thema „Löwenzahn“ einen (kompetenten!) Hinweis gebe. (Ja, ich habe verstanden, dass es IHNEN weniger um den Löwenzahn geht als ums Allgemeine im übertragenden Sinne….)

Sie argumentieren ja sehr schön, dass der „Einzelne“ eben doch sehr viel bewirken kann – und das gilt ja auch für den Löwenzahn, der aus einer einzigen Wurzel an einem Standort pro Jahr aus mehreren Blüten und Blühperioden eine Unzahl von Samenkörnern erzeugt und entsendet. Darüber hinaus hat er ein Samentransportsystem entwickelt, das über leiseste Luftbewegungen – und vor allem auch Thermik! – den Samen einen Aussende-Radius von vielen (oft sogar hunderten!) Kilometern verleiht!

Ein für mich als Physiker und Ingenieur bewundernswertes, robustes System – genial wie so vieles, das die Natur hervorbringt.

Allerdings sind in dem wunderbaren Garten meiner Frau (den ich als Helferlein mit anlegen durfte) Löwenzähne als Spezies trotz aller bewundernswerten Eigenschaften nicht vorgesehen…

Deshalb richte ich den gesamten mir – wie allen anderen Menschen – innewohnenden Faschismus gegen diese Pflanze, sobald sie sich INNERHALB dieses Gartens zeigt! (Außerhalb des Gartens bewundere ich sie nach wie vor.)

Dank meines virulenten Anti-Löwenzahn-Faschismusses ist dieser Garten löwenzahnfrei!

Dabei blüht er entlang der Straße vor unserer Hecke überall. Das rechte Nachbargrundstück liegt brach und verwildert – auf dem linken wird er von der Nachbarin geduldet.

Und trotzdem ist unser Garten frei von Löwenzahn, da ich als Einzelner mich dagegen stemme.

Sie zerstören aber zum Schluß die Logik Ihres gut begründeten Gedankenganges: indem Sie nun selbst doch zum Unkrautstecher greifen, obwohl Sie dafür keine eigene Motivation besitzen. Lassen Sie das – ihr Nachbar kann als Einzelner auch mindestens das bewirken, was ich mir zugemutet habe. Oder haben Sie Angst, dass er seinen Faschismus gegen Sie ausleben könnte anstatt gegen die verursachende Pflanze? Sagen Sie dem Nachbarn: er schaffe das! – dieser Satz löst heute in weiten Teilen der Bevölkerung große Freude aus!

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Frühjahr!

Ihr

Herbert Börger

Copyright Der Brandenburger Tor, Herbert Börger, Berlin 6.5.2019

Das fängt ja gut an – 219

Wer und welche Religion oder Staatsauffassung gehört zu Deutschland und welche Leitkultur haben wir, bitteschön?

Ich bin es leid, von älteren, aufgeblasenen Politikern (ja auch Politikerinnen!), die in einer langen – quälend langen! – Machterhaltungs-Karriere verdumpft, ja inzwischen verdummt sind, ständig erklärt zu bekommen was unsere „Leitkultur“ sei. Dazwischen krähen dann auch noch einige früh-machtgeile Jung-Karrieresuchende, die froh sind endlich eine Thema besetzen zu können, das zu ihnen passt!

Leute: reißt Euch gefälligst zusammen! Es sehen Euch Millionen von Bürgern dabei zu, was Ihr öffentlich treibt. Ja, ich meine auch Sie, der jetzt Minister ist, nachdem er erst kurz nach der Jahrtausendwende anscheinend ein Not-Abitur gemacht hat… und jetzt glaubt anderen erklären zu müssen, was KONSERVATIV ist. Es gibt in der Nähe Ihres neuen Amtssitzes sicher eine Volkshochschule, in der Sie abends nochmal einen Kurs über das Grundgesetz belegen können.

In unserem Staat ist JEDEM – egal wie lange er sich hier schon aufhält und welche Staatsangehörigkeit er hat – RELIGIONSFREIHEIT gewährt. Sie werden im Grundgesetz keine Liste finden, welche Religion dazu gehört oder nicht… (Gäbe es diese Liste, wäre sie vermutlich länger als der ganze Text des Grundgesetzes!)

Die Feststellung, dass unsere Kultur in Deutschland „christlich-jüdisch“ geprägt sei, ist eine LEERFORMEL. Politiker sagen nun einmal gerne: „A ist gleich A, davon beißt keine Maus einen Faden ab und im übrigen stehe ich hier und kann nicht anders als Sätze solcher Tragweite sprechen!“ Es gibt große Landstriche in Deutschland (= mehrere Bundesländer), in denen sich heute gerade mal 25% der Bevölkerung zu christlich-jüdischen Religionen bekennen (und kaum einzelne Prozente zu anderen Religionen) – und davon vermutlich noch ein beträchtlicher Anteil nur als „Mitläufer“ – wir wissen ja: Taufe – Konfirmation – Weihnachten und Hochzeit… da weiß man doch, dass man einen seriösen Dienstleister hat!

Wenn die Dichte der Kapellen, noch-aktiven Kirchen, Turm-und-Klassenzimmer-Kreuze, Madonnen-Figuren und Kruzifixe weiter südwestlich höher ist, dann soll das gerne so sein aber:

das ist PRIVATSACHE – man ist FREI darin! Und das ist gut so!

