Das Seuchen-Tagebuch des Brandenburger Tors (CORONA-Virus COVID-19)

Ich werde diese Krise hier täglich aus meiner Sicht als Chronist beschreiben – so objektiv wie möglich. Tag für Tag … und wenn sie 100 Tage dauert – also: „whatever it takes!

Was heute gilt, wird morgen vielleicht schon „pulverisiert“ – daran werde ich mich in einem Jahr nicht mehr zweifelsfrei erinnern können. Darum schreibe ich Ereignisse, Gedanken und Gefühle hier auf. Es soll eine Art „Zeitkapsel“ sein. Ich habe schon einmal in meiner Jugend 8 Jahre lang ein Tagebuch geführt: von meiner Selbst-bewusst-Werdung ab Alter 12 Jahre durch die wichtigste Entwicklungsphase bis zu etwa 20 Jahren. Das Wiederlesen nach über 50 Jahren brachte mir großen Erkenntnisgewinn. Mit viel Abstand bekommen manche Dinge eine völlig neue Bedeutung.

Achtzehnter Tag: Montag, 30. März 2020

Heute stehn zwei Themen im Mittelpunkt:

Erstens die Große Frage des Termins, ab dem die Einschränkungen aufgehoben werden könnten: hier sind sich Bund und Länder derzeit einig, dass dies nicht vor dem 19.4.20 geschehen kann – entsprechende Maßnahmen wurden zum Teil auch schon verlängert (Bayern). Die Experten empfehlen, sich darauf einzustellen, dass eine schrittweise Normalität frühestens ab Mai zu erwarten ist.

Damit ist auch die Frage der massiven Ausweitung der Tests verbunden, von denen sich die Bundesregierung (und ich auch) eine wichtige Unterstützung bei der Rückkehr zur Normalität verspricht: je nach Testergebnissen verschiedene Regionen und gesellschaftliche Bereiche nicht mehr nur mit PAUSCHALEN Einschränkungen sondern individuell wieder zur Normalität zurück zu steuern und dann ein Monitoring zu haben, was dauerhaft verantwortbar ist. Leider ist diese Thema sehr komplex. Augenblicklich sind mehr Tests nicht möglich. Ab Mai könnten dafür die Voraussetzungen vorhanden sein.

Zweitens ob und wie schnell die Hilfen des Staates an den richtigen Stellen ankommen. Dass die On-Line-Antragskanäle in den ersten paar Tagen überlastet sein würden war mehr oder weniger zu erwarten. Im Einzelnen kommen aber seltsame Effekte zum Vorschein: z.B. wurde aus Berlin gemeldet, dass kleine Firmen, die Start-Ups sind, nur dann Hilfe beantragen können, wenn sie älter als 3 Jahre sind …??? Wenn das wirklich so wäre: ein staatliches Todesurteil, für die jüngsten (und möglicherweise innovativsten!!!) Firmen-Neugründungen? Ich glaube, dass vor Ende der nächsten Woche nicht beurteilt werden kann, wie effizient dieser Prozess abläuft – und wo nachgesteuert werden muss.

Der Online-Handel boomt, wie zu erwarten war. Viele Mitarbeiter können sehr gut aus dem Home-Office arbeiten. Das Nadelöhr besteht darin, die Ware auch physisch an den Kunden zu bringen – Logistik und Verpackung!

Der DAX-Konzern ADIDAS hat sich einen massiven Shit-Storm eingehandelt, als er heraustrompetete, dass er für seine Läden nach der Schließung keine Mieten mehr zahlen würde. Das entsprechende Gesetz war gamacht worden, um die Existenz von hunderttausenden von Frisören, Gastronomen etc. zu schützen! Kommunikation in Krisen ist ein sehr spezielles, empfindliches Pflänzchen!

In Deutschland sind vom RKI per heute 61.913 Infektionen gemeldet,  4.615 mehr als gestern, insgesamt 543 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 8:15 h Folgetag) Die Zahlen sind heute vollständig! Hoffnung ist nun berechtigt, dass die Anstiegskurve in eine nachhaltige S-Form einschwenkt, was zu einer kontinuierlichen Abflachung führen würde.

Siebzehnter Tag: Sonntag, 29. März 2020

Wie tief ist die „Schließung des Landes“ – der sogenannte „Shutdown“ – eigentlich wirklich? Vieles Lebensnotwendige sowie der „Digitalsektor“ und auch die Logistik und der Energiebereich laufen ja weiter – oder sogar stärker als außerhalb der Krise. Es gibt nur grobe Schätzungen, die bei 50% Reduzierung liegen.

Die Hilfsprogramme von Bund und Ländern sind nun „scharf“ gemacht worden: die Antragskanäle sind mit hunderttausenden von Anträgen zunächst verstopft…. Der Finanzminister rechnet mit ersten Auszahlungen noch in der kommenden Woche. In Berlin gab es auch gleich Pannen bei der On-line-Eingabe der Annträge bei der IBB.

Nachdem die Menschen nun erkannt haben, dass das länger dauert, fangen sie offensichtlich schon seit etwa 2 Tagen an, sehr kreativ nach eigenen Wegen zu suchen – und diese zu finden! Ein Beispiel ist die Gastronomie: es war ja gleich klar, dass aus den Küchen auch Essen+Trinken außer Haus geliefert werden kann, was mit bestimmten hygienischen Auflagen erlaubt ist. Allerdings gibt es bei den meisten Restaurants dafür keine logistischen Strukturen. Daher ist der Durchsatz dafür zunächst nur 10-20% der ursprünglichen Kapazität.

Das bedeutet, dass alle Gastronomen auf großen Vorräten sitzen, die nicht täglich frischer werden… Alles einfrieren ist sehr teuer und das Aufgetaute wird später vielfach nicht erlauben, die Standards des jeweiligen Restaurants zu erfüllen. Eine Vernichtung verursacht auch Kosten und Aufwand oder schlechtes Gewissen – die meisten Tafeln sind zu. Ein prominenter Koch hat die Idee gehabt und sofort Nachahmer und Unterstützer gefunden. Die Idee heißt „Kochen für Helden„.

Im Prinzip: die Vorräte werden in größere Chargen eines Gerichtes verarbeitet und (kostenlos) an die verteilt, die derzeit besonders stark in der Versorgung gefordert sind. Kann man im Internet nachlesen! Die Aktion wirbt um Spenden oder Hilfe.

Das Beispiel der Gastronomie zeigt auch auf, wie eng und komplex die verschiedensten Bereiche unserer Wirtschaft miteinander verwoben sind: durch die immer stärker ausgebildete Regionalität der Gastonomie, fallen Landwirten der Region schlagartig bedeutende Direkt-Abnehmer eines hohen Qualitäsbereiches weg – das können  bis zu 90% sein. Das bedeutet, dass kurzfristig wirtschaftliche Unterstützung gebraucht wird, obwohl es sich um ein benötigtes Gut handelt. Man muss außerdem Wege finden, die Produkte in andere Kanäle umzuleiten!

Menschen, die jetzt viel Zeit haben, haben angefangen sich als Erntehelfer zu erproben, was sicher nicht leicht ist – aber der Verdienst soll auch nicht so schlecht sein, wie immer gemunkelt wird. Ich las von 11 €/Stunde.

Medizin-Studenten gehen freiwillig in Corona-Testcenter, die gerade aufgebaut werden, um das qualifizierte medizinische Personal zu entlasten.

Unser Land wird in dieser Krise sehr viel lernen – und nicht nur über Virologie, sondern vor allem über sich selbst – im Guten und im Schlechten!

Zum Schlechten: Ich sah gerade eine Anzeige in der Tageszeitung, in der ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln (ein ganz dicker Fisch, der täglich in den super-teuren drei Minuten vor der Tagesschau lange Werbung schaltet!), der seine Werbung für ein solches Mittel, das ANGEBLICH das Immunsystem stärken soll, mit dem Bild eines Coron-Virus „schmückte“! Liebe Zeitung: Ihr habt es sicher auch nicht leicht – aber ich sehe Euch in der moralischen Pflicht, Eure Leser vor solchem Missbrauch zu schützen…

In Deutschland sind vom RKI per heute 57.298 Infektionen gemeldet,  4.751 mehr als gestern, insgesamt 455 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 8:45 h Folgetag)

Es wurden heute schon wieder keine Daten aus Sachsen-Anhalt übermittelt. Die Zahlen vom 28.3.2020  aus Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland fehlen hier immer noch. Damit sind die Daten wieder nicht vollständig repräsentativ.

Sechzehnter Tag: Samstag, 28. März 2020

Die Regierung teilt heute schon mit, dass die Bewegungs- und Kontakteinschränkungen aller Voraussicht noch bis zum 20. April wietergeführt werden müssen.

(Das wäre dann der 39. Tag auf meiner Zeitskala.)

Warum wartet man mit dieser Nachricht nicht – wie ursprünglich angekündigt bis Ostern bzw. bis zum Enddatum der derzeit gültigen gesetzlichen Regelung? Es war im Land eine große Ungeduld zu spüren – immer wieder wurde die Erwartung verbreitet, nach dem 7. April gehe ja sicher alles wieder normal weiter. Die Information der Virologen, dass wir jetzt immer noch am Anfang der Infektionswelle stehen, ist bisher nicht wirklich durchgedrungen.

Ich finde es richtig, wenn jetzt frühzeitig ungerechtfertigten Hoffnungen entgegengewirkt wird: so können sich alle auf diese lange Durststrecke einstellen.

Viele Menschen haben wohl noch nicht wahrgenommen, dass die Infektionswellen in fast jedem Land auf einer individuellen Zeitskala ablaufen. Wir haben die schrecklichen Klinik-Zustände in der Lombardei (Italien) oder neuerdings in Mulhouse/ Colmar (Frankreich) als Bilder im Kopf. Wir liegen in den meisten Regionen Deutschlands 1-2 Wochen im Ablauf der Epidemie dahinter – und wollen ja das Eintreten solcher Bilder bei uns verhindern. Deswegen werden die Intensiv-Bettenbereiche bei uns ja vorsorglich „frei geräumt“ – d.h. vermeidbare geplante Operationen werden verschoben – und möglichst viele zusätzliche Intensiv-Betten geschaffen. Das zusätzliche Personal dafür ausgebildet! Kürzlich wurde berichtet, dass in manchen Kliniken der Belegungsgrad der Intensivstationen bereits auf 40% gesenkt wurde – in Erwartung/Befürchtung der „großen Welle“.

Das ist der Grund, warum die Krankenhäuser derzeit finanzielle Hilfen benötigen: ihr „normales Geschäft“, das sie per Fallpauschalen abrechenen, bricht gerade weg – und für die Corona-Infizierten, die schon behandelt werden, reichen die Fallpauschalen nicht aus, weil der Aufwand viel höher ist (Schaffung großer Isolations-Intensiv-Bereiche!).

Das ist auch der Grund, weshalb wir schwere Fälle aus Italien und Frankreich derzeit nach Deutschland holen und behandeln können, da diese Fälle ja in wenigen Tagen aus dem Intensiv-Bereich wieder entlassen werden können. Man hilft grundsätzlich, wenn man kann – dann wird einem auch geholfen, wenn man selbst nicht mehr kann!

Mal ehrlich: sollten die eingeleiteten extremen Maßnahmen in den Kliniken dann doch nicht gebraucht werden – wir wären alle überglücklich. Wahrscheinlich hat uns die Ausgangs- und Kontaktbeschränkung (und die Verschiebung von planbaren Operationen) nun die Zeit „gekauft“, in der wir diese Vorbereitungen alle treffen konnten und noch können.

Als dieses oben gezeichnete Bild vor einigen Tagen als Strategie unseres Kliniksystems erkennbar wurde, kam mir ganz automatisch in den Sinn: wäre es für jemanden in einer Risiko-Gruppe (älter als 70 und Vorerkrankung…) nicht besser, wenn er sich JETZT ansteckt, da überall genügend Kapazität für optimale Behandlung da ist? Ich dachte: typisch für mich, was für ein irrer Gedanke! Direkt am Folgetag wurde genau dieses Thema bereits öffentlich diskutiert. Dazu befragte, mit der COVID-19-Erkrankung der Lunge bereits sehr erfahrene, Ärzte haben sofort gewarnt:

Das ist nicht wie eine übliche Grippe – ein schwerer COVID-19-Verlauf hinterläßt, auch wenn der Patient überlebt, massive Schädigungen der Lunge, die durchaus bleibend sein können – vor allem wenn die betroffenen Menschen älter sind.

Positive Überraschung: die Schutzmasken- und Desinfektionsmittel-Fertigung kommt deutschlandweit in Gang. Es gibt bereits (vereinzelt) Firmen, die nicht nur ihr Personal aus der Kurzarbeit zurück holen, sondern dafür noch Hilfskräfte suchen. Die Firma BOSCH meldet, dass sie – in einer bisher recht unbekannten kleinen Medizintechnik-Sparte – gerade ein Viren-Testgerät fertig entwickelt hat, das sie ab kommender Woche ausliefern kann und das auch für Arztpraxen geeignet wäre.

In Deutschland sind vom RKI per heute 52.547 Infektionen gemeldet,  3.965 mehr als gestern, insgesamt 389 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 8:45 h Folgetag)

Dieser heute gemeldete Anstieg ist aber nicht repräsentativ!

Am 28.3.2020 wurden keine Daten aus Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland übermittelt.
Am 27.3.2020 wurden keine Daten aus Sachsen-Anhalt übermittelt.

Fünfzehnter Tag: Freitag, 27. März 2020

Die Bürger und die Regierung in Deutschland geben sich gegenwärtig gute Noten:

Die Bevölkerung halte sich sehr gut und verständnisvoll an die Einschränkungen.

Lt. Deutschlandtrend sollen im Gegenzug 95% der Bürger die Maßnahmen für richtig beurteilen, darin sind enthalten 20%, die noch härtere Einschränkungen für sinnvoll halten würden (wenn-schon-denn-schon).

International bemerkenswert: die USA haben sich nun binnen einem Tag an den Fallzahlen Chinas und Italiens vorbei geschoben! Jetzt über 95.000 nachgewiesene Infektionen… (fast 50% mehr als am Vortag! – vermutlich ja auuf sprunghaft gestiegene Zahl von Tests zurück zu führen…) Nach sinnlos-bis-dämlichen gegenseitigen Schuldzuweisungen der letzten Tage („Wuhan-Virus“) haben die Präsidenten inzwischen miteinander telefoniert und sollen ENGE Zusammenarbeit vereinbart haben – was immer das heißt. Ich vermute mal, das die Berater Trump ANGEFLEHT haben werden, Xi jetzt anzuschleimen, damit China Schutzausrüstung liefert!

Boris Johnson ist als erster Staatschef des Westens positiv getestet. (Beweist das, dass es GB gelungen ist mit dem BEXIT die Initiative an sich zu reißen und nicht mehr unter der Knute der EU leben zu müssen? Sorry – da hat sich doch wieder ein kleiner Clown ins Frühstück verirrt …)

National ist zu beobachten, dass nach dem Applaus der Menschen auf den Balkonen für den Einsatz des Pflegepersonals, nun die großen Einzelhandelsunternehmen GANZSEITIGE Zeitungsanzeigen schalten, in denen sie ihren Mitarbeitern danken, die sich in dieser Lage so vorbildlich für uns alle einsetzen. Dieses Lob ist wohl nicht kostenlos, da diese Anzeigen ja auch viel Geld kosten – aber ich denke, sie werden auch nicht umhin kommen, den Mitarbeitern Boni zu zahlen, um die Motivation hoch zu halten – und selbst nicht als Krisen-Gewinnler da zu stehen.

