Nichts bleibt …

Bleibt nichts?

ES IST DER AM SCHWERSTEN ZU ERTRAGENDE GEDANKE:

von allem, was mich jetzt – in der Vergangenheit – in der Zukunft ausmacht: BLEIBT NICHTS !

Was ich spreche, singe, rufe, schreie – zum Schluss vielleicht ächze und stöhne:

Es breitet sich nach allen Richtungen aus, wird an Kanten gebrochen und an Flächen reflektiert – verläuft sich in einer schwindenden Druckwelle, bis ein Schmetterlingsflügel es beiseite wischen kann… VANITAS… hat es ein Mikrofon aufgefangen, solange es darin eine messbare elektrische Schwingung erzeugte – ein Schallwandler an einem Speichergerät, Telefon, einer Alexa oder der Abhörleitung eines Geheimdienstes oder dem Archiv eines Funkhauses – auch umgewandelt in digitale Information: alles versinkt in der Masse aller Aufzeichnungen, Informationen – auch jenen, die rasend um den Planeten geschleudert werden (sinnlos vervielfältigt in multiplen Servern und Sicherungsmedien) – mein eigener Satz oder Ruf wird zerquetscht in der schieren Masse der rasend wachsenden Informations-Welle: Du glaubst Information sei schwerelos? – weit gefehlt: die gargantueske Informationsmasse pulverisiert Deinen Schrei bis schließlich ALLES vom überhitzten Planeten – überhitzt ALLEINE durch die exponentiell wachsende Informationsmenge, die auch Energie enthält – durch den Sonnenwind ins All geblasen wird – bis mein Schrei nach Äonen schließlich zusammen mit der anonymen Masse der anderen Schreie in irgendein schwarzes Loch gesaugt wird – und ein paar intelligente Wesen werden das beobachten und sagen: seht mal, wie schön… und wie klug WIR sind – aber es ist schwer zu ertragen, dass NICHTS davon bleibt… und auch diese Worte oder Gedanken werden dann weitere Äonen später …

Berlin, 15. Mai 2019 – ich-weiß-nicht-welche-Äone

Copyright Herbert Börger

Das fängt ja gut an – 321

Lesen Sie das Buch Qualityland von Marc-Uwe Kling (2017 bei Ullstein erschienen) nicht….

… wenn Sie keine Freude an satirisch-dystopischen Zukunfts-Phantasien haben! Wenn Ihnen das aber Vergnügen bereitet…

dann lesen Sie es unbedingt! … oder Sie warten auf den Film – behaupte ich hier einfach mal so: tatsächlich habe ich nämlich keinerlei Informationen, ob das geplant ist. Aber wenn ein Buch je danach geschrien hat, verfilmt zu werden, dann dieses!

Man braucht wahrscheinlich noch nicht einmal ein extra Drehbuch zu schreiben, sondern das Ding so wie es ist, in ein gutes Animations-Studio zu geben. Alleine die Charaktere: ca. 6-8 menschliche Wesen, unzählige durchgeknallte Androiden, außer Kontrolle geratene Künstliche Intelligenzen und defekte, aber sehr sympathische IT-Geräte… und einige Wesen, bei denen man sich nicht ganz sicher ist, zu welcher Spezies sie gehören. Da kann die Branche meines Erachtens unmöglich widerstehen!

Damit Sie meinen restlichen Sermon nicht unbedingt lesen müssen verrate ich hier gleich zusammenfassend worum es geht:

Durch eine konsequente Individualisierung der Geschäftsabläufe und der Medienangebote für den Einzelnen wird die Gesellschaft zu einer Anhäufung von in Blasen lebenden Narzissten und in der Folge davon wird jede Individualität beliebig  – und damit ausgelöscht.

Das erwarten sie ohnehin schon? Dann lesen Sie es aber trotzdem, weil es so klug und witzig gemacht ist. 

Aber der Reihe nach:

Wie kam ich an dieses Buch? Ich habe schon einmal berichtet, dass unsere Familie ziemlich rege über einen Messenger kommuniziert. In einem gesellschaftlichen Diskurs mit unseren drei Söhnen rief ich aus Begeisterung über die Beiträge dazu auf, dass wir gemeinsam einmal eine Geschichte über die Absurdität gesellschaftlicher Vorgänge schreiben sollten. Darauf kam sofort die Bemerkung des Jüngsten im Bunde: „Die gibt es schon! – Heißt Qualityland. – Du hast ja bald Geburtstag.“ So kam ich kurz danach an dieses Buch, das mir im Auftrage meines Sohnes von „TheShop“ (Lesart dieser Firma in Qualityland…) zugeschickt wurde …

Wenn Sie nicht auf den Film warten wollen, es folglich lesen werden, werden Sie es vermutlich nur  aus der Hand legen, um existenzielle Notwendigkeiten zu erledigen wie: bezahlte Arbeit, Kochen,  Essen (gut: dabei kann man weiterlesen… ist aber in Gegenwart von anderen Nicht-Androiden unhöflich), Stuhlgang (o.k – auch dabei….) und ggf. Geschlechtsverkehr.

Ich werde jetzt nicht die Handlung erzählen, denn die wäre einerseits sehr schnell erzählt – andererseits würde das der Geschichte nicht gerecht, weil diese eben im Wesentlichen durch ihre Vielschichtigkeit wirkt. Nur soviel sei verraten: Das Buch hat – wie alle dystopischen Zukunftsromane – Brave New World / Schöne neue Weltzur Mutter (oder Großmutter), den Genie-Streich von Aldous Huxley, der wie kaum ein anderes Buch der Weltliteratur ein neues, modernes Genre prägend begründet hat (wobei auch er natürlich in Grundelementen auf Vorgänger in der älteren Literatur – ab Plato und Sokrates – zurück greift).