Ich persönlich bekenne mich zu keiner Religion – aber ich achte Ihre Religiosität, wenn Sie diese inhaltlich und formell leben. Wenn Sie ein Mitläufer-Christ sind, dann ist meine Achtung vielleicht nicht ganz so hoch – aber auch das ist Ihre Sache: Sie werden schon wissen, warum Sie einen spürbaren Teil Ihres Einkommens dafür einsetzen.

Im Übrigen gehört das Thema Religion nur dann auf die politische Bühne, wenn es darum geht, die Religionsfreiheit zu schützen, wozu auch gehört, die zu schützen, die unbehelligt von Religion frei leben wollen

NICHT schützenswert sind Gruppen und Grüppchen, die allen Ernstes propagieren, dass alle, die sich nicht zu ihrem Vereinszweck bekennen (symbolisiert in einem Gott oder Propheten) umgebracht oder versklavt werden sollten. Das wissen bei uns nämlich die meisten Bürger, dass das gegen die Menschenrechte und/oder das Grundgesetz verstößt.

Obwohl es natürlich bezüglich der christlichen Kirchen eine Sache der historisch-kulturellen Betrachtungsweise sein kann: noch vor wenigen hundert Jahren galt diese Haltung gegenüber Nicht-Chrsiten durchaus noch als LEGITIM… und wurde auch praktiziert. Ich erkläre hier ausdrücklich, dass mir heute keine christliche Kirche mehr bekannt ist, die diesen Standpunkt heute noch vertritt (mit der Ausnahme, dass christlich geprägte Investoren fremde Länder wirtschaftlich verwüsten dürfen….).

Ich sollte aber doch noch erwähnen, dass meiner Meinung nach nur ein marginaler Unterschied zum Umbringen von Nicht-Christen darin liegt, denen, die nicht an den Richtigen Gott/Propheten glauben, die Hölle nach dem Tode anzudrohen… Das gilt durchaus bis heute. Und es galt/gilt sogar zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen gnadenlos: die katholische Großmutter meiner Frau hat sie als (damals noch) evangelisches „Balg“ mitleidslos auf dem Weg zum Kindergarten hinter sich her gezerrt: das war ja sowieso verloren…

Es gibt Unmengen von christlichen (oft „evangelikalen“) Gruppen und Grüppchen, die in wichtigen Glaubensgrundsätzen ihrer Vereine unser Grundgesetz verletzen. Aus meiner Sicht gehören die Kreationisten und Anhänger des „Intelligent Design“ (eine Kreationisten-Tarnorganisation) dazu.

Und zwar nicht deshalb, weil sie ihre Anhänger dazu auffordern zu glauben, dass Gott eigenhändig und buchstabengetreu vor ca. 6.400 Jahren die Welt in allen Einzelheiten geschaffen hat. Die können meinetwegen glauben, was sie wollen!

Dazu sollen in USA ca. 25% der Bevölkerung gehören – bei uns aber immerhin 15%.

Der Verstoß gegen unsere staatlich-gesellschaftlichen Regeln liegt darin, dass diese Gruppen Schulen gründen und betreiben, in denen dieser Unfug allen Kindern als seriöse (Pseudo-)Wissenschaft gelehrt wird!

Wo das Problem ist?

Fragen Sie sich bitte selbst, ob sie möchten, dass ein wesentlicher Anteil der Wählerschaft in unserer Demokratie durch derart absurde Vorstellungen manipulierbar gemacht wird?

Die groteske Situation liegt hier in unserem Rechtssystem begründet: es ist bei uns erlaubt alles zu lehren – solange die Schule den systemisch „vorgeschriebenen Stoff“ rüber bringt. Daneben ist anscheinend jeder Stuß erlaubt!

In den USA gibt es wenigstens durch das Rechtssystem bedingt die echte Bremse, dass in öffentlichen Schulen (und das sind eigentlich auch fast alle privaten, da sie vom Staat maßgeblich mitfinanziert werden) Kreationismus nicht gelehrt werden darf – und auch Intelligent Design gilt lt. Rechtssprechung hierzu! Das versuchen die kreationistischen Fundamentalisten derzeit auszuhebeln… ich fürchte, es wird ihnen gelingen!

Hiermit wollte ich nur einige – wirklich relevante – Schnittstellen zwischen Politik und Religion anreißen.

Komme ich zurück zum Anfang des Textes:

Politiker – zumal solche, die in der Regierung der BRD sitzen – haben den Auftrag des Grundgesetzes zu erfüllen: also die Religionsfreiheit (und die Freiheit der nicht-religiösen Bürger – ja, auch Börger) zu gewährleisten. Ansonsten sollen sie sich zurücknehmen und Landtagswahlen dadurch zu gewinnen versuchen, dass sie gute Politik für die Bürger machen!

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 22. März 2018

Das fängt ja gut an – 252

Was ist Heimat?

… lassen wir uns das von Politikern erklären?

Jetzt aber im Ernst:

„Heimat“ ist erst einmal nur ein Wort. Oder eine Metapher.