Das gleich gilt für unsere Pflegekräfte, die außer dem hohen Arbeitseinsatz das höchste Risiko von allen tragen! Deshalb halte ich es sogar für legitim, dass eine Petition für eine DEUTLICH bessere Bezahlung der Pflegekräfte in der akuten Lage eingebracht wurde und auch in einer Talkshow beworben wurde. Vor einem Jahr war schon eine Verbesserung von der Politik versprochen worden – aber praktisch verpufft (wie Karl Lauterbach zugab!). Es handelt sich um eine Situation, die mit Tarifverträgen nicht in den Griff zu bekommen ist.

Spannend wird es nun, wie schnell die  (heute auch vom Bundesrat gebilligten – und immerhin LÄNDERRECHTE aussetzenden) staatlichen Hilfsgesetze für die Betroffenen umgesetzt werden. Ab heute können die Anträge eingereicht werden.

Zum Thema der Staatshilfen eine vergleichende Überlegung: Trump hatte ja spontan in USA eine Billion Dollar angekündigt: 850 Mrd USD für die Wirtschaft, 150 Mrd. für die Bürger (die kaum Arbeitslosenversicherungen – viele auch keine Krankenversicherung haben!). Die Arbeitslosenquote in USA ist binnen einer Woche auf den 11-fachen wert gestiegen! Die Demokraten hatten darauf im Repräsentantenhaus erzwungen, dass die Hilfe auf 2 Billionen USD aufgestockt wird – eine weitere Billion für die Bürger (grob gesagt). Die USA haben 320 Mio. Einwohner. In Deutschland (ca. 80 Mio. Einwohner) beträgt das Programm (in einem gut ausgebauten Sozialstaat) mindestens 1,4 Billionen EURO, was derzeit fast 1,7 Billionen Dollar entspricht. Da sind die beschlossenen Hilfen der EU noch nicht eingerechnet. Die werden allerdings – wie der Rettungsschirm ESM – voraussichtlich den Hauptbetroffenen Staaten mit Krisen-Wirtschaft zugute kommen – was in Ordnung und auch so gewollt ist! Hier darf jeder selbst seine Schlüsse ziehen.

In einer solchen Situation macht man sich immer wieder Sorgen darüber, dass wir medial in einer derartigen MONO-THEMEN-WELT leben: Dramatische andere Themen wie Krieg und Flüchtlingselend im Nahen Osten und Afrika, Klimakrise etc. finden dann eben ein paar Wochen nicht mehr statt. Ich warte jetzt darauf, dass irgendjemand herausstreicht, dass der schlagartig sinkende CO2-Ausstoß während der COVID-19-Krise doch gut für das Klima sei…

Und als ob das alles nicht schlimm genug wäre: rollt auf die Landwirtschaft

erstens eine wirklich große „Erntehelferkrise“ zu und

zweitens von Osten her die asiatische Schweinepest – nun real 65 km vor den Toren von Berlin. Ein erster polnischer Nutztierbestand ist betroffen (24.000 Schweine)!

Erntehelfer-Krise: Da derzeit so viele Menschen in Zwangs-Untätigkeit sind, sollte mit etwas gutem Willen doch die Ernete mit freiwilligen Kräften aus der regionalen Bevölkerung einzubringen sein? Die Hopfenbauern in Bayern haben da schon mal was probiert! (Das ist dort nicht (Spargel-)Ernte sonder Aussaat und Aussaatvorbereitung.) Ich drücke die Daumen, dass das klappt.

Aber auch das Gesundheitswesen in Brandenburg soll wegen des Einreise-Verbots nach Polen für Pendler ab heute vor einem großen Problem stehen: in Ost-Brandenburg sollen fast 50% der Pflegekräfte aus Polen kommen! Das Land hat die Mitarbeiter gebeten, ab heute erst einmal in Deutschland zu bleiben und hat Hilfen angeboten.

Zum Thema Schutzausrüstungs-Krise bei Ärzten und Pflegekräften möchte ich einen Vorschlag machen: JETZT ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen – sondern für RADIKALE Lösungs-Anstrengungen: Wir werden uns das für hunderte Milliarden über Jahrzehnte aufgebaute Gesundheitssystem nicht durch so etwas ins Chaos stürzen – PUNKT! Menschen sind vor Jahrzehnten zum Mond geflogen – da kann man binnen Tagen und Wochen Textilfertigungen im Land aufbauen! Los gehts!

In Deutschland sind vom RKI per heute 48.582 Infektionen gemeldet,  6.294 mehr als gestern, insgesamt 325 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 10:10 h Folgetag) (Die Neuinfektions-Zahlen von Sachsen-Anhalt fehlen hier.)

Vierzehnter Tag: Donnerstag, 26. März 2020

Die öffentliche Diskussion fokussiert sich derzeit auf die Frage, wie lange die Einschränkungen noch dauern, die jetzt den 4. Tag gelten. Mich erinnert das an unsere Urlaubsfahrten mit 3-jährigen Kindern hinten im Auto, die – losgefahren Richtung Italien in Heidelberg – in Leimen fragten: „Wann sind wir denn da?“. Diese Mentalität wird auch noch gefördert von Politikern wie Linnemann und Lindner – die stolz verkünden, sie würden aber „hinterher“ genau aufpassen, ob wir alle Freiheiten wieder bekommen … So weit ich weiß, sitzen die Herren auch im Bundestag und haben die Kontaktsperre mit beschlossen, die exakt für 2 Wochen gilt – und dann vom Bundestag aktiv verlängert werden muss! Dennoch erwecken sie den Eindruck, dass unsere Freiheit nun auf Dauer gefährdet sein könnte – und profilieren sich auf die lächerlichste Weise zum sinnlosesten Zeitpunkt als Retter dieser Freiheiten… vielleicht glaubt das sogar mancher? Das nenne ich Populismus!

Scherz beiseite! Ich hätte Glossen-Materil bis Oberkante Unterlippe in mir – aber ich unterdrücke es. Dazu erscheint mir die Lage viel zu ernst.

Keine Profilierungs-Sorgen haben weiterhin die Virologen (außer vielleicht gegeneinander – sind ja meistens Mediziner …): wir haben mittlerweile fast flächendeckend „Deutsches Virologen-Fernsehen“. Bitte hört auf, die Virologen zu fragen, wann das endet!

Es entsteht gerade ein großes Kommunikations-Defizit seitens der Politiker in dem seit Tagen hoch kochenden Thema: wie kommen wir denn aus dem Shutdown wieder raus? In der Vermischung der Themen erklärt Laschet auf diese Fragen: nein, nein – es ist zu früh, wir müssen den Deckel noch drauf halten, als wüssten die Menschen das immer noch nicht. Aber Herr Laschet weiß doch, dass Experten intensiv interdisziplinär an genau dieser Frage arbeiten – und dass es auch erste Umrisse von Erkenntnissen gibt. Warum sagt er das nicht?

Die erschütterndste Erkenntnis dieses Tages ist aber: Es gibt im Land keine annähernd ausreichende Menge von Schutzausrüstungen! Nicht in den (meisten) Kliniken, nicht in der Altenpflege, nicht (und am wenigsten) in den Arztpraxen, nicht bei der Polizei … nicht  … nicht!

90% der weltweiten Kapazität zur Herstellung von Schutzausrüstungen liegen in China!

Die Bundeswehr räumt Bestände aus, Menschen bringen Ausrüstung, die sie zu Hause haben in die Praxis ihres Arztes. Textilfabriken hierzulande beginnen einfachen Mundschutz zu nähen, seit heute kann man bei einer Berliner Krawattenfabrik einen Mundschutz für € 18,00/Stück kaufen… Aber von der Ausrüstung der Bevölkerung mit Masken wollen wir ja gar nicht träumen…

„Das beste Gesundheits-System der Welt“ (wie wir täglich hören!) droht an dem Mangel an einer Ausrüstung zu scheitern, die je Stück mal wenige Cent gekostet hat (jetzt 20-fach mehr…). Alle betroffenen Bereiche bestätigen das – niemand gibt Entwarnung. Es gibt einen Pandemie-Plan, von dem bis voer zwei Tagen sehr selten gesprochen wurde. Es gibt auch aus den letzten Jahren Berichte über Pandemie-Übungen, in denen über die Bedeutung der Schutzausrüstung und deren RECHTZEITIGER Beschaffung die Rede ist.

Das wurde offensichtlich alles ignoriert. Anstatt dessen wurde im Gesundheitswesen gespart … gespart … und offensichtlich an der falschen Stelle.

Noch schlimmer: Einem Großhändler für diese Ausrüstungen in Süddeutschland war Ende Januar aufgefallen, dass es keine Bestände davon gibt – der Mann kennt ja sehr gut die Dispositionsgewohnheiten seiner Kunden und wusste, was aus China da auf uns zu rollt. Nach bestätigter Rückfrage bei seinen Wettbewerbern, ob dort dieselbe Situation beobachtet wird, hat er dann das Gesundheitsministerium angeschrieben: keine Antwort. Im Februar hat er dann eine Mail geschickt: keine Antwort! Ein veritables Staatsversagen!

Dies kann zum ganz entscheidenden Punkt werden, an dem Deutschlands Gesundheitssystem der Lage eben nicht mehr Herr wird – und zwar zu einem viel zu frühen Zeitpunkt.

Das alles hätte es gar nicht mehr gebraucht: seit gestern werde ich von sehr dunklen Gedanken geplagt. Schwierige und angstmachende Situationen mit Staatsversagen wie diese Pandemie sind die Standardsituation, auf die sich Rechtsradikale, autokratische Populisten etc. schon lange vorbereitet haben, um in Aktion zu treten, wenn bei der Bevölkerung Panik herrscht und man glaubt, dass die Regierenden überfordert sind. Dumpf habe ich das Gefühl, dass in einem der Haupt-Krisenländer (Italien, USA, … letztlich (s.o.) auch Deutschland?) ein Putsch möglich sein könnte. Ja, und was macht eigentlich gerade Mr. BANNON? Dieser Mann reist ja genau mit diesem Programm durch die Welt, und wir sollten nicht vergessen, dass er mächtig genug war, einen geistig minderbegabten (oder kranken) Präsidenten im Weißen Haus zu installieren! Das letzte, was ich von ihm hörte, ist, dass er für seine (weltweit von Milliardären unterstützten Organisation) ein altes Kloster „Trisulti“ in ITALIEN gepachtet hatte. Im Herbst letzten Jahres hat zwar die italienische Regierung die Nutzungszusage widerrufen – aber das wird ja einen Mann wie Bannon nicht stoppen!

Und dann noch: China schickt Hilfe nach Spanien – Russland schickt Hilfe nach Italien. Die Autokraten bringen sich weiter in Stellung und die Demokratie scheint extrem gefährtet.

In Deutschland sind vom RKI per heute 42.288 Infektionen gemeldet,  5780 mehr als gestern, insgesamt 253 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 8:00 h Folgetag)

Hier wurden Infektions-Zahlen aus Hamburg, die am 25.3. gefehlt hatten nachgetragen, daher der überproportionale Anstieg.

Dreizehnter Tag: Mittwoch, 25. März 2020

Erwartet: der Bundestag hat heute die Geldschleusen der Regierung geöffnet. Seitens des Bundesrates wird kein Hindernis erwartet.

Befürchtet: Am Abend musste Prof. Wieler, RKI, die am Montag von Ihm gesäte zarte Hoffnung auf eine Abflachung der Infiziertenkurve wieder zerstören – diese Anzeichen gibt es derzeit nicht.

Aktualisiert: Ja, die Leopoldina (Akademie der Wissenschaften) beschäftigt sich schon seit einiger Zeit intensiv in zwei Arbeitsgruppen mit der Frage, wie wir aus dem Shutdown ohne Totalschaden wieder herauskommen.

Heute begann der Moderator der Sendung Heute+ seine Sendung so: „Wenn die Menschen gezwungen sind physisch auf Abstand zu gehen, dann rücken sie manchmal trotzdem enger zusammen…. u.s.w.“ Er bezog sich dabei auch auf die heutige Bundestags-Sitzung, in der Regierungsfraktion und Opposition weitestgehend an einem Stang gezogen hatten – unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie.

Es war auch ein Echo auf den Schlußpunkt der Sendung „Markus Lanz“ davor, in der ein Zukunftsforscher namens Matthias Horx per Video-Schalte auftrat und uns versprach dass die Covid-19-Krise uns eine völlig neue Welt bescheren wird – hinterher… Er hat uns in dem kurzen Auftritt nicht verraten, wie diese Welt aussehen wird … was nicht weiter wundert, da er ja „Unternehmensberater“ ist und davon lebt, dass er sich dafür bezahlen lässt, den Weg in die Zukunft zu wissen. Was schon eher wundert: dass Markus Lanz diesem Mann erlaubt, durch seine Sendung noch viel mehr Verbreitung für sein Geschwafel zu bekommen (man lese nur das „Manifest des Zukunftsinstitutes“ auf seine Website). Ja, es gibt immer wieder Menschen, die in historischen Momenten klugen Rat wissen, wie es weiter gehen kann – aber die klingen nicht so wie Mathias Horx … Ups, Herr Lanz!

Weiterhin „sitzt“ (jetzt überwiegend per Video-Schalte) in jeder Gesprächsrunde im Fernsehen oder Radio ein/e Virologe/in und verbreitet zumindest Sachlichkeit.

Soziologen haben sich intensiv mit dem Rätsel der extrem hohen Mortalität in Norditalien (Lombardei) befasst und können nun recht plausible Erklärungsmuster anbieten:

(https://zeitung.faz.net/faz/geisteswissenschaften/2020-03-25/9dffb94ccaaa982e91c7542cab61f176/?GEPC=s5)

Derzeit ist zu beobachten, dass – wenn schon keine guten Nachrichten an der Virus-Front zu haben sind und die Kontakt- und Bewegungs-Einschränkungen bedrückend wirken – positive Wirkungen der Krise auf die Menschen und die Gesellschaft herausgearbeitet werden: Solidarität, Innehalten, Demut, bewussteres Leben etc. – ja, eben das ganze Programm von „Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch irgendwas Gutes hat“ – Ich fürchte nur: wenn es für sehr viele Menschen – und das ganze Land – wirtschaftlich sehr hart werden wird, dann wird wiede eher der olle Bertold Brecht-Spruch Gültigkeit haben. Ihr wisst schon …

Ich will damit nicht sagen, dass diese Krise nicht das Potential besitzt, einige wichtige Schalter in unserer Gesellschaft umzulegen – das hoffe ich sehr! Aber das passiert nicht einfach so, weil alle es nett finden. Es hat nämlich weitreichende Konsequenzen für unser Leben – und die muss man auch akzeptieren/wollen.

Zum Thema, wie wir aus dem Shutdown wieder heraus kommen, gab mir ein Freund den Link zu dem wichtigen Artikel von Tomas Pueyo – die derzeit einzige mir bekannte allgemeinverständliche Publikation (vom 21.3.2020), die einleuchtend versucht, auf Basis von Fakten über den augenblicklichen Stand der Krise bei uns hinauszublicken:

The hammer and the dance

Ich habe den Tag genutzt, in der kleinen Kohorte von ca. 75-jährigen Freunden um mich herum, Gesundheit und stimmung abzufragen: alle Gesund – alle sind gelassen!