Wenn Sie es dann ausgelesen haben werden, und Sie sollten so ein analoger Old-School-Typ wie ich sein, und angenommen Sie hätten noch ein Bücher-Regal, werden sie die schön gemachte Hard-Cover-Ausgabe (ich habe die helle, passt zu mir – es gibt auch noch eine „dunkle Ausgabe“ – man muss es nicht zweimal kaufen, sagt der Autor selbst!) in eben dieses Regal stellen. Dafür können Sie dann mehrere andere Bücher aus ihrem Regal aussortieren, deren Aussage „Qualityland“ gleich mit übernehmen kann:

  • den Simplex Simplizissimus
  • den Machiavelli
  • Peter Schlemihl
  • Michael Kohlhaas
  • Das Kapital
  • Das Godesberger Programm
  • Die Bibel

Eine eigenartige Begebenheit will ich aus meinem eigenen Lese-Erlebnis von „Qualityland“ doch noch preisgeben:

Als ich die letzten 100 Seiten des Buches las, war Martin Schulz gerade als SPD-Vorsitzender mit 81,9% bestätigt wurde…. Auf S. 297 sagt im Buch der Geschäftsführer von „What-I-Need“ (=Google): 81,92 Prozent unserer Nutzer treffen ungern große Entscheidungen.“

Ist das ZUFALL? Oder soll es sagen, dass die Wahl von Martin Schulz keine „große Entscheidung“ ist…? Hatten alle SPD-Delegierten vorher Qualityland gelesen?

Übrigens heißt dort der Chef der „Fortschrittspartei“ in Qualityland: „Marty Vorstand“…

Ist das alles wirklich Zufall?

Wie gesagt, steht das Buch jetzt bei mir im Regal – ich werde es weiter beobachten!

Aphorismus des Tages: „Wer nicht an die Zukunft denkt, wird bald große Sorgen haben.“ (Konfuzius, 551 – 479 v. Chr.)

Die Abenteuer des Victor Lustig

Die Abenteuer des Victor Lustig

oder: Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte!

Ein Live-Hörspiel der Lauscherlounge

(Premiere 27.09.2019 in der ufaFabrik, Berlin)

Dies ist der Versuch einer Hörspiel-Kritik (meiner ersten). Sie wird völlig objektiv und frei von jedem Interessenskonflikt verfasst, obwohl – nein: WEIL einer der Autoren und Sprecher der Hauptfigur (Victor Lustig) mein Sohn ist:  Ich beurteile meine Kinder stets gnadenlos kritisch, sachlich und emotionslos…

Was war das gestern Abend?

  • ein Zeit-Drohnen-Flug durch die ersten Lebens-Jahrzehnte eine Mannes, genauer gesagt: eines Hochstaplers und Betrügers aus Passion?
  • Ein Spaziergang über/durch die Salons, Boulevards, Casinos und … am verrückten, überdrehten Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika?
  • Eine präziser Meisterkurs für Hochstapelei und Betrug?

Es war: alles drei!

Zum dritten Punkt muss ich klar feststellen: die 18 EUR für den Preis der Eintrittskarte waren für jemanden, der auf dem Gebiet des Hochstapelns Fortbildungsbedarf hat, eine lächerlich geringe Investition, aus der er im Handumdrehen einen zig-tausendfachen Profit machen kann – wenn er will. Für meine Frau und mich muss ich sagen, dass man nach einer erheblichen gelebten Lebensspanne einiges davon wußte – aus eigener, leidvoller passiver Erfahrung! Aber immerhin: es war auch für uns immer noch beeindruckend aufgrund der großartig systematischen und didaktisch geschickten Methodik. Man bedenke, dass man hier an einem lehrreichen Abend etwas lernen konnte, für das man sonst ein halbes Jahrhundert eigenes Lebens einsetzen muss!

Der mittlere Punkt offenbarte ein ganz großes Genuss-Erlebnis: der Zuhörer stehe alle paar Minuten wechselnd plötzlich als „Beobachter“ in einem Ballsaal, Salon, auf einem Boulevard, in einem Restaurant etc.: um mich herum spannt sich der jeweilige Raum mit unterschiedlicher Weite und Akustik auf – die Dialoge sind auf die natürlichste Weise darin eingebettet. Ich schreibeb ganz bewußt „Beobachter“ – obwohl es ja ein Hörspiel ist – denn mit jeder Szene, die dort akustisch vor uns aufgeblättert wird, projiziert das Gehirn munter und farbenfroh die Bilder der jeweiligen Situation, und es (das Gehirn) schein großen Spaß daran zu haben!

Um diese Erfahrung richtig einzuordnen, will ich kurz beschreiben, womit man als Besucher des Ereignisses „real“ konfrontiert ist:

wir sitzen in einem ganz normalen Theatersaal mit gut 200 Plätzen auf bequemen Stühlen. Die breite Bühne ist völlig schwarz gehalten. An der Hinterwand die Stühle für die Sprecher, an der Bühnen-Rampe die Lesepulte mit Leselampen für die Sprecher.

Rechts davon die beiden Musiker, Schlagzeug und Keyboards.

Links von den Sprechern „haust“ der Geräuschemacher in einem auf den ersten Blick chaotisch wirkenden Gerümpel… das aber tatsächlich eine hoch effizient organisierte Geräuschmaschine darstellt, deren größte Kunst darin besteht, mit so minimalem Bewegungsaufwand zu arbeiten, dass der auf die Story konzentrierte Zuhörer diese Aktivitäten überhaupt nicht wahrnimmt.

Und schließlich stehen die Sprecher direkt vor uns – in aller ihrer mitmenschlichen Normalität: ohne Kostüme und ohne „Maske“. Nichts lenkt unser Gehirn davon ab, den Verlauf der Geschichte selbst prachtvoll zu illustrieren.

Interessant wäre es, zu vergleichen, welche Kosten die Produktion derselben Story in einem Film verursachen würde, im Vergleich zu den Kosten dieser Live-Hörspiel-Produktion. Dabei ist nicht einmal gesichert, dass die Visualisierung, die der Regisseur im Film erzeugt, alle Zuschauer gleichermaßen beglücken würde, wie es die individuelle Visualisierungs-Leistung des jeweiligen Gehirnes im Hörspiel tut.

Gestern Abend war alles aufeinander abgestimmt: ein hervorragendes, professionelles Sprecher-Team, perfekt aufeinander abgestimmte Ebenen von Sprache, Geräusch und (last-but-not-least) Musik – und eine wirklich gute Story.