Man kann das Wort mit beliebigen Inhalten füllen – was Heimat wirklich für jeden einzelnen von uns ist, das ist in uns selbst drin. Man braucht uns dazu eigentlich nicht zu belehren – vor allem Politiker nicht, die das Thema instrumentalisieren, um uns Inhalte zu vermitteln, die mit dem Thema gar nichts zu tun haben.

Repräsentiert Heimat einen Ort? Ist es Synonym für „zu Hause“, bayerisch: „Dahoam“? Oder ist es mehr als das? Synonym für Geburtsort? Verkörpert es Geschichte? Repräsentiert es Tatkraft und Gemeinschaft? Und was sind seine Symbole? Bauwerke? Bräuche? Schnelles Internet?

Ich kann das Wort mit Emotionen verbinden – oder eben mit Gerümpel anfüllen – wie ein „Heimatmuseum“, wo alles gleichzeitig weggesperrt und vorgezeigt wird, was man nicht mehr bei sich zu Hause haben will.

In der Biographie jedes einzelnen Menschen spielt die Heimat eine wechselhafte Rolle. Ein sehr typischer Verlauf ist der folgende: bis zum Alter von etwa 12/13 Jahren stellt die engere Umgebung eine traditionell beschützende und überschaubare Welt dar, die dem Erfahrungshorizont des Kindes angemessen ist. Danach will der Jugendliche seinen Horizont erweitern und hinausblicken in die „weite Welt“: daran hindert ihn jetzt das eng-begrenzte Nest, in dem er aufwuchs und Kräfte entwickelte. Er beginnt die Heimat als etwas zu hassen, das ihn beschränkt. In der Folge strebt der Mensch zur Volljährigkeit da hinaus – wenn ihm das gelingt, wird er seine in der Heimat (und Familie) gewonnenen Kräfte „draußen“ erproben. Rückblickend auf die Heimat wird (meistens) der Hass verschwinden und er wird sich vor allem lustig machen über diese kleine Welt dort. Hat der Mensch so um 35 schließlich sein Leben gefunden und eingerichtet, wird er wieder anfangen milde und wohlwollend auf den „Hort seiner Kindheit“ zurück zu blicken – oder auch nicht… denn es gibt Heimat-Räume, in denen so Schreckliches passiert ist, dass die rückwärts gewandte Verklärung nicht mehr möglich ist (entweder für den Einzelnen oder die Gesellschaft).

Eine solche Schreckens-Heimat kann nur durch rigorose „Aufarbeitung“ der Schrecken wieder neu errichtet werden. Das können aber nur die Menschen, die dort lebten oder noch leben – da kann kein Politiker helfen.

Das Wort „Heimat“ POLITISCH mit Emotionen aufzuladen ist entweder dumm oder verantwortungslos. Als nächstes wird dann das Wort „Vaterland“ für das Staatswesen eingeführt?

Indem ich das Etikett „Heimat“ auf gesetzgeberische, verwaltungstechnische oder wirtschaftliche Zusammenhänge und Inhalte klebe, ziele ich auf die Zustimmung bestimmter Wählerkreise. Bestenfalls klebe ich dabei das Etikett nur auf etwas, was ich pflichtschuldig SOWIESO tun sollte und muss – benutze also eine Leerformel (a = a) um Wählerstimmen zu binden. Dann klingt das so wie in das Motto, das das Ministerium MHKBG NRW dem Teilbereich „Heimat“ vorangestellt hat: „Nordrhein-Westfalen bietet uns allen eine lebenswerte Heimat im Herzen Europas. Weltoffenheit und Toleranz, Verantwortungsgefühl und Gemeinsinn schaffen einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt – ob in den großen Städten oder in den ländlichen Regionen.“ Das geschah durch die neue CDU-geführte Regierung Laschet wohl weitgehend unbemerkt vom Rest der Republik außerhalb NRWs.

So wird sowohl in Bayern als auch NRW das „Heimat-Ressort“ angefüllt aus einem Sammelsurium von Zuständigkeiten, die es alle woanders schon gab. Und ein Minister macht es in Personalunion. Eigentlich Wurscht. Was mich stört: dieser Prozess des willkürlichen verwaltungstechnischen Umorganisieren bereits existierender Abläufe ändert nichts an der Sache – aber verursacht KOSTEN! Das ist mir als Staatsbürger und Steuerzahler ärgerlich – HEIMAT als teures politische ETIKETT!

Und das jetzt auch noch auf Bundesebene? Das Thema „Heimat“ ist wirklich auf allen drei Verwaltungsebenen (Kommune – Land – Bund) „auszuschlachten“? Bürger wehrt Euch gegen diese Verschwendung Eurer Steuern! (Ihr bezahlt hier den CSU-Wahlkampf LTW18 doppelt!!!)