In Deutschland sind vom RKI per heute 36.508 Infektionen gemeldet,  4.954 mehr als gestern, insgesamt 198 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 10:00 h Folgetag)

Zwölfter Tag: Dienstag, 24. März 2020

Es wird weiterhin vor allem Hoffnung verbreitet, dass sich die Infektionsrate „abflacht“ (Wort des Tages …). Das bedeutet offensichtlich, dass die „Kurve des Anstiegs“ seit drei Tagen vom „exponentiellen“ Verlauf zu einem (scheinbar) mehr „linearen“ – aber immer noch steilen – Anstieg übergegangen ist. Ein wissenschaftlicher Laie kann das mit bloßem Auge nur sehr schwer erkennen. Wer aber kein völliger Laie ist, dem ist bewusst, wie dünn unsere Datenbasis mit den rein anlassbezogenen COV-19-Tests ist …

Ich persönlich hoffe nun, dass die Regierungen und Verwaltungen schnell erkennen, dass Wissen die größte Macht im zukünftigen Umgang mit der Pandemie und auf dem Weg aus ihr heraus sein wird! Augenblicklich agieren wir „blind“, getrieben von der Epidemie. Das darf nicht so bleiben. Auch der Öffentlichkeit wird derzeit ausschließlich die Sicht aus dem Virologen-Blickwinkel geboten – in jeder Nachrichtensendung und jeder Talkshow wird ein/e wietere/r Virologin/e befragt. Man bekommt schon Sorgen, ob diese Fachleute überhaupt noch zu ihrer eigentlichen Arbeit kommen.

Da wir in Deutschland hinter der anfänglichen chinesischen Entwicklung ca. 2 Monate hinterher laufen, wird der dortige – anscheinend erfolgreiche – Weg stark kommentiert. Es ist auch der Weg, den wir in Deutschland eingeschlagen haben.

Nun wird aber dar „Südkoreanische Weg“ immer deutlicher sichtbar: dort hat man auf Wissen über den tatsächlichen Infektions-Stand und „Tests-Tests-Tests“ gesetzt. Dort war es offensichtlich möglich, kurzfristig ein massentaugliches Schelltestverfahren („drive-through“) zu entwickeln und einzusetzen – ganz ohne Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.  Dies hatte dort anscheinend  Erfolg.

Schon jetzt kommen Bedenken auf, dass die massiven Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sowie Schließungen ganzer Wirtschaftsbereiche ein juristisches Nachspiel haben könnten, weil sie juristisch nicht ausreichend abgesichert waren! Das würde bedeuten, dass bedeutende Schadensersatz-Forderungen auf die Regierung zu kommen würden … Nun gut – das ist derzeit unsere geringste Sorge.

Auch die heute erfolgte Absage (Verschiebung) der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo ist hier in Deutschland nicht unsere dominierende Frage.

Die eindeutig größte Sorge mache ich mir darüber, wie wir aus dem Shutdown (schnell genug) wieder herauskommen – s. https://der-brandenburger-tor.de/?p=7989shutdown-im-ganzen-land-wie-geht-es-weiter. Ich hoffe dass die Regierung bei diesem Problem sich durch breit aufgestelle Fachgremien (Akademie der Wissenschaften) – und nicht nur von Virologen –  interdisziplinär beraten läßt.

In Deutschland sind vom RKI per heute 31.554 Infektionen gemeldet,  4.118 mehr als gestern, insgesamt 149 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 8:00 h Folgetag)

Elfter Tag: Montag, 23. März 2020

Erster Tag des Versammlungsverbotes bzw. der Kontaktsperre in Deutschland – und bereits ein schwacher Hoffnungsschimmer?

Die Infektionszahlen steigen weiterhin stark an – aber überraschend gibt der Direktor des RKI, Prof. Weiler, eine Pressekonferenz mit folgendem Inhalt: die Zahlen steigen zwar weiterhin stark an – aber es scheint eine „Abflachung“ gegenüber dem sog. exponentiellen Anstieg erkennbar zu sein. Eine sichere Aussage darüber erwarte er ab Mittwoch dieser Woche machen zu können.

Ich halte das für einen sehr ungewöhnlichen Vorgang. Von den Experten erwarten wir eigentlich stets abgesicherte Fakten zur Lage. Hoffnungen zu Verkünden ist m.E. Sache der Politik. Dies sollte nicht vermischt werden. Denn wenn – aus welchem Grunde auch immer – die geäußerte Hoffnung oder Erwartung sich nicht bestätigt, wird das Vertrauen in jegliche Aussagen der Experten aufs Spiel gesetzt!

Das RKI bzw. Partnerinstitute haben auf Basis anonymisierten Bewegungsprofilen der Mobilfunkanbieter das Verhalten der Menschen im öffentlichen Raum untersucht. Danach halten sich die Menschen sehr weitgehend an die neuen Vorschriften. Ich halte das auch für eine – zu diesem Zeitpunkt – sehr voreilige Schlussfolgerung. Ich kann mir das Ganze nur so erklären, dass man unbedingt Signale senden möchte, die den Menschen sagen: seht – die Einschränkungen, die wir Euch zumuten, bringen bereits erste Erfolge! – haltet durch! Ich sehe generell ein Risiko in so schnellen Schlüssen auf kurzfristiger, dünner und unabgesichtigter Datenlage.

Ich fände etwas anderes derzeit viel wichtiger: nun ist das Land praktisch „geschlossen“, bis auf die lebenswichtigen Funktionen! Jeder beginnt sich Sorgen darum zu machen: wie kommen wir wieder zurück in den NORMALEN Zustand? Das darf man nicht Virologen fragen, denn dann bekommt man Virologen-Antworten (dafür sind die eben kompetent!): „In 1,5-2 Jahren ist die Epidemie vorbei.“ Diese Antwort hilft aber nicht der Bevölkerung, denn die weiß: das geht nicht! Dann wären wir alle wieder da, aber bitter-arm, das Land wirtschaftlich sozusagen auf 1949 zurückgeworfen. Neustart in einem brutalen internationalen Wettbewerb zwischen total verarmten Nationen unterschiedlicher Stärke.

Die Menschen brauchen jetzt Perspektiven, wie die Rückkehr zur Normalität organisiert werden kann. Und zwar sehr schnell! Darum muss sich die Politik kümmern – breit unterstützt von der Wissenschaft und den Finanzexperten… Wozu haben wir die Akademie der Wissenschaften? Hier sitzen alle Fachrichtungen bereits zusammen! Wo es keine Modelle und Erfahrungen gibt, weil es NEU ist, muss man alles in die Waagschale werfen.

Ich habe in einem separaten Text meine Gedanken dazu zusammengefasst:

„Shutdown“ im ganzen Land – wie geht es weiter? Leopoldina, übernehmen Sie!

Bundeskanzlerin Angela Merkel befindet sich in häuslicher Quarantäne wegen Kontaktes zu einem Infizierten am vergangenen Freitag. Der erste Test bei ihr war negativ.

Seit heute sind auch Restaurants/Gaststätten und Institutionen der Körperpflege geschlossen.

Die Bundesregierung hat heute einen Nachtragshaushalt per NEUVERSCHULDUNG von 156 Mrd. EURO in das Parlament eingebracht, mit dem die geplanten (verlorenen) Hilfen für Menschen die ihre Kinder betreuen, Einzelselbständige, Kleingewerbe und mittelständische Firmen sowie Krankenhäuser gedeckt werden sollen.  Außerdem sollen Steuer-Mindereinnahmen dadurch gedeckt werden. Ob diese Summen ausreichen werden, weiß heute niemand.

Darüber hinaus wurde ein Kredit- und Bürgschaftspaket von 500 Mrd Euro eingebracht, aus dem auch Unternehmensbeteiligungen des Bundes an Unternehmen bestritten werden könnten. Beides soll am Mittwoch im Parlament beschlossen werden und Freitag im Bundesrat abgesegnet werden.

In Deutschland sind vom RKI per heute 27.436 Infektionen gemeldet,  4.764 mehr als gestern, insgesamt 114 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 10:00 h Folgetag)

Zehnter Tag: Sonntag, 22. März 2020

Bund und Länder haben eine bundesweite Regelung beschlossen, die ab Montag gilt:

  • Kontakt-Verbot: in der Öffentlichkeit dürfen sich maximal zwei Personen, die nicht ohnehin Teil einer Wohngemeinschaft sind, mit 1,5 m Abstand treffen oder spazieren gehen – oder auch mehrere Personen (ohne Abstandsregel), die auch sonst in einer Wohnung leben.
  • Wohnungs-Quarantäne, aber KEINE Ausgangssperre: Das Verlassen der Wohnung ist nur zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkaufen oder eben zu Spazierengehen und Sport unter Beachtung des Kontaktverbotes erlaubt.

In Bayern bleibt es bei der schärferen Regelung, die schon seit Freitag galt: dort entfällt die Erlaubnis für „2 Personen mit 1,5 m Abstand“. Markus Söder begründet das mit der dramatischen Entwicklung der Infizierten-Zahlen im Freistaat vor dem heutigen Entscheidungstermin.

Allgemein – auch von der Polizei – wird berichtet, dass der weit überwiegende Teil der Bevölkerung sich an die Regeln hält – aber eben nicht alle… Gegen die regelungsresistente Gruppe kann nun strafrechtlich vorgegangen werden.

Es ist deutlich geworden, dass in Deutschland für eine solche Situation eben bei weitem nicht ausreichend Vorsorge getroffen war bezüglich medizinischer Schutzausrüstung. Auch die Polizei besitzt keine Schutzausrüstungen für den Einsatz und die Kontrolltätigkeiten gegen Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz! Das Gesundheitsministerium versucht derzeit weltweit benötigte Ausrüstung einzukaufen – aber mit dem Hochlaufen der Epidemie weltweit ist das sehr-sehr schwer. Wenigsten wurde im europäischen Rahmen erreicht, dass die Auslieferung solcher Waren nicht mehr an den innereuropäischen Grenzen gestoppt wird!

Erste Textilfirmen in Deutschland fangen an, einfache Mundschutz-Masken zu fertigen. Aber auch dabei werden die GEEIGNETEN Materialien für große Mengen schwer zu beschaffen sein!

Schon jetzt ist klar, dass die reine Profitmaximierungs-Strategie im Gesundheitwesen grundsätzlich in Frage zu stellen ist!

Auch die Diskussion bezüglich Einsatz von Mobiltelefon-Daten zur Lokalisierung und Verfolgung von Infizierten ist voll entbrannt.

Als riesiges Gebirge erscheint immer mehr am Horizont der große Themenkomplex: wie lange wird das dauern und wie kommen wir da wieder raus? Das ist eine extrem komplexe Fragestellung, die nur mit vollem Einsatz ALLER beteiligten Disziplinen beantwortet werden kann. Dazu ist es völlig offen, ob wir auch noch demnächst zu hunderten von Toten pro Tag kommen werden…  Die bisherigen Maßnahmen sind alle vorläufig auf 2 – 4 Wochen Dauer angelegt. Niemand weiß ob das reichen wird. Die Virologen sagen einheitlich: NEIN.

Gegen dieses Gebirge von Sorgen, gibt es heute nur das winzig kleine positive Highlight, dass im ganzen Land um 18 h (als Flash-Mob) von musizierenden Menschen zu Hause bei offenem Fenster/auf dem Balkon die „Ode an die Freude“ gespielt wird. Ziel sei es, das jeden Sonntagabend zu tun.

Bleibt tapfer – und vor allem gesund!

In Deutschland sind vom RKI per heute 22.672 Infektionen gemeldet,  4.062 mehr als gestern, insgesamt 86 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 10:00 h Folgetag)

Es fehlen in der Statistik noch die am Wochenende nicht gemeldeten Zahlen aus den Gesundheitämtern.

Neunter Tag: Samstag, 21. März 2020

Wir haben heute ganz bewusst mal Abstand von der Nachrichten-Flut genommen, um den Kopf mal wieder frei zu haben. Wir haben mit den über Deutschland verstreuten Familienmitgliedern gesprochen, was wir jetzt mindestens alle 2 Tage tun. Unser Zusammenhalt war schon immer und auch vor der Seuche gut – jetzt rückt man innerlich noch ein bisschen enger zusammen.

Unser ältester Sohn ist Hotelier: er wird in zwei Tagen das Hotel komplett schließen – Kurzarbeit „Null“ (die Mitarbeiter werden auf 70% aufgestockt) … das ganze Programm, um die Kosten nahe Null zu bringen und trotzdem das Team über die Durststrecke zu bringen. Dort wartet man mit Sorge darauf, wie schnell die Hilfsprogramme für die Kleinunternehmen greifen werden.

Unser mittlerer Sohn ist im Online-Handel tätig und ist im Home-Office: funktioniert sehr gut, wie er sagt. Auch die Kinderbetreuung parallel dazu klappt.

Unser Jüngster ist Schauspieler/Sprecher. Seine Arbeit als einzelner Sprecher im Studio geht jetzt noch weiter. Alle Theater-Aufführungen sind aber abgesagt. Er wartet jetzt auf die Maßnahmen für Einzel-Selbstständige.

Noch wachsen die Neu-Infektionszahlen dramatisch – alle bangen, ob die einschränkenden Maßnahmen endlich greifen und die Zunahme zurück geht. Das Krisenmanagement durch die Regierenden in Bund und Ländern wird im Großen und Ganzen positiv gesehen, was aber schwer auf der Gesellschaft lastet, ist die völlige Ungewissheit, wie lange dieser Zustand noch andauern wird.

Das Zentrum der Gereiztheit scheint derzeit in den Supermärkten zu liegen: hier wird zunehmende Aggressivität bei den Kunden berichtet – ein Zeichen dafür, dass es mit der  Solidarität eben doch nicht so weit her ist!

Sehr aufschlussreich ist auch die folgende Nachricht, die mich als Nutzer von EBAY heute erreichte: „Wir verbieten Angebote, die von Naturkatastrophen und tragischen Ereignissen z.B. durch stark überhöhte Preise profitieren wollen. Wir setzen alles daran, solche Angebote so schnell wie möglich zu löschen und priorisieren dabei vor allem unzulässige Angebote mit relevanten Schutzmasken und Desinfektionsmitteln.“

Gestern las ich, dass Supermärkte gemeldet haben, dass jeden Morgen bei Eröffnung Gruppen von jungen Leuten den Markt stürmen und die Klopapier-Regale leerkaufen. Wenn man diese Information mit der davorstehenden Ebay-Meldung verbindet, keimt der Verdacht auf, dass hier überregional ein sehr spezielle Geschäftsmodell (künstliche Verknappung … „Schwarzmarktbildung“…) betrieben wird. Es ist zu hoffen, dass es Ebay ernst meint und dies wenigstens auf seiner Platform ins Leere laufen lassen kann.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die gesamte „Klopapier-Kriese“ hierfdurch verursacht wird – ich glaube eher, dass es sich dabei um eine Art „Trittbrettfahrerei“ handelt, bei der Leute einen bereits bestehenden Zustand benutzen, um Profit zu machen.

Übel sind auch neuerdings Ereignisse, dass Betrüger an die Haustür kommen und vorgeben vom Gesundheitsamt zu sein, mit dem Auftrag, Corona-Tests durchzuführen!

Anscheinend kann nun auch facebook wesentlich schneller und entschlossener gegen Fakenews und Verschwörungstheorien vorgehen als man das bisher gewohnt war…

In Berlin sollen verschärfte Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in Vorbereitung sein. Nirgendwo wird aber bisher geplant, die Bewegung von Einzelpersonen und Familiengrüppchen in der freien Natur zu verbieten – das ist gut!