Bleibt mir, den erste Punkt zu hinterfragen: der Begriff „Drohnen-Flug“ durch die Lebensgeschichte des Victor Lustig gibt mein Erlebnis dieser Performance wieder. So flott und stimmig wie diese Geschichte erzählt wird, kann man nur zu einem Schluss kommen: hier waren  mit dem Autoren-Duo zwei Dramaturgie-Freaks am Werk! Dieser „Zeit-Drohnen-Flug entrollt ein lückenloses Panorama, das uns mit der erschütternden Erkenntnis zurück läßt: dass wir alle irgend wie auch Victor Lustig sind

Kleine Bagatell-Fehler erhöhen nur den Eindruck des perfekten Werkes: die richtige Zuordnung von Magnetpolen kann man für zukünftige Performances leicht korrigieren… und die von Elmar Börger nicht wahrgenommene ausgestreckte Hand von Oliver Rohrbeck ging prima als „Running-Gag“ durch!

Weiter so…

Copyright Herbert Börger, Berlin, 28. September 2019

Der Brandenburger Tor

Diese Wunde heilt nicht…

… in meiner Lebenszeit.

Immer wieder stellen sich Menschen die Frage, was wäre wenn… man 12 Jahre in der deutschen Geschichte ungeschehen machen könnte?

Ich liebe Gedankenexperimente, aber: diese Frage ist sinnlos – und vor allem kontraproduktiv. Bei mir (*1945) bricht der „Wundkomplex 1933-1945“ immer wieder spontan aus den verschiedensten Anlässen auf.

Als Foto- und Optik-Liebhaber (mit dem Blog „fotosaurier.de“) ist eine Sternstunde der fotografischen Optik die Konstruktion der „Ernostar“-Objektiv-Serie (1922) durch den jungen Optik-Konstrukteur Ludwig Bertele (*1900) bei der Firma Ernemann in Dresden – verbaut in den Ermanox-Kameras, deren Innovation darin bestand, leicht und handlich transportabel zu sein. Die Innovation der Optik bestand darin, sehr lichtstark mit hoher Abbildungsgüte zu sein (s. meine Ernostar-Artikel im Blog www.fotosaurier.de). Bertele leitete aus dem Ernostar kurz danach unter dem Dach von Zeiss das „Sonnar“ ab (und konstruierte später auch das „Biogon“).

Die Vorteile von Ermanox-Kamera und Ernostar-Objektiv nutzte der Zeitgenosse Dr. Erich Salomon (*1886) dazu, den Photojournalismus zu „erfinden“ (d.h.: er tat das einfach!) – noch ehe die Leica 1926 auf den Markt kam.

Salomons frühe journalistischen Zeugnisse der Fotografie aus dem Bereich der Politik und Gesellschaft sind heute bedeutende Kulturgüter. Das kreative Potential der beiden hochbegabten Menschen Bertele und Salomon interferierte sozusagen in der Existenz dieses frühen Optik-Produktes und beide Menschen bereichern die Welt mit ihren Ideen und Fähigkeiten.

Allerdings:

Der eine – Ludwig Bertele – durfte ein erfülltes, erfolgreiches Leben führen und starb hoch betagt 1985 in der Schweiz.

Der andere – Erich Salomon – wurde 1944 in Auschwitz ermordet, weil er jüdischer Abstammung war. Ich bin Deutscher – wie auch Salomon Deutscher war. Der Mord an Salomon geschah also „in meinem Namen“…

Dies kann ich meinen Vorfahren, die das aktiv taten oder zumindest geschehen ließen (ja: auch unter aktiver Mithilfe gleichgesinnter und opportunistischer Menschen in vielen Nachbarstaaten!) nicht verzeihen.

Ich habe mein Leben genossen und genieße es noch, aber die Wunde heilt nicht und ich sehe es als meine Pflicht an, mit dazu beizutragen, dass das Bewusstsein wach gehalten wird, dass der Mensch offensichtlich – auch – eine Bestie ist oder sein kann. Es erfordert die Anstrengung unser aller, den erneuten Ausbruch dieser Eigenschaft zu verhindern – es kann jederzeit wieder passieren!

Herbert Börger

Berlin, 23.September 2019

Copyright Der Brandenburger Tor

 

AKK

Dies ist mein erster und gleichzeitig letzter Blog-Text zur derzeitigen Noch-Parteivorsitzenden der CDU.

Ich beginne mit einer Empfehlung an Frau Kramp-Karrenbauer: packen Sie alle widersprüchlichen Äußerungen, zu denen Sie Ihr politisches Bewusstsein drängt in EINE Mitteilung – Sie sparen sich und uns die dazwischen liegende und folgende Diskussion.

Sagen Sie also: Ich muss hier doch auch mal sagen dürfen, dass Meinungsäußerungen gegen und zum Schaden der CDU verboten gehören (meine Meinung! darf ich sagen!) – gleichzeitig wäre es natürlich absurd, wenn ich so etwas sagen (und erkennbar meinen) würde: also hören Sie einfach mal weg, wenn ich mit DIESEM Gesichtsausdruck etwas sagen will… und das noch montags!

Es handelt sich um die altbekannte Situation: „Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph geblieben!“ (Wie zum Beispiel manche Lehrer oder Hochschulassistenten bei Prüfungen über mich MEINTEN: wir haben den Eindruck, dass Herr Börger viel mehr weiß, als bei dieser Prüfung zum Ausdruck gekommen ist!). Antwort der Delinquentin: ich bin keine Philosophin und will auch keine werden – also rede ich! Eine Nachsicht seitens der Prüfer scheidet damit aus …

Es ist eigentlich auch schon (fast) alles gesagt: wer eine solche Vorsitzende hat, braucht keine AfD, die „Lügenpresse“ brüllt. Alle anderen Fragen muss sich eben doch die politische Vereinigung beantworten, die sich diese Frau zur Vorsitzenden erwählt hat.

Copyright Der Brandenburger Tor, Berlin, 28.5.2019

Herbert Börger

P.S. (29.05.2019) – Jetzt ohne Satire: Bei genauerer Betrachtung komme ich zu dem Schluss, dass aus AKKs Äußerungen die Angst vor diesem unheimlichen Medium „Internet“ spricht. Daher die neue, ehrliche Empfehlung: Wissen über eine Sache kann die Angst besiegen – wie bei den meisten Dingen auf der Welt …

Mein Löwenzahn-Faschismus

Offener Brief an Bettina Weiguny,

Berlin, den 5. Mai 2019

(Betr.: Ihre Kolumne „Balance-Akt“ vom 5.5.2019)

Liebe Frau Weiguny,

erlauben Sie, dass ich Ihnen zu Ihrem heutigen Kolumnen-Thema „Löwenzahn“ einen (kompetenten!) Hinweis gebe. (Ja, ich habe verstanden, dass es IHNEN weniger um den Löwenzahn geht als ums Allgemeine im übertragenden Sinne….)