Schlimmstenfalls wird das Wort Heimat für Ideologie mißbraucht – auch das liegt nahe, wenn ich es politisiere. Man sollte sich aber nicht wundern, wenn es dann in einem Sinne ausgeschlachtet wird, den man eigentlich nicht wollte  – nachdem man geholfen hatte es politisch „salonfähig“ zu machen: so sehe ich heute die AfD-ler süffisant grinsend neben der Debatte stehen, die CSU, CDU und Grüne über die „Heimat“ lostreten und jeder von ihnen mit seinen eigenen halsbrecherischen Floskeln füllt! Alle glauben, dass sie durch das „Besetzen des politischen Terrains Heimat“ den Ideologen den Wind aus den Segeln nehmen können. Ich befürchte aber, dass das Gegenteil eintreten wird: sie machen die Schlagworte salonfähig, die dann die Ideologen für ihre Zwecke ausschlachten können!

Politische Stilblüte des Tages:

Ministerin Scharrenbach (Ministerium MHKBG NRW):

„Das Christentum ist keine ausgrenzende Religion. Unser Grundgesetz, das die Gleichwertigkeit aller Menschen unabhängig von Glaube, Geschlecht und Ethnie verkündet, basiert fundamental auf dem Christentum. Daraus ergibt sich, dass wir auch Gotteshäuser anderer Konfessionen unterstützen. Unsere Stiftung Heimat empfiehlt als Sehenswürdigkeiten etwa den Hindu-Tempel in Hamm oder die Moschee in Duisburg. Die Heimat stiftenden Traditionen anderer nicht auszugrenzen, ist ein Bestandteil der christlichen Tradition.“ (Zitat aus einem Interview mit der WELT, 15.10.2017)

Kommentar der WELT hierzu: Ina Scharrenbach (CDU) ist ein klarer Kopf.

Wenn dies ein „klarer Kopf“ gesagt hat – dann gute Nacht, lieber Springer-Verlag! Also doch ein verkapptes Konfessions-Ministerium, evangelikal hinterfüttert?

Aber dazu morgen mehr… das Thema läßt mich nicht los.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 18. Februar 2018

 

Das fängt ja gut an – 253

Was ist Heimat –

… und braucht man dafür ein Ministerium?

Angesichts der jetzt drohenden Schaffung eines „Heimatministeriums“ flammen überall Kommentare und Diskussionen auf: was ist eigentlich Heimat? Die Debattanten sind sich dabei keineswegs einig: selbst wenn man die Satiren und Glossen abzieht bleibt ein Sammelsurium von Deutungen übrig, das von verschwurbelt bis zu absurd und ratlos reicht.

Es scheinen aber nicht alle zu merken, dass sie sich hier mit einer Nonsens-Aktion der CSU einen Diskurs aufdrängen lassen, den wir nicht brauchen.

Die GroKo-Koalitionsverhandlungen nach der BTW17 waren extrem schwierig für alle Beteiligten. Deutschland hat – wie alle anderen Gesellschaften weltweit – eine Menge großer gegenwärtiger und in die Zukunft weisender Aufgabenstellungen!

Als alle Verhandler mit Streichhölzern zwischen den Augenliedern versuchten ihren Job zu machen, schälte Horst Seehofer erst Mandarinen und ging dann ins Bett, kam einige Stunden später erfrischt zurück und hatte die Lösung: mir egal was ihr da rein schreibt: ich bekomme das Heimatministerium – dann läuft die Landtagswahl in Bayern korrekt! (Warum bin ich immer versucht „Heimatmuseum“ zu schreiben?)

Und so kam es – Durchbruch dank Dadaismus

Wozu soll sich ein Seehofer über Wesentliches quälen – wozu werden alle die jungen, frischen Abgeordneten bezahlt, die noch was werden wollen – wenn wir es ihnen erlauben?

Es hätte aus Sicht dieser „jungen dynamischen“ Abgeordneten eher ein „Digitalisierungsministerium“ angestanden? Völliger Quark – wahltaktisch gesehen. Der Begriff „Digitalisierung“ macht Angst – so wie die Begriffe „Flüchtlinge“ oder „Ungleichheit“. HEIMAT – das ist was Schönes, Beruhigendes – da kann man sich einkuscheln. Das ist rückwärts-gewendet – die schönste Form des Populismus.

Sorry, dies ist eine bittere Glosse geworden – morgen WIRKLICH ein paar ernste Worte zu „Heimat“ aus meiner Sicht – ohne Politik. Es wird sich vermutlich herausstellen, dass Heimat dort ist, wo „Politik“ etwas ganz natürliches ist: eine Form des GEMEIN-SINNS.

Muss man sich nicht unbedingt kaputt machen lassen von Seehofer & Friends.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 17. Februar 2018

Das fängt ja gut an – 254

Danke für die Heimat! … oder doch lieber für Nix?

Ich habe mir das mit dem „Koalitionsvertrag“ noch einmal sehr genau durch den Kopf gehen lassen. Schon sehr frühzeitig hatte ich meine Präferenz für die Minderheitsregierung geäußert. Meine Argumente sind durch die Verhandlungen und ihr Ergebnis klar bestätigt worden. Wir hätten eine Stärkung unseres repräsentativ-demokratischen Systems sehr nötig gehabt – anstatt dessen wurde von wenigen Elite-Repräsentanten der eigentlichen Repräsentanten etwas aus-geschachert, das – wenn’s so käme – das Mammut-Parlament in den nächsten 3,5 Jahren bis zum nächsten Wahlkampf abzunicken hätte. Habe ich mir dafür die Mühe gemacht an einem herbstlichen Sonntagmorgen zur BTW17 ins Wahllokal zu schlappen?