International: in Italien (Lombardei/Bergamo) steigen die Todesfälle weiter dramatisch an: nunmehr 800 Tote in 24 h.

In Deutschland sind vom RKI per heute 18.610 Infektionen gemeldet,  1.948 mehr als gestern, insgesamt 55 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 10:00 h Folgetag) Das ist ein GERINGERER Anstieg als am Vortag…

Der größte Anstieg war diesmal nur in Bayern (+690, d.h. 35% aller neuen deutschen Fälle!) – in NRW heute nur +3 Fälle mehr gemeldet und schon länger keine zusätzlichen Toten – ist das eine erste Wende? Aber der Anstieg in Hamburg ist – relativ gesehen – dramatisch: mit 47 Fällen je 100.000 Einwohnern liegt Hamburg nun alleine weit an der Spitze (Berlin: 27). … allerdings ist offen, ob aus den Zahlen ÜBERHAUPT Schlüsse gezogen werden dürfen! Das RKI schreibt dazu:

„Am aktuellen Wochenende wurden nicht aus allen Ämtern Daten übermittelt, sodass der hier berichtete Anstieg der Fallzahlen nicht dem tatsächlichen Anstieg der Fallzahlen entspricht. Die Daten werden am Montag nachübermittelt und ab Dienstag auch in dieser Statistik verfügbar sein.“

Da die Zahlen ja die Grundlage für extrem wichtige Entscheidungen darstellen, finde ich, dass es inakzeptabel ist, dass Gesundheitsämter diese Aufgaben nicht zuverlässig wahrnehmen!

Die Schätzungen der Johns Hopkins Universität weisen für Deutschland annähernd 25% Zunahme für diesen Tag aus, anstatt 11% wie bei den RKI-Zahlen.

21.März 2020 – Eine Erkenntnis bricht sich Bahn!

Eigenverantwortung – Fehlanzeige!“ Das ist meine Erkenntnis aus dem Zusammentreffen mehrerer Informationen ind den letzten Tagen:

  1. von einem Tag auf den anderen haben die Neuinfektionen in BW + Bayern um mehr zugenommen (nämlich +1.481) als im übrigen Rest der Republik (+1.234 – und da ist NRW dabei!). In Prozenten: Zunahme BY+BW war 29%, Rest der Republik: 14%. Der Zusammenhang schein mir überdeutlich: um die Inkubationszeit verschobener Ausbruch nach den Ski-Ferien im Gebirge – wobei diejenigen, die dort Après-Ski feierten, die Auswirkung des Karnevals im Rheinland schon vor der Anreise kannten.
  2. Jedesmal, wenn in der letzten Zeit in Deutschland Einschränkungen verordnet wurden, wurde unmittelbar vor dem Beginn deren Gültigkeit von großen Gruppen die „Noch-Freiheit“ übertrieben genutzt, was dann auch noch 1-2 Tage über das Limit anhielt, bis die „Obrigkeit“ eingeschritten ist.
  3. Ein Reporter berichtet aus einem Terminal des Frankfurter Flughafens anläßlich des Beginns der Rückholaktion von 100.000 „gestrandeten“ Urlaubern aus den Feriengebieten weltweit (auf Kosten des Steuerzahlers…). Die meisten dieser Menschen sind schon in die Ferien geflogen, nachdem der Ernst der Pandemie-Situation schon bekannt war. Der Reporter trifft dort nun zufällig Urlauber, die jetzt gerade in die Urlaubsregion starten – und zwar mit dem Rückflug des Regierungs-Rückhol-Fliegers! Dieser Flug muss wohl geradezu unmoralisch billig angeboten worden sein! Die Leute meinten, irgendwie kämen sie irgendwann schon wieder zurück …
  4. Bericht aus New York, heute in unserer Zeitung: unmittelbar vor dem In-Kraft-treten der Ausgangssperre in New York tummeln sich helle Scharen von Menschen in den Parkanlagen entlang des Hudson River – das Gewühl ist dichter als an jedem Sonn- und Feiertag. No comment …
  5. Heute berichtet die Journalistin Julia Haak in der Berliner Zeitung in Ihrer wöchentlich erscheinenden Kolumne „Generation Greta und ich“ über ein Gespräch mit ihrer 17-jährigen Tochter zum Thema Corona-Virus und Bewegungs-Einschränkungen. Zwei Kernsätze der Tochter: a) zum Thema der vielen Jugendlichen, die sich trotz des Verbots draußen in großen Gruppen treffen: „Da stellt sich mir aber schon die Frage, wieso ich mich einschränken soll und die nicht.“ b) zum Thema, ob die Tochter  selbst entscheiden wolle, sich in dieser Situation nicht mit Freunden zu treffen: „Ein Ausgangsverbot wäre einfacher. So bin ich einfach nur unzufrieden.“

Jedes dieser Informations-Bruchstücke zeigt das gleiche Muster betreffend Menschen aller Altersgruppen: man kündigt an, dass den Menschen Freiheiten genommen werden wegen gesundheitliche Gefahren, die die gesamte Gesellschaft bedrohen – besonders aber die gesundheitlich schwächeren und älteren Menschen. Anstatt den LOGISCHEN Schluss zu ziehen, das neu geforderte Verhalten SOFORT anzuwenden, was dem Erfolg der Maßnahmen nützen könnte – wird in breiten Kreisen der Entschluss gefasst, nun das alte (= dem Virus nützliche) Verhalten bis zum Eintreten der Beschränkungen (und darüber hinaus) so massiv wie möglich zu übertreiben. Das können Corona-Parties im Park oder in Kneipen mit abgeklebten Fenstern sein – oder Aprés-Ski in Ischgl.

Begründung: das haben wir uns verdient, weil wir ja anschließend zum Verzicht gezwungen werden.

Alle Informationen ergeben zusammen ein ziemlich klares Bild: es gibt weite Kreise der Bevölkerung, die jedes eigene logische Denken eingestellt haben (wenn es die Gesellschaft betrifft – und nicht den eigenen ICH-Vorteil) und jede EIGENVERANTWORTUNG von sich weisen.

Mein Fazit: wir müssen dringend darüber nachdenken, WAS GENAU WIR FALSCH GEMACHT HABEN – und zwar offensichtlich Jahrzehnte lang! – um jetzt einem relevanten Anteil der Bevölkerung gegenüber zu stehen, der JEGLICHES eigenes DENKEN und VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN ablehnt und anstatt dessen nur bereit ist auf schärfste autoritäre Befehle zu reagieren. Womöglich ist da sogar die Bereitschaft ausgebildet, solchen Befehlen dann auch jederzeit gerne zu folgen, ohne über ihre Berechtigung nachzudenken – solange die eigene narzistische Kuschelecke nicht angetastet wird. Womöglich ist die Verweigerungshaltung oft schon so weit fortgeschritten, dass man GEZIELT nach Verschwörungstheorien sucht, die einem helfen sollen, die (geistig-moralische) Verweigerung zu RECHTFERTIGEN.

Wenn diese Menschengruppe zur Mehrheit anwachsen würde, dann wäre die Errichtung einer Autokratischen Regierungsform in Deutschland wieder denkbar – durch Leute, die jenen Bevölkerungskreisen nach dem Munde reden. Wir müssen auf unsere Kinder aufpassen: wissen wir, wie viele bei denen schon ander Angel hängen, ohne es zu wissen? „Versprich mir, meine Bequemlichkeit nicht zu stören, dann verspreche ich, keine kritischen Fragen zu stellen.“ Alarmierend auch: ein übergroßer Drang zum Konformismus in der Jugend! Auch das wäre autokratischen Strukturen nützlich.

Hier ist Deutschlands bester Journalismus gefordert, um nachzuforschen, wie breit und tief der Lochfraß in der liberalen deutschen Demokratie schon fortgeschritten ist.

Achter Tag: Freitag, 20.März 2020

Lokal verschärfte Ausgangsbeschränkungen in Bayern und Rheinland Pfalz. Bis zum Abend kommen alle Süd-Bundesländer dazu. Brandenburg sieht dazu explizit noch keine Veranlassung. Die anderen warten ab. Es war versprochen worden, dass die Bundesländer nun ABGESTIMMT handeln werden. Am kommenden Sonntag sollte die erneute Abstimmung unter den Ländern sein. Das ist nicht gelungen. Der grund für das eilige Handeln im Süden ist vermutlich der sprunghafte Anstieg der Infiziertenzahlen in Bayern und Baden-Würtenberg!

Bei den verschärften Erlassen wird der Begriff „Ausgangssperre“ vermieden – man möchte ermöglichen, dass Einzelne und Wohnungsgemeinschaften im Freien spazieren können, ohne Gruppen mit anderen zu bilden. Das ist wohl auch zu begrüßen, um das Stressniveau der in den Wohnungen eingesperrten zu vermindern.

In Berlin wurden gestern gut drei Dutzend Geschäfte von der Polizeit geschlossen, die gesetzeswidrig immer noch offen hatten. In der letzten Nacht wurden in der Stadt über 90 Stafverfahren wegen sog. Corona-Parties eingeleitet. Jugendliche feierten die Coronaferien in größeren Gruppen in öffentlichen Parks und zeigten keinerlei Unrechtsbewusstsein. Ihr Argument: sie seien ja nicht erkrankt …

In Italien: scharfe Ausgangssperre. In Frankreich herrscht quasi Kriegsrecht. Der Bundesstaat Kalifornien hat eine Ausgangssperre verhängt (40 Mio Einwohner).

In vielen Regionen wird jetzt um 20 oder 21 Uhr – bundesweit zukünftig wohl um 20:15 h – am offenen Fenster, auf dem Balkon eine Minute lang als Anerkennung für den Einsatz von Ärzten und Pflegekräften APPLAUDIERT – #1mincare. Ja sicher: die große Mehrheit der Bevölkerung IST solidarisch!

Nachts sah ich eine Gesprächsrunde, die im TV über ETWAS ANDERES als das Virus sprach. Ich habe mich morgens versucht daran zu erinnern, worüber sie sprachen: es ist mir lang nicht gelungen… „Das Virus“ ist in unserem Gehirn zu einem riesigen Kloß angeschwollen und versperrt alle Bewusstseinsräume. Unsere Zeitung ist neu gegliedert: Der vordere Teil befasst sich NUR mit COVID-19, der hintere Teil mit dem „Rest“, an den ich mich auch am nächsten Tag nicht mehr erinnere.

Der Finazminister hält die Beteiligung des Bundes (=Teilverstaatlichung) an wichtigen Konzernen (sollten sie dies anstreben) für möglich. Speziell die Lufthansa bietet dazu ja beste Voraussetzungen, da ihr (im Gegensatz zu den meisten anderen Airlines) 80% der Flugzeuge gehören und nicht geleast sind! LH-Vorstandssprecher Spohr sagte, der derzeitige Rest-Flugplan der Lufthansa entspreche dem Niveau der Flugtätigkeit im Jahr 1955.

Kleingewerbler, Gastronomen und Einzelselbständige warten dringend auf das angkündigte HELICOPTERGELD von Bund und Ländern – sowie Steuerstundungen, um die Existenzängste zu mindern.

Beängstigend: in Italien sind gerade an EINEM Tag 600 Menschen an der COVID-19-Infektion gestorben!

Die guten Nachrichten des Tages: Atemschutzmasken für die niedergelassenen Arztpraxen sind tatsächlich eingetroffen – die Produktion von Beatmungsgeräten wird bei Fa. Dräger drastisch erhöht und die Verteilung dahin, wo der tatsächliche Bedarf ist, wird koordiniert. Mediziner im Ruhestand und Studenten werden zur Entlasung der Nicht-Covid-Bereiche in den Kliniken aktiviert (z.T. auf eigene Initiative!), um die COVID-Bereiche zu stärken – die Bürokratie in den KLiniken wird vorübergehend eingeschränkt, womit ein Arzt locker 2 Stunden mehr Zeit für Patienten haben kann!

In Berlin gibt es Freitagabend 898 positiv bestätigte COVID-19-Fälle. Ein Corona-Patient (Alter 95 Jahre) ist gestorben. 16 Patienten werden derzeit intensivmedizinisch behandelt.

In Deutschland sind vom RKI per heute ca. 16.662 Infektionen gemeldet, ca. 2.705 mehr als gestern, insgesamt 46 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 10:00 h Folgetag) Der größte Anstieg von Todesfällen fand nun in Bayern und BW statt (mehr als die Hälfte aller neuen Fälle in D)! Baden-Württenberg hat einen gewaltigen Satz an die Spitze der Infizierten und Todesfälle gemacht. Meine Vermutung: Auswirkung der Skiferien im Gebirge….

Siebter Tag: Donnerstag, 19.März 2020

Die Infizierten-Zahlen steigen exponentiell. 

Heute war die große Frage (und wird es noch eine Weile bleiben): Schafft es unsere Bevölkerung, mit der Selbstverantwortung bezüglich Kontaktvermeidung und Abstandsregeln im öffentlichen Raum umzugehen? Es gab Rückmeldungen, dass das nach der Rede der Bundeskanzlerin durchaus in weiten Bereichen besser geworden ist – punktuell gibt es aber drastische Überschreitungen.

Derzeit wird die Bevölkerung quasi einer Prüfung im Fach „Disziplin“ unterzogen – nicht alle bestehen sie… aber es gibt keine zweite Chance: die nächste Stufe heisst Quarantäne für ALLE! Besonders eindrucksvoll fand ich die Reaktion der im „Corona-Geschäft“ hauptbetroffenen – vor allem wegen des freundlichen Tenors, trotz des eher unfreundlichen Anlasses: Krankenhaus-Arbeitsgruppen veröffentlichen Bilder, mit der Botschaft: „Wir tun alles für Euch! Tut auch etwas für UNS und bleibt zuhause.“ Vielleicht muss man es manchen doch in die einfache, direkte Sprache übersetzen: „Wir reißen uns den Arsch für Euch auf bis unter die Arme… und was tut IHR?“

Die ersten Ministerpräsidenten haben das Übersetzen in die „einfache Sprache“ schon übernommen und drohen unmißverständlich mit der Ausgangssperren-Keule. Der Leiter des virologischen Instituts an der Charité, Prof. Drosten, ist ein extrem sachlicher Wissenschaftler, der aber bereitwillig in die Rolle des Beraters und Erklärers geschlüpft ist. Er betreibt alles andere als Alarmismus und hat gestern noch einmal bestätigt, dass seiner Meinung nach jetzt in Deutschland noch die Chance besteht, durch konsequente freiwillige Kontaktvermeidung das Schlimmste zu vermeiden. Es wird sich zeigen, ob die deutsche Gesellschaft reif ist, solch eine Verantwortung auf freiwilliger Basis zu tragen.

Vielleicht muss man hier tatsächlich mal die Bilder der nächtlichen italienischen „Leichenzüge“ stark in den Vordergrund schieben: bei denen lange Militärlastwagenkolonnen nachts durch italienische Städte rollen, um die mittlerweile 500 täglichen Coronatoten zum Krematorium zu bringen?

Daneben wird derzeit die Frage der wirtschaftlichen Krise immer dominierender. Wie ein Konzert mit gezielt dosierten Einsätzen veröffentlichen EU, EZB, Bundesregierung und Landesregierungen finanzielle Hilfsprogramme mit Beträgen, bei denen es einem in normalen Zeiten schwindelig werden würde! Kann das klappen, praktisch Hilfe in jeder beliebigen-notwendigen Höhe zuzusagen? Wo kommt das Geld her?