Sie argumentieren ja sehr schön, dass der „Einzelne“ eben doch sehr viel bewirken kann – und das gilt ja auch für den Löwenzahn, der aus einer einzigen Wurzel an einem Standort pro Jahr aus mehreren Blüten und Blühperioden eine Unzahl von Samenkörnern erzeugt und entsendet. Darüber hinaus hat er ein Samentransportsystem entwickelt, das über leiseste Luftbewegungen – und vor allem auch Thermik! – den Samen einen Aussende-Radius von vielen (oft sogar hunderten!) Kilometern verleiht!

Ein für mich als Physiker und Ingenieur bewundernswertes, robustes System – genial wie so vieles, das die Natur hervorbringt.

Allerdings sind in dem wunderbaren Garten meiner Frau (den ich als Helferlein mit anlegen durfte) Löwenzähne als Spezies trotz aller bewundernswerten Eigenschaften nicht vorgesehen…

Deshalb richte ich den gesamten mir – wie allen anderen Menschen – innewohnenden Faschismus gegen diese Pflanze, sobald sie sich INNERHALB dieses Gartens zeigt! (Außerhalb des Gartens bewundere ich sie nach wie vor.)

Dank meines virulenten Anti-Löwenzahn-Faschismusses ist dieser Garten löwenzahnfrei!

Dabei blüht er entlang der Straße vor unserer Hecke überall. Das rechte Nachbargrundstück liegt brach und verwildert – auf dem linken wird er von der Nachbarin geduldet.

Und trotzdem ist unser Garten frei von Löwenzahn, da ich als Einzelner mich dagegen stemme.

Sie zerstören aber zum Schluß die Logik Ihres gut begründeten Gedankenganges: indem Sie nun selbst doch zum Unkrautstecher greifen, obwohl Sie dafür keine eigene Motivation besitzen. Lassen Sie das – ihr Nachbar kann als Einzelner auch mindestens das bewirken, was ich mir zugemutet habe. Oder haben Sie Angst, dass er seinen Faschismus gegen Sie ausleben könnte anstatt gegen die verursachende Pflanze? Sagen Sie dem Nachbarn: er schaffe das! – dieser Satz löst heute in weiten Teilen der Bevölkerung große Freude aus!

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Frühjahr!

Ihr

Herbert Börger

Copyright Der Brandenburger Tor, Herbert Börger, Berlin 6.5.2019

Tag der Arbeit (1.Mai)

Work-a-holic

Ein (Selbst-?) Gespräch…

Ein Workaholic – das ist ein Mensch, der muss immer arbeiten – das ist bei dem krankhaft! Soll es geben!

Ja!

Das Problem habe ich glücklicherweise nicht. Klar – ich arbeite auch schon viel. Aber: ich arbeite halt gern! Das ist ja nicht krankhaft, oder zwanghaft, wenn man das eben gerne tut.

Nein?

Nee – ich muss mich ja nicht zwingen, nichts zu tun. Ich kann auch schon einmal nichts tun – einfach so!

Wann ich das letzte mal nichts getan…? Ja, warte mal – also ich könnte jetzt je-der-zeit einfach mal nichts tun!

Jetzt?

Gut, das wär’ jetzt gerade schlecht, ich müsst’ jetzt noch mal kurz ins Büro – nur ne Kleinigkeit – höchstens eine halbe Stunde, aber wär’ schon wichtig!

O.k. – wenn du meinst – kein Problem – tu ich jetzt gleich mal nichts…

Obwohl – bei manchen ist das doch auch schon richtig krankhaft: die müssen dauernd Urlaub machen, regelrecht zwanghaft! Kaum ist es noch nicht mal richtig Sommer – schwups – haben die was gebucht!

Und dann müssen die da natürlich hin fahren, obwohl sie quasi gerade aus dem Winterurlaub kommen.

Zwanghaft! – sag ich dir. Und deretwegen komme ich dann hier auch nie weg, selbst wenn ich wollte.

Also: da sagte meine Frau dann: Entweder fahren wir übermorgen für zwei Wochen in Urlaub, oder ich bin weg!

Hab’ ich kein Problem damit. Ist ja auch verständlich. Vier Jahre hatte ich ohne Urlaub durchgezogen – knallhart – macht mir nichts aus!

Also wir hängen uns an die Strippe, Telefon… Internet… die meisten haben nur gelacht – oder gefragt: in drei Tagen wollen Sie kommen? Vielleicht versuchen Sie es in drei Jahren noch mal, vielleicht ist dann gerade jemand gestorben … sehr komisch!

Und das ist nur wegen der vielen Leute, die zwanghaft ständig Urlaub machen.

Warum müssen wir auch weg fahren?

Zuhause kann man genauso nichts tun!

Das war dann auch richtig nett.

Also: wenn ich mal gar nichts tue, dann habe ich immer die besten Ideen.

Telefoniert habe ich dann trotzdem nur ganz wenig – nur ausnahmsweise – mit dem Büro: nie vor neun und selten nach fünf!

(!!!!!)

Also, trotzdem finde ich das doch blöd, einfach nichts zu machen, nur damit man nicht für einen Workaholic gehalten wird.

Irgendwie zwanghaft…

Stell dir vor: ein Nobelpreisträger – wenn der – gerade als er den entscheidenden Einfall hatte – beschlossen hätte: nöö, jetzt tue ich gerade mal nix!

(????)

Jedenfalls finde ich das albern, ohne Grund – nur wegen der Verdächtigung, man könne nicht nicht arbeiten, nicht zu arbeiten…

Also, wenn man einen Grund hätte – z.B. verengte Herzkranzgefäße – oder mein Magen würde sich selbst verdauen…. O.k. – muss man vorsichtig sein, gelt!

Aber ich bin kerngesund – und wie du ja gerade siehst, kann ich auch einfach mal nichts tun!

Was sagst du? Von 15 Minuten hätte ich 14 dazu benutzt zu rechtfertigen, warum ich immer arbeite?

Ich glaube, du erträgst es einfach nicht, wenn ich mal nicht deiner Meinung bin!

(Klirr!)

Du, das ist das Geschirr, das uns meine Mutter zur Hochzeit geschenkt hat! Was heißt das: eben drum?