Wenn man sich das zuvor beschriebene Bild deutlich macht, wird einem auch schlagartig klar, weshalb die Präsenz der Abgeordneten im „hohen Haus“ schon lange so extrem dürftig ist… Das ist kein Gag – diese Schlussfolgerung ist mir bitter ernst. Bedenke man, dass die Steigerung des Bundeshaushaltes (2017 = 327 Mrd. EUR) um 42 Mrd. (=ca. +13% !!!) damit „versprochen = beschlossen“ wäre, mehrheitlich abzunicken von 709 Abgeordneten. Wozu sollte ich als Abgeordneter dann noch in die Aussprache gehen. Der/die Fraktionsvorsitzende wird schon Bescheid sagen wer für die Abstimmung unbedingt gebraucht wird.

Was haben wir bekommen? Ein Paket von Versprechungen, Hoffnungen und Ankündigungen, das die Chef-Verhandler kurzfristig jetzt (Mitgliederentscheid) und in den nächsten 6 Monaten brauchen, um ihre Macht zu sichern (z.B. das Ergebnis der Bayer. Landtagswahl im Herbst 2018). Nicht enthalten ist in dem Konzept, was in den nächsten 3,5 Jahren wirklich passieren könnte – in Deutschland und weltweit.

Was haben wir konkret bekommen? Mehrausgaben im Etat von 42 Mrd. EUR – mit der Gießkanne verteilt, so dass in keinem einzigen Bereich ein „Durchbruch“ erreicht werden kann – sowie ein nagelneues Heimatministerium für die BRD

Danke – dann doch eher für nix.

Morgen dann bringe ich Vorschläge, was das „Heimatministerium“ (wenn es schon da sein würde) mir bringen sollte – außer der CSU die Landtagswahl zu gewinnen….

Einen Wunsch habe ich aber noch: ich möchte noch zu meinen Lebzeiten (also sputet Euch!) eine Legislaturperiode erleben, die ohne Koalitionsvertrag startet und in der das Parlament echt demokratisch aushandelt, was gemacht werden soll – 3,5 Jahre lang! Dann würden wir wieder wissen (oder auch nicht) was die repräsentative Demokratie wirklich leisten kann! Ich persönlich traue ihr viel zu.

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 16. Februar 2018

Das fängt ja gut an – 259

Die kriegen das nicht mehr gebacken – der Untergang der (menschlichen) „Alpha-Tiere“

Der Vergleich tierischen Verhaltens mit dem Verhalten des Menschen ist problematisch: meist handelt es sich um sogenannte „Antropomorhismen“: das Tier wird in unserer Betrachtung vermenschlicht – und das birgt allgemein wenig bis keine Erkenntnis.

Vergleiche menschlichen Verhaltens mit dem Verhalten von Tieren erscheinen auf den ersten Blick legitim – ist doch der Mensch in einer „Teilmenge“ seiner Existenz unbestreitbar AUCH ein Tier!

In den meisten Fällen hantieren wir aber auch dabei einfach nur mit Metaphern ohne nennenswerten oder substanziellen Gehalt.

Seit Jahren ist in den Bereichen Politik und Wirtschaft sehr beliebt die Metapher des „Alpha-Tieres“ – nicht zu verwechseln mit dem Alpha-Männchen aus dem Tierreich, das tatsächlich in Rudel-Gruppe-Herde-Familie den tierischen Anführer bezeichnet – und zwar im Falle, dass es ein männliches Tier ist. Es gibt da ebenso das Alpha-Weibchen. Das Wirken eines solchen Leit-Tieres im Rudel ist ausschließlich mit der genetischen Prägung und dem unmittelbaren Erfahrungs- und Lebenserhaltungs-Prinzip des mit dem Auge oder Ohr erfahrbaren Rudels verbunden. Man weiß jetzt, dass Entscheidungen, die nicht mit der Erfahrung eines einzelnen Tieres abgedeckt werden können (z.B. Richtung beim Wandern) von einer Mehrheit des Rudels beeinflußt werden können – d.h. sogar das Tier-Rudel bildet bei Bedarf teamartige Entscheidungs-Strukturen!

Das Alpha-Tier aber bezeichnet einen Menschen – im allgemeinen Führungspersonen in Wirtschaft oder Politik oder anderen Bereichen mit ausgeprägter Hierarchie. Nach meiner Einschätzung des Wortgebrauchs muss sich der als Alpha-Tier betitelte Mensch durch Führungs-Anspruch und Macht-Willen auszeichnen – tatsächliche Macht oder eine Führungsposition alleine reichen dafür nicht aus. Damit ist vermutlich auch zugleich der Grund benannt, warum es sich dabei zu einem äußerst hohen Anteil um „Menschen männlichen Geschlechts“ handelt.