Das sind Fragen zu einem sehr kompliziertes Thema. Man stellt sich unwilkürlich die Frage, ob  nicht schon längst Forschungen und Simulation zu einem solchen Krisenfall durchgeführt wurde? Und wenn nicht: warum nicht? Das ist doch ein Szenarium, das wirklich auf der Hand liegt.

Meine Meinung: ja, das kann gehen! Dazu müssen wir uns klar machen, dass wir ja alle zusammen der Staat sind. Wenn wir den Bürgern und der Wirtschaft vom Einzel-Selbständigen bis zum Konzern das nackte Überleben sichern – mit öffentlichen Mitteln UNSERER Gesellschaft in Form von „Helikoptergeld“ (auch wenn es anders genannt wird…) – dann kann diese Gesellschaft danach wieder voll durchstarten. Das ginge natürlich gar nicht, wenn die Hilfe aus Krediten bestehen würde! Allerdings wird unser Geld danach um einen gewissen Prozentsatz weniger Wert sein… Das wäre dann der Preis für den Sieg über das Virus.

Langsam rückt auch der Aspekt schon in Sichtweite: was müssen wir nach der Epidemie ANDERS machen in der vernetzten Wirtschaft als vorher? Es ist sicher sehr früh für diese Frage – aber eines wird klar sichtbar: das Gesundheitssystem muss noch wesentlich starker ertüchtigt werden und wieder wesentlich stärker aus dem profitorientierten Fokus herausgenommen werden. So zynisch es klingt: diese Pandemie wird es tatsächlich ermöglichen, eine REALISTISCHE Kosten-Nutzen-Rechnung für das Gesundheits-System aufzustellen, sogar ohne den Toten einen „Wert“ zu unterstellen. Es ist nichts so schlecht…

Meine heutige Empfehlung an alle: übernehmt Verantwortung  – jeder in seinem auch noch so kleinen Rahmen – und BITTE jetzt wirklich keine Toilettenpapier-Witze mehr …aber trotzden einen gesunden Humor behalten! Ich glaube, dass der menschliche Erfindungsreichtum und die Solidarität auch den gefährlichsten Virus besiegen können. Malaria und Ebola sind ermutigende Beispiele.

In Deutschland sind vom RKI per heute 13.957 Infektionen gemeldet, 2.958 mehr als gestern, insgesamt 31 Todesfälle bisher. (aktualisiert um 10:00 h Folgetag)

Sechster Tag: Mittwoch, 18. März 2020

Highlight: die Sonder-Ansprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel

Ab heute sind auch in Berlin alle Geschäfte und öffentliche Bereiche geschlossen, die nicht lebensnotwendig sind. Die Ausnahme-Liste (zusätzlich zu Supermärkten und Spätis, Apotheken und Drogerien) ist sehr lang…. auch Frisöre und Kinderspielplätze gehören dazu.

Ein besonderes Merkmal diese Tages ist ein Bewusstseins-Clash: der wunderbare, warme und sonnendurchflutete Vorfrühlingstag kontrastiert gegen das Wissen vom unheimlichen, unsichtbaren Feind, der sich über das Land gelegt hat.

Heute ist es plötzlich sehr-sehr still um uns herum, wenn wir im Garten sind: kaum Autoverkehr, stundenlang kein Flugzeug am Himmel (wir wohnen im Bereich des Flughafens Schönefeld!). Die Straßenbahn schnurrt weiter regelmäßig vor unserem Haus vorbei – ab und zu sehe ich genau hin: kaum noch Fahrgäste darin – ab dem frühen Abend praktisch leer.

Unser jüngster Sohn und seine Frau in Grünau sind weiterhin auf Solidaritäts-Tour, wenn sie nicht arbeiten: Kinder von Freunden betreuen und Einkäufe für andere erledigen (die z.B. mit einem Neugeborenen an die Wohnung gefesselt sind).

Natürlich haben wir uns Angela Merkels Rede angehört! (Noch nie hatte sich die Bundeskanzlerin unter dem Jahr direkt an die Bevölkerung gewendet!) Sie hat ihre Worte gut und mit sehr viel Bedacht gewählt – nichts verharmlost. Sie hat NICHT gesagt, „wenn Ihr Euch jetzt nicht an die bekannten Regeln haltet, werden/müssen wir eine Ausgangssperre verhängen“ – aber aus den deutlichen Worten konnte jeder das herauslesen.

Die Fernsehbilder aus der Stadt vom Tag zeigen allerdings, dass der Bewusstseinswandel noch nicht zur Norm geworden ist.

Ich persönlich glaube, dass das immer wieder zögerliche und halb-konsequente Handeln des Berliner Senats falsch ist: jeder Tag, an dem man unnötige Kontakte zulässt, verschlimmert die Situation unnötig. Wir leben in einer Massengesellschaft, in der der unwilligste, dümmste und uninformierte den Takt der Maßnahmen vorgibt! Wenn man x-mal jeden Tag wieder eine noch bitterere Medizin verabreicht, ist die Wirkung verwässert und überdies verunsichert das. Es gibt immerhin Hoffnung, dass „schnell rein“ auch „schnell wieder raus“ bedeutet!

Es gibt derzeit (und auf Monate hin) keine Therapie und keine Impfung gegen diesen Virus. Wenn man sich für einen Weg entschieden hat, muss man den auch konsequent beschreiten! Deutschland hat sich entschieden, mit Priorität das Leben seiner Bürger zu schützen. Ich halte das schon alleine deshalb für konsequent und richtig, da es im Grunde für einen Politiker keine Entscheidungs-Grundlage für den anderen Weg gibt: niemand kann vorhersagen, wieviele Leben (und andere Dauerschäden!!!) es in ALLEN Altersgruppen kosten würde, den Weg zur sog. „Herden-Immunität“ zu begehen. Ich bin froh, dass dieses Thema nun auch öffentlich diskutiert wird (heute Nacht z.B. sehr effektiv bei Markus Lanz!). Diese Theorie, die die gesundheitlich „schwächeren“ (nicht nur die Älteren!) bewusst opfert, um die Wirtschaft des Landes zu retten, ist eine Ideologie (von der Qualität einer Verschwörungstheorie). Die Verfechter haben nur eine einzige Information: nämlich, dass das Virus „verschwindet“ (bzw. seinen epidemischen Charakter verliert), wenn zwei von drei Menschen bereits immunisiert sind. Wie man dahin kommt, wie lange das dauert und was währenddessen passiert weiß kein Mensch! Vielleicht stirbt ausgerechnet der für immer unbekannte Forscher, der schnell einen entscheidenden Lösungsbeitrag erbracht hätte?

Ich hätte bereits gestern die Reißleine gezogen (Ausgangssperre mit notwendigen Ausnahmen) – NACHDEM geklärt worden wäre, wie die Menschen und Unternehmen wie lange an Geld zum Überleben kommen.

In den letzten zweieinhalb Wochen ist der DAX um über 40% abgestürzt – er ist immer noch im freien Fall… Das wäre im Prinzip nicht weiter schlimm – es sind ja nur ZAHLEN – genauso könnte er ja anschließend wieder steigen.

Aber DIESMAL ist es anders als in einer reinen Finanzkrise: es bricht nun an allen Fronten mit hoher Geschwindigkeit zusammen. Millionen von Menschen bricht praktisch SOFORT das verfügbare Einkommen weg – hunderttausenden von Unternehmen (vom Kleinst-Unternehmer und Selbständigen bis zum Großkonzern) fallen auf einen Schlag  die Umsätze/Einnahmen weg. Wir reden jetzt von Aspekten in der Qualität einer Weltwirtschaftskrise.

Hat unsere Gesellschaft von früheren Wirtschaftskrisen – viele-viele Wirtschafts-Nobelpreise später! – genug gelernt, um heute auf eine solche Herausforderung „richtig“ zu reagieren? Produzierendes Gewerbe, Dienstleistungen, Kulturbereich und Hotellerie/Gastronomie sind schnell geschlossen. Weiß man, wie so etwas noch 4-5-6-8 Wochen wieder hoch gefahren wird? Wenn der Tourismus auf Null gesetzt wurde: wie geht es damit wieder los? Ist plötzlich alles wieder wie vorher – oder wachen wir in einer völlig anderen Welt auf?

Denkt man eine Weile darüber nach, fällt einem wohl nicht viel anderes ein, als dass der Staat mit Bulldozern eine Brücke, einen Damm aus GELD zu Bürgern und Unternehmen aufschüttet, Geld das aus Prinzip nicht zurück gezahlt werden muss (sog. Helikopter-Geld). Und wie macht man das in Europa mit einem EURO als Gemeinschaftswährung?

Aus meinem Gefühl war das heute ein weiterer wichtiger Entscheidungstag – ob die Politik alle Chancen richtig nutzt, wird man hinterher sehen… Hier in Berlin habe ich Zweifel.

Das wichtigste wird nun sein: den Bürgern SCHNELL sagen, wovon sie in den nächsten Wochen leben werden – und den Betrieben NEUE REGELN geben. Wenn 100.000 Kleinbetriebe und Selbständige in Insolvenz gegangen sind, wäre das dann zu spät! Die kleinen Pflänzchen der Solidarität, die man überall sieht, sind zwar rührend, aber wir sollten uns nicht darüber hinweg täuschen, dass die häßliche Fratze der ANGST diese schnell zerquetschen könnte.

Noch eine sehr persönliche Erfahrung: während (gerade uns Älteren) das Leben sonst stets schneller vorbeizuziehen scheint (was – schon wieder Freitag?) habe ich jetzt den Eindruck, dass die Zeit gefriert: war das vor 2 Wochen? – nein: es war GESTERN!

Nichts treibt uns derzeit so um, wie die Sorge um die Zukunft unserer Kinder! Die Situation wirft uns in die Position von Kleinkindern zurück, die einen zukünftigen Zeitraum von 2-3 Wochen nicht überschauen KÖNNEN…

In Deutschland sind vom RKI per heute 10.999 Infektionen gemeldet, 2.801 mehr als gestern, insgesamt 20 Todesfälle bisher.

Fünfter Tag: Dienstag, 17. März 2020

Der CureVac-Skandal, der von Trump ausgelöst wurde, ist insofern geklärt, dass man jetzt weiß, wer hinter der Firma steht: Mehrheitsaktionär ist Dietmar Hopp, zweitwichtigster: Bill Gates. Hopp hat erklärt, dass die Firma selbstverständlich nicht nach USA verkauft wird. CureVac forscht in enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Paul Ehrlich Institut und mit der von Gates 2017 gegründeten CETI (ein Forschungs-Verbund, der sich den internationalen Kampf gegen Pandemien wie Ebola zur Aufgabe gemacht hat und den die EU mit hohen Summen unterstützt – in dem die USA aber nicht mit arbeiten). Hopp hat tatsächlich bestätigt, dass man glaubt ab Herbst einen Impfstoff klinisch erproben zu können.

Die Aktienmärkte sind gestern weltweit dramatisch eingebrochen – der DAX stand gestern Abend unter 9.000 Punkten! Der Kurs der TUI-Aktie stürzte um 70% ab! Dieser Crash ist heftiger als der nach der Lehman-Pleite. Die Verunsicherung ist sehr groß. Die US-Fed senkte die Zinsen drastisch – das hatte allerdings kaum Wirkung. Die EZB hat nun nach der EURO-Rettung kaum noch Pulver, das sie verschießen kann, um dagegen halten. Es wird nun nicht mehr für völlig unmöglich gehalten, dass die Schulden-Blase in USA platzen könnte. Besondere Sorge bereitet auch, dass gleichzeitig mit der Talfahrt der Börsenkurse der Goldpreis nicht gestiegen, sondern auch gefallen ist!

Gaststätten und Restaurants sind in Berlin jetzt nur noch von 6 – 18 h geöffnet und sollen natürlich die Abstandsregeln beachten. Das „Pandemie-Bewußtsein“ ist noch nicht bei allen Bürgern so richtig angekommen… (Corona-Patres von Jugendlichen in Parks!)

Allerorten sprießen aber Solidarität und Hilfsbereitschaft hervor. Eine Nachbarin hat berichtet, dass an einem Oberleitungsmasten in der Nähe ein Zettel hängt, auf dem eine Familie älteren Mitbürgern anbietet, die Einkäufe für sie zu erledigen! Für uns sind gerade unsere Kinder deswegen unterwegs!

Ab morgen sollen viele weitere Geschäfte geschlossen werden (bis 19.April).

Im Bereich der Berliner Messe soll kurzfristig  in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr ein Krankenhaus ausschließlich für 1.000 Corona-Patienten entstehen. Die niedergelassenen Arztpraxen scheinen immer noch nicht ausreichend mit Schutzausrüstung versorgt zu sein – es besteht die große Sorge, dass Praxen schließen müssen.

Die Zahl der Neuinfektionen stieg heute um 1723 auf 7156 bestätigte Infizierte. (12 Todesfälle)

Vierter Tag: Montag, 16. März 2020

Wieder ein strahlender Vorfrühlingstag – mit Gartenarbeit. Ich war im Recycling-Hof und im Grünauer Einkaufszentrum (Apotheke) – und habe auf den 2 m-Abstand geachtet. Das Apotheken-Personal war (mittags) total genervt – die Apothekerin trat mir mit flackernden Augen entgegen… es muss für die die Hölle sein! Überall sonst völlig normales Leben! Anscheinend wird auch nicht mehr gehamstert … Aber wenn ich Handschuhe getragen hätte und einen Mundschutz – wäre ich überall der Einzige gewesen!

In Europa sind die ersten Ganzen geschlossen – es kommt zu zig km langen Lkw-Staus der Liefer-Laster!

Auch Deutschland versucht jetzt an der Grenze Einreisen zu verhindern, die nicht auf einer wirklichen Notwendigkeit beruhen – bin neugierig wie man das macht…!

Kinder von Eltern mit „systemrelevanten“ Berufen werden weiterhin in Schule und Kita betreut werden.

Boris Johnson hat seine Meinung geändert und schränkt jetzt auch in GB das öffentliche Leben ein.

Allen wird gerade in voller Tragweite bewusst, dass niemand mehr sein Leben in den nächsten 2-6 Wochen planen kann! Kein Fachmann (oder gar Politiker) kann sich auf irgendwelche Prognosen festlegen.

Die Zahl der Neuinfektionen stieg heute um 1.174 auf 6.012 bestätigte Infizierte. (12 Todesfälle)

Dritter Tag: Sonntag, 15.März 2020

Es werden unterschiedliche Modelle seriöser deutscher Virologen diskutiert:

    • RKI-Experten beraten laufend die Bundesregierung und vertreten die Auffassung, dass (mittel-langfristig) eine Durchseuchung der Bevölkerung ohnehin nicht zu verhindern sei – folglich kommt es nur noch darauf an, die Infektionsrate zu verlangsamen, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird (wie es gegenwärtig in Italien der Fall ist!) und die Risikogruppen geschützt werden können. Vor diesem Hintergrund gab es am Donnerstag die Meinung, die Schulen müssten nicht geschlossen werden – am Freitag empfahl man dann aber sehr plötzlich doch die Schul-/Kita-Schließung.
    • Der Virologe Kekulé aus Halle vertritt die Auffassung, dass sehr wohl mit einer absolut strikten Kontakt-Sperre (Total-Quarantäne der Bevölkerung wie jetzt in Italien) die Epidemie völlig gestoppt werden könnte – womit dem Virus neue Wirte entzogen worden wären und der Virus nach zwei Wochen „ausgestorben“ wäre.