Ein Workaholic ist ein Mensch ohne inneren Schweinehund?

Was ist – bitte – falsch daran, wenn man keinen inneren Schweinehund hat?

Wieso soll ich mir so ein Tier anschaffen, nur um dann vergeblich zu versuchen, es wieder los zu werden?

Da bleibe ich doch lieber Workaholic, ehe ich mir so was aufhalse!

Copyright Herbert Börger, 1. Dezember 2009

Der Abschied der alten Dame SPD – Arbeit getan, Partei überflüssig?

Die Parteien-Landschaft in Deutschland ist in Aufruhr, vielleicht wirklich im Umbruch. Ist dies ein temporärer Wirbel oder ein grundlegender Prozess? Vieles spricht für das letztere: es liegt nämlich in einem Trend (international) und der läuft derzeit in der entgegengesetzten Richtung wie seinerzeit der „Genosse Trend“, der im Wahlergebnis 1972 kulminierte.

Wahlforscher und Soziologen stellen regelmäßig fest, dass der Trend einen größeren Einfluss hat als die jeweiligen Parteiprogramme oder Wahlkampf-Strategien sowie Politiker-Reden. Eine solche Feststellung ist allerdings weit entfernt davon, die Phänomene zu erklären!

Eine hervorragende Analyse des SPD-Niedergangs haben Ralph Bollmann und Patrick Bernau in der FAS vom 21.102018 geliefert. Sehr lesenswert! Kurz gefasst: die ursprüngliche Stärke der SPD wird nun zu ihrem Debakel. Sie hatte ein extrem breit gefächertes Wählerspektrum, und aus diesem laufen die Wähler nun buchstäblich in ALLE Richtungen weg. Die Autoren zeigen das an einer Vielzahl von Einzel-Prozessen auf, woraus man schließen kann, dass die SPD seit den 1990er Jahren nicht mehr viel richtig gemacht haben kann. Das scheint mir fast alles sehr fundiert (bis auf die Hartz-Argumentation…).

Aber worin liegt der gemeinsame Nenner in diesem Prozess?

Aus meiner Sicht könnte man es folgendermaßen zusammenfassen: die Arbeitnehmerpartei, die vorrübergehend (nach 1970) auch das extrem stark wachsende Akademiker-Lager (Intellektuelle) binden konnte und gleichzeitig von Teilen der Unternehmerschaft gestützt war, hat ihre Arbeit weitestgehend getan: in über 150 Jahren SPD-Geschichte sind die Arbeitnehmer-Rechte (in Deutschland noch gestärkt durch das Mitbestimmungsprinzip, über dessen positive gesellschaftliche Rolle bis heute Konsens besteht!) auf einem sehr hohen Stand angekommen (mit Ausnahme der Gender-Pay-Gap). Was derzeit auf diesem Gebiet noch weiter „abgearbeitet“ wird sind Optimierungen, die meistens ohne wesentlichen Kampf gegen konservative Kreise durchsetzbar sind. Gegen die umfassende Bedrohung des bereits Geschaffenen durch die Globalisierung hat die SPD kein schlüssiges Konzept (wie auch sonst niemand bisher).

Diese Optimierungs-Prozesse im Bereich der Arbeitnehmer-Rechte (und diese allerdings zunehmen handwerklich-gesetzgeberisch schlecht gemacht!) reichen heute bei weitem nicht mehr als Markenkern einer solche Volkspartei aus. Ein neues Konzept ist nicht erkennbar – ganz im Gegenteil: Führung und Teile der „Basis“ mahnen an, die Partei solle stärker wieder zu ihrem „alten Markenkern“ zurückkehren, sind also rückwärts gewendet. Das würde aber den Prozess der Marginalisierung noch einmal beschleunigen, denn das ist ein abgelutschter Kern, auf dem kein Fruchtflleisch mehr ist!

Ohne jedes Konzept und fast ohne Gegenwehr hat die SPD aus Ihrer vorübergehenden Stammwählerschaft sehr früh die Intellektuellen an die Grünen verloren (und damit jede Chance, das Thema Umwelt noch einmal für sich zu reklamieren) und hat sehr alte Stammwählerbestände an die Linken (nach Abspaltung der WASG, die sich mit den SED-Nachfolgeresten PDS vereinigte) verloren. Es ist auch festzustellen – und dies ist sicher gravierend – dass eben gerade die SPD es nicht verstanden hat, die Chancen der Wiedervereinigung zu nutzen. Die Ost-Wählerpotentale in PDS und Bündnis90, die ihr theoretisch nahe gestanden hätten, gingen ihr nachhaltig verloren.

Wer allerdings bei dem Thema Niedergang der SPD die AfD mit ins Spiel bringt, tut sich wirklich keinen Gefallen: die Ursache für die Abwanderung von Wählern zur AfD liegt nicht in der AfD sondern in der SPD!

Die SPD bräuchte dringend ein wirklich tragfähiges gesellschaftspolitisches Thema. Dies ist allerdings nicht in Sicht – wie auch: diese Weichen hätten vor 25 Jahren gestellt werden müssen.

Der klassische Bereich der Arbeitnehmer-Rechte ist in unserem Sozialstaat inzwischen gesetzlich verankert, Mitbestimmung und Gewerkschaften sind ein funktionierendes System, das – soweit erkennbar – niemand in Frage stellt.

Die Schwerpunkte der „sozialen Frage“ haben sich inzwischen sehr deutlich weg von den Arbeitnehmerrechten verschoben – dies kann ja nicht unbemerkt von der SPD geschehen sein … Meiner Meinung nach sind diese Themen heute und in Zukunft:

  • Demographie (seit den 1960ern absehbar!)
  • Globalisierungsfolgen (spätestens seit den 1990ern absehbar)
  • Umwelt/Klima (seit den 1970ern absehbar)
  • Kluft Arm/Reich (ein schwieriges weltpolitisches Dauer-Wirtschafts-Thema)

Vor 25 Jahren hätte sich die SPD weise vorausschauend zwei dieser Themen auf das Banner heften können um zäh und geduldig auf den Moment hin zu arbeiten, in dem sie schmerzhaft den Nerv der Bürger treffen würden … und die Partei die nötige Kompetenz für diese Themen besessen hätte. Nun bleibt der SPD anscheinend wirklich nur noch die „Kompetenz“ der sozialen Feinjustage (und ein bissel Europa .. aber dies kein USP!) – dies ist aber nichts, was die Bürger zu einem Kreuz auf dem Wahlzettel motiviert. Der sagt vielmehr hierzu: „Nicht gemeckert ist genug gelobt.