Das typische Verhalten dieser Menschen besteht darin, dass sie auf einer Hierarchie-Leiter oder der Mess-Skala für Geld+Reichtum(+Ruhm) unentwegt nach oben streben und für diesen Vorgang einen überproportional hohen Energieeinsatz erbringen – im Verhältnis zu den „fachlich-sachlichen Inhalten“ auf die sich ihre Tätigkeit bezieht. Im Extremfall interessieren sie sich eigentlich für die Sachgebiete des beherrschten Unternehmens oder der Partei fast gar nicht (oder spiegeln dieses Sach-Interesse nur vor). Das ist ein selbst-regulierender Prozess: denn wenn das Alpha-Tier sich zu intensiv mit den Fach- und Sachthemen des Unternehmens oder der Partei „belastet“, bleibt ihm nicht genügend Zeit/Kraft um die von unten nachdrängenden Alpha-Tiere abzuwehren …

Genau hier liegt die „Achillesferse“ der menschlichen Alpha-Tiere:

Sie besitzen eine Art „Tunnelblick“ für ihre eigene Ermächtigung- oder Machterhaltungs-Strategie, sind aber nicht kompetent genug für die komplexen fachlichen (und wirtschaftlichen) Sachthemen ihrer Organisation. Sie könnten das ausgleichen, indem sie ein exzellentes TEAM um sich herum installieren würden – aber das funktioniert nicht, weil die Persönlichkeitsstrukturen eines Alpha-Tiers und eines Team-Players nicht kompatibel sind (wenn er aufträte wäre das ein „weißer Hirsch“ – einmal in 100 Jahren…).

Da die Welt um uns herum aber immer komplizierter und vernetzter wird, ist das Schicksal der menschlichen Alpha-Tiere weitgehend besiegelt – man könnte auch sagen: ihre „Halbwertzeit“ wird immer kürzer:

In den 1980er Jahren konnte sich ein solches Alpha-Tier (nehmen wir einfach einmal den CEO von General Electric) jahrzehntelang in seinem Erfolg sonnen und hunderte Millionen einsacken – und  erst jetzt nach über 30 Jahren stellt sich heraus, dass damals getroffene Entscheidungen nun die Firma (also GE) in ihrer Existenz bedrohen.

In riesigen Firmen wie VW oder Siemens wirken sich Fehlsteuerungen der Unternehmens-Kultur und der Geschäftsmoral heute nach wesentlich kürzeren Phasen schon desaströs aus. Und man kann erkennen, das dies sich fortsetzen wird.

Die menschlichen Alpha-Tiere sind der Komplexität der Welt nicht mehr gewachsen – Unternehmen brauchen dringend neue Führung-Strukturen!

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 12. Februar 2018

 

Das fängt ja gut an – 265

So könnte es angefangen haben, wenn es ganz schlecht geht!

Präsident Trump – ein Jahr im Amt:

… er benimmt sich unterirdisch – die meisten jammern – vermutlich jubelt seine auf Eliten-Bashing ausgerichtete Klientel … Traum zuckt mit den Schultern und unter dem Strich geht ihm alles durch! Eine Hälfte des Landes schämt sich und findet kein Mittel dagegen – die andre Hälfte jubelt! Quo vadis Amerika?

… er hat schon JEDE Regel gebrochen: er hat immer noch nicht seine Steuererklärung offen gelegt, er praktiziert laufend weiter den Interessenkonflikt zwischen seinem Geschäft und dem Amt und ist einer der abstoßendsten bekennenden Sexisten des Landes (wo andere vor Scham untertauchen, brüstet er sich!) – und kommt damit immer weiter damit durch!

… er trimmt alles worauf es ankommt (oberste Gerichte, mächtige Institutionen wie FBI) auf einen Kurs: „Alles für den weißen Mann! – Alles was die Evangelikalen stärkt! – Leugnung von Rassismus und Förderung des blanken Hasses!“ – niemand scheint ihn stoppen zu können.

… er diskriminiert die freie Presse und treibt dieses Spiel immer weiter – das übliche Vorgehen von autokratischen Herrschern! Wer stoppt ihn?

… Wirtschaft: keine Ahnung aber Hauptsache disruptiv! Die größte Steuerreform aller Zeiten zugunsten von Konzernen und Reichen – alles auf Pump bei ohnehin exzessiver Verschuldung und in eine „brummende“ Wirtschaft bei (von ihm geerbter) niedriger Arbeitslosigkeit hinein.. Gleichzeitig wird die sehr erfolgreiche FED-Chefin ausgetauscht. Lob von allen Seiten! Während ich dies schreibe kommt die Meldung eines „Flash Crash“ an der Wall Street. Die Anleger scheinen in die Staatsanleihen mit steil steigenden Zinsen zu flüchten. Vorher gab es keine ernsthaften Warnungen – eine neue Bestätigung für mich dass es Wirtschafts-WISSENSCHAFT, die diesen Namen verdient, nicht gibt!

Ich mache mir wirklich Sorgen!

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 6. Februar 2018

Das fängt ja gut an – 269

Wacht auf – Ihr Jungen: Rente ist Eure Zukunft!

Wird das Rentensystem weiterhin zwischen den Fronten der Klientel-Politik vermurkst?

Kein Mensch kann wirksam in die Zukunft blicken – das liegt, wie immer wieder betont werden muss, daran, dass die betrachteten Dinge in der Zukunft liegen. Besonders unsicher sind wirtschaftliche Zukunftsprognosen.