Das Kekulé-Modell hätte aber wohl nur eine Chance gehabt, wenn die Total-Quarantäne sehr viel früher gekommen wäre. Dafür hatte Kekulé ja mehrfach plädiert.

Man wird ja sehen, ob das in China eventuell sogar gelungen ist. Dort nähert sich die OFFIZIELLE Neuinfektionsrate derzeit dem Nullpunkt – man ist aber skeptisch, ob die offiziellen Zahlen stimmen…

Wir machen uns Sorgen wegen der wirtschaftlichen Lage von Hotels und Selbständigen – beides haben wir auch in der Familie. Es gibt aber immer noch allerorten eine gehörige Portion von Galgenhumor.

Zuletzt kam die Nachricht durch, dass Präsident Trump versucht hat, eine deutsche Firma, die (anscheinend sehr erfolgreich) dabei ist einen Impfstoff zu entwickeln, mit einem „unmoralischen finanziellen Angebot“ dazu zu bewegen nach USA umzusiedeln und den Impfstoff in der Folge nur für die USA zu produzieren… Kommentar erübrigt sich!!! Ich vermute, dass diese Form der Solidarität bei den anderen Ländern ganz prima ankommt… Bei uns gab es darauf die ersten Kommentare, dass Trump doch ein toller Geschäftsmann sei – und Uli Hoeneß für Deutschland sicher ein besserer Bundeskanzler sei als Merkel…

Die Zahl der Neuinfektionen stieg heute um 1.043 auf 4.838 bestätigte Infizierte. (8 Todesfälle) – Ein Drittel aller Fälle und über die Hälfte der Toten in NRW (Karneval!!!)

Südkorea meldet einen kontinuierlichen Rückgang der Infizierten-Zahlen.

Weltweit gibt es lt. RKI 157.000 Infizierte, davon die Hälfte in China. Italien liegt mit 21.000 an zweiter Stelle!

Zweiter Tag: Sonnabend, 14. März 2020

Wir sitzen in unserer freiwilligen Eigen-Quarantäne und arbeiten den größten Teil des Tages bei strahlendem Wetter im Garten. Unsere Kinder machen den ersten kleinen Einkauf für uns. Den ganzen Tag wird über nichts anderes gesprochen als über die Seuche. Es kursieren die ersten Verschwörungstheorien.

In Berlin gibt es eine kurze Irritation, um den ÖPNV. Eine unglückliche Formulierung legte nahe, dass der ÖPNV stark eingeschränkt werden solle – das trifft aber nicht zu!

Das kulturelle und gesellige öffentliche Leben ist jetzt vollständig eingestellt – in der Nacht noch sind alle Kneipen, Bars und Klubs geschlossen worden.

Wir fragen bei Freunden ab, wie sie die Situation erleben und was mit gemeinsam geplanten Unternehmungen der nächsten 2 Monate sein wird.

Die Zahl der Neuinfektionen stieg heute um gut 700 auf ca. 3.800 bestätigte Infizierte. (RKI – Ovid-19 Fallzahlen)

Erster Tag: Freitag, 13. März 2020

Dies ist der „Tag Null“, an dem unser Staat die volle Verantwortung für den Kampf gegen die Seuche  übernommen hat – nach einigen Wochen halbherzigen Taktierend und Abwartens: während bisher nur Veranstaltungen über 1000 Personen  verboten wurden, dann auch alle öffentlichen Kultureinrichtungen geschlossen wurden (Theater-Konzert-Museen) werden ab Montag, dem 16.3.20 alle Kitas und schulen geschlossen sein. Die Kanzlerin ist vor die Kamera – d.h. vor die Bevölkerung! – getreten und hat angekündigt, dass ALLES Notwendige getan werde, um sie (die Bevölkerung) gesundheitlich zu schützen und die wirtschaftlichen Folgen zu mindern, die daraus resultieren werden. Finanz- und Wirtschaftsminister kündigen massive Unterstützung der Wirtschaft an.

Im Fernsehen habe ich allen Ernstes ein Interview mit einem Fußball-Fan gesehen, der sich bitterlich über den Ausfall der Fußballspiele beklagte. Übrigens: man hat sich gegen die Durchführung von Geisterspielen entschieden, weil man ernsthaft befürchtet hat, dass sich dann 1000 – 2000 Fans während des Spieles außen vor der geschlossenen Arena versammeln würden!

Präsident Trump sperrt die Einreise nach USA aus der EU – nicht aber aus Großbritannien… das einzige Land in Europa, das keinerlei Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche unternimmt! Boris Johnson ist der Meinung, dass man in GB eine Herden-Immunität dadurch aufbauen kann, daß man die Bevölkerung ungehindert durchseuchen läßt! Ich bin mal gespannt, wie das dort ankommen wird. Trump Begründung: Die EU-Staaten sind Schuld daran, dass die Seuche die USA erreicht haben, weil sie so schlecht mit der Epidemie umgegangen sind

Es wird darauf hingewiesen, dass der Lieferverkehr zur Versorgung des Einzelhandels weiter läuft und sogar Sonntags ermöglicht wird.

Ein Rat: Trotzdem nicht vergessen ab-und-zu zu lächeln – zum Beispiel, wenn man in der Bahn versucht den richtigen Abstand zu den Mitfahrenden zu finden.

… oder zu schmunzeln:

Kennt Ihr den Beweis dafür, dass es am Meer viel NETTER ist als an den Bergen?

Bitte ankreuzen, was Du netter findest:

  • „Sie standen an den Hängen und Pisten.“
  • „Sie saßen an den Deichen und Küsten.“

 

Nichts bleibt …

Bleibt nichts?

ES IST DER AM SCHWERSTEN ZU ERTRAGENDE GEDANKE:

von allem, was mich jetzt – in der Vergangenheit – in der Zukunft ausmacht: BLEIBT NICHTS !

Was ich spreche, singe, rufe, schreie – zum Schluss vielleicht ächze und stöhne:

Es breitet sich nach allen Richtungen aus, wird an Kanten gebrochen und an Flächen reflektiert – verläuft sich in einer schwindenden Druckwelle, bis ein Schmetterlingsflügel es beiseite wischen kann… VANITAS… hat es ein Mikrofon aufgefangen, solange es darin eine messbare elektrische Schwingung erzeugte – ein Schallwandler an einem Speichergerät, Telefon, einer Alexa oder der Abhörleitung eines Geheimdienstes oder dem Archiv eines Funkhauses – auch umgewandelt in digitale Information: alles versinkt in der Masse aller Aufzeichnungen, Informationen – auch jenen, die rasend um den Planeten geschleudert werden (sinnlos vervielfältigt in multiplen Servern und Sicherungsmedien) – mein eigener Satz oder Ruf wird zerquetscht in der schieren Masse der rasend wachsenden Informations-Welle: Du glaubst Information sei schwerelos? – weit gefehlt: die gargantueske Informationsmasse pulverisiert Deinen Schrei bis schließlich ALLES vom überhitzten Planeten – überhitzt ALLEINE durch die exponentiell wachsende Informationsmenge, die auch Energie enthält – durch den Sonnenwind ins All geblasen wird – bis mein Schrei nach Äonen schließlich zusammen mit der anonymen Masse der anderen Schreie in irgendein schwarzes Loch gesaugt wird – und ein paar intelligente Wesen werden das beobachten und sagen: seht mal, wie schön… und wie klug WIR sind – aber es ist schwer zu ertragen, dass NICHTS davon bleibt… und auch diese Worte oder Gedanken werden dann weitere Äonen später …

Berlin, 15. Mai 2019 – ich-weiß-nicht-welche-Äone

Copyright Herbert Börger

Das fängt ja gut an – 321

Lesen Sie das Buch Qualityland von Marc-Uwe Kling (2017 bei Ullstein erschienen) nicht….

… wenn Sie keine Freude an satirisch-dystopischen Zukunfts-Phantasien haben! Wenn Ihnen das aber Vergnügen bereitet…

dann lesen Sie es unbedingt! … oder Sie warten auf den Film – behaupte ich hier einfach mal so: tatsächlich habe ich nämlich keinerlei Informationen, ob das geplant ist. Aber wenn ein Buch je danach geschrien hat, verfilmt zu werden, dann dieses!

Man braucht wahrscheinlich noch nicht einmal ein extra Drehbuch zu schreiben, sondern das Ding so wie es ist, in ein gutes Animations-Studio zu geben. Alleine die Charaktere: ca. 6-8 menschliche Wesen, unzählige durchgeknallte Androiden, außer Kontrolle geratene Künstliche Intelligenzen und defekte, aber sehr sympathische IT-Geräte… und einige Wesen, bei denen man sich nicht ganz sicher ist, zu welcher Spezies sie gehören. Da kann die Branche meines Erachtens unmöglich widerstehen!

Damit Sie meinen restlichen Sermon nicht unbedingt lesen müssen verrate ich hier gleich zusammenfassend worum es geht:

Durch eine konsequente Individualisierung der Geschäftsabläufe und der Medienangebote für den Einzelnen wird die Gesellschaft zu einer Anhäufung von in Blasen lebenden Narzissten und in der Folge davon wird jede Individualität beliebig  – und damit ausgelöscht.

Das erwarten sie ohnehin schon? Dann lesen Sie es aber trotzdem, weil es so klug und witzig gemacht ist. 

Aber der Reihe nach:

Wie kam ich an dieses Buch? Ich habe schon einmal berichtet, dass unsere Familie ziemlich rege über einen Messenger kommuniziert. In einem gesellschaftlichen Diskurs mit unseren drei Söhnen rief ich aus Begeisterung über die Beiträge dazu auf, dass wir gemeinsam einmal eine Geschichte über die Absurdität gesellschaftlicher Vorgänge schreiben sollten. Darauf kam sofort die Bemerkung des Jüngsten im Bunde: „Die gibt es schon! – Heißt Qualityland. – Du hast ja bald Geburtstag.“ So kam ich kurz danach an dieses Buch, das mir im Auftrage meines Sohnes von „TheShop“ (Lesart dieser Firma in Qualityland…) zugeschickt wurde …

Wenn Sie nicht auf den Film warten wollen, es folglich lesen werden, werden Sie es vermutlich nur  aus der Hand legen, um existenzielle Notwendigkeiten zu erledigen wie: bezahlte Arbeit, Kochen,  Essen (gut: dabei kann man weiterlesen… ist aber in Gegenwart von anderen Nicht-Androiden unhöflich), Stuhlgang (o.k – auch dabei….) und ggf. Geschlechtsverkehr.

Ich werde jetzt nicht die Handlung erzählen, denn die wäre einerseits sehr schnell erzählt – andererseits würde das der Geschichte nicht gerecht, weil diese eben im Wesentlichen durch ihre Vielschichtigkeit wirkt. Nur soviel sei verraten: Das Buch hat – wie alle dystopischen Zukunftsromane – Brave New World / Schöne neue Weltzur Mutter (oder Großmutter), den Genie-Streich von Aldous Huxley, der wie kaum ein anderes Buch der Weltliteratur ein neues, modernes Genre prägend begründet hat (wobei auch er natürlich in Grundelementen auf Vorgänger in der älteren Literatur – ab Plato und Sokrates – zurück greift).

Wenn Sie es dann ausgelesen haben werden, und Sie sollten so ein analoger Old-School-Typ wie ich sein, und angenommen Sie hätten noch ein Bücher-Regal, werden sie die schön gemachte Hard-Cover-Ausgabe (ich habe die helle, passt zu mir – es gibt auch noch eine „dunkle Ausgabe“ – man muss es nicht zweimal kaufen, sagt der Autor selbst!) in eben dieses Regal stellen. Dafür können Sie dann mehrere andere Bücher aus ihrem Regal aussortieren, deren Aussage „Qualityland“ gleich mit übernehmen kann:

  • den Simplex Simplizissimus
  • den Machiavelli
  • Peter Schlemihl
  • Michael Kohlhaas
  • Das Kapital
  • Das Godesberger Programm
  • Die Bibel

Eine eigenartige Begebenheit will ich aus meinem eigenen Lese-Erlebnis von „Qualityland“ doch noch preisgeben:

Als ich die letzten 100 Seiten des Buches las, war Martin Schulz gerade als SPD-Vorsitzender mit 81,9% bestätigt wurde…. Auf S. 297 sagt im Buch der Geschäftsführer von „What-I-Need“ (=Google): 81,92 Prozent unserer Nutzer treffen ungern große Entscheidungen.“

Ist das ZUFALL? Oder soll es sagen, dass die Wahl von Martin Schulz keine „große Entscheidung“ ist…? Hatten alle SPD-Delegierten vorher Qualityland gelesen?

Übrigens heißt dort der Chef der „Fortschrittspartei“ in Qualityland: „Marty Vorstand“…

Ist das alles wirklich Zufall?

Wie gesagt, steht das Buch jetzt bei mir im Regal – ich werde es weiter beobachten!

Aphorismus des Tages: „Wer nicht an die Zukunft denkt, wird bald große Sorgen haben.“ (Konfuzius, 551 – 479 v. Chr.)

„Shutdown“ im ganzen Land – wie geht es weiter? Leopoldina, übernehmen Sie!

Berlin, den 24. März 2020

In meinem parallel veröffentlichten (und täglich aktualisierten Seuchen-Tagebuch) schrieb ich heute:

Die Menschen brauchen jetzt Perspektiven, wie die Rückkehr zur Normalität organisiert werden kann. Und zwar sehr schnell! Darum muss sich die Politik kümmern – breit unterstützt von der Wissenschaft und Finanzexperten… Wozu haben wir die Akademie der Wissenschaften? Hier sitzen alle Fachrichtungen bereits organisiert zusammen! Wo es keine Modelle und Erfahrungen gibt, weil alles NEU ist, muss man alles in die Waagschale werfen. Das geht nur interdisziplinär!

Ich will hier einige Gedanken dazu zusammenfassen:

Die Antworten einzelner Experten auf die Frage, wie wir das Land wieder einschalten können, ohne in dieselbe Falle zu tappen, kann nicht von einer Fachrichtung kommen. Fragt man den Virologen, bekommt man eine Virologen-Antwort: in 1,5-2 Jahren hat sich die Epidemie (dieser einen Virus-Variante) totgelaufen … Fragt man den Kommunikations-Wissenschaftler, bekommt man Meinungsumfragen als Antwort: So viel Angst haben die Menschen auf einer Skala von 0 bis 7 …

Wenn wir jetzt im gegenwärtigen Zustand und Wissen abwarten würden, bis sich die Neu-Infektionsrate „Null“ eingestellt hat (unter der Annahme, die derzeitigen Maßnahmen reichten aus!) und lassen dann das U-Boot Deutschland wieder einfach auftauchen: dann trifft es irgendwo auf einen übriggebliebenen einzelnen Infizierten – und die ganze Prozedur würde nach 2 bis 3 Wochen wieder von vorne beginnen. Vermutlich.

Nach anderthalb Jahren einer solchen Prozedur im Stop-and-Go würden wir in einem bitterarmen Land aufwachen – neben lauter anderen genauso armen Ländern – RESET!

Bisher kennen wir nur die Infizierten-Zahlen aus ANLASSBEZOGENEN Tests (Symptome oder Kontakt zu einem Infizierten). Derzeit kennt niemand die Zahlen der wirklich infizierten Menschen bzw. der bereits immunisierten (mit vorhandenen Antikörpern).

