Das fängt ja gut an – 302

Serien gucken? – Woher nehmt Ihr die Zeit?

Nehmen Sie dies gerne als Hilferuf… über Ratschläge würde ich mich durchaus freuen!

Ich bringe denkbar schlechteste Voraussetzung zum Serien-Gucker mit: Als die erste mir im nachhinein bekannt gewordene TV-Serie „Ein Herz und eine Seele“ ab 1973 zu sehen war, war ich gerade in das „richtige“ Berufsleben eingetreten, arbeitete viel und war viel auf Geschäftsreisen. (Heute natürlich Kult – damals am Tag der Ausstrahlung vor Publikum gedreht – anfangs noch schwarz-weiß.) Zu Zeiten von Dallas (dt. ab 1981) habe ich dann noch viel mehr gearbeitet… außerdem habe ich diese Serie gehaßt! Ganz entkommen bin ich ihr dennoch nicht.

Ab er so ging es immer weiter – sollten Sie jemanden suchen, der über TV-Serien früherer Jahrzehnte bescheid weiß: fragen Sie nicht mich! Sogar bei Zwei-Teilern habe ich meistens den zweiten Teil verpasst!

Als Krönung des sprachlichen Unfugs, las ich dann vor einigen Monaten von einer „Mini-Serie“ im Fernsehen: sie hatte 2 (in Worten: zwei) Folgen!

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, dass der Begriff „Film“ für einen Film mit nur einer „Folge“ ausgestorben sein wird – zugunsten des Begriffs „Mikro-Serie“ … Diese Art der Euphemismen ist die neue Form der Folter für ein „denkendes Hirn“ – das alles hatte mal mit dem Begriff „Null-Wachstum“ begonnen – und schon bevor irgendein Kabaretist das aufs Korn hätte nehmen können gefolgt von „Negativ-Wachstum“.

Aphorismus des Tages: „Stellt Euch vor, es ist Vollbeschäftigung – aber keiner geht hin? Das ist der Albtraum den uns alle Konservativen bezüglich des Grundeinkommens suggerieren wollen …“ (Der Brandenburger Tor)

Herbert Börger

© Der Brandenburger Tor, Berlin, 29. Dezember 2017