Diese Feststellung entläßt aber die politischen Eliten nicht aus der Pflicht, wenigstens zu VERSUCHEN, einigermaßen solide Entwürfe für die Zukunft zu machen und auf deren Basis solide Staatsfinanzen, Sozialkassen etc. in die Zukunft fortzuschreiben – verbunden mit allfälligen Korrekturen, wenn nach einigen Jahren ein Teil der Zukunft Vergangenheit geworden ist.

Die Einflüsse  auf die zukünftigen Entwicklungen sind komplex – deswegen gibt es bei uns einen großen Bereich staatlich finanzierter aber absolut FREIER Wissenschaft für die Volkswirtschaftlichen, sozialen und weltwirtschaftlichen Erkenntnisbereiche, die man braucht um in die Zukunft zu planen. Eine der wichtigsten und wertvollsten Grundlagen ist die Demografie!

Die Wissenschaften taten und tun meistens sehr brav ihren Job, da im Fortschreiben der Erkenntnisse ja das Versprechen liegt, dass die Wissenschaftler auch zukünftig einen sicheren und freien Arbeitsplatz haben (solange der nicht von KI bedroht wird….). Außerdem kann man dadurch, dass man sich besonders anstrengt zu Ruhm und Ehre kommen (und vielleicht zu Nebeneinkünften in der Versicherungswirtschaft – aber das ist ein anderes Thema….).

Die politischen Eliten sind verpflichtet, in erster Linie die sachlichen Erkenntnisse der Wissenschaft – und nicht etwa ideologische Modelle – in verantwortliches politisches Handeln umzusetzen. Bei den politischen Entscheidungsprozessen können dann Gestaltungselemente und Priorisierungen einfließen, die versuchen dürfen, einen gewollten Gestaltungs-Einfluss auf die zukünftigen Entwicklungen im sozialen, wirtschaftlichen oder klimapolitischen Bereich zu nehmen.

Allerdings ist es die oberste Pflicht der politischen Eliten, die Erkenntnisse der Wissenschaften als Grundlage der Gestaltungsprozesse unter den Aspekten eines gesellschaftlichen Konsenses (z.B.Solidarität) einzusetzen. Wer sind die politischen Eliten? Das sind im Prinzip alle, die ihren Lebensunterhalt im Bereich der vier „Gewalten“ verdienen: Exekutive, Legislative, Judikative und Presse/Medien. Die politische Elite ist verpflichtet, jedem Bürger des Staates die wissenschaftlichen Erkenntnisse verständlich zugänglich zu machen, da ja der einzelne Bürger – Sie und ich – die „Moleküle“ des gesellschaftlichen Konsenses sind! Nach unserer Verfassung haben die politischen Parteien in ihrer Verankerung in dieser Gesellschaft bei diesem Prozess eine besondere Verantwortung.

Dieser Forderung werden die politischen Eliten – voran die Regierung – derzeit aber nicht gerecht: es wird „auf Sicht gefahren“ – man hat Beiträge und Renten der kommenden 7  Jahre (!) im Blick… müßte aber ein Konzept für 30 – 60 – 90 Jahre haben (1-2-3 Generationen)… und dies auch offen legen (wobei so ein Konzept für die Renten bekanntermaßen sowohl aus besser vorhersehbaren als auch weniger gut vorhersehbaren Komponenten besteht!). Aber dieser Versuch wird überhaupt nicht gemacht – anstatt dessen wird bei den gegenwärtigen Koalitionsverhandlungen wieder nur an kurzzeitigen Effekten gebastelt. Tatsächlich wird dem Wähler etwas „versprochen“, was ziemlich genau der Prognose für 7 Jahre entspricht (und was bis auf die gegenfinanzierende Einnahmenseite sehr genau der Wirklichkeit entsprechen wird…) Sieben Jahre! Dabei wird das Defizit des Denken und Handelns sogar „hellsichtig“ eingeräumt – gleichzeitig mit einem blind und populistisch motivierten Eingriff in die Rentenformel wird VERSPROCHEN, dass DANN aber eine Rentenkommission mit Vertretern von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Wissenschaft eingerichtet werden soll, um für die nächste Generation voraus zu planen…

Jetzt-immerhin-doch-schon!?

Warum arbeitet man dann nicht jetzt schon mit der Kommission daran, ehe man die Rentenformel schon wieder aus Klientel- oder Interessen-getriebener Motivation (quasi-Dauerwahlkampf) antastet?

Vermutlich weil man schon ahnen kann: mit ein paar Feigenblatt-Wissenschaftlern (ohne Macht!) wird die Wissenschaft ja sowieso wieder gegen die Interessenvertreter untergehen?

Die gegenwärtigen Vorgänge erinnern mich doch stark an die Erfahrungen der letzten 40-50 Jahre, deren Zeuge ich sein durfte: Ende der 60er Jahre wurde nicht nur die Begrenztheit der Welt-Ressourcen erstmals politisch bewusst gemacht – um dann für Jahrzehnte ignoriert zu werden! – es wurden auch erste GESICHERTE Prognosen der Demografie für das nächste halbe Jahrhundert erarbeitet – die inzwischen alle eingetroffen sind und allen Regierungen seitdem mahnend vorlagen. Die darin vorhergesagte „Alterung der Gesellschaft“ oder „Umkehrung der Bevölkerungspyramide“ ist EINES der Grundelemente für viele gegenwärtige Probleme – und nicht nur des Rentensystems (besonders eines solchen, wie unseres, das von der Hand in den Mund lebt…. d.h. dass das Kapital für die zukünftigen Renten laufend „verdient“ werden muss – durch Einzahlungen der jüngeren Hälfte der Bevölkerung!).