Als Folge gibt es keinen anderen Weg, als die ganze Bevölkerung pauschal „wegzusperren“.

Wenn eine interdisziplinäre Experten-Gruppe nun die Wege zu einer wirtschaftlich vertretbaren schnellen Rückkehr unseres Landes zur „Normalität“ bei gleichzeitigem Schutz des Lebens aller finden soll, braucht sie ganz sicher aber vor allem eines: WISSEN! Wissen darum, welche Bevölkerungs- und Risiko-Gruppen in welchem Grade infiziert sind – wenn möglich auch bezogen auf jedes einzelne Individuum, das dann auch eigene Schlüsse bezüglich seines Verhaltens ziehen kann.

Dafür braucht man Tests – Tests – Tests … Millionen von Tests in möglichst kurzer Zeit müssen es möglich machen (nicht nur statistisch!) allen Menschen einen baldigen und sicheren Weg zurück zu Arbeit, Schule und Kita, Universität und Kulturleben zu ermöglichen, bevor ein Impfstoff verfügbar ist. Ich kann mir vorstellen, dass einzelne Wirtschaftsbereiche dann bald wieder fast normal arbeiten könnten, während die Hochrisikogruppe der Alten und Vorerkrankten am längsten in Quarantäne gehalten und möglichst durch NACHGEWIESEN nicht-infektiöse (vielleicht sogar immune?) Personenbetreuet werden.

Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass ich den Weg aus dieser schwierigen Lage heraus nur andeutungsweise wüßte – aber ich sehe die praktisch einzige Lösung darin, dass die Wissenschaftler aller Disziplinen gemeinsam jetzt entschlossen nach diesem Weg suchen.

Ich bin sicher, dass die Akademie der Wissenschaften in Deutschland und die Akademien  in vielen anderen Ländern sehen, dass sie hier gefordert sind! Das sind Fragen, die Politiker von Bund und Ländern nicht mehr „freihändig“ aushandeln können/dürfen.

Es swird sich sicher noch die Frage stellen, ob der Weg in die generelle Kontaktsperre und Bewegungseinschränkungen der einzige gangbare Weg war. Vielleicht hat unsere Regierung allzu EINÄUGIG durch die Virologen-Brille auf das Problem geschaut. Vielleicht wäre interdisziplinär verbundenen Wissenschafts-Pragmatikern aufgefallen, dass es mit unseren heutigen Möglichkeiten auch andere Optionen gegeben hätte. Wir leben immerhin 101 Jahre NACH 1919 … Ist Süd-Korea gerade dabei, dafür eine Blaupause zu liefern?

Hätte man vor 2 Monaten mit 5% des gegenwärtigen Scholz’schen Bazooka-Etats eine bessere Lösung finden können? (Massen-Schnell-Tests als oberste Priorität?) Wir wissen es nicht – aber wir sollten nun wirklich durch die Panorama-Brille auf unser Problem sehen.

Grundlegende Prozesse, wie die Rückkehr des Landes in eine NORMALE Situation möglich sein könnten, sollten dabei nicht nur entwickelt, sondern sehr zeitnah (wenigstens in Umrissen) auch zur Bevölkerung kommuniziert werden, denn die Ungewissheit, wie wir da wieder heraus kommen, ist für alle die größte Belastung.

Der Brandunburger Tor

 

Das fängt ja gut an! – Wenn das mal gut geht!

Ich wünsche allen, die diesen Blog lesen, ein gutes und friedliches Jahr 2020 – aber auch denen, die diesen Blog (warum auch immer) nicht lesen sollten …

Als Nachkriegskind (Jg 1945) möchte ich festhalten, dass ich mich nicht an einen Jahresbeginn erinnern kann, der so massiv besorgniserregend auf mich gewirkt hätte. Das Jahr, das nun Tag für Tag unaufhaltsam seinem Ende zustreben wird, ist gerade 7 Tage alt, und es beanspruchen bereits drei Ereignis-Komplexe mit gewaltigen aber in ihrer Tragweite nicht absehbaren Konsequenzen unsere Aufmerksamkeit. Wir wissen, dass wir in allen drei Fällen wenig Einfluss darauf haben:

  1. Der größte Neujahrswunsch von Boris Johnson wird wohl gesichert schon im Januar erfüllt werden. BREXIT will be a fact! Niemand weiß genau, was die Folgen sein werden.
  2. Der Oberbefehlshaber der größten Militärmacht unserer Welt wirft ein Zündholz in ein seit Jahrzehnten auch uns bedrohendes Pulverfass. Die ersten Berichte aus dem direkten Umfeld besagen, dass er keinen Plan hatte … außer vielleicht ein gewisses Absetzungsverfahren gegen ihn aus den Nachrichten zu „bomben“. Das ist ja zunächst mal sicher gelungen. Sogar wir „Normalbürger“ wissen, dass eine Krise schnell geschaffen ist – dass Krisenmanagement aber ein ganz besondere Umsicht und Weisheit erfordert – und manchmal auch die Bereitschaft, Rat einzuholen.
  3. Auf unserem südlichsten Kontinent scheint Rat auch immer teurer zu werden und (gutes) Krisenmanagement eine heiß ersehnte Eigenschaft. In Australien brennen RIESIGE Flächen seit Wochen – mindestens eine kontinentale Katastrophe (oder mehr?). Die deprimierende Erkenntnis für den modernen Bürger, der gewöhnt ist sich darauf zu verlassen, dass die Gemeinschaft in der Lage ist ihre Glieder zu schützen und mit allen Bedrohungen letztlich gut fertig zu werden: diese Brände können nicht gelöscht werden – sie werden brennen solange sie eben brennen.

Hoffen wir, dass die letzte deprimierende Erkenntnis aus Australien nicht auch für das Brexit-Abenteuer und das Pulverfass des Nahen Ostens gilt!

Möge der helle Funke der Weisheit den Geist der Regierenden erhellen!

Sie werden ihn benötigen!

Berlin, 07. Januar 2020

Die Abenteuer des Victor Lustig

Die Abenteuer des Victor Lustig

oder: Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte!

Ein Live-Hörspiel der Lauscherlounge

(Premiere 27.09.2019 in der ufaFabrik, Berlin)

Dies ist der Versuch einer Hörspiel-Kritik (meiner ersten). Sie wird völlig objektiv und frei von jedem Interessenskonflikt verfasst, obwohl – nein: WEIL einer der Autoren und Sprecher der Hauptfigur (Victor Lustig) mein Sohn ist:  Ich beurteile meine Kinder stets gnadenlos kritisch, sachlich und emotionslos…

Was war das gestern Abend?

  • ein Zeit-Drohnen-Flug durch die ersten Lebens-Jahrzehnte eine Mannes, genauer gesagt: eines Hochstaplers und Betrügers aus Passion?
  • Ein Spaziergang über/durch die Salons, Boulevards, Casinos und … am verrückten, überdrehten Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika?
  • Eine präziser Meisterkurs für Hochstapelei und Betrug?

Es war: alles drei!

Zum dritten Punkt muss ich klar feststellen: die 18 EUR für den Preis der Eintrittskarte waren für jemanden, der auf dem Gebiet des Hochstapelns Fortbildungsbedarf hat, eine lächerlich geringe Investition, aus der er im Handumdrehen einen zig-tausendfachen Profit machen kann – wenn er will. Für meine Frau und mich muss ich sagen, dass man nach einer erheblichen gelebten Lebensspanne einiges davon wußte – aus eigener, leidvoller passiver Erfahrung! Aber immerhin: es war auch für uns immer noch beeindruckend aufgrund der großartig systematischen und didaktisch geschickten Methodik. Man bedenke, dass man hier an einem lehrreichen Abend etwas lernen konnte, für das man sonst ein halbes Jahrhundert eigenes Lebens einsetzen muss!

Der mittlere Punkt offenbarte ein ganz großes Genuss-Erlebnis: der Zuhörer stehe alle paar Minuten wechselnd plötzlich als „Beobachter“ in einem Ballsaal, Salon, auf einem Boulevard, in einem Restaurant etc.: um mich herum spannt sich der jeweilige Raum mit unterschiedlicher Weite und Akustik auf – die Dialoge sind auf die natürlichste Weise darin eingebettet. Ich schreibeb ganz bewußt „Beobachter“ – obwohl es ja ein Hörspiel ist – denn mit jeder Szene, die dort akustisch vor uns aufgeblättert wird, projiziert das Gehirn munter und farbenfroh die Bilder der jeweiligen Situation, und es (das Gehirn) schein großen Spaß daran zu haben!

Um diese Erfahrung richtig einzuordnen, will ich kurz beschreiben, womit man als Besucher des Ereignisses „real“ konfrontiert ist:

wir sitzen in einem ganz normalen Theatersaal mit gut 200 Plätzen auf bequemen Stühlen. Die breite Bühne ist völlig schwarz gehalten. An der Hinterwand die Stühle für die Sprecher, an der Bühnen-Rampe die Lesepulte mit Leselampen für die Sprecher.

Rechts davon die beiden Musiker, Schlagzeug und Keyboards.

Links von den Sprechern „haust“ der Geräuschemacher in einem auf den ersten Blick chaotisch wirkenden Gerümpel… das aber tatsächlich eine hoch effizient organisierte Geräuschmaschine darstellt, deren größte Kunst darin besteht, mit so minimalem Bewegungsaufwand zu arbeiten, dass der auf die Story konzentrierte Zuhörer diese Aktivitäten überhaupt nicht wahrnimmt.

Und schließlich stehen die Sprecher direkt vor uns – in aller ihrer mitmenschlichen Normalität: ohne Kostüme und ohne „Maske“. Nichts lenkt unser Gehirn davon ab, den Verlauf der Geschichte selbst prachtvoll zu illustrieren.

Interessant wäre es, zu vergleichen, welche Kosten die Produktion derselben Story in einem Film verursachen würde, im Vergleich zu den Kosten dieser Live-Hörspiel-Produktion. Dabei ist nicht einmal gesichert, dass die Visualisierung, die der Regisseur im Film erzeugt, alle Zuschauer gleichermaßen beglücken würde, wie es die individuelle Visualisierungs-Leistung des jeweiligen Gehirnes im Hörspiel tut.

Gestern Abend war alles aufeinander abgestimmt: ein hervorragendes, professionelles Sprecher-Team, perfekt aufeinander abgestimmte Ebenen von Sprache, Geräusch und (last-but-not-least) Musik – und eine wirklich gute Story.

Bleibt mir, den erste Punkt zu hinterfragen: der Begriff „Drohnen-Flug“ durch die Lebensgeschichte des Victor Lustig gibt mein Erlebnis dieser Performance wieder. So flott und stimmig wie diese Geschichte erzählt wird, kann man nur zu einem Schluss kommen: hier waren  mit dem Autoren-Duo zwei Dramaturgie-Freaks am Werk! Dieser „Zeit-Drohnen-Flug entrollt ein lückenloses Panorama, das uns mit der erschütternden Erkenntnis zurück läßt: dass wir alle irgend wie auch Victor Lustig sind

Kleine Bagatell-Fehler erhöhen nur den Eindruck des perfekten Werkes: die richtige Zuordnung von Magnetpolen kann man für zukünftige Performances leicht korrigieren… und die von Elmar Börger nicht wahrgenommene ausgestreckte Hand von Oliver Rohrbeck ging prima als „Running-Gag“ durch!

Weiter so…

Copyright Herbert Börger, Berlin, 28. September 2019

Der Brandenburger Tor

Diese Wunde heilt nicht…

… in meiner Lebenszeit.

Immer wieder stellen sich Menschen die Frage, was wäre wenn… man 12 Jahre in der deutschen Geschichte ungeschehen machen könnte?

Ich liebe Gedankenexperimente, aber: diese Frage ist sinnlos – und vor allem kontraproduktiv. Bei mir (*1945) bricht der „Wundkomplex 1933-1945“ immer wieder spontan aus den verschiedensten Anlässen auf.

Als Foto- und Optik-Liebhaber (mit dem Blog „fotosaurier.de“) ist eine Sternstunde der fotografischen Optik die Konstruktion der „Ernostar“-Objektiv-Serie (1922) durch den jungen Optik-Konstrukteur Ludwig Bertele (*1900) bei der Firma Ernemann in Dresden – verbaut in den Ermanox-Kameras, deren Innovation darin bestand, leicht und handlich transportabel zu sein. Die Innovation der Optik bestand darin, sehr lichtstark mit hoher Abbildungsgüte zu sein (s. meine Ernostar-Artikel im Blog www.fotosaurier.de). Bertele leitete aus dem Ernostar kurz danach unter dem Dach von Zeiss das „Sonnar“ ab (und konstruierte später auch das „Biogon“).

Die Vorteile von Ermanox-Kamera und Ernostar-Objektiv nutzte der Zeitgenosse Dr. Erich Salomon (*1886) dazu, den Photojournalismus zu „erfinden“ (d.h.: er tat das einfach!) – noch ehe die Leica 1926 auf den Markt kam.

Salomons frühe journalistischen Zeugnisse der Fotografie aus dem Bereich der Politik und Gesellschaft sind heute bedeutende Kulturgüter. Das kreative Potential der beiden hochbegabten Menschen Bertele und Salomon interferierte sozusagen in der Existenz dieses frühen Optik-Produktes und beide Menschen bereichern die Welt mit ihren Ideen und Fähigkeiten.

Allerdings:

Der eine – Ludwig Bertele – durfte ein erfülltes, erfolgreiches Leben führen und starb hoch betagt 1985 in der Schweiz.

Der andere – Erich Salomon – wurde 1944 in Auschwitz ermordet, weil er jüdischer Abstammung war. Ich bin Deutscher – wie auch Salomon Deutscher war. Der Mord an Salomon geschah also „in meinem Namen“…

Dies kann ich meinen Vorfahren, die das aktiv taten oder zumindest geschehen ließen (ja: auch unter aktiver Mithilfe gleichgesinnter und opportunistischer Menschen in vielen Nachbarstaaten!) nicht verzeihen.

Ich habe mein Leben genossen und genieße es noch, aber die Wunde heilt nicht und ich sehe es als meine Pflicht an, mit dazu beizutragen, dass das Bewusstsein wach gehalten wird, dass der Mensch offensichtlich – auch – eine Bestie ist oder sein kann. Es erfordert die Anstrengung unser aller, den erneuten Ausbruch dieser Eigenschaft zu verhindern – es kann jederzeit wieder passieren!

Herbert Börger

Berlin, 23.September 2019

Copyright Der Brandenburger Tor

 

AKK

Dies ist mein erster und gleichzeitig letzter Blog-Text zur derzeitigen Noch-Parteivorsitzenden der CDU.

Ich beginne mit einer Empfehlung an Frau Kramp-Karrenbauer: packen Sie alle widersprüchlichen Äußerungen, zu denen Sie Ihr politisches Bewusstsein drängt in EINE Mitteilung – Sie sparen sich und uns die dazwischen liegende und folgende Diskussion.

Sagen Sie also: Ich muss hier doch auch mal sagen dürfen, dass Meinungsäußerungen gegen und zum Schaden der CDU verboten gehören (meine Meinung! darf ich sagen!) – gleichzeitig wäre es natürlich absurd, wenn ich so etwas sagen (und erkennbar meinen) würde: also hören Sie einfach mal weg, wenn ich mit DIESEM Gesichtsausdruck etwas sagen will… und das noch montags!