Ich stimme Bollmann/Bernau in einem weiteren Punkt zu – und der erscheint mir ebenfalls maßgeblich an dem Marginalisierungstrend dieser ehemaligen Volkspartei schuld zu sein: das Personal!

Es fehlt dem heutigen SPD-Führungspersonal (nicht erst heute) ausreichender Erfahrungs-Bezug zum „wirklichen Leben“ der Menschen in Wirtschaft, Industrie, Finanzwesen, Gesundheitswesen, Verwaltung, Handwerk und Kunst. Schon lange hat das Personal überwiegend innerparteiliche Lebensläufe, die in der Jugendorganisation begannen und sich von Wahlkampf zu Wahlkampf im Klein-Klein verloren haben – und im innerparteilichen Wettbewerb zu den Spitzen der Organisation. Ein großer Entwurf war hier schon lange nicht mehr möglich. Seiteneinsteiger mit entsprechend relevanter Berufserfahrung haben in dieser Partei schmerzhafte Erfahrungen machen müssen.

Also: Die Arbeit dieser Partei ist getan – neue Themen nicht in Sicht – Partei überflüssig?

Ich glaube: ja!

Der Brandenburger Tor, Berlin, 13.10.2018

Herbert Börger

Weltrettung – Traum und Logik

Seit Jahrzehnten (und davon habe ich etliche auf dem Buckel) bewegt mich die Frage wirklich zutiefst, wie manche (und nicht wenige) in dieser Welt zu dem Schluss kommen können, dass sie die Welt durch Morden und Zerstören besser machen können und dieses dadurch zu begründen wagen, dass sie von einer höheren – nicht nachweisbaren – Macht den Befehl dazu bekommen haben.

Es ist mir genauso schwer verständlich, dass staatliche Organisationen weltweit vorgeblich keine andere Lösung dieses Problems finden, als es mit ebensolcher Gewalt – Töten und Zerstörung – zu bekämpfen, obwohl diese Institutionen über Think Tanks verfügen, in denen die klügsten menschlichen Köpfe der Welt zusammen kommen.

Es muss dabei klar sein, dass der Virus, dessen Ziel die Vernichtung des Andersdenkenden (oder: Andersglaubenden) ist, auch nachdem man die ganze Welt mit Feuer und Schwert überzogen hat in irgendeinem Winkel, einer Ritze überlebt haben wird, um sich von dort aus erneut auszubreiten. Wir sind darin einem Kammerjäger vergleichbar, der 270 Zimmer eines Schlosses erfolgreich vom Holzwurm befreit hat – aber eine Besenkammer (zwangsläufig …) übersehen hat. Gerade wir Deutschen haben darin einschlägige Erfahrungen in der Vergangenheit und Gegenwart.

Es ist jedoch ein geistig-moralischer Vorgang, wenn jemand beschließt, bestimmte ANDERE zu hassen und zu töten. Noch nie ist ein Gedanke oder ein Irrtum von Bomben ausgelöscht worden.

JEDER Einzelne auf dieser Welt – auch ich – ist heute von islamistischem Terror bedroht. Ich gehe aber weiter über die Straßen und Plätze Berlins, weil ich selbstverständlich denke: mich wird es ja nun nicht ausgerechnet treffen … oder?

Es kam eine Nachricht, dass einer der höchstrangigen Führer des „Islamischen Staates“ gefasst worden sei: er lebte, denn es war gerade kein verblendeter Mensch in der Nähe, der ihn kurzerhand liquidieren wollte. Ich sah in ihm einen einzigartigen Zeugen seiner geistig-moralischen Spezies, der eine große Macht hatte – unabhängig davon, ob er im Gefängnis saß oder nicht. Er saß in einem französischen Gefängnis.

Ich überzeugte einen bekannten Journalisten davon, mir zu helfen, Zugang zu diesem Menschen zu bekommen. Der Journalist sprach fließend Arabisch. Schließlich schafften wir es, alle Sicherheitschecks für den Hochsicherheits-Gefängnistrakt zu bestehen und der Mann wollte uns auch treffen, da wir ihm die Botschaft zukommen ließen, wir wollten verstehen, was ihn zu seinem Handeln antreibt. Möglicherweise half es, dass er von dem bekannten Journalisten schon gehört hatte und sich davon versprach, seine „Botschaft“ zu verbreiten.

Sofort nach unserem Eintreffen im streng bewachten Kontaktraum, überschüttete er uns dann mit dieser Botschaft, die uns ja längst bekannt war. Mein Begleiter übersetzte brav Satz für Satz. Natürlich ließen wir ihn gewähren. Als er fertig war, fragte ich ihn, ob ich ihn etwas fragen dürfe. Er willigte ein.

Ich sagte, dass ich die Sache mit den „Ungläubigen“, gegen die sich sein Haß und seine Gewalt richten, nicht verstanden habe: die meisten dieser Menschen, die eigentlich seine Brüder und Schwestern in der Schöpfung sind, würden doch auch an Gott glauben – oder gegebenenfalls ein höheres Wesen, das sie anders nennen.

Herablassend wurde ich jetzt von ihm belehrt, dass es deutlich im Koran stehe, dass es nur einen Gott gebe – und Mohammed sei dessen Prophet. Und die Ungläubigen müsse man töten.

Ich war richtig froh: genau zu dieser Aussage hatte ich ihn führen wollen – aber nicht, um mit ihm über die Auslegung des Korans zu streiten.

Ich holte nun etwas weiter aus:

Ich sagte ihm, dass ich Physiker sei, und seit meiner Jugend ein großer Bewunderer der arabischen Kultur (wie es viele gebildete Menschen bei uns seien), die die Lehren der antiken griechischen Kultur und Wissenschaften über Jahrtausende nicht nur bewahrt hatte sondern über Jahrhunderte die bedeutendsten Fortschritte in Medizin, Astronomie und vor allen Mathematik erzielt hatten – auch um diese letztlich uns zu vererben.

Der Mann sah verständlicherweise keinen Grund, mich bei meiner Lobrede auf die alte arabische Kultur zu unterbrechen und es sei hier nur noch darauf hingewiesen, dass meine Beschreibung keine willfährige Lobhudelei der arabischn Kultur gegenüber einem Araber war – sondern einfach die reine Wahrheit!