Aber das sind nicht die einzigen Auswirkungen der „Überalterung“: Gesundheitssystem, Wohnungsbedarf, Schulen, ÖPNV… es gibt praktisch nichts in unserer Gesellschaft, das durch diese Veränderungen nicht beeinflusst wird.

… und trotzdem wurden die gesicherten demographischen Erkenntnisse von den politischen Eliten jahrzehntelang ignoriert! Bis es tatsächlich nicht mehr anders ging, da man auf die akute Situation reagieren musste. Rente mit 67 ist eines der prominentesten Beispiele der notwendigen Reaktionen – solange aufgeschoben, bis IRGENDEINE Regierung diesen schwarzen Peter haben musste (Ironie: es war die sozialdemokratisch geführte…). Bis heute dominieren immer noch  die Klientel-Schlachten das Thema: Interessen der privaten Versicherungswirtschaft hier – sozialpolitische Wunschvorstellung da! Die SACHE bleibt weiterhin auf der Strecke!

Der derzeit verhandelte „Kompromiss“ für das Rentensystem ist ein höchst ärgerliches Feigenblatt – ich empfehle der jüngeren Hälfte der Bevölkerung endlich aufzustehen und sich für die eigenen Interessen zu engagieren!

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 1. Februar 2018

Das fängt ja gut an – 274

Update zu ASH-Fassade mit Eugen-Gomringer-Gedicht

Wo bleibt der Respekt – die Zweite…

Nach der Mitteilung über das Abstimmungsergebnis an der Alice-Salomon-Hochschule war ich bereits auf die öffentliche Reaktion eingegangen – am Tag danach kamen noch Leserbriefe zum Thema in der Tagespresse dazu – mit höchstens ein oder zwei Stimmen, die sich nicht dem ASH-Bashing anschlossen.
Ich komme mir vor wie jener Autofahrer, dem hunderte Falschfahrer entgegen kommen:
aus meiner Sicht werden derzeit 95% der Beiträge – einschließlich der redaktionellen Tagespresse-Artikel – dem Thema nicht gerecht.
Die Sach-Debatte ist untergegangen – es werden nur noch Meinungen präsentiert: neben Sexismus-Genderismus-Klischee-Schlagworten (und staatstragenden Freiheit-der-Kunst-Statements!) wurden die Positionen der Studierenden nirgendwo mehr sachlich gewürdigt… (Nicht einmal der Versuch dazu gewagt!)
Anscheinend hatte kaum jemand die kluge Stellungnahme der Prorektorin Völter gelesen.
Ich beschäftige mich seit 30.8.2017 damit – und habe in zwei Stufen darüber Meinungen in meinem Blog veröffentlicht.
Stets habe ich vorher die Argumente von allen Seiten erst geprüft und das Thema „sich setzen lassen“. Im ersten Impuls stand ich nämlich auch auf der Seite der ASH-Kritiker.
Die aufgeregte Schnell-Schlagabtausch-Debatte macht den Eindruck, als ginge hier gleich das Abendland unter. Ist Toleranz in unserem Lande schon wieder Mangelware geworden?
Machen die teilweise radikalen Leserbrief-Reaktionen – bis zum Aufruf zur Sachbeschädigung durch Sprayen auf der Fassade! – nicht nachdenklich?  Bürger betrachten die Studierenden der ASH als Political-Correctness-Monster, deren zukünftige Schüler „Opfer“ dieser Lehrenden sein werden.
Witzig ist dann aber, dass gegen die Hochschule der Vorwurf des vorauseilenden Gehorsams gegenüber den Herrschenden erhoben wurde: da scheint man in der ASH aber in die falsche Richtung vorausgeeilt zu sein (Ironie!), da sich bisher ja alle Vertreter des „herrschenden Systems“ am ASH-Bashing beteiligt haben (Fakt!).
Da sich ja auch die Tochter des Dichters so besorgt für dessen Rechte eingesetzt hat, möchte ich noch einmal daran erinnern, dass niemand das Gedicht „Avenidas“ verbieten wollte oder den Ruf des Dichters schädigt. Lassen Sie die Sache mal endlich zur Ruhe  kommen – dann werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass durch den Vorgang die Bekanntheit des Dichters und des Gedichtes international extrem gestiegen ist – und Nora Gomringer nutzt den Vorgang phantasievoll dazu, dem noch ein „Sahnehäubchen“ aufzusetzen.
Liebe ASH: mit meinen geistigen Mitteln werde ich Ihnen weiter gegen die „geistige Enteignung“ Ihrer Fassade zur Seite stehen.

Herbert Börger

P.S.: Genauso würde ich jedem Künstler beitreten, dessen Schaffen WIRKLICH beschädigt oder verboten würde, was hier nicht der Fall ist.

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 27. Januar 2018