Es handelt sich um die altbekannte Situation: „Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph geblieben!“ (Wie zum Beispiel manche Lehrer oder Hochschulassistenten bei Prüfungen über mich MEINTEN: wir haben den Eindruck, dass Herr Börger viel mehr weiß, als bei dieser Prüfung zum Ausdruck gekommen ist!). Antwort der Delinquentin: ich bin keine Philosophin und will auch keine werden – also rede ich! Eine Nachsicht seitens der Prüfer scheidet damit aus …

Es ist eigentlich auch schon (fast) alles gesagt: wer eine solche Vorsitzende hat, braucht keine AfD, die „Lügenpresse“ brüllt. Alle anderen Fragen muss sich eben doch die politische Vereinigung beantworten, die sich diese Frau zur Vorsitzenden erwählt hat.

Copyright Der Brandenburger Tor, Berlin, 28.5.2019

Herbert Börger

P.S. (29.05.2019) – Jetzt ohne Satire: Bei genauerer Betrachtung komme ich zu dem Schluss, dass aus AKKs Äußerungen die Angst vor diesem unheimlichen Medium „Internet“ spricht. Daher die neue, ehrliche Empfehlung: Wissen über eine Sache kann die Angst besiegen – wie bei den meisten Dingen auf der Welt …

Mein Löwenzahn-Faschismus

Offener Brief an Bettina Weiguny,

Berlin, den 5. Mai 2019

(Betr.: Ihre Kolumne „Balance-Akt“ vom 5.5.2019)

Liebe Frau Weiguny,

erlauben Sie, dass ich Ihnen zu Ihrem heutigen Kolumnen-Thema „Löwenzahn“ einen (kompetenten!) Hinweis gebe. (Ja, ich habe verstanden, dass es IHNEN weniger um den Löwenzahn geht als ums Allgemeine im übertragenden Sinne….)

Sie argumentieren ja sehr schön, dass der „Einzelne“ eben doch sehr viel bewirken kann – und das gilt ja auch für den Löwenzahn, der aus einer einzigen Wurzel an einem Standort pro Jahr aus mehreren Blüten und Blühperioden eine Unzahl von Samenkörnern erzeugt und entsendet. Darüber hinaus hat er ein Samentransportsystem entwickelt, das über leiseste Luftbewegungen – und vor allem auch Thermik! – den Samen einen Aussende-Radius von vielen (oft sogar hunderten!) Kilometern verleiht!

Ein für mich als Physiker und Ingenieur bewundernswertes, robustes System – genial wie so vieles, das die Natur hervorbringt.

Allerdings sind in dem wunderbaren Garten meiner Frau (den ich als Helferlein mit anlegen durfte) Löwenzähne als Spezies trotz aller bewundernswerten Eigenschaften nicht vorgesehen…

Deshalb richte ich den gesamten mir – wie allen anderen Menschen – innewohnenden Faschismus gegen diese Pflanze, sobald sie sich INNERHALB dieses Gartens zeigt! (Außerhalb des Gartens bewundere ich sie nach wie vor.)

Dank meines virulenten Anti-Löwenzahn-Faschismusses ist dieser Garten löwenzahnfrei!

Dabei blüht er entlang der Straße vor unserer Hecke überall. Das rechte Nachbargrundstück liegt brach und verwildert – auf dem linken wird er von der Nachbarin geduldet.

Und trotzdem ist unser Garten frei von Löwenzahn, da ich als Einzelner mich dagegen stemme.

Sie zerstören aber zum Schluß die Logik Ihres gut begründeten Gedankenganges: indem Sie nun selbst doch zum Unkrautstecher greifen, obwohl Sie dafür keine eigene Motivation besitzen. Lassen Sie das – ihr Nachbar kann als Einzelner auch mindestens das bewirken, was ich mir zugemutet habe. Oder haben Sie Angst, dass er seinen Faschismus gegen Sie ausleben könnte anstatt gegen die verursachende Pflanze? Sagen Sie dem Nachbarn: er schaffe das! – dieser Satz löst heute in weiten Teilen der Bevölkerung große Freude aus!

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Frühjahr!

Ihr

Herbert Börger

Copyright Der Brandenburger Tor, Herbert Börger, Berlin 6.5.2019

Tag der Arbeit (1.Mai)

Work-a-holic

Ein (Selbst-?) Gespräch…

Ein Workaholic – das ist ein Mensch, der muss immer arbeiten – das ist bei dem krankhaft! Soll es geben!

Ja!

Das Problem habe ich glücklicherweise nicht. Klar – ich arbeite auch schon viel. Aber: ich arbeite halt gern! Das ist ja nicht krankhaft, oder zwanghaft, wenn man das eben gerne tut.

Nein?

Nee – ich muss mich ja nicht zwingen, nichts zu tun. Ich kann auch schon einmal nichts tun – einfach so!

Wann ich das letzte mal nichts getan…? Ja, warte mal – also ich könnte jetzt je-der-zeit einfach mal nichts tun!

Jetzt?

Gut, das wär’ jetzt gerade schlecht, ich müsst’ jetzt noch mal kurz ins Büro – nur ne Kleinigkeit – höchstens eine halbe Stunde, aber wär’ schon wichtig!

O.k. – wenn du meinst – kein Problem – tu ich jetzt gleich mal nichts…

Obwohl – bei manchen ist das doch auch schon richtig krankhaft: die müssen dauernd Urlaub machen, regelrecht zwanghaft! Kaum ist es noch nicht mal richtig Sommer – schwups – haben die was gebucht!

Und dann müssen die da natürlich hin fahren, obwohl sie quasi gerade aus dem Winterurlaub kommen.

Zwanghaft! – sag ich dir. Und deretwegen komme ich dann hier auch nie weg, selbst wenn ich wollte.

Also: da sagte meine Frau dann: Entweder fahren wir übermorgen für zwei Wochen in Urlaub, oder ich bin weg!

Hab’ ich kein Problem damit. Ist ja auch verständlich. Vier Jahre hatte ich ohne Urlaub durchgezogen – knallhart – macht mir nichts aus!

Also wir hängen uns an die Strippe, Telefon… Internet… die meisten haben nur gelacht – oder gefragt: in drei Tagen wollen Sie kommen? Vielleicht versuchen Sie es in drei Jahren noch mal, vielleicht ist dann gerade jemand gestorben … sehr komisch!

Und das ist nur wegen der vielen Leute, die zwanghaft ständig Urlaub machen.

Warum müssen wir auch weg fahren?

Zuhause kann man genauso nichts tun!

Das war dann auch richtig nett.

Also: wenn ich mal gar nichts tue, dann habe ich immer die besten Ideen.

Telefoniert habe ich dann trotzdem nur ganz wenig – nur ausnahmsweise – mit dem Büro: nie vor neun und selten nach fünf!

(!!!!!)

Also, trotzdem finde ich das doch blöd, einfach nichts zu machen, nur damit man nicht für einen Workaholic gehalten wird.

Irgendwie zwanghaft…

Stell dir vor: ein Nobelpreisträger – wenn der – gerade als er den entscheidenden Einfall hatte – beschlossen hätte: nöö, jetzt tue ich gerade mal nix!

(????)

Jedenfalls finde ich das albern, ohne Grund – nur wegen der Verdächtigung, man könne nicht nicht arbeiten, nicht zu arbeiten…

Also, wenn man einen Grund hätte – z.B. verengte Herzkranzgefäße – oder mein Magen würde sich selbst verdauen…. O.k. – muss man vorsichtig sein, gelt!

Aber ich bin kerngesund – und wie du ja gerade siehst, kann ich auch einfach mal nichts tun!

Was sagst du? Von 15 Minuten hätte ich 14 dazu benutzt zu rechtfertigen, warum ich immer arbeite?

Ich glaube, du erträgst es einfach nicht, wenn ich mal nicht deiner Meinung bin!

(Klirr!)

Du, das ist das Geschirr, das uns meine Mutter zur Hochzeit geschenkt hat! Was heißt das: eben drum?

Ein Workaholic ist ein Mensch ohne inneren Schweinehund?

Was ist – bitte – falsch daran, wenn man keinen inneren Schweinehund hat?

Wieso soll ich mir so ein Tier anschaffen, nur um dann vergeblich zu versuchen, es wieder los zu werden?

Da bleibe ich doch lieber Workaholic, ehe ich mir so was aufhalse!

Copyright Herbert Börger, 1. Dezember 2009

Der Abschied der alten Dame SPD – Arbeit getan, Partei überflüssig?

Die Parteien-Landschaft in Deutschland ist in Aufruhr, vielleicht wirklich im Umbruch. Ist dies ein temporärer Wirbel oder ein grundlegender Prozess? Vieles spricht für das letztere: es liegt nämlich in einem Trend (international) und der läuft derzeit in der entgegengesetzten Richtung wie seinerzeit der „Genosse Trend“, der im Wahlergebnis 1972 kulminierte.

Wahlforscher und Soziologen stellen regelmäßig fest, dass der Trend einen größeren Einfluss hat als die jeweiligen Parteiprogramme oder Wahlkampf-Strategien sowie Politiker-Reden. Eine solche Feststellung ist allerdings weit entfernt davon, die Phänomene zu erklären!

Eine hervorragende Analyse des SPD-Niedergangs haben Ralph Bollmann und Patrick Bernau in der FAS vom 21.102018 geliefert. Sehr lesenswert! Kurz gefasst: die ursprüngliche Stärke der SPD wird nun zu ihrem Debakel. Sie hatte ein extrem breit gefächertes Wählerspektrum, und aus diesem laufen die Wähler nun buchstäblich in ALLE Richtungen weg. Die Autoren zeigen das an einer Vielzahl von Einzel-Prozessen auf, woraus man schließen kann, dass die SPD seit den 1990er Jahren nicht mehr viel richtig gemacht haben kann. Das scheint mir fast alles sehr fundiert (bis auf die Hartz-Argumentation…).

Aber worin liegt der gemeinsame Nenner in diesem Prozess?

Aus meiner Sicht könnte man es folgendermaßen zusammenfassen: die Arbeitnehmerpartei, die vorrübergehend (nach 1970) auch das extrem stark wachsende Akademiker-Lager (Intellektuelle) binden konnte und gleichzeitig von Teilen der Unternehmerschaft gestützt war, hat ihre Arbeit weitestgehend getan: in über 150 Jahren SPD-Geschichte sind die Arbeitnehmer-Rechte (in Deutschland noch gestärkt durch das Mitbestimmungsprinzip, über dessen positive gesellschaftliche Rolle bis heute Konsens besteht!) auf einem sehr hohen Stand angekommen (mit Ausnahme der Gender-Pay-Gap). Was derzeit auf diesem Gebiet noch weiter „abgearbeitet“ wird sind Optimierungen, die meistens ohne wesentlichen Kampf gegen konservative Kreise durchsetzbar sind. Gegen die umfassende Bedrohung des bereits Geschaffenen durch die Globalisierung hat die SPD kein schlüssiges Konzept (wie auch sonst niemand bisher).

Diese Optimierungs-Prozesse im Bereich der Arbeitnehmer-Rechte (und diese allerdings zunehmen handwerklich-gesetzgeberisch schlecht gemacht!) reichen heute bei weitem nicht mehr als Markenkern einer solche Volkspartei aus. Ein neues Konzept ist nicht erkennbar – ganz im Gegenteil: Führung und Teile der „Basis“ mahnen an, die Partei solle stärker wieder zu ihrem „alten Markenkern“ zurückkehren, sind also rückwärts gewendet. Das würde aber den Prozess der Marginalisierung noch einmal beschleunigen, denn das ist ein abgelutschter Kern, auf dem kein Fruchtflleisch mehr ist!

Ohne jedes Konzept und fast ohne Gegenwehr hat die SPD aus Ihrer vorübergehenden Stammwählerschaft sehr früh die Intellektuellen an die Grünen verloren (und damit jede Chance, das Thema Umwelt noch einmal für sich zu reklamieren) und hat sehr alte Stammwählerbestände an die Linken (nach Abspaltung der WASG, die sich mit den SED-Nachfolgeresten PDS vereinigte) verloren. Es ist auch festzustellen – und dies ist sicher gravierend – dass eben gerade die SPD es nicht verstanden hat, die Chancen der Wiedervereinigung zu nutzen. Die Ost-Wählerpotentale in PDS und Bündnis90, die ihr theoretisch nahe gestanden hätten, gingen ihr nachhaltig verloren.

Wer allerdings bei dem Thema Niedergang der SPD die AfD mit ins Spiel bringt, tut sich wirklich keinen Gefallen: die Ursache für die Abwanderung von Wählern zur AfD liegt nicht in der AfD sondern in der SPD!

Die SPD bräuchte dringend ein wirklich tragfähiges gesellschaftspolitisches Thema. Dies ist allerdings nicht in Sicht – wie auch: diese Weichen hätten vor 25 Jahren gestellt werden müssen.

Der klassische Bereich der Arbeitnehmer-Rechte ist in unserem Sozialstaat inzwischen gesetzlich verankert, Mitbestimmung und Gewerkschaften sind ein funktionierendes System, das – soweit erkennbar – niemand in Frage stellt.

Die Schwerpunkte der „sozialen Frage“ haben sich inzwischen sehr deutlich weg von den Arbeitnehmerrechten verschoben – dies kann ja nicht unbemerkt von der SPD geschehen sein … Meiner Meinung nach sind diese Themen heute und in Zukunft:

  • Demographie (seit den 1960ern absehbar!)
  • Globalisierungsfolgen (spätestens seit den 1990ern absehbar)
  • Umwelt/Klima (seit den 1970ern absehbar)
  • Kluft Arm/Reich (ein schwieriges weltpolitisches Dauer-Wirtschafts-Thema)

Vor 25 Jahren hätte sich die SPD weise vorausschauend zwei dieser Themen auf das Banner heften können um zäh und geduldig auf den Moment hin zu arbeiten, in dem sie schmerzhaft den Nerv der Bürger treffen würden … und die Partei die nötige Kompetenz für diese Themen besessen hätte. Nun bleibt der SPD anscheinend wirklich nur noch die „Kompetenz“ der sozialen Feinjustage (und ein bissel Europa .. aber dies kein USP!) – dies ist aber nichts, was die Bürger zu einem Kreuz auf dem Wahlzettel motiviert. Der sagt vielmehr hierzu: „Nicht gemeckert ist genug gelobt.

Ich stimme Bollmann/Bernau in einem weiteren Punkt zu – und der erscheint mir ebenfalls maßgeblich an dem Marginalisierungstrend dieser ehemaligen Volkspartei schuld zu sein: das Personal!

Es fehlt dem heutigen SPD-Führungspersonal (nicht erst heute) ausreichender Erfahrungs-Bezug zum „wirklichen Leben“ der Menschen in Wirtschaft, Industrie, Finanzwesen, Gesundheitswesen, Verwaltung, Handwerk und Kunst. Schon lange hat das Personal überwiegend innerparteiliche Lebensläufe, die in der Jugendorganisation begannen und sich von Wahlkampf zu Wahlkampf im Klein-Klein verloren haben – und im innerparteilichen Wettbewerb zu den Spitzen der Organisation. Ein großer Entwurf war hier schon lange nicht mehr möglich. Seiteneinsteiger mit entsprechend relevanter Berufserfahrung haben in dieser Partei schmerzhafte Erfahrungen machen müssen.

Also: Die Arbeit dieser Partei ist getan – neue Themen nicht in Sicht – Partei überflüssig?

Ich glaube: ja!

Der Brandenburger Tor, Berlin, 13.10.2018

Herbert Börger