Ich wies nun darauf hin, dass Wirtschaft, Ingenieurwesen und Astronomie vor allem eine Grundlage haben: die Mathematik, dass aber die Mathematik – gemeinsam mit der Philosophie – eine noch elementarere Grundlage hat: die Logik. Auf dem Gesicht des Mannes begann sich Mißbilligung auszubreiten. Aber er hörte mir zu – meine ehrliche Hochachtung vor der arabischen Kultur hatte mir wohl ein gewisses „Guthaben“ seiner Geduld verschafft.

Ich fuhr fort: die aus der Logik entsprungenen vorher erwähnten Wissenschaften haben sich über Jahrhunderte in der Anwendung auf die erfahrbare Wirklichkeit der Welt bewährt und setzen diesen Erfolgsweg erkennbar weiter fort. Das System der Logik ist also kein Gespinst des menschlichen Gehirns, sonder dessen wirkliche geistige Leistung, die dem Menschen von seiner Entstehung her – religiös als Schöpfung bezeichnet – MITGEGEBEN ist. Sie ist dem Menschen und somit der Schöpfung eigen.

Ich persönlich glaube, dass die Fähigkeit der Logik nach der Fähigkeit zur Liebe die zweitwichtigste Gabe des Menschen ist.

Der Unmut meines Gegenübers nahm währenddessen nicht zu, aber Zweifel an meiner Ausführung schienen nicht völlig ausgeräumt zu sein.

Nun war ich da, wo ich hin wollte: wenn die Logik eine Gabe ist, die die Schöpfung dem Menschen gegeben hat, dann sind wir auch verpflichtet, sie nachprüfbar zu nutzen. (Kein Einwand…) Ich kam nun zum Kern meiner Argumentation:

Wenn die Christen sagen, dass sie an einen Gott glauben, und die Mohamedaner sagen, dass sie an einen Gott glauben – und der Prophet Mohammed sagt, dass es nur einen Gott gibt, dann bedeutet das nach den Regeln der Logik, dass der Gott der Christen und der Gott des Islam ein-und-derselbe Gott ist. Wenn Christen und Mohamedaner sich als Konsequenz gegenseitig vorwerfen, „ungläubig“ zu sein, dann ist das eine grobe Verletzung der schöpfungseigenen Logik. Denn wenn beide sagen, dass Gott der Herr der Menschen sei – und nicht etwa umgekehrt, dann ist Gott Gott, unabhängig vom Wohnort des Mensch, unabhängig vom Namen den er diesem Gott gibt oder dem Kultus der Verehrung. Sonst wäre Gott nicht Gott.

Ich war am Ziel. Unser Gegenüber hatte seine überheblich-abweisende Fassade aufgegeben. Er schien in tiefes Grübeln zu fallen. Schließlich sagte er: das muss ich mir noch einmal genau überlegen. Du sagst, dass die Logik über dem Koran steht?

Ich sagte: nein – nicht über… aber sollte im Koran stehen, das man die Ungläubigen töten soll, dann können damit nicht die Christen gemeint sein, denn sie glauben an denselben Gott. Und ja: die Logik war zeitlich schon lange vor dem Koran da – nämlich ganz ursprünglicher Bestandteil der Schöpfung.

Wir verabschiedeten uns – dass dies von seiner Seite aus nicht unfreundlich geschah, sah ich schon als großen Erfolg meiner Mission.

Mein Flugzeug war noch nicht in Berlin gelandet, da ging bereits die Meldung durch die Nachrichtenticker um die Welt, dass der IS-Führer aus dem Gefängnis heraus seine Mitstreiter aufgefordert hatte, den Kampf einzustellen und die Organisation in eine politische Gruppe zu verwandeln, die mit friedlichen politischen Mitteln für Rechte der arabischen Völker streiten solle. Der ehemalige Terrorist wies darin auch besonders darauf hin, welche fundamentale Leistung die arabische Welt vor Jahrhunderten für die Wissenschaften erbracht hatte.

Dann bin ich leider aufgewacht – besonders verwundert war ich, dass ich nun neuerdings in Träumen die Gesetze der Logik anerkannte. Früher war das genaue Gegenteil der Fall, als ich noch ohne technische Hilfsmittel im Traum fliegen konnte.

Aber von tiefster Naivität sind meine Träume offenbar noch immer geprägt …

So hat sich wohl doch nicht die Welt verändert – anscheinend habe nur ich mich verändert … und warum nicht einfach mal das Geträumte zu realisieren versuchen?

Der Brandenburger Tor

Berlin, den 3. Oktober 2018

Der Regierungs-Troll – Ein Kommentar zur Maaßen-Affäre

Diese Kommentar will ein Weckruf sein.

Möglicherweise wird der 18.9.2018 als ein „Schlüsseldatum“ für die Gesellschaft der Bundesrepublik eingehen (vergleichbar mit dem 9./10.11.1938 ?) …

… aber nicht, weil an diesem Tag selbst etwas epochal Bedeutendes geschah, sondern weil an diesem Tag der Tropfen fiel, der das Fass zum Überlaufen brachte.

ALLE haben es kommen sehen – aber niemand hat es verhindert!

Während landauf-landab Rudel von Politikern nicht müde wurden, Gründe für die Politikverdrossenheit der Bürger, ihren Unmut und die Abwendung von rationaler Politik zu analysieren, läßt man gleichzeitig aus den eigenen Reihen Sprengsätze hochgehen, die die Menschen davon überzeugen, dass ihr Unmut mehr als berechtigt ist.

Was aus dem Fass heraus schwappte als es überfloß:

  • die Autorität einer Kanzlerin,
  • die Akzeptanz (und der ohnehin gestörte innere Friede) eines Koalitionspartners SPD (was deren Kraftlosigkeit unter der gegenwärtigen Führung nur noch hervorhebt),
  • die Hoffnung, dass der „Soziale Frieden“ in der BRD zu retten sein wird,
  • das Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Medien, die den Trollen auf den Leim gingen (Troll Seehofer legt den Sprengsatz und am Abend des 18.9.18 haben die Hauptstadt-Journalisten beider ö.-r. Kanäle unisono die SPD als den Schuldigen ermittelt…)

Wie verstörend dieser (vorläufige) Ausgang der Maaßen-Affäre ist, zeigt sich daran, dass keiner der verantwortlichen politischen Akteure mit diesem „Ergebnis“ Flagge zeigen wollte: die Kamerateams vor dem Tagungsort zogen unverrichteter Dinge ab – es gab eine dürre, schriftliche Presseerklärung. Niemand wollte, dass BILDER von ihr/ihm mit dieser Bekanntmachung in Verbindung gebracht werden – so wenig überzeugt ist man von dem Ergebnis und so sehr fürchtet man die Folgen desselben schon im Augenblick der Entscheidung!

Aber die meisten sind ja nicht doof – also stellen wir uns die Akteure im Geiste vor:

  • Der Sieger – Maaßen – könnte triumphieren, muss ja gar nichts sagen – hat wohl auch einen Maulkorb bekommen. Es drängt sich die Vermutung auf, hier hat einer etwas in der Hand gegen seinen Dienstherren – wie sonst wäre er damit durch gekommen … mit offensichtlicher Parteilichkeit in DIESEM Amt und Illoyalität gegenüber der obersten Dienstherrin…
  • Der Troll selbst – Seehofer: über ihn ist allerorten alles gesagt – und so schleudert er seiner persönlichen Katastrophe entgegen – immerhin hat er bereits den Status erreicht, dass eine Aktion von seiner Seite ausschließlich von der AFD gelobt wird.
  • Die Kanzlerin – Merkel – die kraftlos dem völligen Erlöschen ihrer Autorität entgegen torkelt.
  • Die Koalitionspartnerin – Nahles – der die Kraft fehlt, zu verhindern, was ihrer Partei in der Folge äußerlich und innerlich um die Ohren fliegen wird.

Diese Analyse mach mich wütend, aber gleichzeitig mutlos: in der Folge dieser Affäre sind alle AKTIVEN Beteiligten Verlierer, außer dem Verursacher Maaßen – und es gibt einen großen dabei unbeteiligten Gewinner, die AfD, der dies erhebliche weitere Zustimmung bringen wird.

Politiker zitieren oft, wenn Ergebnisse nicht so ganz die Erwartungen aller Seiten treffen den an sich sehr klugen Satz „Politik ist die Kunst des Möglichen“ (Bismarck).

Immer sollten die Akteure dabei aber im Auge behalten: Wer dem Anstand in der Welt Geltung verschaffen will, darf selbst nicht das Unanständige tun!

Herbert Börger

Der Brandenburger Tor, Berlin, 19. September 2018

P.S.: Als die causa Maaßen hoch kam, war meine erste Reaktion: wieso gibt der Chef dieser sensiblen Behörde ein Interview (noch dazu an die BILD)? Ich würde das an sich schon als Dienstverfehlung ansehen. In der Folge gingen ihm alle wochenlang „auf den Leim“, indem sie seine Inhalte diskutierten. Erst jetzt melden sich Fachleute zu Worte, die schon den Akt (das Interview) als solchen entsprechend als dienstlichen Rechtsbruch bewerten.

Spätestens seit deutlich wurde, dass das Ganze wohl ein abgekartetes Spiel zwischen Herr und Hund war, ist Herr Seehofer als Innenminister nicht mehr handlungsfähig, da in der causa Maaßen komplizenhaft „befangen“ – also darf er ihn auch nicht befördern!

Das fängt ja gut an – 153

Es ist nichts so schlecht….

… dass es nicht doch noch zu was gut wäre,

Sagt der Kölner gerne.

Mit etwas Mühe findet man das sogar beim Diesel-Betrug!

Bevor ich das verrate, möchte ich mich aber einer ganz anderen Erfahrung zuwenden:

Die Autoindustrie hat sich als „Normalfall“ in den Betrugsmodus begeben – die Fahrzeug-Software ist vollgestopft mit gut (aber nicht gut genug) versteckten Software-Modulen von denen die Hersteller immer nur die zugeben, die schon gefunden wurden – der Rest wird aktiv geleugnet… wöchentlich kommt etwas Neues heraus und man ist schon darauf eingestellt, dass das nie enden wird! Unser Rechts-System ist auf den massenhaften, systematischen Betrug an Millionen von Einzel-Vertragspartnern (vulgo: „Verbraucher“) nicht eingerichtet: wenn nichts Grundsätzliches geschieht, bleibt der Verbraucher auf seinem Schaden sitzen! Fazit: ein Drittel der deutschen DAX-Unternehmen konnten sich gewerbsmäßig zu einem Betrug an ihren Kunden, der Gesellschaft und deren Gesundheit verabreden (vulgo: „Schaffung von maffiösen Strukturen“) – und das Rechtssystem ist eventuell nicht in der Lage, dies angemessen zu ahnden.

Da denkt man doch: das kann nun nicht mehr schlimmer kommen! Aber: es kam schlimmer!

Politiker, die damit beauftragt sind, gesetzliche Vorschriften durchzusetzen, die zum Schutz der Bürger gemacht sind (und einvernehmlich auf Europäischer Ebene beschlossen wurden), finden Lösungen, die diese Vorschriften ad absurdum führen.

Dies geschieht gerade mit dem Thema FAHRVERBOTE.

Was die ethisch gestählten Auto-Manager können, können diese Politiker schon lange… wozu hat man gute Vorbilder? Die Abgasnorm für das Fahrzeug konnte/wollte man nicht permanent erfüllen: also wurde das Abgas nur immer dann richtig gereinigt, wenn das Auto GEPRÜFT wurde. Genial: das machen wir genau so: wenn es (vereinbarte) Meßstellen in der Stadt gibt, an denen die Schadstoffe in der Luft gemessen werden, verbieten wir nicht etwa den Dreckschleudern das FAHREN, sondern leiten dies DRECKSCHLEUDERN um die Meßstellen herum, durch Nebenstraßen … also jedenfalls da, wo keiner die Luftqualität mißt! – und schon ist die Luft wieder rein… und das NENNEN wir dann FAHRVERBOT.

Wir bereinigen einen Betrug durch einen ANDEREN BETRUG … bekanntlich ist ja MINUS mal MINUS gleich PLUS!

Jetzt aber – endlich – die gute Nachricht:

Meinen super-teuren A6-Diesel kann ich jetzt in den dubiosesten Gegenden einfach stehen lassen: wer klaut denn sowas?!

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 28. Mai 2018